Bitterer Honig

Erster Teil: Lill-Miriam versteckt sich auf dem Dachboden ihrer Schule. Der Alarm heult, Sirenen schrillen, bohren sich wie Granatsplitter in ihren Kopf: „Die Geräusche zerquetschen mein Gehirn.“ Sie beobachtet durch die Dachluke, wie ihre Mitschüler von Menschen in weißen Schutzanzügen in Busse gescheucht und weggefahren werden. Sie versteht nicht, was vor sich geht. Sie ist nicht wie die anderen, lässt sich nicht wie Schlachtvieh abtransportieren. Sie identifiziert sich mit einer Biene. Ihr Versteck ist ihre sichere Wabe. Sie kennt sich gut aus mit Insekten, insbesondere Bienen, deren soziale Ordnung und Fähigkeiten sie bewundert. Und deren Honig sie liebt. Süßes gegen die Bitterkeit. Sie denkt nach, assoziiert, erinnert sich, auch an das, was ihre Mitschülerinnen ihr angetan haben, und an den Jungen, der sie gerettet hat.

Zweiter Teil: Auch Susan erinnert sich an das, was sie den „Vorfall“ nennt. Sie war eine der Peinigerinnen. Sie ahnt, dass Lill-Miriam sich jetzt in großer Gefahr befindet. Es hat einen Giftgasunfall in der Fabrik gegeben, die Schule und alle umliegenden Gebäude wurden evakuiert. Sie hat gesehen, dass Lill-Miriam nicht wie die anderen nach draußen gerannt, sondern gegen den Strom gelaufen ist, hat die angsterfüllten Augen des Mädchens gesehen. Augen, die sie an ihre Schuld erinnern. Kann und soll sie jetzt versuchen, Lill-Miriam zu helfen?

Dritter Teil: Auch Ruben sorgt sich um Lill-Miriam. Er denkt an ihre erste dramatische Begegnung, dem noch einige ganz besondere Momente folgten. Lill-Miriam ist anders. Eine Außenseiterin, wie auch er, der erst vor einigen Jahren von Kuba nach Norwegen gezogen ist, in die Heimat seines Vaters. Er versucht, das Mädchen zu verstehen, sich in sie hineinzuversetzen, um sie zu finden.

Drei Charaktere, drei Perspektiven, drei verschiedene Gedankenwelten, die alle miteinander verbunden sind.

Die norwegische Autorin Marit Kaldhol hat in ihrem nur rund 200 Seiten langen Roman Zweet grandios sehr unterschiedliche Themen und Genres verknüpft. Da ist zum einen das außergewöhnliche Mädchen, traumatisiert durch eine fast tödliche Mobbingattacke, das sich in die Welt der Bienen hineindenkt und hineinflüchtet, und die lebenswichtigen Bestäuberinnen vor dem Aussterben retten will.

Ihre assoziativen Gedankenketten lesen sich wie ein expressionistisches Gedicht, der Text ist entsprechend gesetzt, Kapitelüberschriften gleichen Gedichttiteln, dazu kommen zahlreiche wissenschaftliche Fußnoten zu in diesem Kontext vieldeutigen Begriffen wie „Imago“, „Biodiversität“, „solitär“ oder „CCD – Collapse Disorder“.

Lill-Miriams Sorge um die Bienen erinnert an Kaldhol vorherigen Roman Allein unter Schildkröten, wo ein Junge an seiner Verzweiflung über fortschreitende Umweltzerstörung und das Sterben der Meeresschildkröten zerbricht.

Besondere Ironie dieser neuen Geschichte ist, dass die Insekten wahrscheinlich infolge von versprühten Insektiziden die Orientierung verlieren und aussterben könnten. Und Lill-Miriam in der Schule an ausströmenden Giftgas zu sterben droht.

Susan ist es bisher gelungen, sich in der Gruppe zu verstecken, und konnte so das Gefühl der Verantwortung für ihr Handeln verdrängen. Mit ihrer Figur zeigt Kaldhol die gruppendynamischen Prozesse, die zum Mobbing führen, manche zu Tätern und andere zu Opfern machen: „Sie war anders als wir. Wir konnten es nicht leiden, dieses Anderssein. Dass sie war, wie sie war. So verdammt sie selbst.Es hat uns tierisch gestört, ihr Anderssein.
Wir waren ihr egal, sie bestimmte selber. Und sie war allein.
Was hat uns eigentlich daran gestört?“

Anderssein als Provokation. Es provoziert diejenigen, die fühlen und wissen, dass auch sie anders sind, andere Bedürfnisse und Träume haben, sich aber nicht trauen, auszubrechen und diese auszuleben. Weil es viel einfacher ist, mit dem Strom zu schwimmen, sich in der Masse zu verstecken. Alleinsein halten viele nicht aus, fühlen sich gleich einsam, isoliert, schwach. Sie sind neidisch auf das, was sie vorgeblich so verachten. Susan ist aber einfach nicht dumm und abgestumpft genug, um weiterzumachen wie bisher. Schon bei der Beschreibung ihrer Eltern zeigt sich, wie empfindsam sie ist und wie klug sie sich und andere Menschen einschätzt, wofür Kaldhol ihr starke Bilder zuschreibt: „Sie reden nie mit mir, immer nur zu mir. Mama könnte genauso gut ganz woanders sein. Sie sieht mich nicht an. Ihre bittersüße Nörgelstimme stinkt.“ Und ihr Verantwortung leugnender Vater kocht „hirnlosen Fraß“. „Was bitte schön ist der Sinn dieser Familie?“

Und dann ist da Ruben. Poetisch, mit viel Wärme erzählt er von seiner früheren Heimat Kuba, seiner Großmutter, und wie sehr ihn die Insel geprägt hat. Er denkt an das besondere Mädchen, das er schlicht Miriam nennt, was weicher klingt. Obwohl es kaum einmal zu einer Berührung zwischen ihnen gekommen ist, waren sie sich bereits sehr nah. Sie haben zusammen Honig geschleckt, sich Geheimnisse anvertraut, ihr Inneres geöffnet. Ruben bündelt seine Liebe zu Miriam in einem Wort, das niemandem im Zusammenhang mit ihr als erstes einfallen würde: süß. Anders gesagt: Du bist zweet. Es könnte der Beginn einer besonderen Liebe werden …

Elke von Berkholz

Marit Kaldhol: Zweet, Übersetzung: Maike Dörries, mixtvision, 2017, 196 Seiten, ab 14, 12,90 Euro

Märchenhafte Problemlösung

Kinder brauchen Märchen. Immer noch. Daran hat sich auch in diesem Jahrtausend nichts geändert. Das hat die ALMA-gekrönte Autorin Meg Rosoff erst vor kurzen in ihrer Rede an junge Leser in Berlin eindrucksvoll bewiesen. Nachzulesen sind ihre eindringlichen Worte, in der Übersetzung von Brigitte Jakobeit, hier.

Wie man Märchen in heutigen Geschichten für junge Leserinnen einweben kann, beweist aktuell Iris Lieser mit ihrem Buch Sieben Zwerge für Paulina. Die 15-Jährige Hauptfigur ist darin mit einer ziemlich üblen Familiensituation konfrontiert: Ihre Mutter ist seit der Trennung von Paulinas Vater völlig überfordert und gibt tatsächlich Paulina die Schuld an der Trennung. Dementsprechend mies behandelt sie die Tochter. Der Vater hingegen, ein erfolgreicher Anwalt, möchte, dass Paulina Jura studiert, um später mal in seiner Kanzelei arbeitet. Was Paulina wirklich will, interessiert ihn nicht.
Und auch in der Schule läuft es für Paulina überhaupt nicht gut, sie schreibt schlechten Noten und ihre Mitschüler wollen nichts mit ihr zu tun haben. Als dann aber der verhasste Deutschlehrer die Klasse mit einer Sonderaufgabe über Märchen beauftragt, meldet sich auf einmal das coole Freundinnen-Kleeblatt Kira, Fabienne, Lisa und Henriette bei Paulina, die dem Lehrer diese „Gemeinheit“ heimzahlen will. Wenn Paulina also Mitglied in der Clique werden will, soll sie eine Mutprobe bestehen …

Dass es mit dieser Mutprobe nichts wird, liegt nahe. Paulina lernt eine sehr bittere Lektion – bei der ihr jedoch ein ungewöhnlicher Verbündeter zu Seite steht: ein alter sprechender Spiegel.

Das Spiel mit dem Märchen gelingt Iris Lieser auf eine ganz wundervolle Art. Alle Elemente sind vorhanden: die böse Mutter, die Feinde, der magische Helfer, aber auch die wohlwollenden Verbündeten und die gute Fee. So macht Paulina eine Entwicklung, vom frustrierten, pubertierenden Teenager zur verständigen und selbstbewussten Tochter und Freundin durch. Sie kann Leserinnen durchaus als Beispiel dienen, dass es auch für scheinbar aussichtslose Situationen eine Lösung gibt.
Vor allem zeigt Paulinas Geschichte aber auch, dass angeblich so coole Mutproben einfach nicht sinnvoll sind, sondern es viel mehr Ehrlichkeit und Empathie sind, durch die man seinen Platz im Leben findet. Ist man erst einmal soweit, dann klappt es auch mit echten Freunden.

Lieser straft durch ihren sympathischen Roman also diejenigen Lügen, die meinen, Märchen wären altes Zeug und heute nicht mehr nötig. Und liefert damit viel mehr den überzeugenden Beweis für Meg Rosoffs Worte: „Ohne Geschichten sind wir in einer starren Version unseres Selbst gefangen. Geschichten erschließen uns neue Wege.“

Iris Lieser: Sieben Zwerge für Paulina, Fabulus-Verlag, 2017, 120 Seiten, ab 12, 16 Euro

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Ganz und gar nicht wurst

So schlagfertig wäre ich auch gern mal: Was die 15-jährige Mireille Laplanche in Clèmentine Beauvais‘ Roman Die Königinnen der Würstchen an Sprüchen raushaut, ist große Klasse und fast schon Screwball Comedy. Viel besser, als nur ein morbider, mit sich und der ganzen Welt hadernder Teenager zu sein. Und selten ist jemand so geistreich pubertär-trotzig und frech: „Hör nicht auf sie, Astrid“, warnt sie das schon bald zur engen Freundin werdende Mädchen, das trostsuchend in der Küche hockt und soeben von Mireilles Mutter geraten bekommen hat, sich an ihre nette und starke Tochter zu halten. „Sonst beklagt sich immer in einer Tour, dass sie an dem unseligen Abend meiner Empfängnis keine heftige Migräne vorgeschützt hat!“ Oder im frustrierenden Streit ihrer Maman hinterher brüllt: „Weißt du, was das Hässlichste ist, das dir Klaus hinterlassen hat? Das bin nicht ich, sondern diese völlig bescheuerte Idee, dass du bloß eine Lehrerin bist!“

Mireilles Mutter war mir, selbst Mutter eines Teenagers, aber auch gleich auf den ersten Seiten sehr sympathisch: „ ,Du gehst mir auf die Nerven, Mireille.‘ Meine Mutter schaut an die Decke und sagt zu der Lampe von Habitat: ,Ich hasse pubertierende Jugendliche.‘ “ Wie wahr!

Ihre kluge Kodderschnauze schützt Mireille ganz gut. Die Gymnasiastin hat nämlich ein paar Kilos zu viel auf den Rippen, einige üppige Rundungen mehr als das gängige Schönheitsideal erlaubt. Nicht, weil sie sich ein dickes Fell anfuttern musste, sondern weil sie gern und gut isst (ihre Großeltern haben ein Sterne-Restaurant). Sie kommt vom Aussehen her nicht nach ihrer schönen Mutter, sondern hat die weniger attraktiven Züge ihres deutsch-französischen Erzeugers geerbt, ein Philosoph und ehemaliger Doktorvater ihrer Mutter, der von der Existenz seiner Tochter nichts wissen will. Dumm ist der Mann, der mittlerweile der Ehemann der französichen Präsidentin (fiktional, nicht Marine Le Pen!) ist, anscheinend nicht, denn Mireille ist auf höchst attraktive Art doppelt intelligent. Und weil sie endlich den ihr bekannten Unschönen zur Rede stellen will, kommt Mireille auf die tollkühne Idee, per Fahrrad vom heimischen Bourg-en-Bresse in Ostfrankreich in die Hauptstadt zu fahren. Begleitet wird sie von ihren zwei Freundinnen Astrid und Hakima, mit denen zusammen sie in einem perfiden Wettbewerb als die „Würste des Jahres“ – die hässlichsten Mädchen der Schule – verspottet wurde. Denn auch ihre beiden Leidensgenossinnen haben im Élysée-Palast in Paris ein spezielles Hühnchen zu rupfen. Finanzieren wollen die drei ihre Mission impossible mit – logisch – Würstchenverkauf.

Beauvais’ Rad-Road-Roman hätte ein deprimierendes Buch über Mobbing und die ätzenden Auswüchse des Schönheits- und Optimierungswahns werden können. Das Thema spielt auch eine Rolle. Doch die zauberhafte Geschichte lässt sich genauso wenig wie Mireille davon unterkriegen und dominieren.

Und so ist diese furiose Tour de France eines tollen Trios ungewöhnlicher Mädchen und ihres ebenso besonderen Begleiters in seinem speziellen Streitwagen so viel mehr: grandioses Abenteuer, extreme Herausforderung, Suche nach Wahrheit und Klarheit, selbstbewusste Provokation und feministisches Plädoyer. Oder wie Mireille den schon bald auf die radelnden Würstchenverkäuferinnen anspringenden Reportern sagt: „Vielleicht macht Hässlichkeit uns reifer“. Nicht zuletzt auch solidarischer, empathischer und weniger Ich-bezogen.

Nebenbei wird französische Nachkriegsgeschichte und gesellschaftliche Gegenwart thematisiert, en passant, aber nie beliebig oder gewollt wirkend: So sind Franzosen mit Migrationshintergrund zwar in der Armee und beim Kampf für die Grande Nation willkommen, aber man begegnet den nicht typisch französisch aussehenden Landsleuten weiterhin misstrauisch – die alltägliche Fremdenfeindlichkeit.

Und natürlich ist es in Zeiten von Facebook und Twitter, wo jeder anonym unendlich Hass versprühen darf, und der tagtäglichen Bilderflut auf Instagram, Snapchat, der totalen Feier der absoluten Oberflächlichkeit, niemandem egal, wie er und insbesondere sie aussieht. Weder Mireille noch Astrid und Hakima, die von Mireilles einstigen besten Freund aus Kindertagen zu den unattraktivsten Schülerinnen in Gold, Silber und Bronze gekürt wurden. Aber sie drehen den Spieß um und touren selbstbewusst als die drei Würste.

Warum der deutsche Titel Die Königinnen der Würstchen lautet, von Annette von der Weppen ansonsten charmant und spritzig übersetzt, erschließt sich nur bedingt. Das Original heißt fast ebenso merkwürdig Die kleinen Königinnen. Königinnen im Sinne von Vorbild, von starken, lebenslustigen und gewitzten Frauen könnte aber funktionieren. Solche sollten wirklich viel mehr an die Macht kommen. Der Spruch „Die Klügere gibt nach“ ist sowieso blödsinnig. Warum sollen dummdreiste Schwachköpfe das Sagen haben?

Über missratene Titelbilder und Umschlaggestaltungen des ansonsten sehr geschätzten Carlsen Verlags, in diesem Fall ist es sogar leicht sexistisch, äußere ich mich nicht mehr. Nur die inneren Werte zählen.

Und die sind hochkarätig: Clementine Beauvais hat (mit gerade mal 25 Jahren, Respekt!) eine wahnsinnig witzige und kopf- und herzergreifende Geschichte geschrieben, mit einem überraschenden Ende. Oder auch nicht, denn eine weitere Erkenntnis ist eine Abwandlung des John-Lennon-Zitats: Leben ist das, was dir passiert, während du damit beschäftigt bist, Pläne zu machen.

Mireille hat nämlich die noch unveröffentlichte Streitschrift ihrer Mutter im Gepäck. Titel: „Das Sein und das Erstaunen. Für eine Philosophie des Unerwarteten.“ „Meine Mutter glaubt, das Wesen des Menschen bestehe darin, sich am Unvorhergesehenen, Neuen, Überraschenden zu erfreuen“, erkennt Mireille als Antithese zum Werk ihres biologischen Vaters, für den das menschliche Wesensmerkmal ist, zu planen und zu entwerfen. „Der Mensch ist vor allem deshalb Mensch, weil er das Neue, Unerwartete in all dieser Ordnung sucht. Die Kunst, die Gefühle, das Leben selbst – das alles ereignet sich immer dann, wenn Planungen, Prognosen und Prophezeiungen scheitern.“ Konkretes Beispiel: „Ein geplatztes Präservativ und das Unerwartete tritt ein: ein ungeplantes, kleines Würstchen – ich.“ Und das steht mal eben in einem Jugendbuch. Ganz großes Kino!

Elke von Berkholz

Clementine Beauvais: Die Königinnen der Würstchen, Übersetzung: Annette von der Weppen, Carlsen, 2017, 288 Seiten, ab 14, 16,99 Euro

Grandiose Geschichten aus kleinen Klumpen

„Ich kann euch ganz in Ruhe meine Geschichte erzählen. Davon, wie eines Tages eine drangsalöse Misere über mich hereinbrach, die mein ganzes Leben durcheinanderbringen sollte. Hätte ich damals geahnt, was für Kalamitäten auf mich zukommen würden, ich wäre an jenem Morgen unter der Bettdecke geblieben …“

Mit diesen hübsch altmodischen Wörten beginnt der Erzähler seine Geschichte. Und während sich der eine oder andere Leser angesichts gelegentlich komplett verkorkster Tage denkt, dass es manchmal sicher die bessere Idee ist, morgens einfach liegen zu bleiben, schlägt einen Kirsten Reinhardts neuer Roman Der Kaugummigraf schon in seinen Bann: Es ist ein in vielfacher Hinsicht verblüffendes Buch. Nicht nur weil der Erzähler und Titelgeber ein alter Knorz ist, genauer der 81-jährige Eberhart von Eberharthausen. Es ist eine erstaunlich komplexe und vielschichtige Erzählung, wie man hinter dem für Reinhardts Standards sehr schlichten Titel nicht vermuten würde (frühere Titel waren Fennymores Reise oder wie man Dackel im Salzmantel macht und Die haarige Geschichte von Olga, Henrike und dem Austauschfranzosen).

Die Kalamitäten verursachende Misere tritt in Gestalt der struppigen, frechen und enorm hungrigen Ausreißerin Eli in das Leben des komischen Kauzes. Sie bringt ihn nach einigen Anlaufschwierigkeiten zum Erzählen. Und vielleicht zum ersten Mal am Ende seines langen Lebens öffnet sich Eberhart, stellt sich seinen Verletzungen, alter Schuld und lebenslanger Reue, Gedanken und Gefühlen, die er seit 20 Jahren mithilfe eines selbst auferlegten, strengen Zeitplans verdrängt und eingesperrt hat. Und natürlich sind das keine uralten Geschichten, „solche Dinge wie damals gibt es bestimmt nicht mehr“; da hofft Eberhart leider vergebens.

Aber warum nennt Eli ihn Kaugummigraf? Das hängt mit der höchst kuriosen Sammlung des betagten Helden zusammen, ein jahrelang verschlossener Raum in dem alten, vom Abriss bedrohten Bahnhof, in dem der Graf wohnt – und auch in seinem Herzen. Hier verwahrt er hunderte Kaugummis auf, die er seit seiner Kindheit gesammelt hat – gekaute, versteht sich. Denn „ein Kaugummi ist besser als ein Fingerabdruck“, wie der Graf sagt. Ein Fingerabdruck verrät nichts über seinen „Besitzer“. Ein ausgespuckter Kaugummiklumpen dagegen gibt erstaunlich viel preis: durch seine Form, die Zahnabdrücke, den Auffindeort, den Geruch, die Geschmacksrichtung, die Farbe. Und natürlich durch die präzise Erinnerung an all die kauenden Menschen, denen der Sammler begegnet ist und die sein Leben geprägt haben.

Es sind spannende, fantastische, erschütternde und rührende Geschichten, zeitlos gut und ewig wahr, Geschichten von abgeschobenen, missverstandenen Kindern, von Grausamkeit und Feigheit, von Wut und Mut. Davon, dass man stärker ist als man denkt und es nie zu spät ist, sein Leben in die Hand zu nehmen. Von der Suche nach Freundschaft, Liebe, Glück. Wahrheiten, gelassen ausgesprochen: Seine Verwandschaft kann man sich nicht aussuchen. Und es ist gar nicht so einfach, nichts zu tun. Die Freiheit, alles (oder nichts) tun zu können ist beängstigend, das muss man erst mal aushalten. Trotzdem ist sie das Beste am Leben, weil sie grenzenlose Möglichkeiten birgt.

Hat sich schon mal jemand beim Anblick der Flecken auf dem Pflaster überlegt, dass hier gelebte Geschichten kleben? Das entschuldigt natürlich nicht die Unsitte, Kaugummis in die Gegend zu spucken! Inzwischen haben Künstler die Sprengsel als winzige Leinwände entdeckt, um darauf grandiose Miniaturmeisterwerke zu schaffen, zu sehen unter anderem auf der Millenium Bridge in London.

Der Kaugummigraf ist ein Buch, so wie man sich das weltbeste Kaugummi wünscht, das es aber nie geben wird: Eine Wundertüte, ein Feuerwerk an unterschiedlichsten Geschmackerlebnissen, schönste, raumgreifende Blasen bildend, ein Genuss, sich damit zu beschäftigen und ganz lang anhaltend.

Elke von Berkholz

Kirsten Reinhardt: Der Kaugummigraf, mit Vignetten von Marie Geißler, Carlsen, 2017, 224 Seiten, ab 10, 12,99 Euro

 

P.S. Es gab schon mal ein besonderes Buch mit Kaumasse im Titel: Der quergestreifte Kaugummi von Ephraim Kishon, von 1977, eine unvergessene Erzählungssammlung.

Das eigene Geschlecht

georgeDieses Buch beginnt mit einer grammatikalischen Irritation: Gleich im zweiten Satz wird der Name George mit weiblichen Pronomina („ihre“) kombiniert. Manche werden vielleicht an Enid Blytons George aus den Fünf Freunden denken und einfach weiterlesen. Doch im Grunde öffnet sich hier bereits das ganze Dilemma der 10-jährigen Protagonistin.

George wurde nämlich als Junge geboren, doch sie fühlt sich als Mädchen. Eigentlich immer schon. Mit drei hat sie die Röcke der Mutter angezogen, heimlich sammelt sie Mädchen- und Frauenzeitschriften, aber bis jetzt hat sie sich noch niemandem anvertraut. Selbst ihre beste Freundin Kelly denkt immer noch, dass George ein Junge ist. George selbst ist bei allem sehr wohl bewusst, dass sie transident ist – sie hat im Internet alles darüber gelesen und weiß, was auf sie zukommt.

Als nun in der Schule die Geschichte vom Schweinchen Wilbur und seiner Freundin Charlotte, der Spinne, aufgeführt werden soll, würde George gern die Rolle von Charlotte übernehmen. Kelly ist begeistert, begreift aber zunächst noch nicht den eigentlichen Hintergrund, nämlich dass George so ihrer Mutter beweisen will, dass sie ein Mädchen ist. Auch die Lehrerin ist nicht begeistert und verweigert George, trotz ihres perfekten Vorsprechens, die Rolle.
Doch Kelly findet schließlich eine Lösung …

Die Geschichte von Alex Gino, die Alexandra Ernst feinfühlig übersetzt hat, ist eine sehr klassische Coming-out-Story – mit transidenten Vorzeichen. George zweifelt an sich, kämpft gegen innere Widerstände und die Hindernisse von außen sowie das Mobbing ihrer Mitschüler. So weit eigentlich völlig normal. Und dennoch ist es bewegend zu lesen, wie aus George – mit Hilfe von Kelly und schließlich auch mit dem Rückhalt ihrer Familie – Melissa (diesen Mädchennamen wählt George für sich) wird.
Hierbei geht es mitnichten um die medizinische und psychologische Behandlung, der sich Transmenschen irgendwann unterziehen, sondern um den Schritt davor: Wie macht ein Mensch seiner nächsten Umgebung, der Mutter, die George immer „mein Junge“ nennt, dem Bruder, der schlüpfrige Witzchen reißt, oder der besten Freundin klar, dass er/sie nicht dem biologischen Geschlecht entspricht, mit dem er/sie zur Welt gekommen ist? Vielleicht ist dies die größte aller Hürden, die es für Transmenschen zu bewältigen gilt.
George zeigt jedoch auch, dass die dummen Sprüchen eines großen Bruders oder die vermeintliche Besorgnis der Mutter ganz schnell verschwinden, sobald sie wirklich begreifen, dass es diesem Menschen ein elementares Grundbedürfnis ist, sich von seinem biologischen Geschlecht zu trennen. Die Heldin, die man durch Alex Ginos liebevolle Darstellung vom ersten Satz an ins Herz schließt, gelingt dieser Schritt – und macht damit allen jungen Lesenden Mut, die ähnliche Überzeugungen und Gefühle in sich spüren.

Da sich die Vielfalt der Welt und somit auch die sexuellen Ausrichtungen der Menschen in Büchern eigentlich generell spiegeln sollte – was in machen Bereichen jedoch immer noch nicht der Fall ist –, kann man George als einen wunderbaren und wichtigen Gewinn bezeichnen. Selbst, wenn die jungen Lesenden nicht transident sind, bekommen sie eindrücklich und authentisch geschildert, was in Transmenschen vorgeht, welche Ängste sie haben und dass sie natürlich keine „Monster“ sind, sondern die liebenswertesten Menschen sein können, die man sich vorstellen kann. Genau dies sollte man Kindern eigentlich so früh wie möglich vermitteln und nicht die Augen davor verschließen oder damit abtun, das Ganze sei eine Phase und die Kinder seien noch viel zu jung. Sie sind es nicht. Weder die Lesenden, noch die Transkinder. Letztere wissen zum Teil schon erstaunlich früh, was für ein Geschlecht sie eigentlich haben.
In der öffentlichen Diskussion darum, wird die Transidentität oft auch als „Störung“ bezeichnet – was einer fürchterlichen Überheblichkeit von normativ geprägten Cis-Menschen gleich kommt, die in überkommenen Rollenverständnissen kleben geblieben sind. Es sollte heutzutage eigentlich möglich sein, allen Menschen zuzugestehen, dass sie in Sachen Gender sein können, was sie wollen. So viel Offenheit und Toleranz ist uns allen durchaus zuzumuten.

Der Weg, den die Transkinder einschlagen, ist nie ein leichter – auch das wissen die Kinder nur zu gut, wenn sie sich den täglichen Widerständen bewusst aussetzen – gerade deshalb sollte ihr engstes Umfeld es ihnen nicht noch schwerer machen. Denn je eher die Kinder die Sicherheit verspüren, bedingungslos geliebt zu werden, egal, als was sie sich fühlen, umso selbstbewusster werden sie heranwachsen. Alex Gino jedenfalls macht mit George allen Transkindern Mut, zu ihrem gewählten und gefühlten Geschlecht zu stehen und sich den Liebsten offen anzuvertrauen.

Alex Gino: George, Übersetzung: Alexandra Ernst, Fischer Verlag, 2016, 208 Seiten, ab 10, 14,99 Euro

Wer sich George vorlesen lassen möchte: Der wunderbare Julian Greis hat das Buch von Alex Gino eingelesen!

Gegen alle Widerstände

IMG_20160420_183251Heute ist Gratis-Comic-Tag, also auf in den nächsten Buchladen eures Vertrauens und nach Comics Ausschau halten. Ich habe bis jetzt noch nie einen von den Gratis-Comics erwischt, vielleicht klappt es heute.

Falls nicht, kann ich euch eine ganz wunderbare Geschichte ans Herz legen: Das neueste Werk von Pénélope Bagieu, die ich hier vor fast drei Jahren schon einmal vorgestellt habe, mit dem Titel California Dreamin‘, in der perfekten Übersetzung von Ulrich Pröfrock.
Den Älteren unter euch wird der Titel vielleicht etwas sagen und einen Song von The Mamas and the Papas ins Gedächtnis und ins Ohr holen, der für mich zu den ikonischen Liedern der Flower-Power-Bewegung gehört. Anhören könnt ihr euch das Stück hier:

Achtet auf die ausdrucksstarke Frau mit grünen Wallakleid und den weißen Stiefeln. Das ist Ellen Cohen, bekannt unter dem Namen Cass Elliot, deren Lebensgeschichte Pénélope Bagieu in ihrer Graphic Novel erzählt.

Ellen ist ein Gesangstalent, stammt aus einer jüdischen Familie, hat Angst vor dem Krieg, isst nichts, wie Kinder das in einem gewissen Alter einfach tun. Die Eltern flehen sie an, ihnen eine Freude zu machen und endlich etwas zu essen. Das tut Ellen schließlich doch und zwar mit Hingabe, als sie eine kleine Schwester bekommt und nicht mehr bei den Eltern an erster Stelle steht. Seitdem ist Ellen dick. Und wird gemobbt. Selbst von der eigenen Mutter.
Doch Ellen hat einen Traum: Sie will Sängerin werden. Und daran hält sie fest. Sie lässt sich von nichts und niemandem aufhalten – und reißt tatsächlich alle mit, sobald sie auf einer Bühne steht.

Bagieu lässt verschiedene Figuren von Cass erzählen – die jüngere Schwester, die Kommilitonen am College, die Fans, die Gesangslehrerin, den Radioproducer – und erzeugt so ein vielschichtiges Puzzle einer beeindruckenden Frau. Sie konzentriert sich dabei auf die professionelle Entwicklung von Cass, lässt ihre Tochter und ihren frühen Tod mit 32 Jahren außen vor. Und doch erhält man ein tiefgründiges Portrait der Sängerin, die gegen alle Widerstände und alle Aufforderungen abzunehmen ihren Weg ging und es so tatsächlich zum Star gebracht hat. Gleichzeitig vermittelt Bagieu einen Eindruck des Musikgeschäfts in den 1960er-Jahren, der Suche nach Originalität der Künstler und den doch oberflächlichen Taktiken, ein dünnes blondes Mädchen in die Band aufzunehmen, das hübsch anzusehen ist, aber leider nicht singen kann. Cass, wie gesagt, lässt sich von all dem nicht aufhalten.

Der Zeichenstil von Bagieu ist ein reduzierter Bleistiftstrich, der bei manchen Comic-Zeichnern gerade sehr beliebt ist, siehe hier und hier, und durch ihre Leichtigkeit punkten. Thematisch sind Comic-Biografien momentan ziemlich angesagt – man denke an die Werke von Reinhard Kleist (Cash, Castro, Der Boxer und Der Traum von Olympia), Jessie Hartland (Steve Jobs) und  Anais Depommier und Mathilde Ramadier (Sartre) und offenbaren sich als ein sehr cooles Mittel, um die Lebensläufe von mehr oder minder einflussreichen Menschen zu präsentieren. Umso schöner, dass Bagieu eine weniger bekannte Heldin würdigt. Cass Elliot hatte nämlich das Zeug zum Role Model, so wie heute Beth Ditto.
Bagieu macht mit ihrem Werk indirekt, aber durchaus deutlich klar, dass die Mainstreammedien und ihre Formate á la GNTM ziemlich kärgliche Veranstaltungen sind, wenn sie sich von Äußerlichkeiten blenden lassen und beispielsweise nur die extrem mageren Frauen ins Rampenlicht rücken.

Talent, Lebensfreude und ansteckende Begeisterung sind nämlich nie eine Frage des Gewichts oder vermeintlicher Schönheit. Insofern ist diese Graphic Novel ein ausgesprochenes Mutmachbuch – für alle.

Pénélope Bagieu: California Dreamin‘, Übersetzung: Ulrich Pröfrock, Carlsen, 2016, 272 Seiten, 19,99 Euro

[Gastrezension] Die pubertäre Vorhölle

fuckfischErinnert sich noch jemand an Helene Hegemann? Die Kernzielgruppe des sogleich vorgestellten Romans Fuckfisch von Juliette Favre ist noch nicht gemeint, die war damals noch in der Grundschule.

Im Januar 2010 veröffentlichte die damals 17-jährige Helene Hegemann ihr Romandebüt Axolotl Roadkill. Die Medien überschlugen sich geradezu und feierten die furiose Tour de Force einer knapp 15-jährigen, wohlstandsverwahrlosten Heldin zwischen Berliner Boheme, Patchworkfamilienbande und Technoclubs hymnisch. Nur um die Autorin bereits einen Monat später, als bekannt wurde, dass es sich bei einigen nächtlichen Szenen um Plagiate handelte, abgeschrieben aus einem Blog, um so vehementer zu verreißen; oder fast noch schlimmer, altväterlich wohlwollend und moralinsauer zu tadeln, ihr aber jedes Talent umgehend wieder abzusprechen. Was schreiend ungerecht war!

Die Erinnerung an Hegemann liegt nahe, veröffentlicht Juliette Favre nun ebenfalls als 17-Jährige ihr Debüt Fuckfisch im noch jungen Verlag Punktum. Darin erzählt sie tagebuchartig von der 14-jährigen Viktoria, die in den Sommerferien von ihrem Freund abserviert und in der Klasse zunächst ziemlich gemobbt wird. Dabei umgeht Favre, die das Buch mit 14 geschrieben hat, geschickt die Berghain-Falle. Sie beschreibt einfach nichts, was eine 14-Jährige unmöglich selbst erlebt haben kann, schon allein, weil sie nicht am Türsteher vorbei gekommen wäre.

Das macht ihr Debüt unspektakulärer als das von Hegemann, dafür aber umso authentischer: Absolut unverstellt, gnadenlos ehrlich und peinlich präzise beschreibt Favre das pubertäre Gefühlschaos zwischen Liebeskummer, Schulstress, Partys und Besäufnissen mit derben Wahrheit-oder-Pflicht-Spielen, testosteronstrotzenden Jungs und mal mehr, mal weniger ziemlich besten Freundinnen.

Favre und ihre Heldin Vicky bewegen sich im selben Milieu wie Hegemann, Tochter des Dramaturgen Carl Hegemann: zwischen Theaterwelt, Premierenparties und Patchworkfamilie. Ihre Stiefschwester ist gleichzeitig ihre beste Freundin. Erwachsene sind bestenfalls gute Kumpel, ansonsten ein bisschen albern und häufig angeschickert.

Vicky pendelt zwischen emotionalen Extremen – es gibt tieftraurige und ganz kurz auch euphorische Momente. Vor allem aber wird sie getrieben von einer ungeheuren Wut auf ihren Ex, auf ätzende Mitschüler, falsche Freunde, auf sich und auf die ganze Welt .

Vicky ist nicht zuletzt eine gute Beobachterin, auch sich selbst nimmt sie gelegentlich erfrischend selbstironisch unter die Lupe. Manchmal merkt man ihre Unreife und Unsicherheit, etwa wenn sie von ihrer „Mumu“ spricht. Solche albernen Verballhornungen wurden schon zu recht sogar in „Fack Ju Göhte 2“ veräppelt. Andererseits gibt es Witze, die echt knallen, scharfzüngige Blitzabrechnungen mit unrealistischen Mädchenbüchern und wirklich kluge Tipps: „Verliebt euch nie in einen Jungen aus eurer Klasse. Ich wurde dadurch zu Hackfleisch verarbeitet.“ Lässt sich nahtlos aufs Arbeitsleben übertragen: keine Affären im Job – sonst Hackfleisch.

Für jüngere Leser oder eher Leserinnen wird dieses Buch lustig und tröstlich sein, beruhigend, dass sich andere genauso peinlich benehmen und Liebeskummer immer völlig ätzend ist, aber hey, man überlebt es. Fuckfisch ist übrigens eine witzige Neuinterpretation des altmodischen Ausdrucks Backfisch, eine Bezeichnung für unreife Mädchen.

Für Erwachsene ist Favres schnodderig-ehrliches Debüt ein prima Schauerroman, eine gruselige Zeitreise: Man erinnert sich mit Grausen an die eigene Jugend, als man sich permanent selbst im Weg stand. Eigentlich war man damals extrem klarsichtig, voller Wut und Energie, die man hätte nutzen können, um wirklich etwas zu verändern. Stattdessen hat man sich mit nichtsnutzigem Liebeskummer, Haut- und Gewichtsproblemen rumgeschlagen. Die Aufforderung „Verschwende deine Jugend!“ ist überflüssig, weil leider ärgerliche Normalität.

Das klingt furchtbar altersarrogant, herablassend und desillusioniert. Aber es ist leider so, jetzt wieder mit den eigenen pubertären Kindern neu zu durchleiden. Oder um es mit der 17-jährigen Hegemann ganz abgeklärt zu sagen: „Vierzehn sein ist ja ganz schrecklich.“

Nicht zuletzt ist dieses Buch hübsch anzusehen und angenehm zu lesen: Handlich, in kräftigem Türkisgrün, mit aufgedrucktem, kleinem Mittelfinger-Ikon und stilvollem Lesebändchen in Pink. Die monochromen Einbände mit stilisierten, thematisch passenden Vignetten sind das Markenzeichen des Punktum Verlags, der Juliette Favre entdeckt hat. Fuckfisch ist kleiner Roman mit großer Wirkung, zum Glück ohne Skandal und Knalleffekt. Nicht so brillant wie Axolotl Roadkill, aber sehr vielversprechend. Für Helene Hegemanns weitere Werke hat sich kaum jemand interessiert. Juliette Favre jedoch steht die Welt noch offen.

Elke von Berkholz

Juliette Favre: Fuckfisch, Punktum Verlag, 2015, 204 Seiten, ab 14, 14,90 Euro