Superschützenswerte Superkraft

In Märchen gibt es Könige. Und England hat auch einen. Und früher gab es Könige auch in echt (und manchmal auch Königinnen, aber nicht hierzulande). Warum haben wir keinen König? Mit dieser aus Kindersicht und den ihnen vertrauten Geschichten naheliegenden Frage beginnt die Politologin Jonna Struwe ihr hervorragendes Sachbuch.
Kinderfragen zur Demokratie verständlich erklärt, lautet der Untertitel. Berechtigte Fragen, weil doch anscheinend mit Königen oder auch englisch Queens Gutes assoziiert wird. Das zeigt die Illustratorin Ina Hattenhauer gleich zu Beginn, wo ein Vater mit Töchterchen in Prinzessinaufmachung einen Einkaufswagen vorbeischiebt. Plakate und Schilder werben mit royalen Vorworten: Ein Fußballwettbewerb wird als Königsklasse gepriesen, ein Bier macht einen zum König für einen Tag, Blumen tragen Kaiserkronen, und ein Kaninchen mit schicken Einkaufstüten namens Hopping Queen ist eine niedliche Anspielung auf ein beliebtes TV-Format.

Monarchie ist ungerecht

So gibt Ina Hattenhauer dem vermeintlich drögen Thema gleich eine witzige und doppelbödige Note, so dass man umso neugieriger in Jonna Struwes klugen Sachtext einsteigt. Denn Demokratie ist wirklich für alle interessant und wichtig. Weil Demokratie von allen für alle ist. Dass Könige und sogenannte Monarchien kein märchenhafter Spaß sind, erklärt Struwe gleich zu Anfang: Ein alleiniger Bestimmer ist ungerecht und grausam.

Vor 2500 Jahren erdacht

»Das haben sich auch schon die Menschen im Alten Griechenland vor 2500 Jahren gedacht und überlegt: Was wäre, wenn niemand ein Leben lang Chef ist? Was wäre, wenn alle mitentscheiden könnten? Wenn sich alle Menschen im Land, also das Volk, die Macht teilen würden? Das griechische Wort für Volk ist demos und das für Macht kratos. Das wäre eine Demo-kratie. Das Volk bestimmt. Nicht einer allein, sondern alle zusammen.«

Reden und Regeln

Und wie das geht und wie das heute in der Bundesrepublik Deutschland funktioniert, erklären und zeigen Struwe und Hattenhauer anschaulich und mitreißend auf den folgenden 60 Seiten. Gleich zu Anfang bringen sie die kindlichen Leserinnen und Leser mit ins Spiel: Wie können alle Bestimmer sein? lautet eine frühe Kapitelüberschrift. Oder was ein vom Taschengeld gekauftes Eis damit zu tun hat. Ein tolles stilistisches Mittel zur Wissenvermittlung ist auch, Begriffe und Bezeichnungen aufzudröseln und zu übersetzen. Wie Demokratie aus Volk und Macht aus dem Altgriechischen. Oder Parlament vom Französischem parler, also ein Ort, an dem vor allem viel miteinander geredet wird. Zum Beispiel über neue Gesetze. Gut ist es auch Gesetze, als gemeinsam erarbeitete Regeln für das Zusammenleben aller Menschen zu definieren.

Koala-Koalition

Dass ein Wahllokal kein Restaurant für große Meeressäuger ist. Warum bestimmte Farben mit Parteien assoziiert sind. Oder was es mit der Vorsilbe Bund auf sich hat. Man kennt ein Bund Radieschen oder einen Bund Möhren. Aber einen Bund Länder? Eine Bundeskanzlerin? Einen Bundestag? Einen Bundesrat? Im Zusammenspiel von Text und Illustration entstehen schöne Wort-Bild-Spiele: Zum Beispiel eine Koalition. Und, total niedlich, eine Koala-Koalition. Und ein Fahrrad für 16 Leute ist vielleicht ein Bundesrad, aber kein Rat.

Die Giraffe weiß mehr

Eine sehr lustige und raffinierte weitere Ebene der Wissensvermittlung sind die eingestreuten Zusatzinformationen, historische Herleitungen und kuriose Fakten. Warum die von einer Giraffe präsentiert werden, wird später auch illustriert. Und wie das große, weil langhalsige Tier mit dem nun Folgendem direkt zusammenhängt.

Das Super-Gesetz

Grundlage für all unsere Demokratie ist hierzulande das Grundgesetz, das im Buch sogenannte Super-Gesetz. Das eigentlich sehr gut geschützt ist, unter anderem durch Super-Mehrheiten, die es braucht, um einzelne Gesetze zu ändern. Zwei Gesetze aus diesem vor gut 80 Jahren von 61 Männern und nur vier (!) Frauen erarbeiteten Grundgesetz dürfen sogar von keiner Macht der Welt verändert oder ausgehebelt werden. Wie das mit der Gewaltenteilung in Bundeskanzlerin oder Bundeskanzler, Bundestag, Bundesrat, Bundespräsident (eine Bundespräsidentin gab’s hierzulande tatsächlich noch nie, aber wer weiß, vielleicht ab 2027?) und dem Bundesverfassungsgericht zusammenhängt, erläutert Struwe exzellent und erstaunlich kurzweilig.

Besser kann man es nicht erklären

Als durchschnittliche, erwachsene Bundesbürgerin kann man das nicht so prägnant, pointiert und und unterhaltsam erklären. Und ehrlich gesagt, als einfache Wählerin wusste man das bisher auch nicht so genau, hat eher eine vage Ahnung, wie alles zusammenhängt. Auch die Erläuterung einzelner Begriffe hat einen großen Mehrwert. Und doch zuckt man zum Ende des Buches kurz zusammen.

Kurzer Blick in die Historie, mit Blick auf die Zukunft

Wenn der Grund für das Grundgesetz und die Demokratie als Staatsform historisch begründet wird: Mit einem kurzen Abriss über Diktaturen im allgemeinen und der der Nazis im speziellen. Dabei fehlt, dass Hitler nicht aus dem Nichts an die Macht kam. Sondern eine bereits bestehende Demokratie ausgehebelt hat. Das wäre natürlich zu kompliziert zu erklären. Dass eine Demokratie aber auch immer gefährdet ist, angegriffen wird und unbedingt verteidigt werden muss, wird dann kurz vor Schluss im wichtigen Kapitel Kann Deutschland wieder eine Alleinherrschaft werden? vor Augen geführt.

Unbedingt verteidigen

Das Buch endet mit dem Appell an alle, explizit auch an (noch nicht wahlberechtigte) Kinder, sich einzubringen, zum Beispiel über Petitionen, Demonstrationen oder die Kinderkommission. Warum die Demokratie unbedingt schützenswert ist und verteidigt werden muss, gerade in Zeiten wie diesen, zeigt dieses Sachbuch eindringlich und unmissverständlich allen, Kindern und Erwachsenen.

Jonna Struwe: Warum haben wir keinen König? Kinderfragen zur Demokratie verständlich erklärt, Illustration: Ina Hattenhauer, dtv, 2026, 64 Seiten, 16 Euro, ab 6

Kleine Löwen, große Themen

Katze

Die Katze ist verschwunden. Georg war schon öfters verschwunden. Aber noch nie für so lange. Und so begeben Kind und Vater sich auf die Suche nach Georg.
Sie fragen die Nachbarin. Und klappern Plätze ab, wo der Kater regelmäßig rumstromert. »GEORG! Wir rufen. Und wir horchen.«
Dann sehen sie auf der Straße Bremsspuren. »Genau hier überquert Georg immer die Straße. Ist das ein Blutfleck?« Dem Kind mit dem großen Kopf und den großen, schwarzen Augen schwant nichts Gutes. Vielleicht ist Georg von einem Auto angefahren worden und hat sich irgendwo versteckt. Doch im Gebüsch entlang der Straße ist die Katze auch nicht.

Was passiert mit denen, die sterben?

Der Vater bereitet behutsam und sensibel, dabei klar verständlich und ohne zu verharmlosen, sein Kind auf das Schlimmstmögliche vor. »Wenn wir ihn nicht finden … sagt Papa. Dann ist Georg vielleicht … tot. Tot?« Manchmal werden Katzen überfahren. Oder von anderen Tieren gefressen, erklärt der Vater. »Im Fernsehen hat jemand gesagt, dass Katzen eigentlich kleine Löwen sind. Löwen sind doch unbesiegbar, Oder etwa nicht?« Was bedeutet das eigentlich: Sterben. Tod. »Was passiert mit denen, die sterben?«

Niemand weiß es

Der norwegische Kinderbuchautor Ragnar Aalbu hat mit Auf der Suche nach Georg ein geradezu existenzialistisches Buch über das Sterben geschrieben, einfühlsam und berührend. Absolut ehrlich und klug erklärt der Vater, dass niemand weiß, was geschieht: »Manche Leute glauben, dass alles zu Ende ist, wenn man stirbt. Dass man dann einfach für immer … weg ist. Andere glauben, dass man nach dem Tod an einem anderen Ort ist. Niemand weiß es. Im Grund wissen wir nur, dass wir dieses Leben haben. Und eines Tages ist es zu Ende.«

Tut weh, macht wütend und frustriert

Die Vorstelliung, dass Georg für immer weg sein könnte, macht das Kind ungeheuer traurig. Und sehr wütend: »Es ist ungerecht. Der Tod ist doof. Er macht alles kaputt.« Allein schon diese furiosen philosophischen Dialoge machen Ragnar Aalbus Geschichte lesenswert, selten liest man in Kinderbüchern so offen und ungeschönt über den Tod, eine Tatsache, an die man sich mit zunehmenden Alter gewöhnt (oder immer effektiver aus den Gedanken verdrängt). Aber der Tod bleibt unbegreiflich. Und der Schmerz über den Verlust eines geliebten Lebewesens ist absolut und unvergleichbar mit allem anderen. Wir müssen damit leben. Aber es tut weh, macht wütend und frustriert. Kinder umso mehr. Schaurig schön bringt es Mephisto in Goethes Faust auf den Punkt: »Denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht.«

Diffuser Weißraum, Auslassungen, Lücken

Die Bilder, die Ragnar Aalbu zur Suche nach Georg geschaffen hat, sind soviel mehr als bloße Illustrationen. Sie erzählen die Geschichte noch einmal stimmig, stimmungsvoll, zeitlos wahr und voller Dramatik. Die Farben sind winterlich, kahle, rieisge Baumstämme in Schwarz und Braun. Das verbliebene Grün am Ufer und der Büsche am Straßenrand ist abgetönt und verfärbt, eher eine Erinnerung an die lebendige Farbe von Frühling und Sommer. Die Bilder wirken wie durch Siebdruck oder mit Airbrush Technik entstanden und dann digital ausgeschnitten. Es gibt keine scharfen Konturen. Dafür sehr viel diffusen Weißraum, Auslassungen, Lücken, im Wald wirken weiße Längsstrukturen wie Negativaufnahmen von Bäumen, die bereits verschwunden sind.

Kinderwagen, Rollator, Friedhof

Aalbu spielt mit sich verändernden Größenverhältnissen. Je länger die Suche dauert, desto verlorener wirken das Kind und auch der Vater in der Umgebung. Eingestreut sind kleine Details und Randszenen. Anfangs sehen wir den verwaisten Kratzbaum und ein liegengebliebenes Katzenspielzeug. Als der Vater davon spricht, dass Katzen manchmal von anderen Tieren gefressen, sieht man am unteren Bildrand einen Fuchs, der ein Eichhörnchen jagt. Es ist die alte Geschichte vom Fressen und Gefressen werden. Und dann zeigt der norwegische Bilderbuchkünstler noch eine größere, menschengemachte Gefahr für Katzen und auch für Kinder: das die Doppelseite durchschneidende, schwarze Band der Straße. Beim Dialog über Leben und Tod sieht man Kinderwagen und Babies, einen toten Vogel, alte Menschen mit Rollator, Baustellen und verfallene Gebäude, einen Friedhof. Der ewige Kreislauf von Entstehen und Vergehen, Und eine Bahnhofsuhr, Sinnbild verrinnender Zeit.

Mit Katzen existenzielle Themen erzählen

Trotz des ernsten Sujets hat dieses Buch eine besondere Schönheit und Leichtigkeit, dank seiner liebenswerten Figuren und der durchlässig, mit viel assoziativem Freiraum gestalteten Bilder. Nach Herr Ernst kauft eine Katze ist dies eine weitere kuriose und zauberhafte Katzengeschichte aus dem Kraus Kinderbuch Verlag, in der über die kleinen Löwen und mysteriösen Tiere elementare Themen erzählt werden.

Ragnar Aalbu: Auf der Suche nach Georg, Übersetzung: Katrin Frey, Kraus Kinderbuch, 2026, 40 Seiten, 18 Euro, ab 4

Im Angesicht Agathes

Es ist schon etwas Besonderes, wenn die Heldin eines Kinderbuches gut 80 Jahre alt ist. Zwar gibt es mal eine uralte Großmutter. Die kann dann aber auch mehr als ein bisschen tüdelig sein, um Kindern das komplizierte Thema Demenz zu erklären. Die betagte Agathe aber krabbelt im neuen Kinderbuch der vielfach ausgezeichneten Antje Damm munter herum. Sie ist nämlich, wie der Untertitel verrät, eine Schildkröte.
Agathe. Papas Schildkröte und ich ist Autobiografie, Sachbuch und Familiengeschichte in einem. Antje Damm ist diese Kombination hervorragend gelungen. Die lange Entstehungszeit hat sich auf jeden Fall gelohnt. Die griechische Landschildkröte war schon lange da, bevor Antje Damm im Jahr 1965 geboren wurde. Ihr Vater, einst ein Tiere und Natur liebender Junge, hat sie mit einem genialen Trick in sein Leben, das seiner Tochter und deren Töchter, seinen Enkelkindern, gebracht.

Keine Haustiere!

Allein das ist schon eine Geschichte wert. Seine Mutter, Antje Damms Großmutter, war nämlich strikt gegen ein Haustier: »1. Haustiere machen Dreck. 2. Sie stinken. 3. Sie fressen einem die Haare vom Kopf. 4.Sie machen Krach. 5. Sie brauchen Platz. 6. Und sie machen soviel Arbeit!« zeigt Damm ihre Großmutter zeternd. »Aber meinem Papa war das egal!«, schreibt sie in großen Buchstaben auf der gegenüberliegenden Seite über einen kleinen und sehr entschlossen blickenden Jungen.

Geschenk zum Muttertag

In der Tierhandlung kauft er eine Schildkröte. Ein Tier, das jedes Argument aufs Schönste widerlegt. Und schenkt es seiner Mutter liebevoll verpackt zum Muttertag. Damals war Agathe noch so groß wie ein Fünfmarkstück, was als alte, ausgeschnittene Fotos, in Originalgröße nebeneinander gelegt, sehr niedlich aussieht. Für heutige Kinder in Euro, oder eher bargeldlosen Zeiten: das entspricht knapp drei Zentimeter Durchmesser. Und so stakste Agathe in die Herzen von mehreren Generationen. »Sie ist ungefähr 20 cm lang, wunderschön und klug und sehr still«, schreibt Damm.

Inspiration für ein vielfältiges Gesamtkunstwerk

»Ohne sie hätte ich nicht begonnen, Kinderbücher zu schreiben, denn durch die Geschichten, die ich mit ihr erlebt habe, entstand mein allererstes Bilderbuch. Es wurde allerdings nicht gedruckt«, erzählt die studierte Architektin Antje Damm zu Anfang. Gut, dass sie sich nicht hat entmutigen lassen. Und umso schöner, dass jetzt derjenigen, die Inspiration und Ursprung eines vielfältigen und grandiosen Gesamtkunstwerks ist, ein eigenes Buch gewidmet wird.

Comic, Schautafeln, Grundrisse

Auch in diesem Buch verwendet Damm verschiedene, sehr individuelle Gestaltungstechniken und für sie typische Illustrationsstile. Es gibt comicartig gezeichnete Episoden und Kindheitserinnerungen, lustige, traurige und auch peinliche. Dazwischen sieht man auf detailierten Schautafeln, was Agathe am liebsten isst. Oder wie technisch ausgereift ihr Schutzhaus im Garten mittlerweile ausgestattet ist. Oder der spezielle Kühlschrank, in dem Agathe überwintert. Hier kommt Damms ursprünglicher Beruf als Architektin ebenso zur Geltung wie im Grundriss des Hauses und der Nachbargrundstücke, als die Familie mit Agathe aus der Stadtwohnung auf Land zieht.

Mettigel und Toast Hawaii

Zahlreiche Fotos aus dem Familienalbum zeigen Agathe unterschütterlich im Wandel der Zeit. Collagen mit kulinarischen Modeerscheinungen wie Mettigel und Toast Hawaii oder der ikonische VW Käfer, bunte 70er-Jahre Kinderklamotten, in Versuchung führende Barbiepuppen und mit Glanzbildchen verzierte Schulaufsätze – Agathe hat alles gesehen. Sich selbst dagegen hat sie oft unsichtbar gemacht, die abendliche Suche nach ihr im Garten war ein regelmäßiges Familienritual. Einmal war sie richtig ausgebüxt und über acht Wochen verschwunden.

Zehen hat sie zum Fressen gern

Es gibt zahlreiche Anekdoten mit Agathe, etwa warum die Familie in Antje Damms Kindheit nur einmal in den Ferien weggefahren ist und fortan den Sommer entspannt zu Hause im Garten verbrachte. Oder Agathes mit Fotos belegte Freundschaft mit einer Taube. Antje Damm erzählt lustig und ungeheuer liebevoll von dem stillen Familienmitglied. Auch von deren Macken: »Wenn es warm ist, ist sie immer auf der Suche nach etwas zu fressen, und wenn man in ihre Nähe kommt, untersucht sie sofort die Füße. Das ist auch das einzige, wo sie drankommt. Wenn man im Sommer barfuß geht, muss man wirklich aufpassen, dass sie einen nicht in den Zeh beißt. Sie liebt Zehen über alles und keiner weiß, warum.«

Wirklich kein Haustier

Mann wünscht sich, dass Agathe noch viele Sommer in Zehen beißt. Allerdings ist mit gut 80 Jahren die Lebenserwartung selbst für griechische Landschildkröten mittlerweile erreicht. Und wenn Kinder jetzt von einer eigenen Schildkröte träumen, so mahnt Antje Damm auf der letzten Seite: »Schildkröten sind wunderbare Tiere und am allerbesten geht es ihnen in ihrem ursprünglichen Lebensraum und nicht in der Gefangenschaft als Haustier.« Das Vergnügen an dieser wunderbaren Lebensgeschichte mit einer entzückenden Heldin mindert das keineswegs.

Antje Damm: Agathe. Papas Schildkröte und ich, Moritz Verlag, 2026, 72 Seiten, 18 Euro, ab 6 Jahre

Finanziell souverän

Momentan gibt es wohl keinen Tag, an dem wir Erwachsenen uns nicht über die steigenden Preise in Läden, auf Märkten oder an Tankstellen ärgern. Ob wir es wollen oder nicht, die Gedanken ans Geld sind allgegenwärtig – und betreffen natürlich auch schon die ganz jungen Menschen, wenn es darum geht, aus dem Taschengeld das Beste zu machen.

Denn das Tückische an diesem Geld ist ja tatsächlich, dass es ganz schnell wieder weg ist, wenn man nicht aufpasst. Die Versuchungen und Verlockungen da draußen sind einfach zu groß und zu vielfältig. Und wenn man dann als junger Mensch bereits über eine eigene Geldkarte (welch perfide Idee der Banken) verfügt und bargeldlos zahlt, ist der Überblick über das eigene Vermögen auch schnell dahin. Dann gibt es böse Überraschungen, wenn die Karte auf einmal nicht mehr funktioniert.

Zwei Guppys als Guides

Um solchen Momenten vorzubeugen, kann man jetzt auf den Kinder-Ratgeber Von Geld, Gold, und Guppys zurückgreifen. Andrea Schwendemann, versierte Kindersachbuchautorin, hat sich dem Thema Geld angenommen und führt die jungen Leser:innen mit Witz in diese ziemlich komplizierte und manchmal nervtötende Welt. Sie holt dafür die Guppys Goldi und Fondia als Geld-Guides in ihr Team. Die beiden Fische nehmen die Kids an die Flosse und erklären verständlich und nachvollziehbar, was es mit dem Geld auf sich hat.

Super-Tauscher

Klar, möchte man sofort wissen, wie man aus wenig Geld viel machen kann, aber ohne ein bisschen Geschichte und Hintergrundwissen, wieso die Menschen so ein Zahlungsmittel überhaupt erfunden haben, geht es natürlich nicht. Doch Goldi und Fondia liefern interessante Beispiele für ursprüngliche Tauschobjekte (z.B. Wahl-Zähne, Gehäuse von Kaurischnecken oder Kakaobohnen) und zeigen, mit welchen Geheimzeichen unsere Banknoten, diese Super-Tauscher, heute ausgestattet sind, damit sie nicht gefälscht werden können.

Grundwissen um Sparen, Zinsen, Anlagen

Nach und nach kommen die Guppys dann zur Sache: Was sind Zinsen? Was Zinseszinsen? Was ist die Börse? Wo liegen die Unterschiede zwischen Aktien, Fonds und Sparbüchern? Was für Anlagestrategien gibt es? Was für ein Anlagetypus ist man überhaupt? Wie rutscht man (nicht) in die Schuldenfalle? Anschaulich und gutverständlich gibt es dann die entsprechenden Antworten.
Und so findet man als Leser:in plötzlich seinen eigenen Alltag in diesem Ratgeber wieder, wenn es beispielsweise darum geht, die richtigen Passwörter für Internetshops zu erfinden, oder nerviger Werbung im Netz zu widerstehen.

Das wirklich Wichtige im Leben

Doch neben allen praktischen und theoretischen Finanzinhalten, die Gold wert sind, geht es bei Andrea Schwendemann auch um das, was einem im Leben wirklich wichtig ist und wie man das Leben für sich und andere besser machen kann. Hier erfahren die Kids den Unterschied zwischen grundlegenden Bedürfnissen (Nahrung, Wohnung, Kleidung) und Wünschen (Spielzeug, Süßigkeiten, Sammelkarten) und dass man ganz klar Prioritäten setzen muss. In der Folge zeigen Goldi und Fondia, wie man sein Vermögen am geschicktesten aufteilt – nämlich in Ausgeben, Sparen und Teilen. Ja, auch teilen. Hier fließt auf eine sehr natürliche und selbstverständliche Art, die politische Dimension von Geld und Finanzen in den Ratgeber. Denn das Teilen, besser bekannt als Spenden, ist ein wichtiger Teil für das Funktionieren unserer Gesellschaft. Dass die Kids das bereits in jungen Jahren erfahren, halte ich für enorm wichtig. Denn was nutzt es, wenn wenige Menschen Milliarden bunkern, und andere nicht genug zu essen haben …

Mitmachen, quizzen, unabhängig werden

Vertieft wird das neue Finanzwissen durch Mitmachspiele, Quizfragen, ein Geld-Tagebuch und einen Spar-Plan. Gelesenes setzt sich durch diese spielerischen Elemente ganz natürlich fest und trägt dann hoffentlich in der Zukunft viele tauschbare Früchte. Und so wie es heutzutage notwendig ist, in der Schule Medienkompetenzen zu erlernen, um sich im Netz und den sozialen Medien unbeschadet bewegen zu können, wäre auch das Fach Finanzwesen in der Schule sicherlich nicht verkehrt. Andrea Schwendemanns Ratgeber macht hier den Anfang und liefert das Grundwissen für finanzielle Souveränität, die nicht nur dem Einzelnen nützt, sondern langfristig uns allen.

Andrea Schwendemann: Von Geld, Gold und Guppys. Wie aus deinem Taschengeld ein ganzer Schatz wird, Stiftung Warentest, 2026, 128 Seiten, ab 8, 16,90 Euro

Nur eine Menschheit

Papa, was ist Rassismus? Wenn man auch nur einen Moment nachdenkt, merkt man, dass diese Frage, die Merjem ihrem Vater Tahar Ben Jelloun stellte, weder naiv, geschweige denn leicht zu beantworten ist.
1998 veröffentlichte der marokkanisch-französische Autor Ben Jelloun unter dem sprechenden Titel Le racisme expliqué à ma fille ein kleines Buch, in dem er die anfangs gestellte Frage seiner Tochter klar und verständlich beantwortet. Es wurde von vielen Kindern und Jugendlichen gelesen und zum Bestseller. Jetzt haben die Illustratorin Hélène Le Cam und die Autorin und Dokumentarfilmerin Marzena Sowa den Text als bewegenden und erhellenden Comic adaptiert.

Dialog in Bewegung

Wir begleiten Vater und Tochter bei ihrem Gespräch, das durch viele kluge und aufmerksame Nachfragen des Mädchens das Thema Rassismus in allen seinen Facetten ausleuchtet. Ein raffinierter Kniff Le Cams in ihrem ersten Comic ist es, dass die beiden fast immer unterwegs sind, spazieren gehen, auf dem Heimweg, kreuz und quer durch die Stadt und im Park, in Bus und Métro, Richtung Fußballstadion oder zu einer Demonstration gegen neue Einwanderungsgesetze. Man sieht sie in Alltagssituationen, beim Tee trinken, Kochen, Einkaufen, Eis essen. Die Szene sind durchgängig und vollständig koloriert, überwiegend in warmen, sympathischen Farben, viel Gelb und Hellrot.

Schritt für Schritt angehen

Schritt für Schritt folgt man Vater und Tochter und geht Teilaspekte des allgegenwärtigen und komplexen Phänomens aus verschiedenen Richtungen an. Es beginnt mit dem Ursprung von Rassismus, einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber allem Fremden bei vielen Menschen. Alles, was sie nicht kennen und was ihnen nicht vertraut ist, macht diesen Leuten Angst. Das können unbekannte Rituale, fremde Speisen, andere Glaubensrichtungen sein, ungewöhnliche Kleidung und vor allem, das, was darunter ist, die Hautfarbe.

Wissenschaftlich widerlegt

Unterschiedliche Hautfarben haben auch zur irrigen, wissenschaftlich von der Humangenetik längst widerlegten Theorie geführt, es gebe unterschiedliche Rassen. Was jedoch immer wieder von Menschen, vor allem im globalen Norden und mit heller Hautfarbe als Begründung genommen wurde, sich anderen gegenüber überlegen zu fühlen. Und Andere in der Folge zu unterwerfen, auszubeuten, zu quälen und zu vernichten.

Kolonialismus und Sklaverei

Diese Logik ist für jeden denkenden und fühlenden Menschen nicht nachvollziehbar und absurd. Und doch ist sie für sehr viele Menschen alltägliche grausame Realität. Sie leiden unter politisch instrumentalisiertem und systematischem Rassismus in Form von Kolonialismus, Sklaverei, Vertreibung, organisierter Vernichtung und Massenmord.

Permanente Pöbeleien und Diskriminierungen

Auch hierzulande werden nur selten rassistische Übergriffe bekannt und sogar juristisch als solche zweifelsfrei definiert und verurteilt. So wie kürzlich, als der Kinderwagen einer schwarzen Frau wegen des unbegründeten und falschen Verdachts auf Diebstahl durchwühlt wurde. Oder als vor einigen Jahren eine afrodeutsche Familie als einzige während einer Zugfahrt ohne Anlass einer Ausweiskontrolle unterzogen wurde. Für viele Mitmenschen sind permanente Pöbeleien, übergriffige und verletzende Fragen, Diskriminierungen in Schule, Beruf und bei Behörden bis hin zu offener Gewalt Alltag.

Verallgemeinerung und Unwissenheit

»Ein Rassist ist jemand, der einen Einzelfall verallgemeinert«, erklärt der Vater, »wenn er von einem Araber bestohlen wird, wird er daraus schließen, dass alle Araber Diebe sind. Er verurteilt nicht den Dieb, sondern den Araber.« Verallgemeinerung, Xenophobie, also die Angst vor allem Fremden, Klischees, religiöse Verblendung, Unwissenheit, auch fehlende Bildung und das diffuse Gefühl von Benachteiligung sind Ursachen für Rassismus.

Dummheit ausgenutzt

Nun kann man sagen, diese Leute sind einfach nur dumm und zu blöd nachzudenken. Was so lange egal wäre, solange ihre Dummheit nicht anderen Menschen schadet. Und nicht in Hass und Gewalt umschlägt. Wenn aber diese Dummheit von Extremisten, sei es politischen Parteien oder religiösen Führern ausgenutzt wird, um ihre eigenen Interessen auf Kosten anderer durchzusetzen, wird es gefährlich. Der Vater macht immer wieder durch alltagsnahe Situationen und Beispiele Rassismus anschaulich; etwa wenn Kinder mit dunkler Hautfarbe generell schlechter benotet, schwarze Fußballspieler im Stadion beleidigt werden, oder Frauen ihre Handtasche angesichts People of Colour umklammern.

Von Antisemitismus bis Ziviler Ungehorsam

Dazwischen streut Hélène Le Cam schlichte und sehr eingängige Infografiken, mal aus verschieden intensiv gefärbten Punkten, mal aus Quadraten und Dreiecken in unterschiedlichen Relationen, wie ganz reduzierte Smileys mit mal ernsten, traurigen oder auch grimmigen Gesichtern. Abgerundet wird der Comic durch ein Glossar von A wie Antisemitismus und AfD bis Z wie Ziviler Ungehorsam.
Sehr beeindruckend ist auch, wie Marzena Sowa Ben Jellouns exzellenten Originaltext in einen kongenialen Dialog umwandelt, in dem das ganz und gar nicht banale Thema Rassismus grundlegend und in allen Aspekten angegangen und beleuchtet wird.

Sich selbst in Frage stellen

Was am Ende zu Merjems Frage führt: »Kann man Rassisten nicht heilen?« Was auch rührend ist, weil das Mädchen, obwohl sie mittlerweile alle furchtbaren Auswüchse von Rassismus und Antisemitismus kennengelernt hat, immer noch an das Gute in allen Menschen zu glauben scheint. »Ihre Heilung hängt von ihnen selbst ab. Davon, ob sie in der Lage sind, sich selbst in Frage zu stellen«, antwortet ihr Vater. Also selbst zu beobachten, anstatt Vorurteile zu übernehmen. Das eigene Misstrauen zu hinterfragen. Letztlich geht es um Respekt gegenüber jedem einzelnen Menschen. Wie immer gilt: Denken hilft. »Es gibt nur eine Menschheit« lautet schlicht und ergreifend der wahre und wunderbare Schusssatz.

Papa, was ist Rassismus? ist nicht nur ein ungeheuer wichtiges und brillant gemachtes Sachcomic und Essay. Es ist auch ein leuchtendes Vorbild, um komplizierte Themen klug und eingängig zu erklären. Und der Dummheit Paroli zu bieten.

Tahar Ben Jelloun, Hélène Le Cam, Marzena Sowa: Papa, was ist Rassismus?, Übersetzung: Edmund Jacoby, Jacoby & Stuart, 2026, 128 Seiten, 16 Euro, ab 12 Jahre

Lecker Abenteuer

Das nennt man understatement: Einmal kurz nicht aufgepasst – und zack, schon treibt man in einem großen Kochtopf mit einem Löffel als Ruder auf dem Ozean. Wie die beiden Waschbären, das Kaninchen und die Hündin in diese Situation gekommen sind und wie sie sich geschickt wieder rausmanövrieren, erzählt die Illustratorin Regina Kehn in ihrem wundervollen Debüt als Comicautorin.
Regina Kehn hat schon zahlreiche Bücher exzellenter Autorinnen und Autoren wie unter anderen Anna Woltz, Kirsten Boie, Andreas Steinhöfel, Nikola Huppertz mit ihren prägnanten Titelbildern in Gesamtkunstwerke verwandelt. Saša Stanišićs von Kehn illustriertes Jugendbuchdebüt Wolf wurde 2024 mit dem deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Außerdem ist sie auch vielen ganz jungen Lesern bekannt durch zwei von ihr gestaltete Pixi-Bücher. Kannst du das lesen? hat Kehn ebenfalls selbst geschrieben. Und jüngst hat sie ein weiteres Buch Stanišićs, als Autor für die Jubiläumsreihe der kleinen ikonischen Bücher, charakteristisch in Szene gesetzt.

Ligne Kehn

Und nun ist also Regina Kehns erstes Comic erschienen, logischerweise bei Kibitz, dem Verlag für Kindercomics. Kehn erzählt in klassischen Panels mit ihren unverwechselbaren Stilmitteln. Da sind zum einen die Farben: vor allem kräftiges, klares Ozeanschwimmbadkachelnblau, Schiffscontainerkarottenorange und Laternenbutterblumengelb. Und dann eine im Laufe der Jahre immer deutlichere ligne claire. Mittlerweile ist sie so zu ihrem Markenzeichen geworden, dass man von einer ligne Kehn sprechen könnte. Innerhalb dieser klaren, stabilen Umrandung erweckt Kehn unterschiedlichste und sehr liebenswerte Typen zum Leben, und gibt diesen Freigeistern verlässliche Struktur.

Verkettung kurzer Unaufmerksamkeiten

Da sind zum einen die beiden Waschbärenkumpels Juri und Walther: der eine ein hibbeliger, plietscher Draufgänger mit einem leichten Hygienefimmel, der andere eher gemütlich und etwas stoffelig. Was sie vereint, ist der Appetit auf Neues. Und so klettern sie in eine Mülltonne, naschen etwas zu viel Lifestyle-Zeug, werden in eine Recyclinganlage gekippt, kurz vor knapp rausgefischt und landen im Tierheim, entkommen von dort, verirren sich auf dem Nachhauseweg im Hamburger Hafen auf ein Containerschiff. Dort begegnen sie dem kämpferischen Kaninchen Dexter und Tony, der hübschen Hündin des Schiffskochs. Und diese verrückte Verkettung kurzer Unaufmerksamkeiten ist nichtmal die Hälfte dieses furiosen Abenteuers.

Unterschiedliche Typen geben Dynamik

Kehn erzählt mitreißend, mit lauter kuriosen Einfällen und Wendungen. Dabei kommen die unterschiedlichen Charaktere ihrer Figuren zum Tragen und geben der Geschichte eine besondere Dynamik. Es geht um Freundschaft, Solidarität und Toleranz für unterschiedliche Lebensentwürfe und Bedürfnisse. Ohne dass großes Gewese drum gemacht wird. Reibung erzeugt Wärme. Prägnant auf den Punkt gebracht werden die verschiedenen Perspektiven durch drei Motivationsreden, bei denen wahlweise von den Kandidaten für die Rolle eines Anführers John F. Kennedy, Martin Luther King oder Winston Churchill zitiert werden. Das ist schön schräge Politiksatire, wenn das Kaninchen mal eben aus dem Stehgreif auf »Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß« sowie »Monate des Kämpfens und Leidens« einstimmt. Einstimmig gewählt wird aber Walther, ohne Rede, wegen seiner guten Nase.

Appetit auf mehr

Ein Waschbär tauchte erstmals in Kehns selbst getexteter Pixi-Geschichte auf. Jetzt sind gleich zwei der forschen, knuffigen Einwanderer mit den Räubermasken Helden von Regina Kehns fantastischem Debüt als Kinderbuchautorin. Einmal kurz nicht aufgepasst macht großen Appetit auf mehr aus ihrer Feder.

Regina Kehn: Einmal kurz nicht aufgepasst!, Kibitz, 2025, 136 Seiten, 20 Euro, ab 6

Ritter auf dem Roller

Ritter sind auch nicht mehr das, was sie mal waren: »Können Sie wenigstens reiten?«, fragt die mysteriöse Frau den jungen Schluffi im roten Kapuzenpulli mit Baseballcap und Kopfhörern um den Hals. »Nicht besonders … ich bin mit dem Bus hier«, antwortet der zerknirscht. Da überlegt man sich als Fee schon, ob man das berühmte Schwert rausrückt.
Aber das Zuhause der Dame vom See ist schon lange nur noch ein vermüllter Tümpel. Sie will unbedingt weg aus diesem Dreck, ist aber durch einen Zauber gebunden, und der Junge ihre einzige Chance zu entkommen. So erfrischend in die Gegenwart transportiert beginnt der französische Comicautor Frédéric Maupomé seine mehrbändige Neuerzählung der Artussage. Genauer die des Königs Pellinor. Das ist eine je nach Sichtweise mehr oder weniger eng mit Artus, der Tafelrunde und vor allem der mythischen Waffe Exkalibur verbandelte Figur. Spinoffs gibt es nämlich nicht erst seit Frazier (aus Cheers) oder Better Call Saul. Schon die Kelten hatten viel Zeit zu erzählen und Anlässe, die Heldensagen immer weiter auszuspinnen.

Die Suche ist das Ziel

Jetzt ist also Pelli an der Reihe, ein Nachfahre Pellinors, sich auf die Suche nach dem Biest zu machen. Ein magisches Wesen mit dem Kopf einer Schlange, dem Körper eines Leoparden und den Füßen eines Rehs. Suche ist wörtlich gemeint. Das scheue Fabelwesen soll nicht gejagt und erlegt werden. Es zu finden ist das Ziel des adoleszenten Suchers.
Frédéric Maupomé erzählt die traditionsreiche Geschichte der Quest mitreißend und lustig, mit überraschenden Drehs. Seine Figuren sind lebendig, egal ob Zeitgenossen oder keltischen Legenden entsprungen. Die Dialoge lesen sich spritzig und klug, von Christiane Bartelsen flott und authentisch übersetzt.

Croissants sind nicht nur luftiges Plundergebäck

Raffiniert verknüpft Maupomé Mythos und Moderne. Zum Beispiel, wenn er die Die Dame vom See, die Fee Nimue, Pelli zur Begleiterin aufsatteln lässt und dem Ganzen einen wohltuend weiblichen Touch gibt. Apropos aufsatteln: Statt per Bus machen sich die beiden per laut pötterndem Motorroller auf die Reise. Allerdings keine stilvolle Vespa, sondern ein kantiges Modell in Rot namens Geraldine ist das Gefährt in dieser famosen Road Novel.
Très français entwickelt Nimue ein Faible für Croissants. »Ich weiß nicht, wie ich ohne sie leben konnte«, sagt sie am Anfang des zweiten Bands, der Protest des Fischerkönigs. Und man ahnt, es geht nicht nur um luftig-fettiges Plundergebäck in Hörnchenform. Jahrhunderte war die Fee als Schwertaushändigerin an den See gefesselt. Endlich hat sie ihre Freiheit gewonnen und kann leben und die Welt entdecken.

Absolut lesens-und sehenswert wird die Quest-Reihe durch Wauter Mannaerts Illustrationen. In den zunächst ruhig und fast klassisch angelegten, durch schräge Bildumrahmungen dynamisierten Panels versteckt der belgische Zeichner und Autor viel subtilen Witz. Dabei setzt er bewährte Tricks filmischer Inszenierung geschickt um. So beginnt er mit einem Knall, um sich dann langsam zu steigern. Und Band 1 und 2 enden mit verheißungsvollen Cliffhangern. Die Figuren sind klar und eher schlicht in Szene gesetzt. Dafür gestaltet Mannaert Landschaften umso detaillierter und aufwendiger. Vom verdreckten See durch Felder bis in dunkle Wälder besticht die Farbpallette durch zahlreiche Schattierung von Grün, von gräulichem Schlammgrün über zarte Gras- und Knospentöne bis zu samtigem Tannennadel- und kristallinem Flaschengrün.

Liebevoll gestaltetes Biest

Besondere Liebe hat Wauter Mannaert laut eigener Aussage der Darstellung des Biests gewidmet, und ihm noch eine blaue Löwenmähne gegönnt. Im zweiten Band ist es dann auch häufiger zu sehen, taucht immer wieder, von Pelli und Nimue ungesehend, am Rand auf. Und bekommt auch eigene, kleine Szenen.

Monobloc in Seerosenranken

Vielleicht liegt es an den gestiegenen Papierpreisen. Oder es ist eine sehr charmante, neuzeitliche Zugabe, dass immer häufiger bereits das Vorsatzpapier von bebilderten Büchern ein echter Hingucker ist. Maennert nutzt diese Doppelseite, die einem beim Aufklappen des Buchdeckels entgegenspringt, aufs Allerschönste. Im ersten Band sind es von Seerosen umrankte Fabelwesen und die Helden auf dem Roller Geraldine. In den Ranken verfangen sind Zivilisationsmüll, Getränkedosen, Plastikflaschen, Pommesverpackungen. Und, geradezu ikonisch, zwei sogenannte Monoblocs, die überall auf der Welt zu findenden weißen Plastikstühle. Das ist sehr witzig und dezent umweltkritisch zugleich. Und stimmt perfekt auf die fabelhafte Quest-Saga ein.

Frédéric Maupomé: Quest – 1. Die Dame vom See, Illustration: Wauter Mannaert, Übersetzung: Christiane Bartelsen, Reprodukt, 2025,120 Seiten, 20 Euro, ab 8

Frédéric Maupomé: Quest – 2. Der Protest des Fischerkönigs, Illustration: Wauter Mannaert, Übersetzung: Christiane Bartelsen, Reprodukt, 2025, 120 Seiten, 20 Euro, ab 8

Kolosseum hautnah

Vor ein paar Jahren habe ich hier schon mal Fred und seine Zeitreisenabenteuer vorgestellt. Jetzt ist Fred in Buchform zurück – und zwar mit seinen Erlebnissen im alten Rom.
Ursprünglich gab es Freds Geschichten als Hörbücher, liebevoll und historisch absolut korrekt von Birge Tetzner und Rupert Schellenberger konzipiert und produziert. Schon das war damals ein absoluter Knaller in Sachen Hörbuch und sei immer noch wärmstens empfohlen (meine Ausgaben hat sich mein Neffe unter den Nagel gerissen).

Auf nach Rom

Nun aber konnte ich Freds Geschichte in Rom noch mal nachlesen und bin wieder ganz verzückt. Fred fährt hier mit Opa Alfred im Nachtzug nach Rom und gemeinsam streifen sie zunächst über das Forum Romanum, wo es viel über das Leben im alten Rom zu entdecken gibt.
Im Kolosseum, was gleich hinter dem Forum liegt, darf Fred einen alten Lastenfahrstuhl ausprobieren und landet nach einer Zeitreise direkt in den Katakomben des Kolosseums, in dem gerade ein Gladiatorenwettkampf stattfindet.

Vielfältige historische Details

Während man sich beim Hörspiel der Geschichte einfach hingeben kann, hat man im Buch wunderbar viel zu lesen und zu schauen. Denn neben der eigentlichen spannenden Geschichte, gibt es unzählige Infos rund um die Gladiatorenkämpfe, deren Regeln und Akteuere, zu denen tatsächlich auch Frauen gehörten. Graphiken zeigen den Aufbau des Kolosseums, wo welche Menschen saßen (was interessant ist, weil einem sofort die historischen Fehler in Sandalenfilmen wie Gladiator auffallen …), welche medizinischen Instrumente benutzt wurden oder welche Inschriften von Gladiatoren erzählen. Diese Infos sind hier ausführlicher und vielfältiger als im Booklet des Hörspiels. Zudem gibt es einen umfangreichen Anhang, in dem neben der Geschichte des Römischen Reiches auch die verschiedenen Waffengattungen der Gladiatoren erklärt werden. Ein Glossar zu den Fachbegriffen rundet alles ab.

Atmosphärische Illustrationen

Illustriert hat wie schon bei den vorherigen Büchern und Hörspielen Karl Uhlenbrock. Seine Bilder in fast gedämpften Farben und außergewöhnlichen Perspektiven vermitteln eine intensive Atmosphäre der Gladiatorenkämpfe und der düsteren Nächte im alten Rom. So hat man nicht nur durch Freds Erlebnisse das Gefühl, als Betrachter:in mitten im Geschehen zu stecken.
Bei der nächsten Rom-Fahrt mit Kindern sollte dieses Buch auf jeden Fall mit ins Reisegepäck – eine bessere Vorbereitung auf das Kolosseum und das alte Rom gibt es nicht.

Birge Tetzner: Fred im alten Rom. Im Schatten des Kolosseums, Illus: Karl Uhlenbrock, ultramar media, 2025, 240 Seiten, ab 10, 22 Euro

Rückkehr ins Sargassum

Als hätte jemand einen seidenen Faden an sein Herz geknüpft und würde nun unendlich behutsam daran zupfen.« Zart und fast poetisch beschreibt Dita Zipfel das rätselhafte Ziehen, das der Held ihrer Geschichte, ein Aal namens Aali, eines Tages verspürt. Ein Ziehen, ein Signal zum Aufbruch, der Anfang einer mysteriösen und faszinierenden Verwandlung und Wanderung zum Ende des Lebens.
Oder wie es der Titel des von Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich gemeinsam erdachten Kinderbuches es auf den Punkt bringt: Aali muss los.
Es ist eine Jahrtausende alte und wahre Geschichte: Aale durchlaufen in ihrem Leben vier verschiedene Existenzformen. Von transparenten, flachen Weidenblattlarven im Atlantik werden sie zu weiterhin durchsichtigen Glasaalen und wandern aus dem Ozean durch die Mündungen in europäische Flüsse und Seen. Dort leben sie bis zu 30 Jahren und futtern sich eine imposante Fettschicht an. Die brauchen sie auch, denn wenn sie sich schließlich zum Blankaal verwandeln, hören sie komplett auf zu essen. Zum Ende ihres Lebens sind sie nur noch in Bewegung, über tausende Kilometer, fast ein Jahr lang, zurück zu ihren Ursprüngen und den Laichplätzen folgender Generationen.

Kein Appetit auf Frühstück

Das alles weiß Aali aber noch nicht. Jahrelang hat er beschaulich im Nord-Ostsee-Kanal vor sich hingedümpelt. Doch eines Morgens ist da dieses Ziehen, das er seinem Freund Frank nicht erklären kann, weil er es selbst nicht versteht. Auf jeden Fall hat er keinen Appetit auf Frühstück. »Lass mal schwimmen«, murmelt Aali. »Einfach schwimmen.«

Mitreißender Roadmovie

Für Zipfel und Heinrich ist das mysteriöse Leben der Aale die perfekte Steilvorlage für eine sympathische Heldensaga und einen mitreißenden »Roadmovie«, Drama und Abenteuer auf Wasserstraßen bis in die Weiten des Ozeans. Getragen von Dita Zipfels einzigartigem Sound. Einer Sprache, die ebenso witzig wie wortstark und bilderreich ist:  »Wie ein Biss in den europäischen Kontinent« ist die Küste Schleswig-Holsteins. Frank ist eine »loyale Brasse«, und gleich erkennt man den den gutmütigen und verwunderten Freund und Fisch. Und fühlt den Kummer, als Aali von ihm Abschied nehmen muss, um dem Ruf ins Unbekannte zu folgen. Ein Schwan, der Aali zum Probeliegen in seinem Nest einlädt, weil er das für das Ziel aller Suchenden hält, wirkt wie ein »übereifriger Matratzenverkäufer«.

Natur ist kein Ponyhof

Der Hafen ist ein »Moloch aus Rost und Rhythmus«. Und eine Subkultur voller skurriler, schillernder und feierfreudiger Wasserbewohner. Die vielfach ausgezeichnete Autorin lässt zum Beispiel die Schönheit des Wortes Robbe auf der Zunge zergehen, weil man aus ihm alles raushören kann, »das Runde und Weiche, das Fließende, genau richtig Dicke und sogar die Freundlichkeit in ihrer ganzen Art«.
Und dann ein Satz wie dieser: »Die Natur ist kein Ponyhof, sondern ein großes Fressenwollen und Gefressenwerden.« Damit hält Aali muss los die perfekte Balance zwischen sympathischer fiktionaler Erzählung und packender, faktenreicher Sachgeschichte, einfühlend in individuelle Lebewesen und voller Respekt vor den Wundern der Natur. Das ist sogenanntes Nature Writing at it’s best.

Grün in allen Schattierungen

Nele Brönners Bilder lassen die Lesenden ganz tief eintauchen und mit Aali mitschwimmen. Allein schon die Farben: Grün in allen Schattierungen dominiert, von zartem Hellgrün über zahlreiche Abstufungen und alle möglichen Varianten, gelegentlichen Ausflügen in Türkis bis zu Nachtdunkelgrün, fast Schwarz. Akzente setzen knalliges Geld und schwarze Tupfen. Selbst die Schrift fließt in verschiedenen Farben über die Seiten.

Chor aus Kleinlebewesen

In allen Gewässern (und an Land, Aale können über Land wutschen) tummeln sich die unterschiedlichsten Wesen, riesige Welse und winzige Fischchen, muntere Mantas, quirlige Krabben, Seepferdchen, Schildkröten. Brönners Unterwasserwelten, auch der Auf-dem-Land-Mikrokosmos, also Uferböschung und Flusswiesen, sprühen allein schon durch Zusammenspiel und Auftrag der Farben vor Lebendigkeit – von ihren Bewohnern ganz zu schweigen. Ein reizender Einfall der Kinderbuch-Illustratorin sind auch die hinzugefügten Schnecken, Garnelen und andere Kleinstlebewesen, die gelegentlich wie ein mahnender oder motivierender Chor fungieren. Die Frage des naturalistischen Autors Robert Macfarlane, ob Flüsse Lebewesen sind, kann nur mit Ja! beantwortet werden.

Es bleibt ein Geheimnis

Und was hat es jetzt mit dem rätselhaften Ziehen auf sich? Mittlerweile weiß man zwar, dass Magnetismus eine Rolle spielt. Aber warum Aale in die Sargassosee im Atlantik zurückkehren, und tatsächlich alle Aale auf der Welt aus den gigantischen Algenwäldern des Sargassums stammen, bleibt ein Geheimnis.
Aali schwimmt direkt ins Herz und zieht einen auf jeden Fall magisch und unwiderstehlich an. Also, zieht alle unverzüglich los, in die Buchhandlung eures Vertrauens.

Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich: Aali muss los, Illus: Nele Brönner, Huckepack im Verlag mairisch, 2025, 64 Seiten, 20 Euro, ab 7

Universum – Kosmos – Weltall. Ein Special

Als Übersetzerin habe ich seit Jahren immer mal wieder Kindersachbücher zum Thema Weltall und Sterne auf dem Schreibtisch, so auch dieses Jahr. Gerade ist meine neueste Übersetzung herausgekommen: Mein großes Buch vom Weltall von Camilla De la Bedoyere.
Die Geschichten über das Universum, seine Entstehung, unser Sonnensystem und seine Planeten, ferne Galaxien und Schwarze Löcher sind jedes Mal überaus faszinierend, dass mich immer wieder die Lust überkommt, Astronomie zu studieren – aber Mathe und Physik waren und sind leider nicht meine Stärken. Umso schöner, dass ich durch diese gutgemachten und verständlichen Kindersachbücher meinen Horizont auch ohne Studium erweitern kann.

Das nehme ich nun zum Anlass mal den Blick auf die aktuellen Publikationen anderer Verlage zu diesem unendlichen Thema zu werfen. Sternen-Bücher gibt es wohl seit Anbeginn des Buchdrucks. Bei uns zu Hause lagen schon in den 1970er Jahren sowohl alte Ausgaben aus der Nachkriegszeit, als auch WAS IST WAS-Bücher über Sterne herum. Ein Gesamtüberblick über dieses Genres wäre also ein unmögliches Unterfangen, weshalb ich mich auf die wichtigsten Erscheinungen aus den vergangenen vier Jahren beschränke. Falls mir bei meiner Recherche dabei etwas entgangen ist, bitte ich um einen Hinweis. Dann erweitere ich diese Sammlung.

Ähnliche Inhalte – viele Besonderheiten

Da sich die Inhalte bei Kindersachbüchern über das Weltall natürlich alle ziemlich ähneln, habe ich versucht, die jeweiligen Besonderheiten der einzelnen Publikationen hervorzuheben. Da eine Kategorisierung per se nicht ganz einfach ist, habe ich mich am Alter der Zielgruppen orientiert, beginnend bei den Jüngsten bis hin zu den junggebliebenen Erwachsenen.

Ich hoffe, hier jede:r etwas Passendes aus den Weiten der Buchproduktionen über unser Universum findet. Und los geht’s: 3 – 2 – 1 – Lift off!

Lesealter 2-5

Für Geschichten über den Himmel, das Weltall, den Weltraum und die Sterne kann man nie zu jung sein. So gibt es die ersten Pappbilderbücher bereits für Zwei- bis Vierjährige.
In Sonne, Mond und Sterne fängt es ganz einfach mit der Erklärung für das Phänomen von Tag und Nacht an. Kurze Texte liefern erste Infos zum Weltall, zur Raumfahrt und den Sternbildern.
Auf jeder Doppelseite gibt es immer die eine oder andere Klappe zum Aufmachen, dahinter betreten Astronauten den Mond oder zündet die nächste Raketenstufe. Genaues und wiederholtes Hinsehen ist damit garantiert. Auf diesen wenigen Pappseiten ist die Faszination für die unendlichen Weiten liebevoll und kleinkindgerecht angelegt. Die alltäglichen Welten der ganz Kleinen werden so um den Blick ins Universum geweitet.

Patricia Mennen: Wieso? Weshalb? Warum? junior – Sonne, Mond und Sterne, Illus: Peter Niederländer, Ravensburger Verlag, 5. Aufl. 2022, 16 Seiten, ab 2, 11,99 Euro

Poetisch wird es auf den zwölf Papp-Doppelseiten von Guck mal tief ins Weltall. Regina Schwarz liefert zu Sonne, Mond und fünf Planeten jeweils einen gereimten Vierzeiler mit den wichtigsten Infos. Dazu kommen ein Raketenstart und die Raumstation ISS.
Die ausgestanzten Löcher in der Seitenmitte, werden mit jedem Umblättern kleiner und enden in einer Sternschnuppe, die natürlich einen Wunsch erfüllt. Auf jeder Doppelseite hat sich zudem ein kleines grünes Wesen versteckt, das gesucht werden muss. Ein liebevoller Einstieg in das Weltall-Thema!

Regina Schwarz: Guck mal tief ins Weltall, Illus: Lisa Apfelbacher, Kosmos, 2023, 24 Seiten, ab 2, 14 Euro

Weiter geht es mit dem nächsten gereimten Bilderbuch mit Loch. Auf jeder Doppelseite von Unsere 8 Planeten wird genau ein Planet in jeweils vier Zeilen vorgestellt. Und das ist echt gut gemacht, denn auf diesem wenigen Raum schafft es Chris Ferrie die wichtigsten Merkmal der Planeten unseres Sonnensystems unterzubringen. Uranus liegt auf der Seite und ist der kälteste, Saturn besitzt 80 Monde und daher so viele Ringe. Auf Venus ist es 500 Grad heiß und er strahlt am hellsten. Beim Reimen hat Übersetzerin Silke Pöppel super Arbeit geleistet. Denn das so auf den Punkt hinzubekommen ist überhaupt nicht einfach!
Kleine Betrachter:innen bekommen hier also spielerisch die ersten harten Fakten über unsere Planeten. Und die Löcher, die auf jeder Seite ein bisschen kleiner werden, lassen immer die Sonne sehen, um die bekanntlich unsere Planeten kreisen. Ein wirklich tolles erstes Sternen-Buch!

Chris Ferrie: Unsere 8 Planeten, Illus: Lizzy Doyle, Übersetzung: Silke Pöppel, Penguin Junior, 2022, 20 Seiten, ab 3, 10 Euro

Nur wenige Seiten hat das Pop-up-Buch Im Weltall, doch die beherbergen filigrane Papierkunst, die sich beim Aufklappen entfaltet. Ein echtes Spektakel und ein wahrer Hingucker: Es startet eine Rakete ins All, zwei Astronauten hüpfen über den Mond, die ISS macht sich breit, ein Rover erkundet den rote Mars und zum Schluss umkreisen die Planeten die Sonne.
Hier steht natürlich der Pop-up-Effekt im Mittelpunkt, aber erste Infos zum Weltall und zur Raumfahrt lassen sich auch hier finden. Ein dynamischer Einstieg ins Thema!

Laura Cowan: Mein erstes Pop-up-Buch: Im Weltall, Illus: Chaaya Prabhat, Übersetzung: Birgit Zimmerer, Usborne, 2023, 10 Seiten, ab 3, 13 Euro

Eine erdbezogene Annäherung an das Universum kommt von Vater und Tochter Hawking. Lucy, die Tochter des 2018 verstorbenen Astrophysikers Stephen Hawking, fasst hier das Erbe ihres Vaters in dem inklusiven Bilderbuch Schaut zu den Sternen! zusammen. Sie lässt Stephen Hawking sprechen, der davon erzählt, dass er die großen Fragen des Weltalls lösen wollte: Wie groß ist das Universum? Wie viele Sterne gibt es? Was ist ein Schwarzes Loch? Sind Zeitreisen möglich?
Aber für ihn sind auch andere Fragen wichtige, die unser Zusammenleben auf der Erde betreffen: Wie können wir auf unseren Planeten aufpassen? Wie für eine lebenswerte Zukunft sorgen?
Die Hawkings fordern hier bereits die kleinen Menschen auf, über diese Fragen nachzudenken und unseren Planeten und das gemeinsame Zusammenleben darauf zu schützen. Am Ende des Buchs beantworten sie noch einige Fragen zum Weltall, die den ersten Wissensdurst kleiner Astrophysiker:innen stillen, aber auch zum Weiterforschen anregen.

Stephen Hawking/Lucy Hawking: Schaut zu den Sternen! Gemeinsam unterwegs in Richtung Zukunft, Illus: Xin Li, Übersetzung: Knut Krüger, Penguin Junior, 2025, 40 Seiten, ab 4, 16 Euro

Einen ersten Flug zur Raumstation ISS können mit Abenteuer im Weltraum Vorlesende und neugierige Kids gemeinsam unternehmen. In diesem Pappbuch fliegen die Kinder Marie und Luis ins All und erleben, wie mal als Astronaut:in auf der Raumstation den Alltag bewältigt. Die Schwerelosigkeit macht selbst das Schlafen zu etwas Besonderem – von den Toilettengängen und dem Haarewaschen mal ganz abgesehen. Dass die Kinder sogar Weltraumspaziergänge machen, ist zwar eigentlich Quatsch bzw. Fiktion, aber für die Identifikation mit dem Thema ganz schön. Auch hier gibt es wieder Klappen, hinter denen sich veränderte Illus und weitere Infos finden. Das Vorlesen wird so zum Gemeinschaftserlebnis. Dazu finden sich »Mach-mit!«-Aufforderungen, bei denen kleine Experimente durchgeführt werden können. Mit diesem Basis-Wissen über die Raumfahrt haben die Kinder nach der Lektüre schon eine ganze Menge Erstaunliches zu erzählen.

Volker Kratzenberg-Annies: WAS IST WAS Junior. Abenteuer im Weltraum, Illus: Niklas Böwer, Tessloff, 2024, 20 Seiten, ab 5, 14, 95 Euro

Lesealter 6-9

Leseanfänger können sich dann in Weißt du schon alles über das Weltall? in verschiedenen Formen ausprobieren. Hier gibt es kurze Text in einfacher Sprache, deren Silben farblich herausgehoben sind. So kann das Lesen ganz spielerisch geübt werden. Inhaltlich geht es um – na, klar – das Weltall, wie es entstanden ist, wie Sterne geboren werden und um Sonnen kreisen, wie aus kleinen Staubkörnchen Sternschnuppen werden, oder wie viele Menschen bereits auf der ISS waren. Am Ende jedes Kapitels gibt es ein Quiz, in dem das Gelesen wiederholt wird.
Dazu kommen Seiten mit »Profiwissen zum Vorlesen«. Damit wird die Lektüre dieses Buches zu einem Gemeinschaftserlebnis von Groß und Klein. Und vermutlich lernen dann beide Seiten etwas über Sterne, Planeten und Schwarze Löcher. Nur, dass man dann schon alles über das Weltall weiß, sollte man wirklich nicht glauben …

Helen Seeberg: Dein Lesestart. Weißt du schon alles über das Weltall?, Dudenverlag, 2025, 64 Seiten, ab 6, 10 Euro

In Geheimnisvolles Weltall wird auf jeder Doppelseite ein neues Thema behandelt. Es beginnt mit dem Überblick über das Universum und die wichtigste Maßeinheit, das Lichtjahr. Nach und nach geht es weiter ins Detail: Urknall, Sonnensystem, Planeten. Bei letzteren gibt es Einblicke in deren Aufbau und Materialien, so erfahren die angehenden Astrophysiker:innen was »Mondglas« ist und dass es Meteoriten aus Stein, Eisen oder einer Mischung daraus gibt.
Außerhalb unseres Sonnensystems faszinieren Helix-, Krebs- und Adlernebel ebenso wie die verschiedenen Formen der Galaxien. Exoplaneten könnten Lebensräume für Aliens sein. Und ein Rätsel gibt immer noch die Dunkle Materie auf, von der die Wissenschaft noch nicht weiß, woraus sie besteht.
Dieses Kompendium mit kurzen, gut verständlichen Texten, befasst sich zu dem mit Raumtechnik und Raumfahrt, thematisiert das Problem des Weltraumschrotts, die Schwierigkeit der Marsmissionen und spekuliert über Aliens. Den Abschluss bildet der eigene Blick in den Himmel, an dem sich Sternbilder entdecken lassen.

Shoshana Z. Weider: Geheimnisvolles Weltall. Entdecke die unendlichen Weiten des Universums, Illus: Claire McElfatrick, Übersetzung: Birgit Reit, Dorling Kindersley, 2025, 80 Seiten, ab 7, 16,95 Euro

In dem Klappenbuch Abenteuer Weltraum gibt es jede Menge Sachen zum Ausklappen. Gleich die erste Doppelseite verdoppelt sich noch mal und zeigt in comichaften Illustrationen das Weltall mit Sternen, Planeten, Galaxien. In einfachen Worten und kurzen Sätzen wird die Entstehung von Sternen erläutert und wie sie wieder sterben.
Auf einer mäandernden Zeitleiste gibt es Infos zur Geschichte der Astrophysik und den wichtigsten Protagonisten wie Galileo Galilei oder Albert Einstein. Auch das Sonnensystem wird wieder im Breitbandformat vorgestellt. Zu jedem Planeten sind Fakten und Zahlen zum Staunen eingestreut.
Als Goody gibt es am Ende ein Heftchen mit kleinen Sternkarten, auf denen man die Sternbilder entdecken und sie gleich abends am Himmel suchen kann.

Katie Daynes: Ich weiß mehr! Abenteuer Weltraum. Vom Urknall bis zur Raumfahrt, Illus: Peter Allen, Übersetzung: n.n., Usborne, 2025, 12 Seiten ab 7, 16 Euro

Unklare Besitzverhältnisse sind bekanntermaßen nie gut. Sie führen meist zu Streit. Auch beim Weltraum, den wir ja nach und nach immer weiter erforschen und erobern, stellt sich diese Frage: Wem gehört eigentlich der Weltraum? Nur ist es hier nicht ganz so einfach. Anne Scheller nähert sich in ihrem Buch dieser Frage, indem sie zunächst erklärt, wo der Weltraum überhaupt beginnt und wie er entstanden ist. In kurzen Texten geht es durch die Geschichte von Universum und Raumfahrt. Von der Forschung auf der ISS und möglichen Touristentouren ins All gelangt sie zu den Satelliten, die unsere Erde umkreisen. Diese mittlerweile unverzichtbaren Helfer in unserem Alltag sind dort oben heute so zahlreich vertreten, dass es langsam fast etwas eng wird. Und sie entwickeln sich zu einem Problem: Kaputte Satelliten bleiben einfach in der Erdumlaufbahn und werden zu Weltraumschrott. Doch wer macht den wieder weg? Normalerweise sind die Eigentümer zum Aufräumen verpflichtet, aber die unendlichen Weiten gehören niemandem. Der Blick auf diese ungeklärten Verhältnisse und die ersten Ansätze zur Lösung dieser Probleme ist eine interessante Facette in diesem liebevoll illustrierten Buch.

Anne Scheller: Wem gehört eigentlich der Weltraum?, Illus: Julia Christians, Beltz & Gelberg, 2025, 62 Seiten, ab 7, 16 Euro

Zu einem Tripp ins All startet Mein galaktischer Weltraum-Atlas von Jane Wilsher. Auf jeder Doppelseite gibt es ein neues Thema, angefangen bei der Betrachtung des Sternhimmels von der Erde aus, über den Raketenstart und den Alltag im Kosmos. Kleine Texthäppchen liefern Erstlesenden erstaunliche Infos – beispielsweise muss die Zahnpasta heruntergeschluckt werden. Dazu gibt es knallbunte Illus, in denen vor allem die Technik der Raumfahrt dargestellt wird, wie der Mond- und auch der Marsrover.
Zum Mitmachen und genauen Hinschauen animiert auf jeder Doppelseite ein bunter Kreis mit Fragen. So müssen die Sonneneruptionen gezählt oder der Planet mit dem Roten Fleck gesucht werden. Kleine Technik-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten!

Jane Wilsher: Mein galaktischer Weltraum-Atlas. Eine Reise zu den Sternen und zurück, Illus: Paul Daviz, Übersetzung: Elena Bruns, moses. Verlag, 2024, 32 Seiten, ab 8, 14,95 Euro

Unter dem Sesamstraßen-Motto Wieso? Weshalb? Warum? Wer nicht fragt bleibt dumm! werden in diesem Ringbuch 27 Fragen zum Weltraum gestellt und beantwortet. Zwei kleine Weltall-Alliens begleiten die Lesenden und liefern in Sprechblasen lustige Anmerkungen zu den vielen Infos, die sich um Sonne, Planeten, Kometen und die Milchstraße drehen. Auf zum Teil aufklappbaren Seiten entfaltet sich so ein grundlegender Überblick über das Universum. Es gibt zudem einen kurzen historischen Abriss über die wichtigsten Astronomen und Entdecker.
In der Abteilung »Spezial-Wissen« wird ein Faktum des jeweiligen Themas vertieft, beispielsweise wie sich in der Sonne Protonen in Neutronen verwandeln.
Aber es bleibt nicht bei der Theorie, denn hier finden sich auch Anregungen, wie man die Phänomene des Alls in Experimenten nachstellen kann. Da wird dann eine Luftballon-Rakete gebaut, die Wirkung der Schwerelosigkeit oder eines Schwarzen Lochs gezeigt.
Abgerundet wird alles durch aufschlussreiche Interviews mit noch lebenden Astronomen, Astrophysikern und Astronauten. Die Frauen der Astrophysik fehlen allerdings gänzlich.

Stefan Greschik: Wieso? Weshalb? Warum? Profiwissen – Weltraum, Illus: Jochen Windecker, Ravensburger Verlag, 10. Auflage 2014, 56 Seiten, ab 8, 14,99 Euro

Wahrscheinlich eine der wichtigsten Fragen in Sachen Weltraumfahrt ist natürlich: Wie geht man im Weltall aufs Klo?
Eine vereinfachte Antwort findet sich in diesem Klappenbuch. Dazu noch jede Menge andere Fragen, wie: Wer erfand Raketen? Wo gehen Astronauten zur Schule? Warum funkeln Sterne? Welche Tiere nutzen Mond und Sterne?
Wissensdurstige Leser:innen finden dann hinter den Klappen die kurzen, aber präzisen Antworten. Wissensvermittlung findet hier ganz spielerisch statt. Trotzdem wird auf wenigen Seiten mit mehr als 50 Fragen eine große Bandbreite an Weltraumwissen geboten.

Katie Daynes: Wie geht man im Weltall aufs Klo?, Illus: Peter Donnelly, Übersetzung: Andrea Reinacher, Usborne, 2. Auflage 2024, 14 Seiten, ab 8, 14 Euro

Auslöser für dieses Weltall-Special war meine Übersetzung von Camilla De la Bedoyeres Mein großes Buch vom Weltall, das nun endlich im Handel ist. Es ist mit 64 Seiten eigentlich nicht so dick – der ursprüngliche Titel lautete auch ganz anders –, aber vom Format her mit fast 35 cm Länge eben ziemlich groß. Es zeigt liebevoll illustriert die wichtigsten Elemente des Weltalls: Unser Sonnensystem mit Planeten, Sonne, Erde und Mond; die Entstehung von Sternen und was aus ihnen wird; die verschiedenen Galaxien und die nördliche und südliche Hemisphäre.
Ein Überblick über die ersten Reisen ins All fehlt ebensowenig wie die Erkundung von Mars und die Suche nach außerirdischem Leben.
Als ein erster Einstieg in die Materie ist es zum Blättern, Schauen und Entdecken super geeignet.

Camilla De la Bedoyere: Mein großes Buch vom Weltall, Illus: Aaron Cushley, Übersetzung: Ulrike Schimming, carlsen, 2025, 64 Seiten, ab 8, 16 Euro

Noch ein paar Zentimeter größer ist der Atlas des Weltalls, in dem in fünf Überkapiteln Fragen zum All beantwortet werden: Was sehen wir mit bloßem Auge? Wo sind wir? Wie sind die anderen Planeten? Was sehen moderne Teleskope? Wie erforscht der Mensch das All?
Den Auftakt machen verschiedene Sternbilder und Himmelskarten aus unterschiedlichen Zeiten und Kulturen. Die alten Griechen sahen etwas anderes in den Sternen als die Chinesen, Afrikaner oder Navajo. Dieser Blick über unseren Himmelshorizont hinaus ist spannend und anregend.
Weiter geht es dann mit der Position der Erde in der Galaxie Milchstraße und den Portraits unser Planeten.
Bei der Betrachtung durch die Teleskope kommt man später noch mal auf die Sternbilder zurück.
Die grafisch ansprechenden Illustrationen abstrahieren die Himmelsphänomene und wirken dabei sehr modern.

Lara Albanese: Atlas des Weltalls. Die Geheimnisse des Himmels und der Sterne, Illus: Tommaso Vidus Rosin, Übersetzung: Claudia Koch, midas, 2021, 88 Seiten, ab 8, 25 Euro

Spielerisch geht es in dem Wissenwelten-Buch über das Weltall zu. Die wenigen, aber sehr aufwändig produzierten Seiten haben es in sich: Hier findet man überall kleine Klappen, hinter denen sich weitere Informationen z. B. über die Sonne, die Planeten, Atome oder Raumfahrttechnik verbergen. Fast kommt man sich wie bei einem Adventskalender vor – hinter jedem Türchen eine Überraschung.
Auf einer großen ausklappbaren Doppelseite sieht man dann sogar die Planten um die Sonne kreisen.
Die kurzen Texte sind durch die Übersetzung von Birgit Reit sehr gut verständlich und auch für junge Leser:innen geeignet. Die Cut-outs und Löcher in den Seiten werden zu einem zusätzlichen Hingucker, die immer wieder neue Perspektiven ermöglichen. Die teilweise dreidimensional angelegten Illustrationen in poppigen Farben vermitteln in ihrer Abstraktion einen ersten Eindruck des Universums um uns.
Langweilig wird es einem bei diesem Buch nicht.

Gail Armstrong (Illus): Wissenswelten Weltall. Schicht für Schicht die Weiten des Universums entdecken, Text: Ruth Symons, Übersetzung: Birgit Reit, Dorling Kindersley, 2025, 28 Seiten, ab 8, 19,95 Euro

Mit einem witzigen Anstrich geht es in dem Comic Auf der Raumstation zur ISS. Hier dreht sich alles um das Leben der international zusammengewürfelten Crew im Weltall. Jungastronautin Becky führt die Leser- und Betrachter:innen durch das Innere der Raumstation und zeigt, wie ein Tag 400 Kilometer über der Erde so abläuft.
Dabei geht es weniger um Sterne und Planeten, sondern um die ganz alltäglichen Dinge im All: Wieso schwebt alles? Und wieso ist das Schweben eigentlich ein Fallen? Stichwort: Mikrogravitation.
Auch die Nahrung im All hat ihre Besonderheiten. Nichts darf krümeln, damit die herumschwebenden Bröckchen nicht in die Bordelektronik geraten und eine Katastrophe auslösen. Daher gibt es eher Tortilla-Wraps anstatt Chips, alles ist in Dosen oder Plastik verpackt und Gurte, Magneten und Klettbänder helfen, dass die Dinge an Ort und Stelle bleiben.
Aber Becky berichtet auch von den Tieren und Pflanzen, die zu Forschungszwecken mitfliegen, den körperlichen Veränderungen, die die Astronaut:innen bei ihrem Aufenthalt im All durchmachen, und dem Training, damit sie fit bleiben.
Wer nach dieser Lektüre immer noch ins All will, dem erzählt Becky, wie lang und umfangreich die Ausbildung zum Astronauten ist. Danach kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Rob Lloyd Jones: 24-Stunden-Abenteuer. Auf der Raumstation, Illus: Laurent Kling, Übersetzung: Andrea Reinacher, Usborne, 2025, 64 Seiten, ab 8, 13 Euro

ESA-Astronaut Matthias Maurer verbrachte 175 Tage auf der ISS und hat nun zusammen mit Autorin Sarah Konrad und Illustratorin Noa Sauer den Comic Training für den Mond vorgelegt, in dem er von seinem größten Traum erzählt: nämlich einmal über den Mond zu hüpfen.
Was scheinbar eine leichte Übung in der Raumfahrt sein sollte – schließlich waren die Menschen schon vor mehr als 50 Jahren auf dem Mond – entpuppt sich jedoch als eine ziemlich komplizierte Angelegenheit. Und die muss sehr gut vorbereitet werden.
Mauerer nimmt die Leserschaft mit zu diesem intensiven Training, das die Astronaut:innen bewältigen müssen. So geht es in steinige Gebirge, dunkle Höhlen, trockene Wüsten, um dort das genaue Beobachten zu lernen und zu üben, in Raumanzügen und mit Greifern Gesteinsproben zu nehmen. Nur sind die natürlichen Bedingungen der Erde selbstverständlich nicht mit denen auf dem Mond zu vergleichen. Daher hat die ESA in der Nähe von Köln das Mondtrainingszentrum LUNA gebaut. Und auch dorthin nimmt Maurer uns mit und schenkt uns einen hochinteressanten Einblick in all das, was auf dem Mond alles zu beachten ist. Allein, dass das Licht wegen der mangelnden Atmosphäre anders ist und Schatten wirklich pechschwarz sind, stellt eine Herausforderung dar. Mauer erzählt lustig und manchmal selbstironisch, immer jedoch hochinformativ. Der Respekt für die Leistung der Astronaut:innen steigt nach dieser Lektüre umso mehr.

Matthias Maurer/Sarah Konrad: WAS IST WAS. Training für den Mond, Illus: Noa Sauer, Tessloff, 2025, 112 Seiten, ab 8, 16,95 Euro

Ebenfalls auf der ISS spielt die fiktive Geschichte, die die italienische Raumfahrerin Samantha Cristoforetti zusammen mit Emma Roberts geschrieben hat. Darin verbringt die junge Cassie Futura ein halbes Jahr auf der ISS – was natürlich reine Fiktion, aber dicht an der Zielgruppe ist.
Cassie beschreibt in ihrem Tagebuch, was sie dort oben alles erlebt. Eine Tutorin gibt dem Mädchen aus dem Missionkontrollzentrum auf der Erde bestimmte Aufgaben, die sie während ihres Aufenthalts auf der Raumstation lösen muss.
Hier wechseln sich Cassies Tagebucheinträge mit grau umrandeten Erklärseiten ab (Cassies Aufgaben), in denen beispielsweise der Aufbau der ISS, die Funktion des Webb-Weltallteleskops oder botanische Experimente erklärt werden. Natürlich haben auch Weltraumnahrung und Weltraumklogänge ihren Platz.
In der Mitte des Buches finden sich dann ein paar Seiten mit farbigen Fotos, die Samantha Cristoforetti auf ihrer Mission 2022 in der ISS zeigen. Samantha und ihre weibliche Protagonistin Cassie machen also neben der ganzen ISS-Vermittlung, die in Zusammenarbeit mit der ESA entstanden ist, deutlich, dass auch Frauen ins Weltall fliegen. Das ist bei der männlichen Dominanz in diesem Beruf immer noch nicht selbstverständlich, wird aber durch solche Vorbildbücher langsam aufgebrochen. Endlich.

Samantha Cristoforetti/Emma Roberts: Cassie Futura. Mit 11 1/2 Jahren im Weltall. Mein Tagebuch – streng geheim!, Übersetzung: Moritz Langer, Dorling Kindersley, 2025, 160 Seiten, ab 8, 12,95 Euro

Wer nicht nur lesen und Wissen aufsaugen möchte, hat bei Memo Wissen Weltall die Gelegenheit zu quizzen. Über die Lernplattform Kahoot! kann man testen, ob man auch all die vielen Zahlen und Infos über Planeten, Weltraummissionen, Sternengeburten und Galaxien behalten und abrufen kann. Personengebundene Daten werden dabei nicht erhoben, man spielt unter einem Nickname. Anmeldung und Benutzerkonto sind nicht erforderlich.
Zuvor sollte man jedoch das Buch genau lesen, denn manche Antworten sind nicht allgemein bekannt und es kommt auf das Detail an. Aber auch das macht bei den vielen Fotos und Illustrationen Spaß. Die kurzen Texte überfordern niemanden. Im Battle mit den Erwachsenen kann man dann spielerisch herausfinden, wer mehr über das Weltall und die Raumfahrt weiß.

Robin Kerrod: Memo Wissen Weltall, Übersetzung: Susanne Schmidt-Wussow, Dorling Kindersley, 2025, 72 Seiten, ab 8, 12,95 Euro

Fast wie ein Videospiel ist die Mission zum Mars aufgemacht. In neonknalligen science-fiction-artigen Illus wird eine Crew zum Mars geschickt. Als Crew-Mitglied muss man auf jeder Doppelseite eine Entscheidung treffen und wird so kreuz und quer durchs Buch geschickt. Man kann es natürlich auch ganz klassisch von vorn nach hinten lesen, aber dann geht die Spannung verloren.
So erfährt man spielerisch, was für ein langwieriges und schwieriges Unterfangen es ist, a.) überhaupt auf den Mars zu gelangen, b.) dort zu überleben und c.) beispielsweise sich dort fortzubewegen und Gesteinsproben zu nehmen.
Gerade träumen so einige Menschen von der Besiedlung dieses Planeten, aber noch ist das alles ziemliche Zukunftsmusik und vom Nutzen her auch eher fragwürdig. Aber in diesem interaktiven Abenteuer, das zusammen mit der ESA entwickelt wurde, bekommen die Kids eine Ahnung von den Herausforderungen der Astrophysik. Und manchmal muss man auch einfach groß träumen.

Sheila Kanani: Mission zum Mars. Aufbruch zum Roten Planeten, Illus: Adamstor, Übersetzung: Maria Zettner, Dorling Kindersley, 2025, 64 Seiten, ab 8, 14,95 Euro

Die WAS-IST-WAS-Bücher gab es ja schon zu meiner Kindheit, was auch schon ein halbes Jahrhundert her ist, und immer noch werden sie gepflegt und regelmäßig überarbeitet. Im aktuellen Universum-Band finden sich jetzt spektakuläre Illus und Bilder. Wobei hier endlich mal die Anmerkung auftaucht, dass viele Illustrationen nur eine Fantasie bzw. eine Vorstellung sind, wie es möglicherweise im All aussehen könnte. Das sensibilisiert ganz gut dafür, dass das Universum immer noch ein großes Unbekanntes ist. Neben den üblichen Infos über Sterne, Sonnen, Planeten, Sterngeburten und -tode beschreibt der Astrophysiker Kratzenber-Annies auch andere Theorien wie die vom Multiversum oder die Stringtheorie. Humoristisch wird es, wenn er sich das Weltall als Donut vorstellt oder ein (natürlich fiktives) Interview mit einem Alien führt. Das lockert die schwierige Materie auf, die ansonsten in bester WAS-IST-WAS-Manier in kurzen, gut verständlichen Texten umfangreiches Wissen vermittelt.

Volker Kratzenberg-Annies: WAS IST WAS Universum. Galaxien, Sterne, Schwarze Löcher, Tessloff, 2025, 48 Seiten, ab 8, 14,95 Euro

Wenn sich die Planeten-Begeisterung bei den Kindern halten sollte und sie mehr wissen wollen, bietet sich Sophie Allans Die Planeten an. Hier geht es rein in unser Sonnensystem bzw. zunächst einmal in unsere Galaxis, die Milchstraße. Übersetzerin Birgit Reit schafft es, die komplizierten Fakten mit ihren ganz speziellen Fachbegriffen so einfach zu schildern, dass Kinder mit ersten Lesekenntnissen hier bereits einsteigen können.
Die Planeten werden dann natürlich einzeln vorgestellt, ihre Besonderheiten herausgehoben und nützliche Vergleiche gezogen, um sowohl Größe, Entfernungen und Beschaffenheit genau einordnen zu können.
Beim Mond geht es dann selbstverständlich auch um die Mondmissionen der NASA und die ersten Menschen, die auf unserem Trabanten spazierten. Die Marsmissionen werden ebenso erläutert und machen klar, wie schwierig die Erforschung der anderen Planeten ist. Je weiter entfernt die Planeten von der Erde sind, umso schwieriger wird es natürlich.
Illustrativ wird hier sowohl mit Zeichnungen als auch mit Fotos von der NASA gearbeitet. Das liefert neben anschaulichen, gut verständlichen Illus auch einen ersten wissenschaftlichen Blick ins Universum.

Sophie Allan: Die Planeten. Entdecke unser faszinierendes Sonnensystem, Illus: Dawn Cooper, Übersetzung Birgit Reit, Dorling Kindersley, 2024, 80 Seiten, ab 9, 14,95 Euro

Nach all den Fakten über das All, die uns mittlerweile bekannt sind, stellt man sich irgendwann unweigerlich die Frage: Was kommt hinter dem Universum? Philosoph Jörg Bernardy, der mit Kindern und der Maus über die wichtigen, grundlegenden Fragen des Lebens nachdenkt, versucht, darauf eine Antwort zu finden. Spoiler: Er weiß es auch nicht. Aber das ist vielleicht auch nicht entscheidend. Wichtiger ist, sich über den Begriff »Unendlichkeit«, der im Zusammenhang mit dem Universum immer wieder fällt, Gedanken zu machen.
Und so stellt Bernardy hier nach bester Philosophen-Manier unzählige Fragen – über Zahlen, Grenzen, Größen, Dauer, Langeweile, Wurst und Käse, Schneeflocken und das Leben. Das mag mit dem Weltall nicht so viel zu tun haben, eröffnet aber das Universum in uns und trägt zum Verständnis unseres Daseins in dieser Unendlichkeit bei. Denn nur, wenn wir unsere Endlichkeit begreifen, haben wir möglicherweise eine Chance, uns dem Phänomen der Unendlichkeit und dem nicht zu begreifenden Universum anzunähern, ohne dabei den Kopf zu verlieren.

Jörg Bernardy: Was kommt hinter dem Universum? (Fast) alles über die Unendlichkeit, Illus: Andrea Stegmaier, Beltz & Gelberg, 2024, 62 Seiten, ab 8, 18 Euro

Lesealter 10-12

Einen ganz besonderen und hochaktuellen Blick ins Universum bekommt man in Jenseits der Unendlichkeit. An Weihnachten 2021 startete das James-Webb-Weltraumteleskop ins All und schickt seitdem spektakuläre Fotos von uralten Galaxien, Sternnebeln und Saturnmonden.
Auf den ersten Seiten wird der Aufbau und die Funktion dieses neuesten Teleskops erläutert. Vergleiche mit den Fotos vom Vorgänger Hubble verdeutlichen, wie sehr sich die Weltraumfotografie verbessert hat. Forschende können nun noch genauer die Geheimnisse des Universums erkunden und Rückschlüsse auf seine Entstehung, die Geburt von Sternen und mögliche Planeten mit Leben machen.
Top-Forscherinnen wie Quyen Hart, Megan Reiter, Naomi Rowe-Gurney und Tiffany Kataria beantworten Fragen zu unterschiedlichsten Themen, wie dem Wetter auf anderen Planeten, die Geheimnisse des Sonnensystems und Aliens. Und diese Runde zeigt einmal mehr, dass Astrophysik keine Männerdomäne mehr ist, sondern sehr viele Frauen dort ganz selbstverständlich neue Erkenntnisse liefern.
Die Fotos sind tatsächlich spektakulär – so erscheint der sonst immer rot gezeigte Jupiter auf einmal in grün-blau-weißen Streifen mit roten Polarlichtern. Man hat kann hier also über die Fotos staunen und bekommt daneben in verständlichen Grafiken, die Technologie hinter dem Webb-Teleskop erklärt und wie man mit Licht die verschiedenen chemischen Elemente im All ermitteln kann. So scheint das All plötzlich ganz nah.

National Geographic Kids: Jenseits der Unendlichkeit, Übersetzung Katja Hald, Ravensburger Verlag, 2025, 80 Seiten, ab 10, 16,99 Euro

Haben die Sternengucker:innen schließlich Lust bekommen, selbst ins All zu fliegen, so finden sie in Dein Ticket ins Weltall Informationen zur Raumfahrt. Kate Peridot stellt anschaulich die verschiedenen Transportraketen vor, was sie können und wie das »Leben« darin abläuft. Sie erklärt nur am Rande die Sterne, wie beispielsweise den Mars, wenn sie die geplanten Marsmissionen der Zukunft schildert. Astrophysik kommt in gut dosierten Maßen und leicht verständlich daher. So erfahren die Lesenden, wie sie Nachrichten ins All übermitteln können.
Hier vermischen sich der aktuelle Technikstand der Raumfahrt mit der Fantasie und der Vorstellung des Lebens im All. Vieles ist tatsächlich Zukunftsmusik, die vermutlich sogar die heutige Zielgruppe dieses Buches nicht erleben wird. Aber wer – wie irgendwelche durchgeknallte Tech-Milliardäre aus Silicon Valley – groß denken und dabei mitmachen will, findet hier Infos, wie man auf der ISS duscht und warum man sich dort auch um Pflanzen kümmern muss.
Am Ende gibt es ganz praktische Vorschläge, wie zukünftige Raumfahrende ihre Fähigkeiten fürs All schon hier auf der Erde trainieren können. Wer das dann durchzieht und länger durchhält, hat vielleicht wirklich Chancen irgendwann um die Erde zu kreisen oder gar zum Mars zu fliegen.

Kate Peridot: Dein Ticket ins Weltall. Wie du von der Erde ins Universum durchstartest, Illus: Terri Po, Übersetzung: Silke Körber, Knesebeck Verlag, 2025, 64 Seiten, ab 10, 20 Euro

Schon ausführlicher und weiter ins Detail geht es in Erstaunliches Universum. Neben den klassischen Infos zu Urknall, Planeten und Sonnensystem erfährt man Interessantes zu Weltraumschrott und Treibstoffen, mit denen die Raketen angetrieben werden.
Auch Phänomene wie die Oorthsche Wolke, Supernovae, Schwarze Löcher und Neutronensterne werden leicht verständlich erklärt – auch wieder Dank der Übersetzung von Birgit Reit. Nach und nach fließt die Physik in die Texte mit ein.
Die Mischung aus Weltraumfotografien und wunderschönen aquarellierten Illustrationen bietet jede Menge Anschauungsmaterial. Und bei einem Umfang von 176 Seiten kann man sich auf ein langes Lese- und Erkundungsabenteuer freuen. Dieses Kompendium deckt damit so gut wie alle wichtigen und bekannten Bereiche des Universums ab.

Sophie Allan/Josh Barker: Erstaunliches Universum. Von spannenden Raumfahrt-Missionen und fernen Galaxien, Illus: Tim Smart, Übersetzung: Birgit Reit, Dorling Kindersley, 2025, 176 Seiten, ab 10, 19,95 Euro

Der niederländische Grafikdesigner Jan Van Der Veken konzentriert sich in seinem Werk ganz auf die Raumfahrt. In großartigen Illus, die sich jeweils über die oberen zwei Drittel einer Doppelseite ziehen und ganz offensichtlich von Hergé inspiriert sind, stellt er alle Bereiche der Raumfahrt vor. Das beginnt mit den Bestandteilen der Raketen und der Raketenkontrolle, umfasst aber auch die Geschichte der Raumfahrt wie den russischen Sputnik und Gagarin als ersten Menschen im All. Van Der Veken zeigt die Flugbahn zum Mond und wie das Landemodul auf dem Erdtrabanten aufsetzt. Natürlich fehlen weder die Raumstation MIR noch die wiederverwendbaren Spaceshuttles und die ISS.
Launige Texte, von Rolf Erdorf lässig übersetzt, erläutern dann, was es mit der Technik auf sich hat, wo der Weltraumschrott auf der Erde entsorgt wird und welche unerklärlichen Objekte so schnell durch unsere Galaxie sausten, dass sie nicht erforscht werden konnten.
Dieses Buchkunstwerk war 2024 als Wissenschaftsbuch nominiert und ist ein Augenschmaus.

Jan Van Der Veken: Das Raumfahrt-Buch, Übersetzung: Rolf Erdorf, Gerstenberg Verlag, 2024, 104 Seiten, ab 10, 25 Euro

Im ungewöhnlichen Querformat von Alles dreht sich widmet sich die Katalanin Aina Bestard unserem Sonnensystem. Dabei geht sie ganz klassisch von den allgemeinen Infos aus, um sich dann, beginnend bei der Sonne durch die Planeten, den Asteroidengürtel, die Monde bis zu den Grenzen unseres Sonnensystems vorzuarbeiten. Die zumeist monochromen Illus erinnern an Radierungen und werden mittels durchscheinenden Pergamentseiten und einem ausklappbaren Planeten-Panorama zu beeindruckender Buchkunst. Aina Bestard hat sich dabei von den wissenschaftlichen Illustrationen des 19. Jahrhunderts inspirieren lassen. Diese Kunst geht über das rein Wissenschaftliche hinaus und verdeutlicht um so mehr die Faszination, die das Universum auf uns alle ausübt.
Die kurzen Texte, geschmeidig von Ursula Bachhausen übersetzt, liefern Zahlen, Infos und die aktuellen Fakten. 2023 war dieses Werk als Wissenschaftsbuch nominiert.

Aina Bestard: Alles dreht sich. Die Wunder unseres Sonnensystems, Übersetzung: Ursula Bachhausen, Gerstenberg Verlag, 2023, 60 Seiten, ab 10, 26 Euro

523 bemerkenswerte Informationen und ziemlich viel Text finden sich in Jan Paul Schuttens Buch Das Weltall oder Das Geheimnis, wie aus nichts etwas wurde. Hier muss man also wirklich Lust aufs Lesen haben. Doch zum Glück sind die Seiten immer wieder mit den grafischen Illus von Floor Rieder aufgelockert. Die Lesenden werden in der legeren Übersetzung von Verena Kiefer geduzt und direkt angesprochen – und so immer bei den riesigen Zahlen, die Schutten liefert, und den vielen Einzelheiten zur Entstehung des Universums, der Zeit, den chemischen Zusammensetzungen der Materie und des Menschen mitgenommen. Vom Kleinen bewegen wir uns hier immer weiter zum Größeren, hinaus ins All.
Dabei geht es weniger um die üblichen Erklärungen zu Sonne und Planeten, sondern mehr um die Art, wie wir das All erkunden, welche Fragen sich stellen, welche Rätsel und Geheimnisse noch ungelöst sind und vielleicht bleiben. Zwischendrin gibt es Hinweise zum Innehalten, um die Dinge hier auf Erden noch weiter zu hinterfragen oder sich von Einsteins Theorien zu erholen.
Ein Rezept für Blaubeerkuchen lädt zum Machen ein und erklärt dann noch ganz nebenbei die Ausdehnung des Universums.
Aus dieser Lektüre kommt man nicht als Raumfahrende:r, sondern viel mehr als Philosoph:in wieder heraus. Denn das Fragenstellen ist fast wichtiger, als die eindeutigen Antworten.
So war dieses Buch 2022 durchaus verdient für den Jugendliteraturpreis in der Sparte Sachbuch nominiert.

Jan Paul Schutten: Das Weltall oder Das Geheimnis, wie aus nichts etwas wurde, Illus: Floor Rieder, Übersetzung: Verena Kiefer, Gerstenberg Verlag, 2. Auflage 2022, 160 Seiten, ab 12, 28 Euro

Lesealter ab 14

Einen wahren Prachtband hat ein Autorenteam aus vier Physiker:innen und Astronom:innen vorgelegt. In Kosmos blicken wir anhand von aktuellen Fotos, die u.a. das James-Webb-Weltraumteleskop gemacht hat, in die Tiefen des Alls.
Auftakt machen jedoch zunächst Erläuterungen über das Licht, wie es eingefangen wird, mit welchen Teleskopen die Menschen einst den Sternhimmel beobachteten. Über die Portraits unserer Sonne und unserer Planeten geht es dann immer weiter in das Weltall, zur Milchstraße, zu Supernovae, diffusen Nebeln und Schwarzen Löchern.
Zwischen diesen hochaktuellen Fakten finden sich dann regelmäßig Kapitel über die Geschichte der Sternkunde und Astronomie. Alte Zeichnungen, Grafiken, Gemälde und Objekte zeigen das damalige Wissen, das dem unseren manchmal verblüffend genau entspricht, manchmal jedoch auch die Fantasie der Menschen spiegelt.
Diese zeigt sich vor allem in den Sternkarten, denen am Endes dieses Kompendium viel Raum gegeben wird. Alte Sternkarten und Zeichnungen der 88 offiziellen Konstellationen werden mit aktuellen Weltraumfotos kombiniert. Hier ergeben Wissenschaft und Mythologie eine faszinierende Mischung.

Abigail Beall/Philip Eales/Carolyn Kennett/Giles Sparrow: Kosmos. Wunderwelt des Universums, Übersetzung: Stephan Matthiesen, Dorling Kindersley, 2025, 416 Seiten, 49,95 Euro

Wer sich intensiver mit der Astronomie befassen will, aber noch keine Lust auf reine Physik- und komplizierte Fachbücher hat, findet in Alles über Astronomie längere, tiefer gehende Text mit jeder Menge Informationen, Zahlen, Übersichten, Listen, beispielsweise über die »10 hellsten Sterne am Himmel« oder »Heiße und kühle Sterne«. Ergänzt werden die Text durch unzählige, spannende Weltraum- und Planetenfotografien, die ins Detail gehen. So bekommt man einen hervorragenden Eindruck, mit welchen Daten und welchem Bildmaterial die Profis auf der Erde arbeiten, um den Raum zu erforschen.
Im hinteren Teil des Buches liefert das Autoren-Duo (über die es im Buch leider keine biografischen Infos gibt) praktische Tipps zur Himmelsbeobachtung. Monat für Monat zeigen sie den Sternhimmel und die daran zu erkennenden Sternbilder. Eine kurze Übersicht über Fernrohre und Teleskope erklärt, welche Hardware wichtig ist, um als Hobbyastronom:in in der Nacht wirklich etwas erkennen und eigene Sternfotos machen zu können.

Mark Emmerich/Sven Melchert: Alles über Astronomie. Das Einsteigerbuch. Die Wunder des Weltalls entdecken, Stern und Planeten beobachten, Kosmos, 6. Ausgabe 2025, 208, Seiten, ab 14, 16 Euro

In Zusammenarbeit mit der ESA entstand der aufwendige Comic Aufbruch ins Weltall, der sich an bereits ältere Lesende und Erwachsene richtet. Auf gerade einmal 192 Seiten wird die verwickelte Geschichte der Raumfahrt geschildert.
Dabei beginnt es ganz klassisch mit dem Urknall und der Entstehung des Universums, reißt ziemlich kurz die Astronomie-Geschichte von Altertum bis zur Neuzeit ab, um sich dann ausführlich, dem Wettrennen zwischen der Sowjetunion und den USA in Sachen Weltraumeroberung zu widmen.
Die Wissensvermittlung findet hier natürlich in den Sprechblasen statt, was durchaus anspruchsvoll ist. Zumal es sehr viele Figuren bzw. Wissenschaftler gab, die in Sachen Raumfahrt mitgemischt haben. Aber so wird eindrücklich deutlich, wie lang es überhaupt gedauert hat, bis die erste bemannte Rakete den Orbit erreicht hat und die ersten Menschen überhaupt den Mond betreten konnten. Das Weltall lässt sich also nicht so einfach bereisen, geschweige denn besiedeln.
Natürlich fehlen auch popkulturelle Anspielungen nicht, wie auf die Filme 2001 – Odyssee im Weltraum, Armageddon und Dont’t Look Up.
Von der NASA geht es am Ende dann zur ESA und den aktuellen Raumfahrern wie Alexander Gerst, Matthias Maurer und Astronautinnen wie Amelie Schoenenwald und Nicola Winter.
Reines Science-Fiction ist das Abschlussszenario, bei dem eine Schulklasse auf einem Planeten landet und sich bereit macht für die Besiedlung. Aber wer weiß – eines fernen Tages wird es möglicherweise so kommen.

Arnaud Delalande: Aufbruch ins Weltall. Eine kurze Geschichte der Raumfahrt, Illustration: Éric Lambert, Übersetzung: Anja Kootz, Knesebeck Verlag, 2025, 192 Seiten, ab 14, 28 Euro

Lecker Essen

Schmeckt! Was für ein treffender Titel. Denn dieses Sachbuch von Anke Loose und Ariane Camus ist kein Buch über Ernährung. Sondern über Essen. Ernährung, gern auch mit den Adjektiven vernünftig, gesund oder ausgewogen angereichert, ist das, was man dem Organismus, dem Körper zuführt, um ihn am Laufen zu halten. Eine Mischung aus Kohlenhydraten, Eiweiß und Fett, versehen mit Vitaminen und Mineralstoffen. Astronauten zum Beispiel saugen es mangels Küche und Schwerkraft aus Tuben. In Zukunft gibt es das womöglich komprimiert in Tablettenform.

Iss bunt!

Glücklich macht das nicht, Spaß sowieso keinen und die Seele wird davon auch nicht satt. Orthorexie ist der Inbegriff der ebenso vernünftigen wie freudlosen Ernährung.  Dieses Sachbuch ist das Gegenteil davon. Und es fängt auch gleich mit dem besten und allgemein gültigen Tipp überhaupt an: Iss bunt! Das ist wortwörtlich gemeint: Es ist erstaunlich, welche Farbvielfalt Obst und Gemüse haben. Das kann man im Supermarkt bewundern. Noch schöner auf dem Markt. Dabei muss man nicht auf ökologisch bedenkliche, von weit her eingeflogene und herbeigeschiffte Lebensmittel gucken. Auch regional gibt’s ein abwechslungsreiches Farbfeuerwerk für Topf und Teller. Selbst im Winter bringen Äpfel, Rotkraut oder Möhren noch Farbe ins Spiel.

Was wir am liebsten essen und was wir zum Würgen finden

Schon ist man drin in Anke Looses klugem, von Ariane Camus fröhlich illustriertem Rezept für gutes Essen. Von den Farben und was es damit auf sich hat, geht’s spannend und sehr wissenswert weiter zu Themen wie Warum wir essen. Warum wir was essen. Woraus sich Nahrung zusammensetzt. Wo Lebensmittel herkommen – nachhaltig, unverpackt, saisonal und regional spielt ebenfalls eine Rolle. Wie wir schmecken oder warum wir was am liebsten essen. Und manches zum Würgen finden. Welche Vorlieben die Menschen auf der ganzen Welt haben. Und wie vielfältig Essen ist, wenn man allein die vielen Brotsorten und die vielfältigen Varianten von Frühstücksspeisen betrachtet.

So lang wie ein Omnibus

Ariane Camus illustriert anschaulich, lustig und mit schrägem Witz. Hier isst das Auge schon beim Lesen mit. Nahrungsbausteine sind bei ihr genau das: zusammenpassende Legobausteine. Selbst die Verdauung wird so illustiert, dass einem nicht der Appetit vergeht. Eine forsche Toastbrotscheibe fragt sich, wie sie wohl durch den Körper wandert. Ein Regenwurm ist beeindruckt von wellenförmigen Bewegungen des Darms, der übrigens etwa so lang wie ein Omnibus ist, den Camus zum Vergleich gleich daneben gemalt hat. Bei diesem Kapitel stutzt man nur kurz über das Wort Pipi. Und merkt gleich, Urin wäre viel zu abgehoben – oder vernünftig. Anke Loose schreibt sehr unterhaltsam und absolut verständlich, doch weder albern noch verniedlichend.

Gehirn und Darm sind im Gespräch

Auf Ernährungsmoden und Dogmen verzichtet Loose, auch auf den vielbeschworenen Begriff des Mikrobioms. Stattdessen erklärt sie kurz und eingängig, dass Darm und Gehirn miteinander kommunizieren, so kann Stress zum Beispiel Durchfall verursachen. Camus lässt dazu das schlau bebrillte Gehirn mit den munteren Eingeweiden über ein Joghurtbechertelefon reden (wobei das Telefon für kleine Kinder vielleicht erklärungsbedürftig ist – und ein witziger Bastelvorschlag).
Lecker! ist ein wunderbares Sachbuch und gleichzeitig ein klasse Rezept für Essen, das wirklich Spaß macht. Als krönenden Abschluss gibt’s sogar noch ein paar einfache Anregungen zum Nachkochen und Schmecken.

Vom Fressen über vernünftige Ernährung zu leckerem Essen gelangt auch der Wolf im Bilderbuch Mahlzeit!. Eigentlich möchte der eher einzelgängerische Grauschnauz genüsslich in Ruhe den Mond anheulen. Doch dann übertönt ein scheußliches Schluchzen sein schönes Geheule und er entdeckt ein weinendes Hasenkind. Wenn sich das schon mitten in der Nacht im Wald aufhält, dann ist es ein willkommener Snack. Aber dem Häppchen für einen hohlen Zahn fällt ein Zettel aus der Tasche: »Lieber Finder dieser Nachricht, unser kleiner Knuffel liebt es, auf Entdeckungstour zu gehen. Solltest du ihn finden, begleite ihn doch bitte nach Hause. Als Dankeschön laden wir dich zu einem superleckeren Essen ein.«
So fantasievoll und skurril beginnt Larysa Maliush ihre entzückende Geschichte einer Nahrungsumstellung.

Festmahl statt kleinem Snack

Nach kurzem Nachdenken siegt die Vernunft über die spontane Snacklust. Warum sich mit einer winzigen Portion abspeisen, wenn sich ein Festmahl in Form einer ganzen Hasenfamilie anbietet. Also macht sich Grauschnauz mit Knuffel auf den Weg. Unterwegs verteidigt der Wolf das Häschen gegen seine Artgenossen und überwindet noch einige Widrigkeiten, zum Beispiel Bäche und Kletten. Das letzte Stück trägt er das inzwischen sehr müde Appetithäppchen auf den Schultern, wo es vertrauensvoll einschläft.

Gute Entscheidung

Zu Hause angekommen wird der Wolf von einer imposanten Großfamilie freudigst begrüßt. An der üppig gedeckten Tafel bekommt er den Ehrenplatz. »Noch nie hatte er so viel Essen auf einmal – und so hübsch angerichtet – gesehen. Bereits nach dem vierten Stück Karottenpastete war er pappsatt. Vielleicht war es doch eine gute Entscheidung gewesen, den kleinen Kerl nach Hause zu begleiten«, lässt Larysa Maliush den großen grauen Wolf zu guter Letzt überlegen. Anna Schaub hat die Geschichte ebenfalls sehr hübsch übersetzt.

Essen für die Seele

Mahlzeit! beginnt im nächtlichen Wald, in gedecktem Graublau. Doppelseitige Szenen wechseln sich mit lustig hoppelnden Stop-Motion-Sequenzen ab. Die sich verändernde Miene und Motorik des Wolfes im Laufe der Nacht ist hinreißend und für ältere Vorleser von hohem Wiedererkennungswert. Unter den vielen Grauschattierungen der Wölfe blitzt nur das weiße Häschen und vor allem seine leuchtend rote Jacke hervor, aus der der Zettel fällt (wer die Autorin dieser Zeilen kennt, wundert sich jetzt eventuell: Echt jetzt, bekleidete Tiere? Dazu kann ich nur mit Grauschnauz erwidern: Keine Regel ohne wohlüberlegte Ausnahme).

Augenschmaus

Wenn die beiden zu Hause bei Familie Hase ankommen, ist es mittlerweile Tag und die Welt wird detailreicher und vielfarbig. Vor allem die quirlige Familie rund um den bunt gedeckten Tisch ist ein Augenschmaus. Weil es einiges in der Szene zu entdecken gibt. Vor allem zeigt sich auch hier, dass Essen so viel mehr ist als Ernährung. Es macht glücklich und nicht nur den Körper satt. Es verbindet, schafft Gemeinschaft und Vertrauen und ist kommunikativ. Vor allem schmeckt’s!

Anke Loose (Text), Ariane Camus (Illustrationen): Schmeckt!, Carlsen, 2025, 64 Seiten, 15 Euro, ab 6

Larysa Maliush: Mahlzeit!, Übersetzung: Anna Schaub, NordSüd Verlag, 2025, 32 Seiten, 18 Euro, ab 4

Lasst Blumen sprechen

Pflanzen

Meister – bei dem Begriff denkt man zunächst an Weltmeister oder, schon seltener, an Weltmeisterinnen, zum Beispiel im Fußball oder einer anderen sportlichen Disziplin. Dann vielleicht an Alte Meister, also Meisterwerke der Kunst und ihre Maler. Oder an Handwerksmeister. Also an Menschen, meist Männer.
Wer kommt da auf Pflanzen? Genau mit diesem Überraschungsmoment lockt Riz Reyes in den Garten und die wunderbare Welt der Pflanzen. Pflanzen können alle etwas, das alle anderen Wesen nicht können. Sie leben tatsächlich von Luft und Liebe sozusagen, genauer von Kohlendioxid, für uns Menschen verbrauchte Luft und Licht. Durch Kohlenstoff wachsen sie und bilden Blätter und Früchte. Und als Abfallprodukt setzen sie den für uns lebensnotwendigen Sauerstoff frei.

Meisterinnen der Erneurung

Zusätzlich sind aber alle Pflanzen noch Meisterinnen und Meister ihrer Klasse und können jeweils etwas ganz Besonderes und Einzigartiges. So sind Narzissen Meisterinnen der Erneuerung, wie der von den Philippinen stammende Riz Reyes erklärt. Die Zwiebeln ruhen im Winter in der Erde. »Wenn es wärmer wird und die Tage länger, begrüßen sie mit ihren leuchtend bunten Blüten den Frühling«, schreibt der Gärtner und Pädagoge. Osterglocken heißen nicht so, weil sie eben meist um Ostern herum blühen. Wegen ihrer Fähigkeit, wiederaufzublühen, sind sie im Christentum ein Symbol für Auferstehung und ewiges Leben.

Geniale Partnerschaft

Oder Pilze, die eine eigene Art für sich sind. Sie sind Meister der Kommunikation und Vernetzung. »Anders als Pflanzen können Pilze sich nicht mithilfe der Photosynthese von Sonnenenergie ernähren, da sie kein Chlorophyll haben. Stattdessen lassen sie sich von Pflanzen, mit denen sie durch ihr Mycel, ein dichtes, fadenartiges Geflecht, verbunden sind, mit Nährstoffen wie Zucker versorgen. Im Gegenzug liefert der Pilz der Pflanze Wasser und und andere Nährstoffe, die er aus der Erde aufnimmt.« Was für eine geniale Partnerschaft! Dagegen sind sogenannte win-win-Situationen aus der Wirtschaft ein lascher Witz.

Pflanzen hinreißend in Szene gesetzt

Jede Pflanze und auch die Pilze bekommen jeweils zwei ähnlich aufgebaute Doppelseiten, auf denen unter anderem Herkunft, Verwandte und Besonderheiten kurz und prägnant erklärt werden. Auch, wie junge Leserinnen und Leser die Pflanzen selbst ziehen können. Die Illustratorin Sara Boccaccini Meadows hat die faszinierenden Pflanzen hinreißend, lebendig und vielfarbig mit Aquarell und Tusche in Szene gesetzt. Ihre Illustrationen sind absolut meisterhaft und Grund genug, dieses Sachbuch lieben.

Leckere und duftende Verwandte

Auch die Familien gehören immer zum großen Ganzen. Da kommen ganz erstaunliche Verbindungen zu Tage. Oder zur Nacht, denn dass die Tomaten zu den Nachtschattengewächsen gehören und ursprünglich aus Süd- und Mittelamerika stammen, wie auch Kartoffeln, Paprika und Auberginen hat man schon mal gehört. Nicht nur leckeres und gesundes Gemüse gehört dazu, sondern auch einige giftige Pflanzen. Aber wer hätte gedacht, dass Apfel, Erdbeeren und Wildrosen eine wohlschmeckende und duftende Familie bilden, die Rosengewächse nämlich.

Kürbis wiederum gedeiht besonders gut zusammen mit Mais und Bohnen, die zwar nicht zur selben Familie gehören, sondern eine weitere kluge Partnerschaft eingehen, was bereits die indigenen Völker Nord- und Südamerikas entdeckt haben. Wie die funktioniert oder warum Orchideen Meisterinnen der Eleganz und der Raffinesse sind … unbedingt selbst lesen und entdecken in diesem absolut faszinierendem Pflanzenbuch, das weit über den Garten hinausgeht.

Pflanzen

Anders, aber mit mindestens ebenso großem Respekt, taucht Alva und das Rätsel der flüsternden Pflanzen in das Reich der Plantae ein. Das Setting von Yarrow Townsends Abenteuerroman wirkt dystopisch: karg, arm, düster, raues Leben, immer feucht.
Die Titelheldin Alva ist spröde und stur, seit dem Tod ihrer Mutter vier Jahre zuvor voller Wut und Misstrauen. Ihr Zuhause ist eine kleine Holzhütte mit einem Garten voller Nutz- und Heilpflanzen, die leise mit ihr sprechen und sie zum Beispiel beraten, wie sie den kranken Huf ihres Pferdes behandeln soll. Captain ist ihr einziger Gefährte, ihre ganze Familie. Diese wird bedroht durch den neuen Ausbruch einer rätselhaften, tödlichen Krankheit, an der auch Alvas Mutter gestorben ist. Sie war eine anerkannte und geschätzte Expertin für Heilpflanzen, die mit ihrem Wissen vielen Menschen geholfen hat. Doch nach ihrem Tod hat der Ortsvorsteher sie als Scharlatanin dargestellt, ihre Fähigkeiten wurden in Zweifel gezogen.

Rettung der flüsternden Freundinnen

Angeblich sind die Pflanzen, nicht nur die in Alvas Garten, die Wurzel allen Übels und sollen alle vernichtet werden, einschließlich dem Getreide. Um das Gegenteil zu beweisen und ihr Zuhause, ihr konfisziertes Pferd und ihre flüsternden Freundinnen zu retten, begibt sich Alva auf eine gefährliche Reise ins Ungewisse. Unterwegs bildet Alva, wider Willen eine Not- und Zweckreisegesellschaft mit dem Jungen Idris, dessen Bruder im Sterben liegt, und der vermeintlich verwöhnten, aus reichem Hause stammenden Ariana.

Bewusste Außenseiterin

Alva ist eine interessante Heldin, gerade weil sie so schroff und misstrauisch ist, und wirklich alle vor den Kopf und von sich stößt. Sie traut niemandem, kann auch erschreckend gemein sein und beharrt auf ihrer Unabhängigkeit. Sie ist bewusst Außenseiterin, man spürt ihre Verletzung und ihre Trauer. Nur in der Welt der Pflanzen fühlt sie sich wohl, weil sie deren Sprache versteht. Getragen von dieser Antiheldin entwickelt sich die Geschichte zu einem vielschichtigen Krimi, der zeigt, was passieren kann, wenn Geldgier auf die Spitze getrieben und Gesundheit zur unerschwinglichen Ware wird.

Auch für Veganer ein Vergnügen

Natürlich bleibt ihre abenteuerliche Reise mit zahlreichen halsbrecherischen Situationen und dramatischen Stunts nicht ohne Folgen auf Alvas weitere Weltsicht. Apropos sehen, den Anfang jedes Kapitels hat Torben Kuhlmann, der Meister famoser und tollkühner Mäusegeschichten, mit einer ausgewählten Heilpflanze illustriert, versehen mit ein paar Information zur Verwendung.
Dies ist beileibe kein rein pflanzlicher Schauerroman. Aber auch für Veganer ein spannendes Vergnügen.

Riz Reyes: Im Garten – Die wunderbare Welt der Pflanzen, Illus: Sara Boccaccini Meadows, Übersetzung: Andreas Jäger, ars Edition 2023, 64 Seiten, 20 Euro, ab 8

Yarrow Townsend: Alva und das Rätsel der flüsternden Pflanzen, Illus: Torben Kuhlmann, Übersetzung: Cornelia Panzacchi, Carlsen, 320 Seiten, 9 Euro, ab 10

Kick-off für Football-Fans

Football

Vor einiger Zeit lief im TV der Super Bowl, das NFL-Endspiel im American Football, das größte Einzelsport-Ereignis der Welt – wie ich beim Rumzappen so nebenbei lernte. Eigentlich habe ich es weder mit Fußball noch mit Football, aber letzteres breitet sich seit ein paar Jahren auch hierzulande immer weiter aus.

Nun gibt es die erste Football-Buchreihe für Fans ab acht Jahren und das finde ich erwähnenswert. Denn Autor Andreas Hüging schafft es, diesen schnellen und intensiven Sport in eine fesselnde Geschichte zu verpacken.
Dabei geht es um Jimmy King, der von einer Karriere im American Football träumt. Doch leider hat seine alleinerziehende Mutter ihm quasi ein Ultimatum gestellt: Entweder er besteht den Mathe-Test oder es ist aus mit dem Football, auch wenn Jimmy ein begnadeter Quarterback ist.

Mathe und andere Misslichkeiten

Jimmy tut also alles, um den Mathe-Test zu bestehen – und gerät so leider in eine Spirale aus Lügen, Erpressung und scheinbar aussichtslosen Situationen. Da hilft es auch nichts, dass er zufällig das Playbook, also den Strategieplan, der gegnerischen Mannschaft findet und seine Mannschaft, die Rebels, perfekt coachen kann.
Neben den persönlichen Problemen von Jimmy kämpft der Trainer der Rebels mit einer Hundeallergie, was hinderlich ist, wenn das Maskottchen ein Hund namens Stinker ist. Zudem hat der Neuzugang Artem einen teuren Helm geklaut. Doch den Ärger mit dem Privatdetektiv und dem Besitzer des Sportladens können die Rebels gemeinsam abwenden.

Einführung in die Football-Spielregeln

In diesen actionreichen Plot hat Hüging sehr geschickt die Begriffe und Regeln des American Football eingewebt. Alle, die sich in dieser Welt noch nicht auskennen, finden hier sowohl im Text, als auch in einem Glossar quasi eine Einführung in diese Sportart. So bekommt man ganz rasch und wie nebenbei die Erklärungen zu Begriffen wie Huddle, Interception oder Scrimmage, die mir im Alltag zwar noch nie untergekommen, aber für kleine und große Football-Fans unerlässlich sind.
Dieser Band, Touchdown für die Grasdorf Rebels, ist der Kick-off für eine ganze Serie. Zwei weitere Folgen sind bereits angekündigt. Und vielleicht hat dieses neue Genre zwei Wirkungen auf die Kids: Lesen und Bewegung. Denn die Geschichte ist spannend bis zum Schluss und der Inhalt macht Lust darauf, Bälle zu werfen und sich in einer Mannschaft auf dem Sportplatz zu treffen.

Andreas Hüging: Die Football-Freunde. Touchdwon für die Grasdorf Rebels, Illus Dominik Rupp, cbj, 2025, 144 Seiten, ab 8, 12 Euro

Unheimlich gute Serien

Geisterhelfer

Genug der hyggen Heimeligkeit im trauten Kreis der Familie. Nach mehreren Tagen volle verwandtschaftliche Breitseite spielt man zumindest mit dem Gedanken, wie es wohl in einer ganz anderen Familie wäre? Mit mehr Action? Amanda Black allerdings hat im Moment keine Zeit über ihre soeben entdeckte Familie nachzudenken: »Mein größtes Problem ist, dass die Bank meine Tante Paula und mich noch vor dem Wochenende aus der Villa Black werfen wird. Zumindest war das mein größtes Problem – bis vor drei Sekunden. Dann wurde das Seil durchgeschnitten. Jetzt stürze ich aus 477 Metern Höhe, mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 55 Metern pro Sekunde. Aber das ist nicht mein größtes Problem. Mein größtes Problem ist, dass derjenige, der das Seil durchgeschnitten hat, mein bester Freund ist. Oder zumindest dachte ich, dass er das ist.«

Perfekte Superheldinnenlandung statt Hackbällchen

Juan Gómez-Jurado und Barbara Montes beginnen den Auftakt ihrer Serie  Amanda Black furios mit einem packenden Cliffhanger. Doch zunächst ein kurzer Rückblick: Amanda lebt mit ihrer fürsorglichen und liebevollen Großtante Paula in einer winzigen Einzimmerwohnung. Ihre Eltern sind kurz nach ihrer Geburt gestorben. Amanda und Tante Paula sind einander die ganze Familie und sie sind sehr arm. Amanda kennt es nicht anders. Bis kurz vor ihrem zwölften Geburtstag.
Da springt sie, nur um dem meckernden Vermieter auszuweichen, als wäre es das Normalste der Welt, zum Nachbarhaus und von da in die Tiefe: »Ich fiel durch den Regen, das rechte Bein unter meinem Körper angewinkelt, das linke zur Seite ausgestreckt, sodass sie ein Dreieck bildeten. Meinen linken Arm hatte ich über die Schulter nach hinten gebogen und die rechte Hand mit der Handfläche nach unten gerichtet, um mich abzufangen. Ich dachte ja, ich würde mir ein Bein brechen oder wie ein Hackbällchen, das aus dem Topf entkommen war, über den Boden kullern. Aber nein: keine Knochenbrüche, und auch kein kullerndes Hackbällchen. Nur eine perfekte Landung und ein merkwürdig surreales Gefühl.«

Das hätte den Jedis Darth Vader und etliche Problem erspart

Das spanische Autor-Autorin-Gespann spielt virtuos mit den klassischen Versatzstücken des Action- und Agentinnen-Genres: Die liebe Großtante, ein bisschen wie Peter Parkers Tante May, arm wie Aschenputtel, merkwürdige Veränderungen, unbekannte Herkunft, ein loyaler, altmodischer Typ mit ausgefeilten Techniktricks, wie bei Batman oder James Bonds Q. Und plötzlich eine Superheldinnenbewegung, wie man sie von Scarlett Johansson als Black Widow kennt. Über die sich im gleichnamigen Film ihre kleine Schwester lustig macht. Gleich auf den ersten Seiten von Amanda Black gibt’s reichlich Assoziationen.
Das macht auch den charmanten, von Tamara Reisinger flott übersetzten Tonfall des ersten Abenteuers von Amanda Black als frisch gebackene Schatzjägerin und Superheldin aus. Es ist ungeheuer spannend, ein bisschen surreal, doch immer auch mit einer raffinierten, humorvollen und sehr zeitgemäßen Brechung. Die Familie Black hat es sich nämlich seit Generationen zur Aufgabe gemacht, alle möglichen schrecklichen Waffen zu stehlen und wegzusperren, um Konflikte zu befrieden. Ihre Fähigkeiten und Superkräfte dürfen sie aber nur für Gutes nutzen, nicht zu persönlichen Bereicherung und für Böses, sonst kehrt ihr Talent sich gegen sie.
Sehr schlau, das hätten die Jedis auch mal so festlegen sollen, es hätte ihnen Darth Vader und etliche Probleme erspart.

Unfassbarer Reichtum ist eine supergefährliche Waffe

Schon im ersten Band deutet sich an, dass eine der gefährlichsten Waffe unfassbarer Reichtum und die damit einhergehende Macht ist. Eine kluge und zeitgemäße Interpretation, siehe die derzeit unheilvollste Symbiose des Bösen in den USA. Im bereits erschienenen zweiten Band geht es auf Geheimoperation im Untergrund. Mehr davon!

Geisterhelfer

Mehr gibt es auch demnächst von den Geisterhelfern. Das sind Leo und Antonia. Leo wurde angeblich mitten auf einem Friedhof in einem Sarg geboren. Weshalb sein zweiter Vorname Helsing ist, nach dem Vampirjäger. Seine Eltern finden das lustig, Leo weniger. Er ist nämlich eher ein ängstlicher Typ, vor allem Dunkelheit kann er nicht ertragen.
Er würde also nie auf die Idee kommen, im Dunkeln auf einen Friedhof zu gehen. Doch genau das passiert. Dort begegnet er drei Gespenstern, grün wabernden Wesen. Nur er kann sie sehen, ausgerechnet. Sie sehen aus »als würde man eine Kerze unter eine Schüssel Wackelpudding stellen, Sorte Waldmeister.« Und nur er kann verstehen, was sie sagen und was sie umtreibt. Und deshalb bitten sie ihn um Hilfe, einen dauernd jammernden Quälgeist zu vertreiben.

Queere Geister

Tatsächlich wird Leo, zusammen mit Antonia, der leicht morbiden, konsequent schwarz gewandeten Enkelin der Nachbarin, den Gespenstern helfen. Aber ganz anders als gedacht. Es kommen Ex-Fußballprofis und uralte Lederbälle, meterlange Häkelschlangen und alte Blumentöpfe ins Spiel. Dabei macht Tina Blase ganz nebenbei ein paar Klischees den Garaus: Warum sollen Geister nicht queer sein, also einst queer gelebt haben. »Alte Menschen sind nicht automatisch dumm«, bringt Antonia es auf den Punkt. Später merkt Leo über das Mädchen anerkennend »verrücktes Gefasel und Häkelgardine bedeutet nicht automatisch unsportlich.« Kapitalismuskritisch ist sie auch: »Wie langweilig, immer geht es nur ums Geld.«
Deshalb geht es in diesem Buch um mehr. Tina Blase macht ihre schräge Geistergeschichte zur turbulenten Schatzjagd. Und erzählt so von Freundschaft, Solidarität und Vertrauen. Von Feigheit und schlechtem Gewissen. Von nachvollziehbaren Ängsten und irrationalen Phobien. Und von wahrem Mut – nämlich über seinen eigenen Schatten zu springen.

Lebende sind manchmal wirklich gruselig

Das ist auch sprachlich ein Lesevergnügen: »Solche Jungs sind mir ehrlich gesagt suspekt. Niemand ist in echt so cool. Ich sehe es an meinem Bruder«, sagt Leo über den Star seiner neuen Schulklasse. Überhaupt spielt Leos älterer, schwer pubertierender Bruder Valentin eine wichtige Rolle wegen seiner egozentrischen und gruselig gemeinen Prophezeiung: »Wenn du dich nicht änderst, wirst du ein schlimmes Ende nehmen! Als einsamer Nerd, der seine Tage unter der Bettdecke fristet, während anderer ihr Leben leben. Du wirst nie Freunde haben, nie eine Familie gründen, vermutlich auch nie arbeiten und am Ende jämmerlich – « Die Lebenden, besonders die in nächster Umgebung, sind manchmal die wirklich Unheimlichen. Doch manche werden auch unheimlich gute Freundinnen und Freunde.

Juan Gómez-Jurado, Barbara Montes: Amanda Black – Die Mission beginnt, Ü: Tamara Reisinger, cbj, 2024, 208 Seiten, 14 Euro, ab 9

Tina Blase: Die Geisterhelfer – Traue sich, wer kann!, cbj, 2024, 224 Seiten, 13 Euro, ab 8

Spektakulär schön

Zuerst eine Feststellung: Ich bin die Königin der Prokrastination. Obwohl Kathrin Passig vielleicht eher Anspruch auf den Thron erheben würde, immerhin hat sie schon vor fast 15 Jahren ein bahnbrechendes Buch zum Thema geschrieben – allerdings zusammen mit Sascha Lobo, wer weiß, alleine würde sie es womöglich immer noch vor sich herschieben.
Diesmal habe ich aber selbst für meine Verhältnisse krass überzogen – und mir über ein Jahr Zeit gelassen (wo ist die nur wieder hin?), um das schönste Weihnachtsbuch der vergangenen Jahre zu empfehlen: Jims brillante Weihnachten.
Und damit nicht noch der alte Witz, Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier – und wenn das fünfte Lichtlein brennt, haste Weihnachten verpennt Wirklichkeit wird, hier also kurz vor knapp der ultimative Weihnachtsgeschichten-Tipp.

Als lebendige Kaminbürste missbraucht

Die fabelhafte, englische Schauspielerin Emma Thompson, unter anderem bekannt als Nanny McPhee, hat Jims brillante Weihnachten geschrieben. Nach ein paar Neuerzählungen von Beatrix Potters Peter Rabbit Geschichten, hierzulande als Peter Hase bekannt, ist es ihr Kinderbuchdebüt. Und was für eins: Es handelt von Jim, einem Hund, einem umwerfend liebenswerten, der auf sehr sehr krude Weise seinem Menschen oder Herrchen zugelaufen, genauer zugefallen ist. Der Streuner wird nämlich als lebendige Kaminbürste missbraucht und plumpst schließlich aus einem Kamin des Victoria & Albert Museums im Herzen Londons. »Zum Glück war es Sommer und es brannte kein Feuer, weshalb nichts Schlimmere passierte, als dass auf die Menschen in der Nähe des Kamins eine ansehnlich Menge Ruß niederging und Jim sich in einer Art schwarz gesprenkeltes Stachelwesen verwandelt fand.
Ein ziemlich beleibter Her mit einem wilden, weißen Haarschopf schlug vor, Jim zu säubern und seinem Besitzer zurückzubringen.
Nach mehreren Waschgängen, in denen Jim – sehr zu seinem Missvergnügen – untergetaucht, eingeseift, abgeschrubbt und abgespült wurde, sah er wieder aus wie zuvor.
Der rußgeschwärzte beleibte Herr war, wie sich herausstellte, niemand anderes als Sir Henry Cole, der Direktor des Museums.«

Treuer Begleiter des Museumsdirektors

Sir Henry behält den Hund, der sich schon bald in den weiten Hallen des Museums und dessen Umgebung bestens auskennt und Botengänge unternimmt. Soweit die Vorgeschichte dieser besonderen Freundschaft. Die historisch verbürgt ist. Sir Henry Cole war aber nicht nur der Direktor des von Prinz Albert, Mann der englischen Königin Victoria, gegründeten Museums. Sondern auch der Erfinder einer der schönsten Traditionen Großbritanniens: Der Weihnachtskarte.
Emma Thompson erzählt, was Jim damit zu tun hat. Der ist nämlich nicht nur ein sehr netter, kluger und umtriebiger Hund. Sondern auch ein leidenschaftlicher Leser. Und weil sein eines Auge immer tränt und nicht viel taugt und das andere auch immer schlechter wird, träumt er von so etwas wie einer Brille für ein Auge, etwas, das er für sich Brill nennt. Was der Siegeszug der Weihnachtskarten mit der königlichen Familie und einem Monokel zu tun haben, erzählt Thompson absolut furios, hinreißend und zauberhaft.

Geniales Wortspiel

Anu Stohner gelingt es großartig, das ursprüngliche Wortspiel aus spectacular und Spectacles, englisch für Brille (kurz: Spex, wie eine exzellente, deutsche Musikzeitschrift hieß) zu übersetzen: mit brillant. Auch sonst trifft sie Thompson lässig liebevollen Tonfall sehr gut. Nur als Jim mit einem im Original gamey whiff behaftet beschrieben wird, greift Stohners herber Geruch zu kurz. Gamey whiff ist auch ein wilder Hauch, etwas abenteuerlustiges, fast anarchistisches schwingt mit.

Wenig royal, dafür umso herzlicher

Illustriert hat die Geschichte Axel Scheffler, bekannt als der Gestalter und Miterfinder des legendären Grüffelos. Thompson und Scheffler kannten sich über kleine Auftragszeichnungen schon länger, sind sich aber erst Jahre später persönlich begegnet. Und das, obwohl sie für Londoner Verhältnisse fast Nachbarn sind. Jims brillante Weihnachten ist ihre erste Zusammenarbeit, und man kann jetzt schon sagen, sie ist so kongenial wie Schefflers Werke gemeinsam mit der Kinderbuchautorin Julia Donaldson. Im Gegensatz zum Grüffelo sieht man hier mehr Schefflers subtilen Witz und Spaß an skurrilen Typen und Szenen, wie etwa in Vater Eichhorn fällt vom Baum, dem allerbesten pixi Buch.

Königlich bekleckert

Wer schafft es schon in ein Bilderbuch ein Kind, das aus einem Glas Wein trinkt, hereinzuschmuggeln? Ist aber historisch verbürgt, über die erste Weihnachtskarte. Oder die nahbare, lebensechte und freundliche Darstellung der königlichen Familie bei Jims Besuch im Buckingham Palast: »Zu guter Letzt betraten sie einen Raum, der voller Kinder zu sein schien. Dazu kamen fast genauso viele Kindermädchen, und es dauerte einen Moment, bis Jim in dem Gewimmel etwas sah, was ihm bis ans Ende seiner Tage im Gedächtnis bleiben würde.
Die Königin, denn nur um sie konnte es sich bei der kleinen rundlichen Person mit Krone handeln, hatte sich offensichtlich mit Tee oder etwas ähnlichem bekleckert, und Prinz Albert, denn nur um ihn konnte es sich handeln, versuchte den Fleck mit einem Taschentuch fortzutupfen.« Schefflers Familienbild ist wenig royal, dafür umso herzlicher und ein entzückendes Vergnügen.

Also, nicht zögern, Jims brillante Weihnachten gleich im Buchladen des Vertrauens kaufen und lesen. Und viele Weihnachtskarten an liebe Menschen verschicken. Das wird ein spektakulär schönes Fest!

Emma Thompson, Axel Scheffler: Jims brillante Weihnachten, Übersetzung: Anu Stohner, Beltz & Gelberg, 3. Auflage 2023, 80 Seiten, 18 Euro, ab 6