Der NSU-Prozess in München verzeichnet bis jetzt bereits über 200 Verhandlungstage. Ich muss zugeben, dass ich dieses gerichtliche Trauerspiel nicht täglich mitverfolge und nur rudimentär über die bisherigen Erkenntnisse Bescheid weiß. Wären allerdings bahnbrechende Ergebnisse zu vermelden gewesen, hätte ich das sehr wohl mitbekommen. Es wird aber nichts vermeldet.
Wenn ich die Protokolle auf NSU-Watch nachlese, ist das eine eher mühsame Angelegenheit, was sowohl an den ausgesagten Erinnerungsfragmenten, als auch an der nicht besonders ausgefeilten Sprache der Protokolle liegt. Das ermüdet und bringt mich nicht wirklich weiter.
Weiter gebracht hingegen, was die möglichen Beweggründe des NSU und die Vorgänge in der rechten Szene angeht, hat mich die grafische Reportage Weisse Wölfe von David Schraven und Jan Feindt. In harten schwarzweißen Panels, denen oftmals stark gerasterte Fotos zugrunde liegen, erzählen die Autoren von der Recherche eines Journalisten in der rechten Szene. Er will ergründen, warum die Thüringer Terrorzelle gerade in Dortmund einen unschuldigen Türken ermordet hat. Er taucht tief in die Szene ein, redet mit einem rechten Aussteiger, der seinen Weg vom orientierungslosen Punk zum knallharten Skin erzählt, trifft einen Verfassungsschützer, der von ermittelten, aber der Öffentlichkeit unterschlagenen Erkenntnissen berichtet. Daneben zitieren Schraven und Feindt aus dem verbotenen rassistischen Roman „The Turner Dairies“ von 1978, der in der rechten Szene als Blaupause für den rassistischen Untergrundkampf gegen das System gehandelt wird.
Die Lektüre ist durchaus anstrengend, denn die vielen Infos fordern den Leser enorm und manches ist erzähltechnisch etwas verwirrend. Zudem macht der Lebensweg des Punks hin zum Skin ziemlich wütend und ratlos. Dennoch ist der Erkenntnisgewinn, wie die rechte Szene tickt, sich organisiert und sich finanziert, extrem wertvoll. Schravens Recherchen und Schlussfolgerungen erklären eindrücklich, dass die Neonazis sich inspiriert durch die Turner Dairies europaweit dem führerlosen Krieg gegen das System verschrieben haben – wovon der Verfassungsschutz und die Regierungen durchaus wissen, es aber gepflegt ignorieren und klein reden. Ernsthaft, man könnte kotzen, nachdem man Weisse Wölfe gelesen hat. Sowohl wegen des einen, als auch wegen des anderen.
Zum Glück lässt das Recherchebüro CORRECT!V, zu dem David Schraven gehört und in dem die Graphic Novel erschienen ist, einen nicht mit diesem Frust allein, sondern schlägt auf ihrer Website http://weisse-woelfe-comic.de/ fünf Maßnahmen vor, wie man gegen gewaltbereite Nazibanden antreten und ihre Organisation aushöhlen könnte. Zwar habe ich keinen Einfluss auf die Ausbildung in der Polizei und die Arbeit der Finanzämter, aber virtuell kann ich denen durchaus #AufDieStiefelTreten.
Damit dieses Wissen um Strukturen und Hintergründe möglichst viele erreicht, haben die Macher die Graphic Novel auf ihrer Website auch kostenlos ins Netz gestellt. Mögen viele dorthin surfen, aber mögen noch viel mehr diesen Comic kaufen, denn auch so ein Werk entsteht nicht aus dem Nichts …
David Schraven/Jan Feindt: Weisse Wölfe. Eine grafische Reportage über rechten Terror, Nachwort: Thomas Kuban und David Schraven, CORRECT!V, 2015, 225 Seiten, 15 Euro










Nun ist 2L8 also seit ein paar Wochen auf dem Markt und alle Fans von Vale, Marco und Mirko können die Irrungen und Wirrungen dieser drei weiterverfolgen, denn eigentlich ist Vale mit Mirko zusammen, doch dann erfährt sie, dass sich Marco verletzt hat … Ihre Gefühle fahren Achterbahn … Ich verrate hier natürlich nicht, wie es ausgeht, aber Valentina F. macht es spannend und entführt die Leser in Mirkos verwunschenes Geheimversteck im Herzen Roms und besucht mit ihnen die Filmstadt Cinecittà.







Meine Wahl ist dieses Jahr auf die Graphic Novel Come Prima von Alfred aus dem Reprodukt Verlag gefallen. Erschienen im vergangenen Jahr und gleich ausgezeichnet als „Bestes Album“ auf dem Comicfestival von Angouléme stand es schon länger auf meiner Wunschliste und jetzt verbinde ich also das Schöne mit dem Coolen und freue mich auf einen vergnüglichen Lesenachmittag. Der erste Daumenkinoblick in das Buch verspricht Kunstgenuss, Road-Comic, eine intensive Brüder-Familien-Geschichte und Italien … Was will man mehr?

