Archiv der Kategorie: Kinderbuch

Gefiederte Liebesgeschichten

Ente

Federvieh in der KJL hat momentan Hochkonjunktur. Neulich hatten wir hier das ultimative Hühnerbuch, jetzt gibt es gleich zwei Bücher mit entsprechenden Protagonisten.
Bei Ulrich Hubs neuestem Werk meint man vielleicht in einem Treppenwitz gelandet zu sein, wenn man den Titel Lahme Ente, blindes Huhn betrachtet und die Assoziationen im Kopf schießen sofort ins Kraut.
Doch die Lektüre offenbart bereits auf Seite eins eine der entzückendsten Fabeln über das Leben, versteckte Wünsche, die Macht der Fantasie und die Freundschaft.

Eine tierisch gute Kombination

In einem grauen Hinterhof lebt die lahme Ente, futtert Erdnüsschen und wünscht sich eigentlich jemanden, mit dem sie diesen Snack teilen könnte. Eines Tages schneit das laute und selbstbewusste blinde Huhn herein und lässt sich durch nichts beirren. Die beiden raufen sich zusammen und ziehen hinaus in die Welt. Das Huhn stützt, die Ente sieht. So geht es eine lange Straße entlang, durch einen dunklen Wald, über eine hohe Schlucht, den höchsten Berg hinauf bis zum goldenen Tor, hinter dem die verborgenen Wünsche erfüllt werden.

Perfekte Ergänzung und das Wesentliche

Natürlich geht so eine Reise nicht ohne Konflikte und Streitigkeiten ab. Doch der Weg verändert die beiden Held:innen. Sie lernen sich gegenseitig besser kennen, aber auch sich selbst – so entdeckt die Ente, dass Fliegen ja ganz leicht ist … Und sie finden heraus, auf was es im Leben wirklich ankommt.
Ulrich Hub, Experte für allzu menschliche Tierstorys, erzählt dies mit so hintersinniger Leichtigkeit, dass auch Erwachsene an dieser Geschichte Gefallen finden werden. Denn hier spiegelt sich der Kern des Lebens in seinen Facetten: Wir sind alle nicht perfekt, gleichen uns jedoch in unseren grundsätzlichen Wünschen nach Gesehen-werden und Freundschaft. Das alles suchen wir manchmal an weit entfernten Orten, können gar nicht schnell genug vom Hof kommen … um dann festzustellen, dass so manches schon ganz nah ist. Allen Redewendungsassoziationen zum Trotz gleitet Ulrich Hub aber nie ins Banale oder Kitschige ab, sondern schafft es mit feiner Ironie und viel Humor, dass einem mit jeder Seite Huhn und Ente mehr ans Herz wachsen und man das Wesentliche unsere Existenz erkennt.

Love rules

Eine weitere ungewöhnliche Vogelpaarung findet sich in dem Bilderbuch Der Habicht und der Hahn von Käptn Peng und Melanie Garanin.
Der Habicht, der normalerweise eine Gefahr für Hühner darstellt, mag in diesem Fall den Hahn. Und dieser erwidert die Gefühle, sehr zum Unverständnis von Bauer und Hühnerschar.
Doch die beiden lassen sich von ihrer Umwelt nicht abhalten und verschmelzen zu einer Einheit.

Dynamisch in Musik und Strich

Der kurze Text stammt aus dem gleichnamigen Song von Käptn Peng, auch bekannt als Robert Gwisdek, Schauspieler, Musiker, Autor. Man kann sich das Buch also quasi vorsingen lassen und zwar in bester Liedermacherqualität, bei der die Stärke des Textes so richtig zu Geltung kommt.
Doch auch die schwarzkonturierten, aber farbig-strahlenden Aquarelle von Melanie Garanin sind eine Wonne, die den Aufruhr im Hühnerstall um die beiden Liebenden dynamisch und verspielt zeigen. Da wird der Bauer fast zum Schwein und der Regenwurm schwingt die Rassel.

Liebe, wen du willst

Die Botschaft ist natürlich klar und ein Plädoyer für eine grenzenlose Liebe, jenseits von Geschlechtern oder sonstigen Schubladen. Das ist zum einen ein Buchtrend unserer Zeit, aber eben auch immer noch nicht selbstverständlich und daher wichtig, es auch den ganz jungen Menschen auf so charmante Weise klarzumachen. Nur mit solchen Geschichten wird es vielleicht mal Generationen geben, die um gleichgeschlechtliche Liebe und queere Lebensformen kein Gewese mehr machen werden.

Ulrich Hub: Lahme Ente, blindes Huhn, Illus: Jörg Mühle, Carlsen, 2021, ab 8, 13 Euro
Käptn Peng: Der Habicht und der Hahn, Illus: Melanie Garanin, Huckepack, 2021, ab 5, 15 Euro

Auf jeden Fall die Steckdose vorher fragen

Kling

Muss man Bücher von Marc-Uwe Kling eigentlich noch vorstellen? Vom Kleinkünstler zum Bestsellerautor, nötig hat er es jedenfalls nicht mehr: Das Känguru-Universum dürfte enorm vielen Menschen bekannt sein, die QualityLand-Bücher ebenso. Und das Neinhorn treibt in unzähligen Familien auch schon schön sein anarchisches Unwesen.

Und doch gibt es da noch die Der-Tag-an-dem-Kinderbuchreihe von Kling, dessen dritter Teil eine nun eine klingsche Abrechnung mit hetero-normativen Aufklärungsgesprächen ist – und dementsprechenden Lesespaß bietet. Jegliche sprachliche Bewertung von Kings Humorlevel endet bei mir leider immer nur in miesen Plattitüden, die dem Niveau des Autors nicht würdig sind und meine Hochachtung vor diesem Können nicht im mindesten abbilden, also lasse ich es.*

Breitseiten gegen heteronormative Vorstellungen

Jedenfalls steht in der Familie von Tiffany, 6, Max, 12, und Luisa, 17, ein Gespräch über Sex an. Denn Luisa will mit ihrem Freund Justin (Tiffany würde ihn »ungefähr so schreiben: Taschstn«) zelten gehen. Es wird natürlich kein Gespräch unter vier oder sechs Augen, wie Papa es gern hätte, sondern die gesamte Familie inklusive Oma, Opa und des befreundete Nachbars findet sich ein.
Aus Mamas ehrenwertem Versuch, das Gespräch in Gang zu bringen (»wenn sich zwei Menschen näher kommen, also ein Mann und eine Frau …«), entwickelt sich eine Diskussion über gesellschaftliche Normen, europäisch-christliche Sexualmoral, freie Liebe in den 1960ern und Evolutionsbiologie.

Die verklemmten Eltern

Dabei sind es vor allem die Eltern, die so ihre Probleme mit dem Vokabular haben und herumdrucksen, wenn es darum geht, konkret zu werden. Als die Sechsjährige fragt, was denn Sex sei, bedienen sie sich Ausdrücken wie »Mumu« und »Schniedelwutz«. Papa behilft sich zudem ganz anschaulich mit Stecker und Steckdose. Sehr zur Verwunderung der Anwesenden und dem Amüsement der Leserschaft. Zum Glück vergisst Papa auch nicht die überaus relevante Kleinigkeit im ganzen Prozess: »Das äh, das Wichtigste ist natürlich, dass man die Steckdose vorher fragt.«

Aufklärung 2.0 reloaded

So kommt es, dass schließlich die Teenager die Gesprächsführung übernehmen, das korrekte Vokabular benutzen, sachlich und ohne falsche Scham Geschlechtsorgane benennen, Zusammenhänge und Entwicklungen darlegen – und den Erwachsenen klar machen, dass sie längst aufgeklärt sind, Internet sei dank.
Astrid Henns Illus liefern dazu das bildlich-biologisch-korrekte Anschauungsmaterial.

Wie nebenbei bringt Marc-Uwe Kling damit die als so unangenehm empfundenen Aufklärungsgespräche in Familien auf ein neues Level – nicht nur was die Komik angeht – sondern auch das Eltern heute gefälligst auf Augenhöhe mit ihren Teenagern reden, sich mit den Diskursen um Sexualität, Gender, Identität auskennen und vor allem nicht peinlich rumeiern sollten.
Da er dieses Buch für Lesende ab 6 Jahren anbietet, wird es vermutlich in so manchen Familien vorgelesen werden und das ist gut. Nichts hilft mehr, sich das richtige Vokabular anzueignen und in den eigenen Wortschatz zu überführen, als vorzulesen.
Ich muss das Vorlesen nur leider immer wieder unterbrechen … wegen der ständigen Lachanfälle.

Marc-Uwe Kling: Der Tag, an dem Papa ein heikles Gespräch führen wollte, Illustration: Astrid Henn, Carlsen, 2021, ab 6, 12 Euro

Fußnote: * Das Buch ist witzig.

Pinocchios übersetzerischer Werdegang

Neulich rückten die Übersetzer:innen in den Feuilletons in den Fokus, als anhand der Übersetzung von Amanda Gormans Gedicht The Hill We Climb darüber diskutiert wurde, wer denn einen Texte übersetzen dürfe. Dieser Ton war neu. Wir Übersetzer:innen diskutieren liebend gern darüber, wie man einen Text übersetzen kann oder sollte. Wir ringen um Wirkungsequivalenz mit dem Original, schätzen ab, wie viel Nähe zum Original nötig und wie viel Freiheit möglich ist. Herkunft, Hautfarbe, Religion und Lebenserfahrungen haben dabei bis jetzt nie eine Rolle gespielt, denn zu den Hauptfähigkeiten von Übersetzer:innen gehört neben den Sprachkenntnissen eine gehörige Portion Einfühlungsvermögen. Denn selbst wenn wir vergleichbare Erfahrungen machen, ganz gleich in welcher Lebenswelt, so empfindet jeder Mensch sie doch individuell und auf seine ganz spezielle Art. Niemand wird also das ganz genau das fühlen und assoziieren, was im Fall von Texten die Autor:innen beim Schreiben empfunden haben. Im besten Fall können Übersetzer:innen mit den Autor:innen kommunizieren und nachfragen – und bekommen dann Antworten, die die Feinheiten und Vielschichtigkeiten von Texten offenbaren. Diese gilt es dann zu übersetzen, also den Leser:innen in der Zielsprache zu vermitteln.
Und dennoch bleiben Übersetzungen immer nur ein »Serviervorschlag«, wie eine Kollegin mal sagte. Sie sind eine Momentaufnahme ihrer Zeit, sie unterliegen unzähligen (auch verlegerischen) Faktoren und haben die schlechte Angewohnheit noch schneller zu altern als die zugrundeliegenden Originaltexte. Was sich im Folgenden ziemlich gut erkennen lässt.

Von der Debatte zur Recherche

Während im Feuilleton also diese Debatte tobte – die für mich in dem Witz gipfelte, dass dann auch Kinderbücher nur noch von Kindern übersetzt werden sollten –, befasste ich mich mal wieder mit der italienischen Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland. Unter den Neuerscheinungen fand sich, wie quasi jedes Jahr, eine neue Pinocchio-Ausgabe – für die eine Übersetzung aus den 1960-Jahren genutzt wurde. Ich wunderte mich, fing an nach die Übersetzerin zu recherchieren, zu der ich nichts fand. Stattdessen stieß ich auf unzählige Übersetzer:innen-Namen, die alle Pinocchio übersetzt, neu bearbeitet, neu getextet, neu irgendwas hatten. Was soll ich sagen: In mir erwachte ein Sammeltrieb, den ich so von mir eigentlich nicht kenne … doch dieses Mal wurde es für mich immer spannender, mit jeder neuen Übersetzungsfassung, die ich in die Finger bekam.

Pinocchios lange Übersetzungshistorie

So stapeln sich bei mir nun Pinocchio-Ausgaben jeglicher Couleur – angefangen bei der deutschen Erstausgabe von 1905 über unzählige Versionen aus den 1940er-Jahren in traurig vergilbtem und zerfallendem Nachkriegspapier, bis hin zu verkürzten Erstlese-Versionen, einer Ausgabe in Bernerdeutsch, Comic-Adaptionen und Bilderbüchern. Die Versionen stammen aus der Schweiz, Österreich und der DDR. Von der Disney-Version aus den USA mal ganz zu schweigen. Insgesamt 54 deutsche Varianten plus das Original. 48 davon werde ich unten auflisten. Natürlich gibt es wesentlich mehr Pinocchio-Ausgaben auf dem Markt, weil quasi jeder Kinderbuchverlag seine eigene Variante herausgebracht hat. Doch oft haben die Verlage dann auf bereits bestehende Übersetzungen zurückgegriffen, was man an den Einträgen zu Pinocchio in der Deutschen Nationalbibliothek sehr gut erkennen kann, die in die Hunderte gehen.
Die mir vorliegenden Versionen umfassen jedoch immer noch nicht alle Übersetzungen, eine habe ich antiquarisch noch nicht gefunden. Ich werde sie, sobald die Bibliotheken wieder öffnen, in der Hamburger Staatsbibliothek einsehen können. Zudem gibt es eine Theaterfassung, auf die ich noch keinen Zugriff erhalten habe.
Pinocchio, der in Italien 1883 zum ersten Mal als Buch erschienen ist, dürfte somit eines der meistübersetzten Kinderbücher ins Deutsche sein. Für Alice im Wunderland von Lewis Carroll gibt Wikipedia 36 Übersetzungen seit 1869 an, allerdings mit sehr strengen Maßgaben (nur vollständige Versionen). Für Der kleine Prinz von Saint-Exupéry sind es neun, wobei das Original aber auch erst 1943 erschienen ist. Auch hier freue ich mich über Infos, falls ein Kinderbuch diese Zahlen noch toppt.

Drei Sätze im Vergleich

Da ich nun jedoch nicht die Zeit habe, all diese Bücher von vorn bis hinten Wort für Wort zu vergleichen, habe ich mir ein pragmatisches Vorgehen überlegt. Ich habe drei markante Sätze und Absätze ausgewählt, die für Übersetzer:innen interessant sind: Zunächst den Absatz, in dem Geppetto Pinocchio seinen Namen gibt. Warum sich die Übersetzer:innen für ihre Versionen entschieden haben, wird vermutlich immer ein Rätsel bleiben (evt. müsste ich die wissenschaftliche Literatur einsehen, ob es darüber etwas gibt, aber auch das ist ein Zeitfrage). Allein für die relativ schlichten italienischen Sätze: „–Che nome gli metterò? – disse fra sè e sè. – Lo voglio chiamar Pinocchio.“ gibt es kaum gleichlautende Übersetzungen.
Die Namensfrage war dann so interessant, dass ich noch ein paar Namen, Figuren und den „Caffé-e-latte“ verglichen habe. Schon was aus Romeo, dem Verführer wurde, ist irre. Und welches Getränk bereitet man Kindern zu? Auch das „Paese dei balocchi“ ist nicht so eindeutig zu benennen. Ich bin aus dem Staunen über die Kreativität und die Freiheiten der Kolleg:innen kaum noch rausgekommen.
Der zweite Satz schildert die Fee und ist allein wegen der Übersetzung von „turchina“, ihrer Haarfarbe, interessant: fifty shades of blue … könnte man sagen. Bei diesem Satz kann man jedoch auch einen Blick auf den Umgang mit der Syntax in den Übersetzungen werfen, die naturgemäß ebenfalls sehr unterschiedlich ausfällt.
Das dritte Beispiel schildert die „Schlacht der Schuljungen“, die sich ihre Bücher um die Ohren hauen. Collodi hat unter die Bücher zwei seiner eigenen Werke aufgeführt, die deutschen Leser:innen vermutlich nichts mehr sagen (falls überhaupt je). Auch hier ist die Kreativität der Übersetzenden und ihr freizügiger Umgang in Form von Ergänzungen, Kürzungen oder Umschreibung frappierend.
Bei diesem Blick auf die verschieden Übersetzungsfassungen geht es mir nicht um eine wissenschaftliche Analyse oder Einordnung, sondern viel mehr um eine Dokumention des Vorhandenen. Auch inhaltliche Erörterungen zum Inhalt und zur Lesart von Pinocchio sind hier nicht das Ziel. Mein Fokus liegt auf den Übersetzungen.

Die Vielfalt der Übersetzungen

Ich habe die Versionen als eine lange Liste zusammengestellt, die ich hier kommentarlos einstelle. Bei den eingekürzten Versionen fehlen oftmals gewisse Szenen oder Kapitel, so dass dann auch die ausgewählten Sätze fehlen. Das habe ich dann vermerkt. Die Walt-Disney-Version habe ich hier nicht berücksichtigt, weil es sich dabei um einen Sonderfall handelt und die Texte zumeist aus dem Englischen übersetzt wurden. Wer sich auf die Lektüre dieser langen Liste einlässt, wird sich seine eigenen Gedanken zu den Übersetzungen machen können. Eine Bewertung, was gelungen ist oder nicht, wage ich nicht vorzunehmen, denn jede Version ist in ihrem ganz eigenen Kontext und ihrer ganz eigenen Zeit entstanden. Doch allein an diesen drei Beispielssätzen zeigt sich – für mich auf jeden Fall – wie sehr sich Übersetzungen wandeln und wie frei Übersetzer:innen arbeiten (können). Und wie wenig die Frage bringt, wer einen Texte übersetzen darf.
Noch habe ich keine Lieblingsübersetzung ausgemacht, noch habe ich keine gefunden, die ich als „kanonisch“ bezeichnen würde. Aber dafür bin ich eben selbst zu sehr Übersetzerin und würde ja am liebsten den gesamten Pinocchio auch noch mal übersetzen. Es würde sicher wieder etwas ganz anderes dabei herauskommen.

Da diese Auflistung wirklich sehr lang ist, könnt ihr euch das Ganze auch als unkommentiertes PDF hier herunterladen:

Es ist nicht weniger lang, aber vielleicht besser lesbar.

Illustrationen auf Instagram

Auf meinem Instagram-Kanal letteraturen werde ich in den kommenden Wochen die einzelnen Bücher kurz vorstellen, da die meisten von ihnen illustriert sind und selbst diese Bilder auf ihre Art so einiges über den Umgang mit und den Wandel von Pinocchio verraten.

Ein italienisches Original und 46 deutsche Versionen

Carlo Collodi
Le avventure di Pinocchio
Illus: Enrico Mazzanti
1883

Nomi/Namen  
Mastr’Antonio/Maestro Ciliegia | compar Geppetto | Burattinaio Mangiafuoco | Caffè-e-latte | Romeo/Lucignolo | Paese degli balocchi | Pesce-cane – «l’Attila dei pesci e dei pescatori»

Kap. III, S. 29   –Che nome gli metterò? – disse fra sè e sè. – Lo voglio chiamar Pinocchio. Questo nome gli porterà fortuna. Ho conosciuto una famiglia intera di Pinocchi: Pinocchio il padre, Pinocchia la madre e Pinocchi i ragazzi, e tutti se la passavano bene. Il più ricco di loro chiedeva l’elemosina.Kap. XVI, S. 86   In quel mentre che il povero Pinocchio impiccato dagli assassini a un ramo della Quercia grande, pareva oramai più morto che vivo, la bella Bambina dai capelli turchini si affacciò daccapo alla finestra, e impietositasi alla vista di quell’infelice che, sospeso per il collo, ballava il trescone alle ventate di tramontana, battè per tre volte le mani insieme, e fece tre piccolo colpi.Kap. XXVII, S. 148   Allora I ragazzi, indispettiti di non potersi misurare col burattino a corpo a corpo, pensarono bene di metter mano ai proiettili, e sciolti I fagotti de’ loro libri di scuola, cominciarono a scagliare contro di lui i Sillabari, le Grammatiche, i Giannettini, i Minuzzoli, i Racconti del Thouar, il Pulcino della Baccini e altri libri scolastici.

Hippeltitsch’s Abenteuer. Geschichte eines Holzbuben.
In autorisierter deutscher Bearbeitung von
Paul Artur Eugen Andrae
Illus: E. Chiostri
Carl Siwinna
Kattowitz und Leipzig, 1905
262 Seiten

Meister Fridolin/Meister Kirsche | Schlampel | Budenbesitzer Feuerfresser| Kakaogeschmause | Land der Müßiggänger | Paul, Freund Spitz | Haifisch – „Geißel der Fische und Fischer“  

  „Welchen Namen soll ich ihm geben?“ Fragte er sich. „Hippeltitsch will ich ihn heißen! Dieser Name wird ihm Glück bringen. Ich kannte eine ganze Familie Hippeltitsch: Hippeltitsch der Vater, Hippeltitschin die Mutter und Hippeltitschs auch die Kinder, und allen ging es gut. Der Reichste unter ihnen bettelte.“  Während der arme Hippeltitsch von den Mördern an einem Aste der großen Eiche aufgehängt wurde und jetzt einem Toten ähnlicher sah als einem Lebenden, trat das schöne Mädchen mit den dunkelbauen Haaren ans Fenster. Und da sie mit jenem Unglücklichen, der aufgehängt im Winde schaukelte, Mitleid hatte, klatschte sie dreimal leise in die Hände.  Aufgebracht, sich mit dem Holzbuben nicht Brust an Brust messen zu können, griffen sie zu Wurfgeschossen. Und nachdem sie ihre Schultaschen aufgeschnürt hatten, schleuderten sie ihre Fibeln, Grammatiken, Lesebücher, Heys Fabeln und andere Schulbücher gegen ihn; …

Die Geschichte vom hölzernen Bengele für große und kleine Kinder
Ü: Anton Grumann
Illus: Enrico Mazzanti
Herdersche Verlagshandlung, Freiburg, 1914
257 Seiten

Schreiner-Toni/Meister Pflaum | Meister Seppel | Direktor Feuerschlund | Kaffee mit Kuchen | Faulenzerland | Friedrich, Freund Röhrle | Der Große Hai, von dem ihr schon gehört habt


  Es quälte ihn nur noch eine Sorge. Er wackelte mit dem Kopfe hin und her, sann und dachte und fragte sich: „Ein Name!? – Ein Name!? – Was für einen Namen soll ich meinem Hampel geben?“ Plötzlich sprang er auf, griff sich an die Stirne und sagte: „Ja! ‚Bengele‘ muss er heißen. Das ist ein schöner Name und er bringt ihm Glück. Ich habe eine ganze Familie Bengele gekannt: der brave Vater Bengele, die fleißige Mutter Bengele, die Bengele Buben, alle so tüchtig, und allen ist es in der Welt gut gegangen. Einer von ihnen hat sogar Kienholz in der Stadt verkauft.“  In diesem Augenblicke, als Bengele zu sterben glaubte, trat das Mägdlein mit dem goldenen Haar wieder ans Fenster. Es hatte Mitleid bekommen mit dem armen Hampelchen, das vom Winde gefaßt hin und her schaukelte. Zierlich klatschte das holde Kind dreimal in die Hände und schlug dreimal mit dem Fuß auf den Boden.  Die Knaben waren wütend, daß sie Bengele nicht zwingen konnten, und wollten ihm auf eine andere Art beikommen. – Rasch machten sie ihre Schulsäcke auf und warfen ihre Bücher gegen ihn. Da kam eine Grammatik geflogen, da ein Rechenbuch, da eine Naturgeschichte, da ein Geographiebuch, ein Atlas und sogar ein Federkasten.

Hölzele, der Hampelmann, der schlimm ist und nicht folgen kann! Eine viellehrreiche Böse-Buben-Geschichte
Ü: Franz Latterer
Illus: Anton Kenner
Steyrermühl Verlag, Wien, 1923
166 Seiten

Meister Anton/Meister Kirschnas | Gevatter Armerling | Feuerfresser | Milchkaffee mit Schlagsahne | Spielestadt | Franz, Freund Döchterle | Haifisch [ohne Attila]  

  »Wie soll ich ihn nur taufen? … Halt! Ich habe es: „Hölzele“ will ich ihn nennen. Erstens weil er aus Holz ist, zweitens weil dieser Name sicher Glück bringt. Ich habe ja mal eine ganze Familie Hölzele gekannt: Herr Hölzele der Vater, Frau Hölzele die Mutter, Klein-Hölzele die Kinder und allen ist es gut gegangen; der Reichste von allen ging betteln.«  Während nun Arm-Hölzele, den die bösen Räuber an dem Zweig der Großen Eiche aufgehängt hatten, mehr tot als lebendig war, erschien am Fenster des Häuschens wieder das schöne Mädchen mit den schwarzblauen Haaren. Diesmal aber war sie gar nicht mehr tot und als sie den armen Wurstel an der Großen Eiche hängen sah und sah, wie er im Winde hin- und herbaumelte, ergriff sie tiefe Mitleid mit ihm. Dreimal schlug sie mit ihren Händchen zusammen, daß es dreimal niedlich patschte.  Die Buben ärgerten sich, daß es ihnen nicht möglich war, an Hölzele heranzukommen und sich mit ihm, einer nach dem andern, im Raufen messen zu können. Da kamen sie auf den Einfall, Hölzele zu bewerfen und zu beschießen mit den Geschossen, die sie eben zur Hand hatten, mit ihren Schulbüchern. Die Bücherpacke wurden rasch aufgeschnallt und schon flogen die Geschosse gegen Hölzele, das Lesebuch, das Sprachbuch, die Rechenlehre und die Geometrie, der Atlas und die Geographie.

Kasperles Abenteuer. Die Geschichte eines Holzbuben, der schließlich ein wirklicher Knabe wird
deutsch bearbeitet von Heinrich Siemer
Illus: Ottilie Kollwitz
Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin, o.J.
221 Seiten – vermutlich 1920er oder 1930er Jahre (Titelei ist in Sütterlin gesetzt)

Meister Anton/Meister Kirsche | Meister Seppel | Feuerfresser | Schokolade mit Schlagsahne | Spielzeugland | Friedrich, Freund Spindelfritz | Riesenfisch

  „Welchen Namen soll ich ihr geben?“ fragte er sich lachend. „Ich glaube, ich werde sie Kasperle nennen. Der Name wird ihr Glück bringen. Ich kannte einmal eine Familie, die so heiß. Da war Kasper, der Vater, Kasperline, die Mutter und Kasperle, das Kind, und allen ging es gut. Der reichste von ihnen war ein Bettler.“  Während das arme Kasperle am Zweig der großen Eiche hing, offenbar mehr tot als lebendig, erschien das wunderschöne Kind mit dem blonden Haar wieder am Fenster. Wie es das unglückliche Kasperle an dem Ast hängen sah, vom Nordwind hin und her geschleudert, wurde es von Mitleid ergriffen. Es klatschte leise dreimal in die Hände.  Die Knaben wurden zornig, als sie sahen, daß sie Kasperle im Nahkampf nicht überwältigen konnten, und griffen zu anderen Waffen. Sie nahmen ihre Ränzel vom Rücken und begannen, ihre Schulbücher gegen ihn zu schleudern: Grammatiken, Wörterbücher, Lesebücher, Geographiebücher und andere dicke Bände.

Klötzlis lustige Abenteuer
frei nach dem Italienischen von Josef Kraft
Illus: Ettore Cocchi
Verlag Huber & Co., Frauenfeld und Leipzig, 1938
146 Seiten

Schreiner Toni/Meister Zwetschg | Sepp | Hampelmeister Feuerfresser | Kaffee | Gänggeliland | Fritz, Freund Zündi | Riesenhai „Herr der Meere“

  „Was für einen Namen soll ich ihm geben? … Was, ich taufe ihn Klötzli! Dieser Name bringt ihm Glück. Ich kannte ja eine ganze Klötzli-Familie: Klötzli-Vater, Klötzli-Mutter und Klötzli-Buben. Alles feine Leute. Der reichste davon ging sogar betteln. Jawohl, Klötzli!“  In diesem Augenblick erschien das Mädchen mit dem blauen Haar wieder am Fenster. Es sah den armen Hampelmann im Biswind baumeln und bekam Mitleid mit ihm. Es klatschte dreimal leicht in die Hände.  Aus der Nähe war nichts zu machen. Darüber waren sie schrecklich wütend. „Bücher schmeißen!“ schrie da einer. Die Schultaschen wurden aufgemacht. Rechenbücher, Lesebücher, Lineale, Griffelschachteln sausten Klötzli um den Kopf.

Pinocchio. Die Geschichte des hölzernen Hampelmanns, der ein richtiger Junge wurde
Ü: Erni Russig
Illus: Jo von Kalckreuth
Wiking Verlag, Leipzig, 1944
178 Seiten

Meister Anton/Meister Kirsche | Gevatter Seppel | Puppenspieler Feuerfresser | Milchkaffee | Spielzeugland | Romeo, Kamerad Docht | Riesenhai, „Das Fischgrab“

  „Wie werde ich ihn nennen? Fragte er sich. „Ich will ihn Pinocchio1 taufen. Dieser Name wird ihm Glück bringen. Ich habe eine ganze Familie Pinocchio gekannt. Pinocchio Vater, Pinocchio Mutter und Pinocchio Kinder, und allen ging es gut. Der reichste von ihnen war ein Bettelmann.“   1 Sprich: Pinokkio (= der länglich-runde Kern der Frucht der Pinie)  Während der arme Pinocchio an einem Ast der „großen Eiche“ mehr tot als lebendig hing, schaute das schöne Mädchen mit den blauen Haaren wieder zum Fenster heraus. Beim Anblick des Unglücklichen, der da am Halse aufgehängt im Winde baumelte, überkam sie das Mitleid. Sie klatschte dreimal in die Hände.  Voller Wut, daß es ihnen nicht gelang, dem Hampelmann zu Leibe zu gehen, fingen die Jungen an, zu Wurfgeschossen Zuflucht zu nehmen. Sie öffneten die Schultaschen, und schon kamen ABC-Bücher, die Grammatik, das Rechenbuch, der Atlas und anderes auf ihn zugeflogen.

Larifaris Abenteuer. Eine Kasperlgeschichte nach C. Collodis „Pinocchio“
frei übersetzt: Louis Concin
Illus: Reinken
Ritsch-Verlag, Bludenz, 1947
Teil 1-4, 130 Seiten 

Meister Anton/Meister Kirsche | Gevatter Valentin | Theaterdirektor Feuerfraß | Kakao mit Schlagobers | Land der Spiele | Hans – Freund Docht | Riesenhaifisch, „Attila der Fische und der Fischer“

  „Wie soll ich ihn aber nennen?“ fragte er sich. „Ich heiße ihn Larifari. Dieser Name bring Glück. Ich habe einmal eine ganze Familie Hampelmännchen gekannt. Der Vater hieß Larifari, die Mutter Frau Larifari und Larifaris hießen alle Kinder. Allen ging es gut, ja der Reichste von ihnen war sogar ein Bettler.“  Als nun der arme Larifari am Aste der großen Eiche hing und schon mehr tot als lebendig war, sah das Mädchen mit den türkisblauen Haaren neuerlich zum Fenster hinaus und erblickte den unglücklichen Hampelmann, der dort im Winde hin- und herschaukelte. Tiefes Erbarmen ergriff sie. Das schöne Mädchen schlug dreimal in die Hände.  Da sich die Buben mit Larifaris Kräften nicht messen konnten, wurden sie böse und trachteten, ihn auf andere Art unterzukriegen. Bald waren die Schulranzen aufgemacht und die Bücher flogen nur so gegen den Armen Hampelmann. Da regnete es Fibeln und Rechenbücher, große und kleine Schulbücher aller Art, […]

Pinocchio der Hampelmann
neubearbeitet von Marina Thudichum
Illus: Hans Toscano del Banner
Salzburger Jugendverlag, 1947
213 Seiten

Schreiner Toni/Meister Powidl | Schnitzer Sepp | Carlo Diabolicus | Kaffee, Kuchen und Butterbrot mit Honig | Vakanzien/Spielestadt | Fritz, Freund Röhrle | Haifisch [Dampfschiff-Vergleich]

  „Hör zu, was ich dir sage! Pinocchio sollst du heißen und du sollst ein wunderbarer Hampelmann werden! Alle Hampelmänner der Welt sollen vor Staunen die Arme und Beine hängen lassen, wenn sie dich sehen, und ich werde ein glücklicher Vater sein.“  Das schöne Mädchen mit den schwarzen Haaren, das Pinocchio am Fenster des Häuschens gesehen hatte, war eine gute Fee und hieß Felicitas. Weil sie eine Fee war, wußte sie mehr als gewöhnliche Menschen, und sie kannte auch den ungezogenen Hampelmann ganz genau. Als ihn aber nun so zwischen Himmel und Erde baumeln sah, erfaßte sie großes Mitleid mit ihm. Sie beugte sich aus dem Fenster und klatschte dreimal in die Hände.  Die Meerspinne zog den Kopf ein und kroch zurück, und die sieben Buben sahen sich nach neuen Wurfgeschossen um. Da fiel ihr Blick auf Pinocchios Schulmappe, die noch vollgepackt im Sande lag. Sogleich schnallten sie sie auf und fingen an, mit seinen Büchern und Heften nach ihm zu werfen. Der Lange nahm ein besonders Dickes Rechenbuch mit festen Lederecken und zielte damit nach dem Kopf des Hampelmanns.

Die Abenteuer des Pinocchio,
Ü: Vico Mantovani,
Illus: Gerhard Klaus
Erich Schmidt Verlag, Berlin, o.J.
vermutlich 1948

Meister Anton/Meister Kirsche | Gevatter Geppetto | Puppenspieler Feuerfresser | Milchkaffee | Schlaraffenland | Romeo, Freund Docht | Haifisch, der „Attila der Fischer und Fische“

  „Welchen Namen werde ich ihm geben?“ fragte er sich. „Ich will ihn ‚Pinocchio‘ nennen. Dieser Name wird ihm Glück bringen. Ich habe eine ganze Familie Pinocchio gekannt: Pinocchio – der Vater, Pinocchia – die Mutter und Pinocchi – die Kinder, und allen ging es gut: der reichste von ihnen mußte betteln.“  Als nun der arme, von Mördern an einem Zweig der „Großen Eiche“ aufgehängte Hampelmann mehr tot als lebendig zu sein schien, zeigte sich das schöne Mädchen mit dem blauschwarzen Haar von neuem am Fenster. Von Mitleid ergriffen beim Anblick des armen Unglücklichen, der, am Halse aufgehängt und von den Stößen des Nordwindes hin und hergeworfen, hin und her tanzte, klatschte es dreimal in die Hände.  Da ärgerten sich die Jungen, daß sie sich mit dem Hampelmann im Nahkampf nicht messen konnten, darum sahen sie sich nach Geschossen um. Sie ergriffen ihre Schulbücher und schleuderte sie nach Pinocchio. Es flogen die Fibel, die Grammatik, das Lesebuch, das Rechenbuch und andere, […]

Purzel der Hampelmann. Eine abenteuerliche Geschichte
Ü: Alois Pischinger
Illus: Susi Storck-Rossmanit
Carl Übereuter, Wien, 1948
254 Seiten

Meister Anton/Meister Kirsch | lieber Josef | Herr Direktor Feuerfresser | Faulenzerland | Leopold, Freund Dochterl | zweihundert Schalen Schokolade | der riesige Haifisch, „der Attila der Fische und der Fischer“

  „Aber wie soll ich ihn nennen?“ dachte er bei sich und überlegte hin und her. Es wollte ihm nichts Rechtes einfallen. Doch plötzlich tippte er sich an den Kopf und rief freudig aus: „Ich hab’s! Ich will ihn Purzel heißen, ja Purzel! das ist ein schöner Name und wird ihm Glück bringen. Ich habe eine ganze Familie gekannt, die Purzel hieß, Vater, Mutter und Kinder, alle hießen so, und allen ist es in der Welt gut gegangen. Einer von ihnen hat es gar weit gebracht; er durfte im Zirkus Purzelbäume schlagen und am Ende der Vorstellung Geld einsammeln.“  Während der arme Purzel am Strick auf der großen Eiche hing und dem Tode nahe war, erschien das schöne Mägdlein mit den blauschwarz schimmernden Haaren wieder am Fenster des Häuschens. Beim Anblick des unglücklichen Knaben, der da im Wind an einem Ast baumelte, schlich sich inniges Mitleid in das Herz der lieblichen Jungfrau. Sie klatschte dreimal in die Hände und stampfte dreimal mit dem zierlichen Füßchen auf den Boden.  Die Buben waren wütend, daß sie nicht an den Hampelmann herankommen konnten, um im Ringen ihre Kräfte mit ihm zu messen. Da kamen sie auf den Gedanken, ihn mit Geschossen zu bewerfen. Sie rissen ihre Schultaschen auf, und schon flogen ihre Büchergeschosse gegen den wackeren Kämpfer. Da kam ein Lesebuch geflogen, da ein Rechenbuch, eine Naturgeschichte, ein Atlas, und noch viele andere Schulbücher traten denselben Weg an.

Die wunderbare Geschichte des Hampelmanns Pinocchio
Ü: Ella Zahn
Illus: Helmut Bibow
Gustav Kiepenheuer Verlag, o.O., 1948
192 Seiten

Meister Anton/Meister Kirsch | Gevatter Pepi | Feuerfresser | Schokolade und Torte | Schlaraffenland | Romeo, Freund Döchtchen | Riesenhai, „Attila der Fische und der Fischer“

  „Welchen Namen werde ich ihm geben?“ fragte er sich. „Ich will ihn „Pinocchio“ nennen. Dieser Name wird ihm bestimmt Glück bringen. Ich habe einmal eine ganze Familie von Pinocchi gekannt. Pinocchio der Vater, Pinocchia die Mutter und Pinocchi die Kinder. Allen ginge es großartig. Der reichste von ihnen bettelte um Almosen…“  Der arme Pinocchio, den die Räuber auf einen Zweig der Großen Eiche aufgehängt hatten, schien mehr tot als lebendig, als ihn das schöne Mädchen mit den blauschwarzen Haaren von ihren Fenstern erblickte. Der Bergwind schaukelte den armen Jungen hin und her. Da klatschte sie dreimal in die Hände und klopfte dreimal leicht auf das Fensterbrett.  Die Buben waren wütend, daß sie im Handkampf unterlagen und sahen sich nach Waffen um; sie öffneten schnell ihre Schulranzen und warfen nun mit Büchern nach dem Hampelmann: die Grammatik, das Rechenbuch, die Naturgeschichte flogen durch die Luft.

Die Abenteuer des Kasperle Pinocchio
Ü: Hildegard Ossen
Stahlberg Verlag, Karlsruhe, 1948
202 Seiten

Meister Anton/Meister Kirsche | Freund Beppo | Theaterdirektor Feuerfraß | Milchkaffee | Spielzeugland | Romeo, Freund Strickchen | der riesige Haifisch, „der Schrecken der Fische und der Fischer“

  „Wie soll ich ihn nennen?“ sagte er zu sich. „‘Pinocchio‘ soll er heißen, dieser Name wird ihm Glück bringen. Ich habe eine ganze Familie gekannt, die alle Pinocchio hießen: Pinocchio, der Vater, Pinocchia, die Mutter, und Pinocchi, die Kinder, und allen ist es gut gegangen; der reichste von ihnen war ein Bettler.“  Als der arme Pinocchio, von den Räubern aufgehängt, mehr tot als lebendig am Ast der dicken Eiche baumelte, erschien das schöne Mädchen mit den himmelblauen Haaren wieder am Fenster, und wie es den Unglücklichen da am Ast der Eiche baumelnd im Takt des Nordwindes tanzen sah, füllte sich sein Herz mit Mitleid und schnell klatschte es dreimal in die Hände.  Als die Jungen merkten, daß sie so dem Kasperle nichts anhaben konnten, wurden sie wütend und sahen sich nach Wurfgeschossen um; im Nu wurden die Ranzen aufgerissen und Lesebücher, Grammatiken, Rechenbücher und Federkästen wurden gegen ihn geschleudert.

Die Abenteuer des Pinocchio
Ü: Hubert und I. Tigges
Illus: Reinhold Bicher
Marées-Verlag, Wuppertal, 1948
168 Seiten

Meister Anton/Meister Kirsch | Meister Sepp | Direktor Feuerfresser | Milchkaffee | Schlaraffenland | Julius, Freund Spitzdocht | Großer Hai, „Attila der Fische und Fischer“

  „Welchen Namen soll ich ihm geben?“ sagte er zu sich selbst. „Ich will ihn Pinocchio nennen. Dieser Name wird ihm Glück bringen. Ich habe eine ganze Familie Pinocchio bekannt, Pinocchio den Vater, Pinocchia die Mutter und Pinocchi die Kinder, und allen ist es gut ergangen. Der reichste von ihnen ging betteln.“  In dem Augenblick als der arme, von den Räubern an einem Ast der „Großen Eiche“ aufgehängte Pinocchio mehr tot als lebendig zu sein schien, zeigte sich das schöne Mädchen mit den blauschwarzen Haaren wieder am Fenster. Als es den Unglücklichen am Halse aufgehängt im Nordwind seinen Reigen tanzen sah, bekam es Mitleid, klatschte dreimal in die Hände und stampfte dreimal mit dem Fuß auf den Boden.  Dann versuchten es die Jungen, die sich darüber ärgerten, mit Wurfgeschossen; sie öffneten ihre Taschen mit den Schulbüchern und begannen, ihre Fibeln, Grammatiken, Lesebücher, Rechenbücher, ihre Naturgeschichte, ihr Geographiebuch, ihren Atlas und andere Schulutensilien gegen ihn zu schleudern.

Kasperls Abenteuer
Ü: Egle Rollinger
Illus: W. Kurasch
Scholle Verlag, Wien, o. J. (vermutlich 1949)
207 Seiten

Meister Anton/Meister Kirsche | Gevatter Franzl | Kasperletheaterdirektor Feuerfresser | Kaffee mit Schlagobers | Spielzeugland | Fritz, Docht | Riesenhaifisch, der Schrecken aller Fische und Fischer

  „Welchen. Namen werde ich ihm geben?“ sprach er bei sich. „Ich will ihn ‚Bimbo‘ nennen. Dieser Name wird ihm Glück bringen. Ich habe eine große Familie von Bimbos gekannt: Vater Bimbo, Mutter Bimbo und Kinder Bimbo. Und alle waren glücklich und wohlauf. Der Reichste von ihnen war Bettler.“  Während der arme Bimbo von den Räubern auf den Ast der Eiche gehängt wurde und schon tot schien, zeigte sich wieder das Mädchen mit den blauen Haaren am Fenster und hatte Mitleid mit dem Unglücklichen, der, am Halse aufgehängt, im Winde hin und her schaukelte. Sie klatschte dreimal in die Hände.  Die Buben, gereizt und verärgert, weil sie mit dem Kasperl nicht Körper an Körper kämpfen konnten, entschlossen sich, zu Wurfgeschossen zu greifen. Sie machten ihre Schulbündel auf und begannen gegen ihn Lesebücher, Federpennale und sonstige Schulrequisiten zu werfen.

Purzels Abenteuer. Die Geschichte vom Pinocchio
Ü: Charlotte Birnbaum
Holzschnitte: Alfred Zacharias
Verlag Kurt Desch München, 1949
212 Seiten

Meister Anton/Meister Kirsche | Gevatter Knurz | Puppenspieler Feuerfresser | Milchkaffee | Kinderspielland | Paul, Freund Strich | Wal, der euch hier schon mal begegnet ist

  Dabei überlegte er, wie der Holzbub heißen solle. „Ich hab’s“, rief er plötzlich. Ich nenne ihn Purzel. Dieser Name bringt ihm sicher Glück. Ich kannte eine ganze Familie Purze von Pinienholz. Purz den Vater, Purzi die Mutter, Purzel und Purzelchen die Kinder, und allen ging es gut. Der reichste von ihnen war ein Bettler.“  Da trat das schöne Mädchen mit den blauen Haaren wieder ans Fenster. An der Großen Eiche baumelte der Unglückliche, und der Nordostwind schlenkerte ihm Arme und Beine durcheinander, daß es aussah, als wolle der Purzel schuhplatteln. Dem Mädchen schmolz das Herz vor Mitleid. Es war ja wohl gestraft genug. Sie klatschte dreimal leicht in die Hände.  Da sich nun die Jungen an Körperkräften nicht mit dem Holzbub messen konnten, griffen sie in ihrer Wut zu Wurfgeschossen. Jetzt hagelte es Buchstabierfibeln, Sprachlehren, Rechenbücher, Fabeln und alles, was in ihren Ranzen zu finden war.

Pinocchio
Ü: Jakob Lorey
Ellermann, 1950

  • Liegt nicht vor

Pinocchios Abenteuer
Ü: Heinz Riedt
(Lizenz-Nr. 301.120/128/60), 20,5 cm hoch
Ü: Pan Rova
(Lizenz-Nr. 301.120/77/54) 21 cm hoch
Holzschnitte: Werner Kemke
Aufbau-Verlag, Berlin, 1954
250 Seiten

Meister Anton/Meister Kirsche | Gevatter Geppetto | Puppenspieler Feuerfresser | Milchkaffee | Land der Spielzeuge | Romeo, Freund Docht | Haifisch, Attila der Fische und Fischer

  ‚Welchen Namen soll ich ihm nur geben?‘ überlegte er sich. ‚Ich will ihn Pinocchio heißen. Dieser Name wird ihm Glück bringen. Ich kannte mal eine ganze Familie von Pinocchi: Pinocchio hieß der Vater, Pinocchia hieß die Mutter und Pinocchi hießen die Kinder, und alle haben sich gut gehalten. Der reichste lebte von Almosen.‘  Als nun der arme Pinocchio, den die Mordsgesellen an einem Ast der Großen Eiche aufgehängt hatten, mehr tot als lebendig schien, kam das schöne Mädchen mit dem türkisblauen Haar wieder ans Fenster. Sie wurde beim Anblick des unglücklich Erhängten, der unter den Stößen des Nordwinds herumwirbelte, von tiefem Mitleid ergriffen und klatschte dreimal kurz in die Hände.    Da ärgerten sich die Jungs, daß sie im Nahkampf nicht an den Hampelmann herankonnten, und griffen zu ihren Wurfgeschossen. Sie öffneten ihre Ranzen und bewarfen ihn mit ihren Fibeln und Grammatiken, mit ihren „Giannettini“ und „Minuzzoli“, mit den „Erzählungen“ von Thouar, dem „Pulcino“ von Baccini und noch anderen Schulbüchern.

Pinocchio
Ü: Rudolf Köster
Illus: Jan Marcin Szancer
Alfred Holz Verlag, Berlin, 1956
192 Seiten

Meister Antonio/Meister Kirschnase | Gevatter Geppetto | Direktor Feuerfresser | Milchkaffee | Romeo, Freund „Docht” | Spielzeugland | Walfisch, „das Grab der Fische und Fischer”

  „Welchen Namen werde ich ihr geben?“ fragte er sich. „Ich werde da hölzerne Menschlein Pinocchio nennen. Dieser Name wird ihm Glück bringen. Ich habe eine ganze Familie von Pinocchios gekannt. Pinocchio hieß der Vater, Pinocchia die Mutter und PInocchi die Kinder. Und allen ging es glänzend. Der Reichste von ihnen mußte betteln gehen.“  In dem Augenblick, als der arme Pinocchio schon mehr tot als lebendig an einem Ast der „Großen Eiche“ hing, zeigte sich das Mädchen mit den dunkelblauen Haaren erneut am Fenster, und da sie bei dem Anblick des Unglücklichen, mit dem der Nordwind seinen Reigen aufführte, Mitleid empfand, klatschte sie dreimal in die Hände.  Da griffen die Jungen, ärgerlich, sich mit dem hölzernen Burschen nicht Körper an Körper messen zu können, zu Wurfgeschossen. Sie machten die Schulranzen auf und schleuderten ihre Bücher gegen ihn: Fibeln, Rechenbücher, Sprachlehren und anderes mehr;  […]

Die Geschichte vom Hölzernen Hampelchen
Ü: Lily Dolezal
Atlas-Verlag, Köln, o.J.
143 Seiten
– vermutlich 1956

Meister Anton/Meister Kirsche | Freund Beppo | Theaterdirektor Feuerfraß | Kaffee und Kuchen, Kakao und Brötchen | Ferienland | Robert, Strickchen | der riesige Haifisch

  »Wie soll ich ihn nennen?« sagte er zu sich. »Hampelchen solle es heißen, dieser Name wird ihm Glück bringen. Ich habe eine ganze Familie gekannt, die alle Hampel hießen: Hampel-Vater, Hampel-Mutter und Hampel-Kinder. Allen ist es gut gegangen; der reichste von ihnen war ein Bettler.«  Als das arme Hampelchen den Tod vor Augen sah, erschien das schöne Mädchen mit den goldenen Haaren wieder am Fenster, und wie es den Unglücklichen da am Ast der Eiche baumelnd im Takt des Nordwindes tanzen sah, füllte sich sein Herz mit Mitleid, und schnell klatschte es dreimal in die Hände.  Als die Jungen merkten, daß sie so dem Hampelmann nichts anhaben konnten, wurden sie wütend und sahen sich nach Wurfgeschossen um; im Nu wurden die Ranzen aufgerissen, und Lesebücher, Grammatiken, Rechenbücher und Federkästen wurden gegen ihn geschleudert.

Pinocchios Abenteuer
Ü: Nino Erné,
Illus: Martin und Ruth Koser-Michaels
Droemersche Verlagsanstalt, München/Zürich, 1959
158 Seiten

Meister Anton/Meister Kirsch | Gevatter Joseph | Puppenspieler Feuerschluck | Schokolade | Rudolf, Freund Bindfaden | Spielzeugland | Haifisch, „der Dschingis Khan der Fische und Fischer“

  „Wie soll ich sie denn nennen?“ sagte er zu sich selbst. „Ich weiß schon: ich nenne sie Pinocchio. Das wird ihr Glück bringen. Ich habe mal eine ganze Pinocchio-Familie gekannt: Vater Pinocchio, Mutter Pinocchio und einen Hafen kleiner Pinocchios; allen ginge es glänzend, der reichste von ihnen bettelte um Almosen.“  Zur selben Zeit, als der arme Pinocchio, mehr tot als lebendig, an einem Ast der tausendjährigen Eiche hing, trat das schöne Mädchen mit den Blauen Haaren noch einmal ans Fenster. Der Anblick des Unglücklichen, der da im Nordwind hin- und herschaukelte, rührte sie. Dreimal klatschte sie sacht in die Hände.  Die Buben wurden immer wütender, weil sie nicht an den Kasper herankommen konnten, und fingen an, Geschosse auf ihn zu schleudern, nämlich ihre Schulbücher, das Lesebuch, das Rechenbuch, die Grammatik und so weiter.

Die Abenteuer des Pinocchio

Ü: Hannelore Mücke-Wien
Illus: Libico Maraja
Heide Verlag, Linz
Fratelli Fabbri Editori, Milano, 1960
63 Seiten

Meister Antonio | Vater Kirsche/Freund Gepetto | Marionettenführer Feuerfresser | Milchkaffee | Land der Freuden | Romeo, Freund Spargel | Wal, „Attila“

  Er nannte ihn Pinocchio.  Als Pinocchio schon ehr tot als lebendig schien, wurde das schöne, junge Mädchen mit den blauen Haaren von Mitleid bewegt. Der unglückliche Hampelmann, der im Wind hin- und herschaukelte, dauerte sie. Sie klatschte dreimal in die Hände.  Die Kinder waren wütend, weil sie dem Hampelmann nicht nahekommen konnten, und begannen, ihn mit Schulbüchern zu bewerfen. Grammatik- und Geographie-, Lese- und Rechenbücher flogen auf Pinocchios Kopf zu.

Pinocchios Abenteuer
Ü: Paula Goldschmidt
Illus: Jan Marcin Szancer
Alfred Holz Verlag, Berlin, 6. Auflage 1966
208 Seiten

Meister Antonio/Meister Kirsche | Gevatter Geppetto | Puppenspieler Feuerfresser | Milchkaffee | Spielzeugland | Romeo, Freund Docht | Riesenwalfisch, die Geißel der Fische und der Fischer

  „Welchen Namen soll ich ihr geben?“, überlegte er. „Ich werde den kleinen Kerl Pinocchio nennen. Dieser Name wird ihm Glück bringen. Ich kannte eine ganze Familie von Pinocchi, Pincchio der Vater, Pinocchia die Mutter und Pinocchi die Kinder, und allen ging es großartig. Der Reichste von allen war ein Bettler.“  In diesem Augenblick, als der arme Pinocchio, den die Räuber an einem Ast der Großen Eiche aufgeknüpft hatten, schon mehr tot als lebendig war, da erschien das schöne Mädchen mit dem blauen Haar wieder am Fenster. Als es den unglückseligen Pinocchio erblickte, der an seiner Schnur baumelte und mit dem Nordwind tanzte, fühlte es tiefes Mitleid und klatschte dreimal in die Hände.  Da griffen die Jungen, verärgert darüber, dass sie sich mit Pinocchio nicht Körper an Körper messen konnten, schließlich zu Wurfgeschossen. Sie öffneten ihre Ranzen und schleuderten ihre Bücher nach ihm: ihre Fibeln, die Sprachlehre und die Rechenbücher, ihre Lesebücher und ganze Bände mit Erzählungen und alles, was sie sonst noch an Schulbüchern bei sich trugen.

Die Abenteuer des Pinocchio/Le avventure di Pinocchio
zweisprachige Ausgabe
Ü: Helga Legers
Max Huber Verlag, München, 1967
341 Seiten

Meister Antonio/Meister Kirsch | Freund Gepetto | Puppenspieler Feuerfresser | Milchkaffee | das Land der Spielereien | Romeo, Freund Kerzendocht | der riesige Haifisch, „der Attila der Fische und der Fischer“

  »Welchen Namen soll ich ihm geben?« sagte er zu sich selbst. »Ich will ihn >Pinocchio< nennen. Dieser Name wird ihm Glück bringen. Ich habe eine ganze Pinocchio-Familie gekannt: Pinocchio der Vater, Pinocchia die Mutter und Pinocchi die Kinder, und allen ging es gut. Der reichste unter ihnen bettelte um Almosen.«  Während der arme Pinocchio, von den Mördern an einem Ast der »Großen Eiche« aufgehängt, mehr tot als lebendig schien, zeigte sich das schöne Mädchen mit den dunkelblauen Haaren wieder am Fenster und empfand Mitleid beim Anblick des Unglücklichen, der, am Hals aufgehängt, eine Art Springtanz im Nordwind vollführte. Es klatschte dreimal in die Hände mit drei leichten Schlägen.  Erbost darüber, sich im Nahkampf mit dem hölzernen Buben nicht messen zu können, gingen die Jungen zum Angriff mit Wurfgeschossen über. Sie schnallten die Bündel ihrer Schulbücher auf und begannen ihre Fibeln, Grammatikbücher, und die Giannettini und die Minuzzoli1, die Erzählungen von Thourar, das Küken von Baccini und andere Schulbücher gegen ihn zu schleudern.

  1 Giannettino und Minuzzolo sind Titel zweier Bücher von Collodi.

Die Abenteuer des Pinocchio. Eine Kasperlgeschichte
Ü und Bearbeitung: Maria Lutz
Illus: Helga Demmer
Obelisk-Verlag, Innsbruck, o.J.
vermutlich 1967

Meister Antonio/Meister Kirsch | Freund Geppetto | Direktor Feuerfresser | Schalen Schokolade | Spielzeugland | Romeo, Freund Docht | ein riesiger Wal

  „Ich werde ihn Pinocchio nennen“, sagte er. „Das ist ein schöner Name. Ich habe eine ganze Familie gekannt, die so geheißen hat, Vater, Mutter und die Kinder, und alle waren sie glücklich. Der reichste von ihnen war ein Bettler.“  In dem Augenblick, als der arme Pinocchio halbtot an einem Ast der großen Eiche im Wind baumelte, erschien am Fenster des schneeweißen Hauses ein schönes Feenmädchen mit blauschimmernden Haaren. Es klatschte in die Hände.  [fehlt ]

Das Märchen von Pinocchio. Eine Geschichte, die vor mehr als hundert Jahren in Italien passierte
Ü: nicht genannt
Illus: Martha Pfannenschmid
Silva-Verlag, Zürich, 1968
136 Seiten

Meister Antonio/Meister Kirsche | Gevatter Geppetto | Puppenspieler «Feuerfressen» | Milchkaffee | Land der Spielzeuge | Romeo, Freund Docht | Haifisch, «der Schrecken der Fische und der Fischer»

  «Welchen Namen werde ich ihm geben?» fragte er sich. «Ich will in Pinocchio nennen. Dieser Name bringt ihm Glück. Ich kannte eine ganze Familie von Pinocchios: Pinocchio der Vater, Pinocchia die Mutter und Pinocchini di Kinder, und allen ist es glänzend gegangen. Der Reichste von ihnen ist ein Bettler gewesen.»  Im Augenblick, als der arme Pinocchio, den die Räuber an einem Ast der Großen Eiche aufgeknüpft hatten, schon mehr tot als lebendig schien, kam das schöne Mädchen mit dem blauen Haar wieder ans Fenster, und voller Mitleid mit dem Unglücklichen, der da am Hals aufgehängt mit dem Nordwind einen Reigen tanzte, klatschte es dreimal in die Hände.  Die Buben – verärgert darüber, daß sie nicht an Pinocchio herankommen konnten –  überlegten es sich nicht lange, griffen wahllos zu ihren Büchern und benützten sie als Wurfgeschosse. Sie schleuderten alles nach ihm: ihre ABC-Bücher, die Sprachlehre, die Rechenbücher, die Lesebücher und ganze Bände mit Räubergeschichten, auch Lineale und alles, was sie sonst noch an Krimskrams bei sich trugen.

Pinocchio
Ü: Brigitte Eichhorn
Illus: Val Munteanu
Loewes Verlag, Bayreuth, 1972
175 Seiten

Meister Antonio/Meister Kirsche | Freund Geppetto | Puppenspieler Feuerfresser | Milchkaffee | Spielzeugland | Romeo, Freund Docht | Haifisch, „Attila der Fische und Fischer“

  „Welchen Namen soll ich ihm geben?“ murmelte er vor sich hin. „Ich will ihn Pinocchio heißen. Der Name wird ihm Glück bringen. Ich habe eine ganze Familie von Pinocchi gekannt: Pinocchio hieß der Vater, Pinocchio hieß die Mutter, und Pinocchio hießen die Kinder – und alle hatten ihr gutes Auskommen. Der reichste von ihnen war ein Bettler.“  Während der arme Pinocchio, von den Mordgesellen an einem Ast der großen Eiche aufgeknüpft, mehr tot als lebendig schien, zeigte sich das schöne Mädchen mit den türkisblauen Haaren von neuem am Fenster, und es wurde von tiefem Mitleid ergriffen beim Anblick, des Unglücklichen, der, am Halse aufgehängt, zum Blasen Nordwindes einen Tanzreigen aufführte. Und so klatschte sie dreimal kurz und leicht in die Hände.  Erbost darüber, daß sie es im Nahkampf nicht mit dem Holzbuben aufzunehmen vermochten, gingen die Jungen zum Angriff mit Wurfgeschossen über. Sie schnallten ihre Packen Schulbücher ab und fingen an, mit Fibeln und Grammatiken nach ihm zu werfen, mit ihren „Giannettini“ und „Minuzzoli“, den „Erzählungen von Thouar, dem „Pulcino“ von Baccini und anderen Schulbüchern.   [fehlende Abführungszeichen so im Text]

Pinocchio
Ü: Käthe und Günter Leupold
Illus: Sakura Fujita
Peters Bilderbuch
Hans Peters Verlag, Hanau, 1972
24 Seiten

– / – |Puppenspieler Gepetto [sic!] | Theaterdirektor | – | Spielzeugland | – | Walfisch

  »[…] Eigentlich sollte ich ihm einen Namen geben. Wie wär’s mit … Pinocchio?«  [Satz fehlt ]  [Satz fehlt]

Pinocchio
Ü: Fritz Märtin
Illus: N. Grzewski
Franz Schneider Verlag, München, 1973
122 Seiten

Meister Anton/Meister Kirsch | Freund Seppel | Theaterdirektor Feuerfresser | Kaffee | Land Kinderspiel | –, Freund Strick | Haifisch

  „Wie soll diese Figur heißen?“ fragte er. „Pinocchio klingt nicht schlecht, meine ich. Dieser Name wir ihr Glück bringen.“  [ein schönes Mädchen mit blau schimmerndem Haar]   Dem schönen Mädchen war Pinocchios Leiden nicht verborgen geblieben. Es trat wieder ans Fenster und sann voller Mitleid sogleich auf Hilfe. Dreimal klatschte die Schöne in die Hände […]  […] und versuchten nun, ihn aus sicherer Entfernung mit den Schulbüchern zu treffen, die sie nach ihm warfen.

Pinocchio,
Bearbeitung: Anne Busch
Illus: Franz Josef Tripp,
Engelbert-Verlag, Alve/Sauerland, 1974
204 Seiten

Antonio/Meister Kirsche | lieber Gepetto | Meister Feuerschlund | Milchkaffee | Land der Faulenzer | Romeo, Docht | Haifisch

  Welchen Namen soll sie haben?“ überlegte er. „Oh ja jetzt weiß ich es! Ich werde meine kleine Puppe Pinocchio nennen. Das soll ihr Glück bringen. Ich erinnere mich an eine ganze Familie Pinocchi. Pinocchio, der Vater, Pinocchia, die Mutter, und Pinocchi, die Kinder. Allen ging es sehr gut  – der Reichste von ihnen war ein Bettler.“    Noch immer hing der bedauernswerte Pinocchio an der großen Eiche, wo ihn die Räuber aufgeknüpft hatten, und es schien kein Leben mehr in ihm zu sein. Da entdeckte ihn das schöne Mädchen mit den hellblauen Haaren, das in dem weißen Haus am Fenster saß. Sie empfand großes Mitleid mit ihm und wollte ihm helfen. Sie klatschte dreimal in die Hände, worauf […]  Vor Ärger darüber, daß es ihnen trotz ihrer Übermacht nicht gelang, Pinocchio in die Knie zu zwingen, gingen sie zu einer anderen Kampfesart über. Sie holten aus ihren Ranzen, die sie am Strand abgelegt hatten, die Bücher heraus und warfen sie nach Pinocchio. Lesebücher und Rechenbücher flogen durch die Luft, doch Pinocchio […]

Pinocchio
Text: M. Faulmüller/Ingrid Emond
Illus: Einar Lagerwall
Meister Verlag, München, 1980
28 Seiten

–/Schreinermeister Kirsche | Freund Gepetto [sic!] | Theaterdirektor Mangifuoco | – | – | – | –

  »Ich werde die Puppe Pinocchio taufen!« sagte Gepetto zu sich selbst. »Dieser Name bringt Glück!«  Das schöne Mädchen mit den blaugrünen Haaren Hatte Pinocchio wohl bemerkt. Sie klatschte in die Hände, […]  [Satz fehlt]

Die Abenteuer des Pinocchio
Ü: Roswitha und Neil Morris
Illus: Frank Baber
Tessloff Verlag, Hamburg, 1982
84 Seiten

Meister Anton/Meister Kirsche | Geppetto | Puppenspieler Feuerfresser | Limonade | Narrenland | Carlo, Freund Docht | Haifisch

  „Ich werde sie Pinocchio nennen“, dachte er. „Dieser Name wird ihr Glück bringen.“  Während Pinocchio so verlassen da draußen lag, erschien das schöne Mädchen mit den blauen Haaren wieder am Fenster. Sie blickte in den dunklen Wald und erkannte die Marionette, die wie ein Bündel nasses Reisig aussah. Sie tat ihr so leid, daß sie dreimal in die Hände klatschte.  Die Jungen ärgerte es fürchterlich, daß sie Pinocchio nicht unterkriegen konnten. Sie holten ihre Schulbücher aus den Ranzen und warfen damit nach ihm.

Pinocchio
neu erzählt: Bärbel Haller
Illus: Siegfried Krumm
Südwest Verlag, München, 3. Auflage 1983
157 Seiten

Meister Antonio/Meister Kirsche | Gevatter Geppetto | Puppenspieler Feuerfresser | Milchkaffee | Spielzeugland | Romeo, Freund Docht | Riesenhai, »der Teufel der Fische und der Fischer“

  Wie soll ich sie nur nennen? überlegte er. Ich werde sie auf den Namen Pinocchio taufen. Er wird ihr sicher Glück bringen. Ich habe einmal eine ganze Familie gekannt, die so hieß. Der Vater, die Mutter, die Kinder – alle hießen Pinocchio, und allen ging es gut. Der reichste von ihnen war ein Bettler.  Als der arme Pinocchio mehr tot als lebendig am Ast der Großen Eiche hing, sah das schöne Mädchen mit dem schwarzen Haar wieder beim Fenster heraus. Sie erblickte den Unglücklichen, der da aufgehängt im Wind hin und her baumelte; das Mitleid überkam sie, und sie klatschte dreimal in die Hände.    Vor Wut darüber, daß sie ihm nicht an den Leib konnten, griffen die Taugenichtse zu Wurfgeschossen. Sie öffneten ihre Schultaschen, und Augenblicke später kamen Abc-Bücher, Sprachlehren, Rechenbücher und was es an Schulbüchern sonst noch alles gibt auf ihn zugeflogen.  

Pinocchios Abenteuer. Die Geschichte einer Holzpuppe
Ü: Hubert Bausch
Illus: Enrico Mazzanti
Philipp Reclam jun., Stuttgart, 1986 (2008)
200 Seiten

Meister Anton/Meister Kirsche | Gevatter Geppetto | Puppenspieler | Feuerfresser | Milchkaffee | Spielzeugland | Romeo, Freund Docht | Haifisch, „Attila der Fische und der Fischer

  »Wie soll sie den heißen«, fragte er sich. »Ich will sie Pinocchio nennen. Dieser Name wird ihr Glück bringen. Ich kannte eine ganze Familie, die Pinocchi hieß: Vater Pinocchio, Mutter Pinocchia und die Kinder Pinocchi. Und alle kamen gut durchs Leben. Der Reichste von ihnen bettelte um Almosen.«  Gerade als der arme Pinocchio, den die Mörder an einem Ast der Großen Eiche aufgehängt hatten, mehr tot als lebendig war, erschien das schöne Mädchen mit dem blauen Haar wieder am Fenster. Beim Anblick des armen, am Halse Aufgehängten, den die Böen des Nordwindes im Kreise herumwirbelten, wurde ihr Herz weich, und sie klatschte dreimal leise in die Hände.  Erbost darüber, dass sie sich nicht mit dem hölzernen Jungen im Nahkampf messen konnten, griffen sie zu Wurfgeschossen. Sie lösten ihre Bündel mit Schulbüchern auf und begannen, ihn mit ihren Lesebüchern, Grammatiken, ihren »Gianettini«, »Minuzzoli«,1 den »Erzählungen« von Thouar, Baccinis »Pulcino« und anderen Schulbüchern zu bewerfen.  

1 Gianettino und Minuzzolo sind Werke von Collodi.

Pinocchios Abenteuer
Ü: Joachim Meinert
Holzstiche: Werner Klemke
Aufbau-Verlag, Berlin, 1988
238 Seiten

Meister Antonio/Meister Kirsche | Gevatter Geppetto | Puppenspieler Feuerfresser | Milchkaffee | Spielzeugland | Romeo, Freund Docht | riesiger Haifisch, „Attila der Fische und Fischer“

  »Wie soll ich ihn nennen?« sprach er zu sich. »Ich will ihn Pinocchio, Zapfenauge, nennen. Dieser Name wird ihm Glück bringen. Ich habe eine Familie gekannt, in der alle Pinocchio hießen: Pinocchio der Vater, Pinocchia die Mutter, Pinocchi die Kinder, und alle lebten sie fröhlich dahin. Der reichste von ihnen war Bettelmann.«  Während nun Pinocchio, von den Räubern am Ast der Großen Eiche aufgeknüpft, so dahing und mehr tot als lebendig schien, trat das Schöne Mädchen mit dem blauschwarzen Haar erneut ans Fenster. Beim Anblick des Unglücksvogels, der da am Halse aufgehängt war und bei den heftigen Böen des Nordost eine Dreher tanzte, erbarmte sie sich seiner und klatschte dreimal in die Hände.  Die Jungen waren wütend, weil sie sich mit dem Burattino nicht im direkten Handgemenge messen konnten, und suchten nach Wurfgeschossen. Sie knüpften die Bündel ihrer Schulbücher auf und schleuderten ihre Fibeln, Grammatiken, Lese- und andere Schulbücher nach ihm.

Der neue Pinocchio
neu erzählt von Christine Nöstlinger
Illus: Nikolaus Heidelbach
Beltz Verlag, Weinheim, 1988
215 Seiten

–  /Meister Kirsche | Geppetto | Puppenspieler | Kakaoschlückchen | Spielzeugland | –, Docht | Haifisch

  Mit den Haaren begann er, und dabei beschloß er, den Hampelmann Pinocchio zu taufen. Er hatte nämlich einmal eine Familie aus lauter lustigen Leuten gekannt, in der hatte der Vater Pinocchio geheißen und die Mutter Pinocchia und die Kinder Pinocchi. Dieser Name, dachte Geppetto, wird meinem Hampelmann sicher Glück bringen!  Das wunderschöne Mädchen mit den türkisblauen Locken machte sich Sorgen um Pinocchio, denn es hatte ja gesehen, wie er von den zwei tropfnassen Kartoffelsäcken in den Wald geschleppt worden war. Und daß die Kartoffelsäcke nichts Freundliches im Sinn gehabt hatten, war zu merken gewesen.  Da ließen ihn die bösen Buben los. Doch als Beute hatten sie seinen Schulranzen erobert. Mit dem traten sie den Rückzug an und verschanzten sich hinter einem Felsen am Ufer. Pinocchio rief: »Gebt mir meine Schulsachen wieder!« »Aber gern«, brüllte es hinter dem Felsen hervor, und dann sauste Pinocchios Lesebuch über den Felsen und platschte ins Wasser. Und hinter dem Felsen hervor kreischte es: »He, Blöder, warum hast du das Buch auch nicht gefangen?« Gleich darauf sausten Pinocchios Tintenwischer und seine Schreibfeder über den Felsen und landeten auch im Wasser.

Pinocchio
Ü: Maria Czedik-Eysenberg
Verlag Carl Ueberreuter, Wien, 1990
155 Seiten

Meister Antonio/Meister Kirsche | Gevatter Geppetto | Herr Feuerfresser | Milchkaffee | Spielzeugland | Romeo, Docht | Riesenwalfisch, »die Geißel der Fische und der Fischer«

  »Welchen Namen soll ich ihr geben?« überlegte er. »Ich werde den kleinen Kerl Pinocchio nennen. Dieser Name wird ihm Glück bringen. Ich kannte eine ganze Familie von Pinocchi: Pinocchio der Vater, Pinocchia die Mutter und Pinocchi die Kinder, und allen ging es großartig. Der Reichste von allen war ein Bettler.«  In diesem Augenblick, als der arme Pinocchio, den die Räuber an einem Ast der Großen Eiche aufgeknüpft hatten, schon mehr tot als lebendig war, da erschien das schöne Mädchen mit dem blauen Haar wieder am Fenster. Als es den unglückseligen Pinocchio erblickte, der an einer Schnur baumelte und mit dem Nordwind tanzte, fühlte es tiefes Mitleid und klatschte dreimal in die Hände.  Die Jungen verärgert darüber, daß sie Pinocchio nicht an den Leib rücken konnten, griffen schließlich zu Wurfgeschossen. Sie öffneten ihre Ranzen und schleuderten ihre Bücher nach ihm: ihre Fibeln, die Sprachlehre- und die Rechenbücher, ihre Lesebücher und ganze Bände mit Erzählungen und alles, was sie sonst noch an Schulbüchern bei sich trugen.

Pinocchios Abenteuer
anhand der dt. Erstausgabe neu bearbeitet von Anne Braun
Illus: Klaus Müller
Arena Verlag, Würzburg, 1993
206 Seiten

Schreiner Tonio/Meister Pflaum | Meister Geppetto | Puppenspieler Feuerschlund | Kakao mit Kuchen | Faulenzerland | Friedrich, Freund Spindel | der große Hai, von dem ihr schon gehört habt

  Es quälte ihn nur noch eine Sorge. Wie sollte er seinen Hampelmann nennen? Plötzlich sprang er auf, schlug sich an die Stirn und rief: »Ja! Pinocchio muss er heißen. Das ist ein schöner Name, der ihm Glück bringen wird. Ich habe eine ganze Familie von Pinocchios gekannt: Vater Pinocchio, Mutter Pinocchio und all ihre Kinder. Sie waren so tüchtig und allen ist es im Leben gut gegangen. Einer von ihnen hatte es sogar zum reichsten Bettler der Stadt gebracht.«  In diesem Augenblick, als Pinocchio mehr tot als lebendig zu sein glaubte, trat das Mädchen mit dem goldenen Haar wieder ans Fenster. Es hatte Mitleid bekommen mit dem armen Hampelmann, der vom Winde geschüttelt, hin und her schaukelte. Es klatschte dreimal in die Hände und klopfte dreimal leicht mit dem Fuß auf den Boden.  Die Jungen ärgerten sich, dass sie Pinocchio auf diese Art nicht beikommen konnten, und griffen zu einer neuen Kampfart. Rasch machten sie ihre Schultaschen auf und bewarfen ihn mit ihren Büchern. Da kam eine Grammatik geflogen, ein Rechenbuch, dann eine Naturgeschichte, dann ein Geografiebuch, ein Atlas und sogar ein Federkasten.

Pinocchio
erzählt von Kristina Franke
Illus: Kestutis Kasparavicius
Coppenrath Verlag, Münster, 1993
48 Seiten

–/– | Holzschnitzer Geppetto | Puppenspieler Herr Feuerfresser | Milchkaffee | Spielzeugland | –/der faule Docht | der riesige Haifisch

  „Aus dir will ich meine schönste und lebendigste Holzpuppe machen“, dachte er plötzlich. „Ich werde mit dir durch die Welt ziehen, damit du mir Glück und Geld bringst. Und weil du aus Pinienholz gemacht bist, will ich dich Pinocchio nennen.“  In dem schneeweißen Häuschen aber, das Pinocchio zwischen den Bäumen gesehen hatte, wohnte eine wunderschöne Fee mit blauen Haaren. Sie war Herrin und Freundin aller Tiere und empfand Mitleid mit dem armen Pinocchio.  [Satz fehlt]

Pinocchios Abenteuer
Ü: Bettina Kienlechner
Illus: Roland Topor
Gina Kehayoff, München, 1995
184 Seiten

Meister Antonio/Meister Kirsche | guter Geppetto | Puppenspieler Mangiafoco | Milchkaffee | Spielland | Romeo, Freund Docht | der riesige Haifisch, »Attila der Fische«

  »Wie soll ich sie nennen?« sagte er zu sich selbst. »Ich will sie Pinocchio nennen. Dieser Name wird ihr Glück bringen. Ich kannte einmal eine ganze Familie voller Pinocchi: Vater Pinocchio, Mutter Pinocchia, und Kinder Pinocchi, und allen ging es sehr gut. Der reichste von ihnen ging betteln.   [fehlende Abführungzeichen im Text]  Als der arme Pinocchio, den die Mörder an einem Ast der Großeiche aufgehängt hatten, mehr tot als lebendig schien, schaute das schöne Mädchen mit den blauen Haaren aus dem Fenster und war beim Anblick des Unglückseligen, der dort hing und im Wind einen Reigen tanzte, voller Mitleid. Es klatschte kurz dreimal in die Hände […]    Verärgert darüber, daß sie sich im Nahkampf mit Pinocchio nicht messen konnten, beschlossen die Jungen, zu den Wurfgeschossen zu greifen. Sie lösten die Riemen ihrer Bücherbündel und begannen Pinocchio mit Fibeln, Grammatiken, dem Einmaleins, mit Krambambuli und Reinicke Fuchs und anderen Schulbüchern zu bewerfen.

Pinocchios Abenteuer
neu erzählt: Ilse Bintig
Illus: Oliver Regener
Arena Verlag, Würzburg, 2000
80 Seiten

–/– | Geppetto | Puppenspieler Feuerfresser | – | Spielzeugland | Romeo, Kerzendocht | Riesenwal Monstro

  Er überlegte einen Augenblick, dann sagte er lachend zu dem zappeligen Männchen: »Weißt du, ich werde dich Pinocchio nennen. Das ist ein Name, der Glück bringt.«  [Satz fehlt]    [Satz fehlt]

Pinocchio
Ü: Ilse Fath-Engelhardt
Illus: Simon Bartram
Gondrom Verlag, Bindlach, 2002
48 Seiten

Meister Antonio/ – | Geppetto | – | – | Spielzeugland | Romeo | der schreckliche Hai

  »Wie soll ich die Puppe nur nennen?«, fragte er sich. »Ich weiß, sie soll Pinocchio heißen.«    In einem Häuschen wohnte aber eine wunderschöne Fee mit blauem Haar. Als sie am nächsten Tag aus dem Fenster schaute und den Holzbuben am Ast baumeln sah, hatte sie Mitleid. Sie klatschte dreimal in die Hände – eins, zwei drei.  Sie hatten Pinocchio hereingelegt, und es kam noch schlimmer. Einer der Jungen boxte ihn. Pinocchio schlug zurück und unversehens war eine Schlägerei im Gange.

Pinocchio. Die Geschichte eines Hampelmanns, ein Fortsetzungsroman
Ü: Marianne Schneider
Schirmer/Mosel, München, 2003
237 Seiten
– zweisprachige Ausgabe

Meister Antonio/Meister Kirsche | Gevatter Geppetto | Puppenspieler Feuerschlucker | Kaffee mit Milch | Land der tausend Spiele | Romeo, Freund Dünndocht | Riesenhaifisch, „Attila der Fische und der Fischer“

  »Wie werde ich ihn denn nennen?« sagte er bei sich. »Pinocchio soll er heißen. Dieser Name wird ihm Glück bringen. Ich kannte einmal eine ganze Familie Pinocchios: Pinocchio, der Vater, Pinocchia, die Mutter, und Pinocchi, die Kinder, und alle ließen es sich wohl sein. Der Reichste von ihnen ging betteln.«    Während der arme Pinocchio, von den Mördern an einem Ast der Großen Eiche erhängt, nun schon mehr tot erschien als lebendig, zeigte sich das schöne Kind mit dem nachtblauen Haar wiederum am Fenster und beim Anblick des Unglückseligen, der am Hals aufgeknüpft zu den Stößen des Nordwinds einen gewaltsamen Reigen tanzte, wurde es von Mitleid erfaßt, latschte in die Hände und ließ drei kleine Schläge hören.  Da griffen die Jungen vor Ärger darüber, daß sie mit dem Hampelmann nicht ringen konnten, wohlweislich zu ihren Geschossen, und nachdem sie die Riemen um ihre Schulbücher gelockert hatten, begannen sie Lesebücher, Grammatiken, sämtliche Giannettinos und Minuzzolos von Collodi und noch andere Schulbücher nach ihm zu werfen.

Pinocchio
Ü: Sonja Hartl
Illus: Barbara Scholz
Thienemann Verlag, Stuttgart, 2003
202 Seiten

Tischler Antonio/Meister Kirsche | Gevatter Geppetto | Feuerfresser | Milchkaffee | Spielzeugland | Romeo, Freund Docht | der riesige Haifisch

  »Wie soll ich ihn nennen?«, grübelte er. »Pinocchio! Pinocchio nenne ich ihn. Der Name wird ihm Glück bringen. Ich kannte mal eine Familie Pinocchio, in der es alle gut hatten! Der Reichste von ihnen war Bettler.«  In jenem Augenblick, als Pinocchio mehr tot als lebendig am Baume hing, trat das schöne Mädchen mit dem nachtblauen Haar von neuem ans Fenster. Beim Anblick jenes unglücklichen Hampelmannes, der dort am Kragen aufgehängt im Nordwind baumelte, über kam sie solches Mitleid, dass sie dreimal leise in die Hände klatschte.    Dass sie mit Pinocchio nicht Mann gegen Mann kämpfen konnten, ärgerte die Jungen so sehr, dass sie darangingen, sich mancherlei Wurfgeschosse zu bedienen. Sie schnürten ihre Bücherbündel auf und eins ums andere warfen sie ihre Bücher nach ihm. So flogen Pinocchio also Lesebuch, Grammatik und andere gelehrte Werke um die Ohren.

Pinocchios Abenteuer
neu erzählt von Maria Seidemann
Illus: Petra Probst
Edition Bücherbär, Arena, Würzburg, 2006
64 Seiten
– Erstleser

–/– | Geppetto | Direktor | – | – | – | Wal

  » […] Und einen Namen kriegst du auch. Ich werde dich Pinocchio nennen. So wie die kleinen Kerne in den Pinienzapfen hießen. Weil du aus Pinienholz gemacht bist.«  »Weine nicht!«, sagte das Mädchen mit den blauen Haaren, das ihn aus dem Sack befreit hatte.  [Satz fehlt]

D Aabetüür vom Pinocchio
Ü ins Berndeutsche: Ruth Troxler und Thomas Gsteiger
Illus: Martha Pfannenschmid
Weltbild, CH-Olten, 2007
159 Seiten

Meischter Antonio/Meischter Chrischi | Nachber Geppetto | Puppespiler Mangiafoco | Milchgeffee | Gfätterliland | Romeo, Fründ Bohnestange | Haifisch <Attila vo de Fisch u de Fischer>

  «Was chönnt i ihm für ne Name gä?» het er sech gfragt. «Er söll Pinocchio heisse. Dä Name bringt ihm Glück I ha ne Familie vo Pinocchios kennt; Pinocchio der Vater, Pinocchia d Mueter u Pinocchini d Chind. U allne isch es glänzend ggange. Der Rychscht von ne isch e Bättler gsy.»      I däm Momänt, wo der arm Pinocchio, wo vo de Mörder amenen Ascht vo der Grossen Eichen ufghänkt worden isch, scho meh tod als läbig isch gsy, isch das schöne Meitschi mit de dunkelblaue Haar wider a ds Fänschter cho. Voll Erbarme mit däm Unglückleche, wo da ma Hals ufghänkt mit em Nordwind e Polka tanzet, het es drü Mal i d Händ gchlatschet.  Jitz hei di Giele, verergeret drüber, dass si nid a Pinocchio ane chöme, nid lang überleit, u wahllos zu ihrne Schuelbüecher ggriffen u se als Wurfgschoss benützt. Si hei ihm alles nachegschosse, was ne i d Händ cho isch: Läsibüecher, Grammatikbüecher, d «Giannettini» d «Brösmeli», di «Erzählige» vom Thouar, ds «Bibeli» von der Baccini u no anderi Schuelbüecher.

Die Abenteuer des Pinocchio
Ü und Illus: Mario Grasso
Lappan, Oldenburg, 2011
173 Seiten

Meister Antonio/Meister Kirsche | Freund Geppetto | Puppenspieler Feuerfresser | Milchkaffee | Spielzeugland | Romeo, Freund Kerzendocht | Haifisch, »Attila, der Hunnenkönig der Fische und Fischer«

  »Was für einen Namen gebe ich ihr?«, fragte er sich. »Ich will sie >Pinocchio< nennen. Dieser Name wird ihr Glück bringen. Ich kannte eine Familie Pinocchi. Der Vater hieß Pinocchio, die Mutter Pinocchia und die Kinder Pinocchi; und allen ging es gut. Der Reichste unter ihnen bettelte um Almosen.«  Als der arme Pinocchio, mehr tot als lebendig, an dem Ast der großen Eiche hing, erschien am Fenster wieder das schöne Mädchen mit den dunkelblauen Haaren und empfand Mitleid mit ihm. Da die Böen des Nordwindes im Kreise herumwirbelten, wurde ihr Herz weich, und sie klatschte dreimal in die Hände.    Erbost darüber, dass sie sich mit Pinocchio nicht messen konnten, griffen sie zu Wurfgeschossen. Sie bewarfen ihn mit ihren Schulbüchern.

Pinocchios Abenteuer
Ü aus dem Englischen: Gundula Müller-Wallraf
Illus: Robert Ingpen
Knesebeck Verlag, München, 2014 (2. Auflage 2020)
207 Seiten

Meister Antonio/Meister Kirsche | Meister Geppetto | Feuerfresser | Milchkaffee | Spielzeugland | Romeo, Freund Kerzendocht | der mächtige Hai, »Attila der Meere«

  »Wie soll ich sie nennen?«, fragte er sich. »Ich glaube, ich nenne sie Pinocchio. Mit diesem Namen lässt sich ein Vermögen verdienen. Ich kannte einmal eine ganze Familie Pinocchi – Vater Pinocchio, Mutter Pinocchia und Kinder Pinocchi –, die alle vom Glück gesegnet waren. Der reichste von ihnen konnte nur vom Betteln leben.«  Wenn die arme Marionette dort noch etwas länger hätte baumeln müssen, wäre sicher alle Hoffnung dahin gewesen. Aber zu ihrem Glück sah das liebliche Mädchen mit dem azurblauen Haar noch einmal aus dem Fenster. Und voller Mitleid beim Anblick des armen, kleinen Kerls, der dort hilflos vom Wind hin und her geworfen wurde, klatschte es dreimal laut in die Hände.  Zornig darüber, die Marionette nicht im Nahkampf besiegen zu können, begannen die Jungen, alle möglichen Bücher nach ihr zu werfen. Lesebücher, Atlanten, Geschichtsbücher, Grammatiken flogen in alle Richtungen.

Pinocchio
Text: Giada Francia
Ü: Ulrike Schimming
Illus: Manuela Adreani
White Star, DeAgostini, Novara, 2014
80 Seiten

–/– | Tischler Geppetto | Feuerfresser | Milchkaffee | Spielzeugland | –, Docht | Wal

  „[…] Ich werde dich Pinocchio nennen, so wie der Schlaumeier, den ich mal kannte. Dieser Name wird dir Glück bringen.“  Während Pinocchio am Ast baumelte, stand ein Mädchen mit türkisem Haar am Fenster eines Hauses ganz in der Nähe und sah die Holzpuppe, die mehr tot als lebendig war. Pinocchios Schicksal rührte sie, und sie beschloss, ihm zu helfen. Dreimal klatsche sie in die Hände […]  Doch die Jungen konnte ihm nichts anhaben, weil er sich mit seinen harten Holzfüßen geschickt zur Wehr setzte. Deshalb holten sie Bücher und Hefte aus ihren Ranzen und warfen sich Grammatik und Arithmetik an den Kopf.

Die Abenteuer des Pinocchio
Ü: Paul Goldschmidt (gekürzt und redigiert, s. 1966)
Illus: MinaLima Design
Coppenrath Verlag, Münster, 2020
287 Seiten

Meister Antonio/Meister Kirsche | Gevatter Geppetto | Puppenspieler Feuerfresser | Milchkaffee | Spielzeugland | Romeo, Freund Docht | Riesenwalfisch

  »Welchen Namen soll ich ihr geben?«, überlegte er. »Ich werde den kleinen Kerl Pinocchio nennen. Dieser Name wird ihm Glück bringen.«  In diesem Augenblick, als der arme Pinocchio schon mehr tot als lebendig war, da erschien das schöne Mädchen mit dem blauen Haar wieder am Fenster. Als es den unglückseligen Pinocchio erblickte, der an seiner Schnur baumelte und mit dem Nordwind tanzte, fühlte es tiefes Mitleid und klatschte dreimal in die Hände.  Da griffen die Jungen, verärgert darüber, dass sie sich mit Pinocchio nicht im Kampf messen konnten, schließlich zu Wurfgeschossen. Sie öffneten ihre Ranzen und schleuderten ihre Bücher nach ihm: ihre Fibeln, die Sprachlehre und die Rechenbücher, ihre Lesebücher und ganze Bände mit Erzählungen und alles, was sie sonst noch an Schulbüchern bei sich trugen.

Die Bürden der Bürokratie

Patwardhan

In Zeiten, in denen sich der Fokus zumeist auf lästige Viren und allgegenwärtiges Infektionsgeschehen richtet, war es für mich eine willkommene Abwechslung endlich wieder ein Kinderbuch zu lesen, das davon ablenkt und gleichzeitig ein immer noch wichtiges Thema ins Bewusstsein zurückholt. In dem zweiten Band der Forschungsgruppe Erbsensuppe schafft Rieke Patwardhan es erneut, das Leben Geflüchteter in den Mittelpunkt zu stellen.

Dieses Mal machen sich Nils und Evi Gedanken um Lina, die sich seit einiger Zeit seltsam benimmt: Sie kommt zu spät zum Unterricht, hat ständig etwas zu tun und kann sich nicht mehr mit ihnen treffen. Obwohl die Detektivbande gerade einen neuen Treffpunkt nutzen können, da Opa sich um das Haus eines alten Freundes kümmert, der auf Mallorca wohnt.

Lina macht sich verdächtig

Auch wenn es Nils nicht behagt, beobachten er und Evi die Freundin und besuchen sie in ihrer Flüchtlingsunterkunft. Dort finden sie Lina über seltsamen Papierbergen, während ihr Vater krank im Bett liegt. Lina ist das alles sehr unangenehm und möchte mit den Freunden nicht darüber reden.
Doch die lassen nicht locker. Und ein Foto, das ihre Konkurrenten, die zwei Fragezeichen, aus Linas Schultasche stibitzen und das einen unbekannten Jungen zeigt, heizt die Spekulationen noch an. Wer ist das? Was ist nur mit Lina los? Was ist bloß passiert?

Papierkram nervt

Im Grunde ist nichts vorgefallen, sondern es ist die Bürokratie, die Lina und ihren Vater fertigmacht. Denn sie müssen ganz rasch unzählige Formulare vom Deutschen Roten Kreuz ausfüllen, um Linas Bruder, den Jungen vom Foto, zur sich zu holen. Dieser ist auf der Flucht von ihnen getrennt worden und in Österreich gelandet.
Patwardhan gelingt es hier auf leichte und kindgerechte Art den jungen Leser:innen einen Einblick in das tägliche Leben von Geflüchteten in Deutschland zu geben. Denn mit der Ankunft in Deutschland ist es für diese Menschen ja noch lange nicht getan, ein ruhiges, erfülltes Leben mit all ihren Lieben führen zu können. Sie müssen gegen die Mühlen der Bürokratie kämpfen und fürchten abgeschoben zu werden. All das dauert und zerrt an den Nerven – weshalb es kein Wunder ist, dass Linas Vater krank wird. Genau diese Aspekte aus dem Leben von Geflüchteten geraten in unserem tagtäglichen Stress oftmals in Vergessenheit.

Parallele zur deutschen Nachkriegsgeschichte

Und wie schon im ersten Teil der Forschungsgruppe zieht die Autorin auch dieses Mal wieder eine Parallele zur Geschichte deutscher Kriegsflüchtlinge, deren Familien in den Wirren des zweiten Weltkriegs auseinandergerissen wurden.
Sie zeigt damit eindrucksvoll, dass die Belastungen, die eine Flucht mit sich bringt, und alles, was im neuen Land danach auf die Familien einstürzt, natürlich auch an den Kindern nicht spurlos vorübergeht. Oftmals müssen diese, weil sie die neue Sprache schneller lernen als ihre Eltern, diesen bei dem lästigen Papierkram helfen – der ja nicht einmal deutschen Muttersprachler:innen leicht fällt. Unterschwellig findet sich hier der Appell an die Behörden, endlich einmal eine einfache Sprache zu nutzen und Abläufe zu vereinfachen. Es würde sicherlich vielen Menschen eine Hilfe sein, ganz gleich, woher sie stammen.

Die Wichtigkeit der internationalen Suchdienste

Darüberhinaus ist diese Geschichte auch eine Würdigung der internationalen Suchdienste, die alles Menschenmögliche unternehmen, um Familien wieder zusammenzuführen. Auch hier steckt natürlich wieder ein Quäntchen Kritik an den herrschenden Zuständen, denn noch viel zu oft legen die Behörden den Familien unüberwindbare Hürden in den Weg und agieren überaus unsensibel, wenn es darum geht, Kinder wieder mit ihren Eltern zusammenzubringen.

Junge Leser:innen erfahren hier auf spannende und kurzweilige Art, dass das Leben für geflüchtete Kinder unzählige belastende Facetten bereithält, die im Grunde so schnell wie möglich und unbürokratisch verändert werden müssten.

Rieke Patwardhan: Forschungsgruppe Erbsensuppe oder wie wir ein Haus kaperten und Linas Geheimnis auf die Spur kamen, Knesebeck, 2021, ab 8, 13 Euro

Tanz ums goldene Nichts

Spinnen

Mit ihrem fantastischen Spekulationsgewinn kauften die Aliens weiter Aktien. Und jedes Mal brach die schon bekannte Hysterie an der Börse aus. Immer wollten alle kaufen, was die Außerirdischen kauften, taten es auch und wurden prompt hereingelegt. Trotzdem machten beim nächsten Mal wieder alle mit. Denn es finden sich auf dieser Welt immer genügend Leute, die mitmachen, wenn es heißt: Jetzt verdienen wir ganz viel Geld, ohne dafür einen Finger krumm zu machen.«
Die Außerirdischen brauchen keine Laserkanonen, Neutronenstrahler, telepathische Bomben oder was das galaktische Waffenarsenal sonst so bietet, um in Burkhard Spinnens brillantem SciFi-Abenteuer Fipp, Vanessa und die Koofmichs die Menschheit zu vernichten. Das erledigt die dank ihrer Gier und der globalisierten Marktwirtschaft schon selbst – zumindest fast.

Mit leisem Humor regierender und reagierender Kanzler

Wenn nicht Philipp Franziskus Ferdinand Maria von Westen und zu Beuthen, ein plietscher 13-Jähriger aus sehr altem, sehr verarmtem Adel, genannt Fipp West, und seine tatkräftige, mutige Freundin Vanessa wären. Sowie ein kluger, zurückhaltender, besonnen und mit leisem Humor regierender und reagierender Kanzler.
An einem warmen Freitagnachmittag Anfang Mai landet ein Ufo inmitten von Touristen und Ausflüglern vor dem Kanzleramt, mitten in Berlin. Flugs wird ein Krisenstab mit etlichen mehr oder weniger talentierten Spezialisten und Experten eingerichtet. Oberstes Gebot ist: Ruhe bewahren, die außerirdischen Besucher auf keinen Fall verschrecken oder provozieren.

Shoppen, Konsumieren, Extremkoofen

Die drei völlig langweiligen, wie stereotype Schaufensterpuppen aussehenden Außerirdischen interessieren sich aber überhaupt nicht für die Einheimischen. Sondern nur fürs Shoppen, Konsumieren, Extremkoofen. Erst im Edelkaufhaus um die Ecke. Dann en masse im Internet. Per erworbenem Tablet, mit 300 Bestellungen pro Minute, vom Tischfeuerzeug bis zu russischen Kampfhubschraubern. Alles auf Kosten der Staatsbank, die mit ihren stündlich gen Null schwindenden Reserven für die Kreditkarte bürgt.
Schon bald stauen sich die Lieferwagen in langen Schlangen auf dem Weg zum Brandenburger Tor. Die galaktischen Powershopper packen Pakete im Akkord aus, das meiste befinden sie für Ramsch und werfen es flugs weg und hinter sich, wo es zusammen mit Unmengen von Verpackungsmaterial zu einem imposanten Sperrmüllberg anwächst.

Skrupelloser Internethändler verschärft Kaufexzess

Rasant verschärft wird der kranke Kaufexzess durch einen absolut skrupellosen Internethändler, der dank seines Algorithmus und extrem aggressiver Kaufempfehlungen sein eh schon dominierendes Unternehmen Horrizon zum ersten und allmächtigen Sternenkaufhaus namens Interstellar ausbauen will.
Ebenso witzig wie intelligent rechnet Burkhard Spinnen in seinem dritten Kinderbuch mit ungebremster Marktwirtschaft, Konsumdiktat und Internethandel ab. Tragikomisch und drastisch zeigt er die globalen Folgen, sowohl sozial als auch ökologisch. Firmen gehen im Minutentakt Bankrott, Existenzen werden vernichtet. Und alle machen mit. Weil sie es schon von kleinauf so lernen und vorgelebt bekommen, zum Beispiel durch zubehörsüchtige Puppen.

Entfesselte Aktienmärkte treffen auf zockende Aliens

In wenigen Worten erklärt Spinnen die Dynamik von entfesselten Aktienmärkten, für deren zynische und zerstörerische Wirkung es nicht unbedingt ein paar an der Börse mitmischende Aliens braucht. Auch sogenannter Influencer mit ihrem schlechten Einfluss auf den Massengeschmack bekommen ihr Fett weg.
Das ist so gut und mitreißend geschrieben, so einfallsreich, mit originellen Gedankensprüngen, Überlegungen zu Stimmung versus Action, famosen Zitaten, und sogar einem Schuss echter Romantik, wie man es nur sehr selten zu lesen bekommt. Dazu erweckt Spinnen die unterschiedlichsten Typen zum Leben – vielschichtige Charaktere, die im krassen Gegensatz zu den sowohl optisch als auch in ihrem Verhalten sehr eindimensionalen Besuchern aus dem Weltall stehen. Raffiniert spielt er mit Klischees, wie per se griesgrämigen Hausmeistern, albern krähenden Computernerds, alten Haudegen und verstrahlten Psychologen.

Von wegen Schwarmintelligenz

Geradezu prophetisch entlarvt der Autor im kurz vor der Pandemie geschriebenen Roman Verschwörungstheoretiker und die sogenannte Schwarmintelligenz – die tatsächlich nur dumm ist und auch durch ihre schiere Masse keinen Deut schlauer wird.
Überhaupt ist die Masse leicht zu manipulieren. Am Ende geht es immer um Geld. Wobei die fiktiven Rangeleien wegen provokativer Steuern zwischen aufgebrachten Bürgern und der Polizei vergleichsweise putzig sind, verglichen mit den realen, gewalttätigen Auseinandersetzungen bei Demonstrationen derzeit.

Spinnen setzt auf gesunden Menschenverstand

Dagegen setzt Spinnen auf gesunden Menschenverstand. »Für jedes Problem müsse es eine gute Lösung geben, vorausgesetzt, man denke ernsthaft darüber nach«, sagt sein dritter erstaunlicher Held, der relativ junge Kanzler, der mit seiner »Partei für ersthafte und entspannte Politik, kurz die PEP« angetreten ist. Er ist kein Mann markiger Worte. »Manchmal erklärte er die Dinge ziemlich lange, viel länger, als es Politiker es sonst taten«, heißt es über den sympathischen Staatslenker. Solche Typen braucht die Welt. Burkhard Spinnen entwirft eine absolut wünschenswerte Utopie. Und das ist angesichts der vielen dystopischen Szenarien, auch in der Jugendliteratur, allein schon Grund genug, Fipp, Vanessa und die Koofmichs zu lieben.

Mehr Erhellendes zu Außerirdischen und drohender Apokalypse gibt’s hier demnächst.

Burkhard Spinnen: Fipp, Vanessa und die Koofmichs, Schöffling & Co., 304 Seiten, ab 10, 18 Euro

Super kritisch

Doch die herrliche Aussicht darauf, gleich in der geheizten Schule sitzen zu können, trieb ihn weiter.« An der Schule angekommen, steht der zehnjährige Rupert aber vorm menschenleeren Schulgebäude. Auf dem Rückweg verfängt sich sein löchriges Sweatshirt am aufschwingenden, verzierten Tor einer Villa. Rupert knallt gegen die Eisenstangen und fällt in Ohnmacht.
Er erwacht in der Villa der Familie Rivers. »Mit einem toten Mitschüler auf dem Rasen habe ich nun doch nicht gerechnet. Ich habe dich reingeschleppt. Schwer bist du nicht gerade.«
»Aber tot auch nicht«, sagte Rupert.
»Lebendig sieht anders aus! Wie bist du hinters Tor gekommen?«, fragte Turgid.
»Soweit ich weiß, wurde ich mit einem Elektroschock drüber geschleudert«, antwortete Rupert.
»Oh, unser Sicherheitssystem. Aber wieso bist du nicht zu Hause bei deiner Familie? Morgens früh an Weihnachten?«
»Weihnachten?«
»Ja, klar. Das musst du doch wissen«, sagte Turgid.
»Deshalb war niemand in der Schule.«

Märchenhaft elende Verhältnisse

So beginnt das außergewöhnliche Weihnachten des immer hungrigen, immer frierenden Rupert. Und so beginnt Polly Horvaths besonderer Roman Super reich. Mit einer schon klassisch märchenhaften anmutenden Beschreibung von wirklich prekären, also ganz und gar elenden Verhältnissen. Zu viele Kinder, zu wenig Platz, zu wenig Geld, zu wenig Liebe – und vor allem viel zu wenig zu essen.
Dann wird Rupert in eine völlig andere Welt geschleudert, in die der Superreichen. Für die köstliche Speisen im Überfluss und alle erdenklichen Konsumartikel so selbstverständlich sind, dass sie sich verquere Regeln für ein Spiel ausgedacht haben, bei dem an Weihnachten einer zum Schluss alles gewinnt – oder verliert. Ein bisschen Nervenkitzel für die Upperclass.

Hoffnung auf warme Füße

Sie laden Rupert ein. Er kann essen, so viel er will. Das tut das ausgehungerte Kind auch, bis ihm schlecht wird. Und er darf mitspielen. Rupert gewinnt alles, Bücher, Spielkarten, Eisenbahn, Stofftiere, Pullover in allen Farben. Vor allem freut er sich über gefütterte Winterstiefel. »Er hatte es ausgehalten, an den Füßen zu frieren, weil ihm nichts anderes übrig geblieben war. Aber jetzt, da er wusste, sie würden warm bleiben, konnte er die Vorstellung, sie könnten jemals wieder frieren, nicht ertragen. Offenbar konnte man die Dinge nur über sich ergehen lassen, bis es Hoffnung auf Erlösung gab. Entsetzt stellte er fest, dass dies alles nur noch schlimmer machte, denn jetzt hoffte er tatsächlich auf bessere Zeiten. Und Hoffnung ist etwas Schreckliches, weil es die Notwendigkeit erstickte, das Schlimmste zu ertragen.«

Klug komprimierte Hunger Games

Dann kommt eine letzte Frage. Rupert gibt die korrekte Antwort zwei Sekunden zu spät. Und verliert alles. Polly Horvath beschreibt dieses Weihnachten als bitterböse Gesellschaftssatire. Die vermeintlich absurden Regeln des Spiels der Familie Rivers sind die Regeln des Kapitalismus. Von den Reichen erdacht und verselbstständigt. Die, die bereits alles haben, gewinnen immer mehr. Und wenn sie mal verlieren, ist es egal. Weil es ihnen an nichts mangelt und sie das vorhandene Vermögen nur zwischen sich hin- und herschieben. Der arme Rupert hat Spannung und Dramatik ins familiäre Vergnügen gebracht. Weil er hoffte, bangte, sich freute. Für ihn ging es um Existenzielles. Jetzt hat er zwar einmal einen vollen Bauch. Dafür ist er bar jeder Hoffnung. Horvaths Weihnachten ist die klug komprimierte Variante der Hunger Games.

Weihnachtsgeschichte und Kapitalismuskritik

Weihnachtsgeschichten und Kapitalismuskritik haben Tradition, siehe Charles Dickens. Ebenezer Scrooge, der erste literarische Verfechter des Geiz-ist-geil-Diktums, wird wegen Weihnachten sentimental. Auch die Erwachsenen der Familie Rivers haben Mitleid mit Rupert. Jeder für sich wollen sie, ohne Wissen der andern, sein niederschmetterndes Erlebnis wieder gutmachen.
Die Weihnachtsgeschichte ist nur Polly Horvaths Auftakt für viele verrückte Episoden und fantastische Abenteuer durch Raum und Zeit. Dabei erfährt Rupert viel über Abhängigkeiten, unerfüllte Träume, Einsamkeit und unterschiedliche Konstellationen von Liebe und Zusammenleben. Restaurantgäste fliegen vor lauter Genuss unter die Decke. Eingeheiratete Tanten finden ihr Traumziel in Mendocino. Sich immer nur anraunzende Eltern waren einst wirklich verliebt. Teure Anzüge verändern Menschen. Doch nicht jeder möchte Präsident der Vereinigten Staaten werden.

Den eigenen, nahenden Kältetod korrekt diagnostiziert

Das ist so mitreißend und witzig beschrieben, dass man immer mehr lesen möchte. Anne Brauner hat es so frisch und locker übersetzt, dass es sich wie ein Originaltext liest. Hierfür großes Lob an den Verlag Freies Geistesleben, der nicht wie so viele Kinder- und Jugendbuchverlage an der Übersetzung spart.
Polly Horvath kennt sich offensichtlich sehr gut mit Kälte aus. Dass Zehen aufhören zu schmerzen, wenn sie taub gefroren sind, beim Wiedererwärmen dafür umso mehr wehtun, weiß ich aus eigener Erfahrung. Sehr lustig ist es, wie Rupert, angesichts der durch eine Sitzheizung ausgelösten, verwirrenden Heiß-Kalt-Empfindungen wissenschaftlich korrekt seinen nahenden Kältetod diagnostiziert.

Unüberbrückbare Unterschiede

Die abgehobenen Rivers können sich gar nicht vorstellen, dass Rupert nicht wegen einer »Abneigung gegen wärmende Oberbekleidung« statt eines Mantels drei Hemden und einen kaputten Pullover übereinander trägt. Rupert und seine kleine Schwester trauen sich auch nie, das Gratis-Frühstück in der Schule in Anspruch zu nehmen, denn sie werden an der Essensausgabe immer so böse angeguckt – weil sie arm sind. Es sind diese von Horvath geschickt gesetzten Spitzen, die unüberbrückbaren Unterschiede zwischen sehr arm und superreich zum Ausdruck bringen.
Letztlich gehen alle die höchst amüsanten und eigentlich gut gemeinten Gefälligkeitsaktionen in erster Linie für die Mitglieder der Familie Rivers gut aus.
Materiell landet Rupert immer wieder bei Null. Ein Running Gag ist, dass der ständig hungrige Junge immer wieder um das versprochene Essen und den ersehnten ersten Hamburger seines Lebens geprellt wird. Da wird man selbst als Vegetarier schon beim Lesen ganz hungrig.

Etwas zu versöhnlich – aber, hey, es ist Weihnachten

Zu guter Letzt wird Ruperts Hunger überraschend gestillt. Nicht nur sein knurrender Magen ist zufrieden. Der einzige Wermutstropfen dieses Romans ist nämlich, dass sein Ende etwas zu versöhnlich ist. Aber hey, es begann als Weihnachtsgeschichte.
Übrigens hat Super reich dieses Jahr auch deshalb so viel Beachtung erfahren, weil Polly Horvath in British Columbia wohnt und deshalb als kanadische Autorin gilt, aus dem Gastland der Buchmesse. Aufgewachsen ist sie aber in Ohio, dort kennt sie sich aus und dort spielt auch ihre Geschichte.
Ob kanadisch oder nicht – Polly Horvath ist eine geniale Erzählerin. Und Super reich ist eine ganz und gar außerordentlich super gute Geschichte. Nicht nur zu Weihnachten.

Polly Horvath: Super reich, Übersetzung: Anne Brauner, Verlag Freies Geistesleben, 293 Seiten, ab 9, 18 Euro

Überall Gespenster

Halloween

Kinder, Halloween muss dieses Jahr leider ausfallen. Jetzt ist es offiziell: Familienministerin Giffey verbietet die mittlerweile arg kommerzialisierte Plündertour von Kinderbanden am 31. Oktober. Weil die Gefahr von etwas echt Gruseligem zu groß ist, könnte doch ein minderjähriger Superspreader vor der Tür der netten alten Nachbarin stehen.
Wogegen aber (noch) nichts spricht, ist eine coole Kostümparty drinnen in kleinem Kreis.
Und wofür sehr viel spricht, egal, wie sich die Pandemie entwickelt, ist das ungeheuer gute Buch Halloween – von Geistern, Vampiren und anderen Spukgestalten. Und zwar nicht nur am 31. Oktober, dem Abend vor Allerheiligen.

Kürbislaternen, Leckereien und Tote

Auch Oíche na nÙll genannt, irisch-gälisch für »Snap Apple Night«. Was es mit diesem seltsamen Namen, mit Kürbislaternen und traditionellen süßen Leckereien auf sich hat und wie alles mit den Toten zusammenhängt und seit Jahrtausenden zelebriert wird, davon erzählt Birge Tetzner in Halloween klug und mitreißend.
Bekannt ist Tetzner als Autorin der Hörbücher mit dem Zeitreisenden Fred. Geschichte spannend erzählen kann sie super, aber für ihr neues Buch hat sie richtig Unheimliches ausgegraben. Vor allem im abschließenden Teil Eine echte Gruselgeschichte wird wahrhaftig tief gegraben und in ganz viele Gräber gekuckt.

Mancher Horrorfilm ist nur ein billiger Abklatsch

Das geht echt unter die Haut, weil alles wahr und richtige Archäologie ist. Denn im Kampf gegen Untote, Wiedergänger und Vampire haben sich die Menschen über die Jahrhunderte die bizarrsten, martialischsten Methoden einfallen lassen. Aberglaube mischt sich mit gefährlichem Unwissen. Pest und Tuberkulose verbreiteten Angst und Schrecken. Mancher Horrorfilm ist dagegen nur ein billiger Abklatsch.
Tetzner reist durch die Jahrhunderte, von Neuengland bis in den hohen Norden und in die abgelegensten Karpaten. Wir begegnen Draugr und Strigoi, Zombies und Vampiren. Hierzulande trieben Aufhocker und Nachzehrer ihr Unwesen. Nicht umsonst umfasst das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens zehn Bände (in Zeiten von kruden und extrem gefährlichen Verschwörungstheorien könnten noch ein paar Kapitel dazukommen).

Vom gekreuzten Oberschenkelknochen zum zarten Pfauenfederkiel

Dabei kommt die studierte Kunsthistorikerin gewitzt und raffiniert vom Hölzchen aufs Stöckchen – oder von den piratenmäßig gekreuzten Oberschenkelknochen zu den zarten Kielen prächtiger Pfauenfedern. Warum letztere als Hutschmuck für La Catrina unverzichtbar sind und wie in Mexiko ganz anders – nämlich liebevoll und freundschaftlich – mit den verstorbenen Angehörigen umgegangen wird, erfährt man in diesem höchst lesenswerten Buch. Dieses Halloween macht richtig Spaß und Lust, sich zu verkleiden und zu feiern. An jedem Abend im Jahr und für alle Leser ab dem Grundschulalter. Und mit wohligem Schauer spezielles Naschwerk zu genießen. Im Mittelteil finden sich deshalb viele leckere Rezepte, bei denen ein erwachsener Bäcker durchaus mehr als ein eiskaltes Händchen beisteuern sollte. An Halloween bleiben wir zu Haus – mit dem größten Vergnügen.

Halloween

Tiefer in die Welt der Gespenster eintauchen kann man dann auch mit der neuesten Anthologie des Kollektivs SPRING. Das besteht seit der Gründung 2004 ausschließlich aus Zeichnerinnen – ohne Binnen*, weil tatsächlich nur Frauen daran beteiligt sind.
Jedes Jahr erscheint ein neuer Band zu einem bestimmten Thema, ob Wunder, Arbeit oder Sex. Gespenster ist weniger eine Comic-Anthologie, sondern vielmehr besticht diese Ausgabe durch das Zeichnerische: Großflächige Fratzen in verwischtem Kohlestrich. Zart-nebulöse Bleistiftzeichnungen von Figuren und Räumen. Kontrastreiche und verzerrte Geisterstädte und Seelenlandschaften.

Kuscheltiere werden zu gar nicht friedlich ruhenden Dämonen

Knallige Kuscheltiere, nicht auf dem Friedhof, sondern als gar nicht friedlich ruhende Dämonen. Untot umherstreifende und unsichtbar, doch fühlbar begleitende Tiere. Dunkle, bedrohliche Wälder und Gänge, abgebrochene Zähne, bizarre Muster, Faszinierendes und Erdrückendes.
Es geht viel um persönliche Dämonen und düstere Emotionen. Katrin Stangl, Almuth Ertl, Doris Freigofas und Anke Feuchtenberger setzen auf die Macht des Bildes und spielen mit ihrer Zeichenkunst die Klaviatur des Unheimlichen in unterschiedlichen Stilen und Techniken aus.
Apropos heim, Stephanie Wunderlich nimmt sich in ihrer Strecke »Schließt die Türen« dem ganz aktuellen Schrecken des Rückzugs in die eigenen vier Wände, der Vereinsamung und der Gefühlsleere an.

Das Gespenst des Kapitalismus im Schlafanzug

Ein klassischer Comic, also witzige Dialoge und karikatureske Bilder in kleinteiligen Panels, ist dem Gespenst des Kapitalismus gewidmet. »Puh, hast du mich erschreckt!!! Wir hatten doch vereinbart, dass du nur noch auf gezielte Einladung hin her kommst! Wofür habe ich jahrelang Therapie gemacht?!« Es ist aber auch ein bemitleidenswertes Gespenst, mit dem notdürftig an der altmodischen Galauniform angenähten Kopf, zahnlos und längst von der modernen und perfektionierten Verrohung der globalisierten Welt vergessen. Diese Bilderstrecke ist ein absolut erschreckender Blick auf die Welt, Ausdruck von Schuld und Hilflosigkeit, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

Blockade und Deadline – Geister, die niemand rief

Angesichts unstillbarer Gier und diktatorischem Konsumkult ist einem der gute, klassische Kapitalismus fast sympathisch und darf im Schlafanzug mit ins Bett schlüpfen.
Zu guter Letzt (und es ist kein Zufall, dass die Geschichte am Ende des ursprünglich mit 224 Seiten geplanten Buches steht) befasst sich Larissa Bertonasco mit mir leider auch nur zu gut vertrauten Gespenstern: der (Zeichen-)Blockade und der Abgabefrist, treffend auch Deadline genannt. Es hat sich gelohnt, auf diese sehr persönliche Comicstrecke zu warten, bannt sie doch die Geister, die viele ungerufen immer wieder neu piesacken.
Gespenster ist übrigens bereits der 17. Band von SPRING, aber der erste, bei dem das Titelbild im Dunkeln leuchtet. Ein leuchtendes Beispiel für die vielfältige und lebendige Szene der Zeichnerinnen und Illustratorinnen ist SPRING sowieso.

Birge Tetzner, Dirk Uhlenbrock (Illustration und Gestaltung): Halloween – von Geistern, Vampiren und anderen Spukgestalten, ultramar media, 2020, 96 Seiten, ab 9, 14 Euro

Spring #17: Gespenster, mairisch, 2020, 256 Seiten, 24 Euro

Monster, Mysterien und andere Merkwürdigkeiten

Freeman

Bevor sich jemand wundert: Ich mag keine bekleideten Tiere. Die Idee dahinter hat sich mir nie erschlossen. Als ob Tiere per se der kindlichen Realität und Wahrnehmung dann mehr entsprechen würden. Und das in Zeiten, in denen viele nicht mal mehr mit einem Haustier aufwachsen. Und wenn doch, dann trägt es bestimmt keine Klamotten. Ich glaube, dass es manchen Illustratoren leichter fällt, unterschiedliche Tiertypen statt verschiedene menschliche Charaktere zu zeichnen.
Zum Glück weiß nicht jeder von meiner Abneigung. Sonst wäre mir nicht Tor Freemans fabelhafter (das Wortspiel sei erlaubt) Kindercomic Willkommen in Oddleigh ans Herz gelegt worden.

Fabelhafte Vielfalt

Dass darin ausschließlich mehr oder minder bekleidete Tiere spielen, stört mich in diesem Fall nämlich überhaupt nicht. Ich verstehe sogar, warum sich die junge englische Kinderbuchautorin und Illustratorin Tor Freeman für tierische Helden entschieden hat. Ihre Comicbilder sind nicht nur ausgesprochen kunstvoll und vergnüglich anzusehen, darüber hinaus bringt sie ganz nonchalant eine ungeheuere Vielfalt in das typisch englische Städtchen Oddleigh. Odd heißt zwar »merkwürdig«, und merkwürdig sind die fünf Geschichten in diesem Buch auch: Angefangen mit Der Fluch von Lorringham, einer anspielungsreichen Mischung aus Sherlock-Holmes-Mystery und Edgar-Wallace-Atmosphäre.
Wo aber in anderen Büchern mühsam um diversity gerungen und bis zum geht nicht mehr gegendert wird, ist hier das gleichberechtigte Zusammenleben längst normal.

Vorliebe für Tee, Tweed und Kreuzworträtsel

Hauptfiguren sind die Kleinstadtpolizisten Chief und Sid. Chief leitet das Dezernat und ist ein erdferkelartiges weibliches Wesen namens Jessie. Sid ein freundlicher großer, roter Kater, ein wandelndes britisches Klischee, dessen Vorliebe für Tee, Kreuzworträtsel und Tweed mehrmals zu des Rätsels Lösung beiträgt.
Es tummelt sich allmögliches Getier in diesen Mysteries und Episoden. Doch nur bei der wahnhaften Verehrung eines Schmetterlingskokons durch eine Raupensekte spielen Art, Gattung und so etwas überhaupt ein Rolle. Viel interessanter ist die durchaus nicht ungefährliche Gruppendynamik dieses Kults.

Starkult und Glitzerzähnchen

Um einen anderen, nicht minder fragwürdigen Kult geht es auch in der letzten Geschichte, den Starkult, und was der wiederum in einer Familie anrichten kann.
Apropos Familie: Wer jemals beschämt mit grottigem Zahn in das glitzernde Zahnpastalächeln seines Dentisten geblickt hat, der wird sich über das dunkle Geheimnis des Zahnarztes freuen, Freud lässt grüßen.
Das macht Tor Freemans Bildergeschichten so grandios: Vermeintlich zeichnet sie zwar Comics für Kinder und empfiehlt sie ab 7+. Das Plus ist aber das große Plus, weil es für den erwachsenen Vor- und Mitleser massenhaft geistreiche und witzige Anspielungen gibt.

Kunst, Kino und Karaoke

So erhält zum Beispiel ein nach Millionen Jahren aus den Klippen gekratztes und nun quasi zugewanderte Flugsaurierkind einen Crashkurs für moderne Gesellschaften mit Fahrradfahren, Fastfood, öffentlichem Nahverkehr, Kunst, Kino und Karaoke.
So lass ich mir bekleidete Tiere gern gefallen.

Mehr zum Thema Mulltikulti liefert auch das folgende Buch: Sehr raffiniert vermischt Drew Weing in Die geheimnisvollen Akten von Margo Maloo mehrere klassische Kinderbuchsujets zu einem virtuosen Comic. Es geht um Monster, also Oger, Trolle, Kobolde, Geister in allen Formen, Größen und Nervgraden. Erzähler ist ein dicklicher, leicht nerdiger Junge namens Charles, der soeben mit seinen Eltern nach Echo City in ein düsteres, typisches Brownstonegebäude, ein ehemaliges Hotel gezogen ist. Und nicht nur die Skyline erinnert dabei an New York.

Superheldin und Stilikone

Natürlich gibt’s auch eine richtige, echte Superheldin – Margo Maloo. Wie aus dem Nichts taucht sie immer dann auf, wenn sie gebraucht wird, und verschwindet zum Kummer ihres eifrigen Begleiters auch immer wieder genauso schnell und grußlos.
Margo Maloo trägt statt Cape einen schicken, langen Mantel mit hochgeschlagenem Kragen, Benedict Cumberbatchs moderne Sherlock Holmes Interpretation im ikonischen Belstaff lässt grüßen, dazu schwarze Chelsea Boots und ebenso schwarzer Brooke-Shields-Bob-Haarschnitt. Geradezu ein It-Girl, wäre Margo nicht viel zu klug und beschäftigt, um auf Social Media Kanälen rumzuturnen und anderen Stil beizubringen.

Vermittlerin zwischen Monstern und Kindern

Margo ist keine Geisterjägerin, geschweige denn eine Ghostbuster*in (der Versuch, den 80er Jahre Trash zu feminisieren, ging vor einiger Zeit im Kino richtig daneben und war echt eklig).
Nein, Margo nennt sich Monster-Mediatorin und genau das kann sie: zwischen Kindern und Monstern vermitteln. Denn auch die häufig etwas plumpen, krawalligen, mit gefährlichem Appetit ausgestatteten Wesen in der Dunkelheit haben eine Existenzberechtigung.

Monster sind auch nur Mütter

Mit Charles lernen wir: Monster sind manchmal auch nur Mütter. Und sie kaufen ebenso ein, wohnen, spielen, raufen und saufen, haben Berufe, Familien und lange Vorgeschichten. Sammler und Nerds sind ebenso dabei. Sie sind hilflos, haben selbst Angst und Vorurteile, und benehmen sich nicht immer sehr diplomatisch. Aber eigentlich ist eine Stadt wie Echo City groß genug für Kinder und Monster, das ist nur eine Frage des Respekts. Das lehrt uns die wunderbare Margo Maloo in fantastisch gezeichneten Bildstrecken mit kühnen Perspektiven, gruseligen Abgründen und einem Sammelsurium an wundersamen Wesen. Ein anständiges Glossar gibt’s natürlich auch zum Schluss. »Sind Kinder an diesem Ort nicht die einzige unterdrückte Minderheit? Haben wir hier möglicherweise etwas gemeinsam … mit einem uralten Feind?«, resümiert Charles in seinem Blog. Wie es weitergeht in Echo City und Oddleigh, das erfahren wir hoffentlich ganz bald. Denn darauf war zumindest früher immer Verlass bei Comics – Fortsetzung folgt.

Tor Freeman: Willkommen in Oddleigh, Übersetzung: Matthias Wieland, Handlettering: Olav Korth, Reprodukt, 2020, 64 Seiten, ab 7, 18 Euro

Drew Weing: Die geheimnisvollen Akten von Margo Maloo, Übersetzung: Matthias Wieland, Handlettering: Michael Hau, Reprodukt, 2020, 72 Seiten, ab 8, 18 Euro

Es ist kompliziert

Es gibt viele Bücher über Freundschaften. Und Lieder. Und Filme. Darin geht es um unerschütterliche Treue, bedingungslose Solidarität, Zuneigung, besondere Chemie, einander guttun. Also das, was Freundschaft und ziemlich beste Freund*innen ausmacht (bff, also best friends forever, sind dann wieder ein anderer Schnack). Wenn nichts davon zutrifft, dann sind es falsche Freunde, eine Alliteration, die das genau Gegenteil meint und die Idee der Freundschaft ad absurdum führt.
Wovon aber selten die Rede ist bei dem, was eine Freundschaft ausmacht, ist die Gegenseitigkeit.
Wenn man den elfjährigen Freddie fragt, warum Mattis sein Freund ist, und das tut die Erzählerin in Anke Stellings Freddie und die Bändigung des Bösen erfrischend direkt, würde er sagen, weil Mattis schon seit der Kita sein Freund und immer an seiner Seite ist. Weil er fast schon Familie ist. Weil Freddie immer weiß, neben wem er in der Schule sitzt, mit wem er zu Mittag isst, dass er in die Mannschaft gewählt wird. Weil Mattis selbstbewusst ist und vor Selbstbewusstsein strotzt. Weil Mattis ein Typ ist, ein Macher. Der weiß genau, was er im Aufsatz über sich selbst schreiben soll. Welches seine Stärken sind. Wo er sich sieht, wenn er erwachsen ist.

Mattis kommt mit jedem Mist durch …

Dass er aber nicht nur wegen seines frechen Grinsens und seiner lässigen Scheißegal-Art immer wieder mit allem Mist durchkommt, das ist die Kehrseite der Medaille. Genauer gesagt: Es ist Freddies Verdienst. Still und heimlich.
Wird jedoch Mattis gefragt: »Hey, Mattis, was magst du an Freddie«
»Was?«

»Warum Freddie dein Freund ist?«
»Hä? Was willst du?«
»Ich will wissen, was du an Freddie magst!«

»Was weiß ich, keine Ahnung.«
… so erzählt dieser Dialog am Anfang des Buchs bereits viel über das Verhältnis der Jungs.
Man mag Freddie, der mit seiner Mutter Nina in einer kleinen Wohnung wohnt. Der Fußball im Verein und auf dem Computer Brawl Stars spielt. Der ein bisschen unordentlich und manchmal etwas eigen ist. Der verantwortungsbewusst und selbstständig und offen und freundlich und mitfühlend ist.

… weil Freddie immer vorausdenkt

Und, man möchte fast sagen, leider Mattis bester Freund ist. Deshalb hilft er Mattis immer wieder aus der Patsche, macht sich selbst zum Idioten, (hat) immer wieder nach Mattis gegriffen oder sogar selbst losgeschrien und irgendwas wirklich Dummes gemacht (zur Ablenkung).
Nie hat’s was genützt. Mattis tut, was er tun muss, immer, und Freddie ist dagegen machtlos.
Und trotzdem versucht Freddie immer wieder, Schlimmeres zu verhindern und vorauszudenken. Jetzt, acht Wochen vor den Sommerferien, darf Mattis keine weitere Verwarnung kassieren, sonst fliegt er von der Schule. Dieses Mattis-Beschützten ist Freddie schon so in Fleisch und Blut übergegangen, dass er gar nicht anders kann. Es ist Teil seiner Identität. Sein Seelenheil hängt davon ab.

Es ist viel komplizierter, wenn man mitten drin steckt

Man ahnt, es wird böse enden. Und man möchte Freddie schütteln, ihm sagen: Jetzt hör doch mal auf, du kannst doch nicht immer für Mattis den Kopf hinhalten! Oder wie Klassenkameradin Erna es beim Spiel Ich habe noch nie auf den Punkt bringt: Ich habe noch nie nicht gemacht, was Mattis sagt. Warum tust du das? Was tut Mattis für dich?
Dass aber weder das Leben noch Freundschaften so einfach sind, wenn man mitten drinsteckt und nicht als neutraler und doch emotional sehr mitgehender Leser außen vor steht, zeigt Anke Stelling in ihrem zweiten Kinderbuch klug und mitreißend (das erste findet ihr hier).
Bekannt und ausgezeichnet wurde sie für ihre Romane Bodentiefe Fenster und Schäfchen im Trockenen, exzellente Milieustudien über starke Charaktere mit Haltung.

Niemand ist absolut klar und gradlinig

Zahlreiche authentische, interessante Figuren gibt es auch in dieser Erzählung für junge Leser. Spannend ist vor allem, wie sie interagieren: Sprache, Kommunikation, wie etwas gesagt und vor allem wie es nicht gesagt wird – die brillante Beobachterin Stelling zeigt mit Freddies Augen, dass niemand absolut klar und gradlinig ist. Und das ist wahrscheinlich auch gar nicht möglich.
Freddies Mutter zum Beispiel sagt egal, wenn sie sich eigentlich richtig über etwas ärgert.
Freddies Vater Olaf ist mit seiner neuen Frau Misaki nicht immer einer Meinung, spricht aber nicht drüber, und das liegt nicht an der Sprachbarriere zwischen Deutsch und Japanisch.
Und wenn schon die Älteren, die ja einige Jahre mehr Übung und Erfahrung haben, nicht richtig kommunizieren können, wie sollen dann Kinder die richtigen Worte finden. Aus irgendeinem Grund denken die Erwachsenen, das sei für Kinder ganz leicht. Leichter als für sie selbst, also wirklich: Wie kommen sie darauf?

Schlampige Deutsche und deprimierte Italiener

Stelling weist auf Vorurteile hin, die jeder irgendwo hat und die sich schnell verfestigen. Die eine Lerngruppe oder Klasse gilt als anstrengend und gefährlich, während die andere schon immer als unkompliziert und brav war.
Wie so ein Ruf entsteht, frage ich mich.
Alle wissen, dass es im Grunde Quatsch ist: Zum Beispiel zu behaupten, Deutsche seien pünktlich und gewissenhaft und Italiener lustig und temperamentvoll – schließlich gibt es haufenweise schlampige Deutsche und deprimierte Italiener.
Irgendwann sitzt Freddie weinend auf dem Schulklo, mit Schluchzen und Stöhnen und dem Kopf auf den Knien – er ist so hilflos und verzweifelt, weil ihn keiner auf der Welt versteht. Und dieses keiner inzwischen leider heißt: auch er selbst nicht.

Keiner versteht Freddie. Das heißt leider: auch er sich selbst nicht

Das ist richtig schlimm. Und es tut einem beim Lesen weh. Man möchte mit der forschen Erzählerin sagen Es reicht! Man möchte Mattis anschreien, er soll Freddie wenigstens einmal um Entschuldigung bitten. Und die Sache geradebiegen. Bei Erwachsenen spricht man von toxischen Freundschaften, wenn der eine den anderen immer nur ausnutzt.

Aber Freddie mag ihn

»Weißt du«, sagt Nina, stellvertretend für den Leser, »das macht mich einfach wütend … er nutzt dich aus! Und du darfst dir das nicht alles gefallen lassen!«
Nina starrt Freddie an. Freddie hält ihren Blick.
»Er ist mein Freund«, sagt er. »Verstehst du? Mein Freund. Und ich mag ihn.« So einfach ist das manchmal.
Und wir mögen Freddie, trotzdem oder gerade deshalb. Er bringt uns zum Nachdenken über das Wesen von Freundschaften, die eben ziemlich kompliziert sein können.

Anke Stelling: Freddie und die Bändigung des Bösen, cbj, 256 Seiten, ab 9, 13 Euro

Hexen exen

Dahl

Willkommen zurück aus der Sommerpause! Manche kürzten ihre Ferien Pandemie bedingt ab, ich nenne es meine vacances interruptue. Zehntausende von Briten hat es noch heftiger erwischt: Sie mussten Hals über Kopf von einem Tag auf den anderen Spanien und vor allem Frankreich verlassen und nach Hause reisen, sonst wären sie erst mal für zwei Wochen in Quarantäne gewandert. Eine neue Spielart der alten Animosität zwischen Engländern und Franzosen.
Überhaupt scheint in Großbritannien alles möglich. Ein einst kluger, gebildeter, witziger und auch charmanter Typ verwandelt sich zum nationalistischen Trottel und wird Premierminister. Im Brexit verbreiten sich Vorurteile und böse Geister so schnell wie das Virus. Warum soll es auf der Insel nicht auch die gefährlichste Hexenvereinigung der Welt geben?

Farbenprächtige und furiose Comicadaption von Roald Dahls Klassiker

Wie man mit dieser, im Gegensatz zum Virus, vor allem für Kinder extremen Gefahr umgeht, erzählt Pénélope Bagieu in ihrer formidablen Comic-Adaption von Roald Dahls Kinderbuchklassiker Hexen hexen. Der farbenprächtige und furiose Band ist eine Wucht und fürs Urlaubsgepäck sowieso viel zu schwer. Also zumindest ein guter Grund, wieder zu Hause zu sein.
Anstatt wie der Waliser Roald Dahl die Geschichte irgendwo in Norwegen beginnen zu lassen, springt Bagieu gleich rein ins Geschehen mit ein paar Superheldencomics zitierenden, prophetischen Seiten: Häuserschluchten, eine klassische böse, grüngesichtige Hexe, ein junger Mann mit coolem Superheldenmobil, ein hundsköpfiges Monster, das alle anderen winzig klein erscheinen lässt …

Kinder verdienen sehr gute und wahre Geschichten

Ein namenloser, todtrauriger Junge, der nur noch seine Großmutter hat. Als er diese nachts bittet, ihm eine Geschichte zu erzählen, erzählt sie ihm eine wahre Geschichte von den Hexen.
»Eine Geschichte, die schöne Träume macht, wäre mit lieber, aber ok.«
»Na, komm. Bist du nicht zu alt für solche Kindergeschichten?«
»Ich bin acht.«
»Eben! Du bist fast erwachsen. Du solltest die Wahrheit erfahren.«
Die Tonalität des nächtlichen Dialogs illustriert sowohl Bagieus wie Dahls Stil und Haltung. Kinder verdienen sehr gute Geschichten. Sie sind klug und stärker als man denkt, wenn sie jemanden haben, der sie liebt und beschützt. Und sie vertragen Wahrheiten.

Heimliche Heldin mit tuftig lila Haar

Gleichzeitig bringt die französische Comickünstlerin die Oma als zweite Heldin ins Spiel. Sie ist zwar klein und trägt eine tuftige Wolke lila Haar auf dem Kopf. Aber ein Hutzelweiblein ist sie bestimmt nicht. Schlaghose, Fellweste, lange Kette und laute Tanzmusik lassen darauf schließen, dass sie mal ein richtig flottes Beatgirl war.
Sie ist bärbeißig, unkonventionell und raucht Zigarren (die eigentlich wie Zigarillos aussehen).
Nach einem Erstickungsanfall verordnet der Hausarzt ihr ein paar Tage Luftveränderung. Und so quartiert sich Oma mit Enkel und zwei zahmen Mäusen im Casinohotel in einem typisch englischen Seebad ein. Beim Einchecken kommt es schon fast zum Eklat:
»Du hättest sie nicht so anschnauzen sollen … wenn es nun mal Gesetz ist.«
»Ach was, mein Schätzchen! Schluck nicht alles, was man dir sagt! Ein Gesetzt, laut dem man unter 18 Jahren beim Poker nicht um Geld spielen darf?? Ergibt doch keinen Sinn!«

Perfide Tarnung für einen tückischen Mordplan

Dass ihr Enkel nicht mitzocken darf, ist aber schon bald Großmutters geringste Sorge.
Und auch der Hoteldirektor verkennt, dass nicht zwei eingeschmuggelte, pelzige Haustierchen, sondern eine ganz andere Gruppe hofierter Hotelgäste die wahre Gefahr sind.
Perfiderweise konferieren sie, übrigens auch schon in Roald Dahls 1983 veröffentlichten Originalgeschichte, unter dem Deckmantel der Königlichen Gesellschaft zu Verhinderung von Kindesmisshandlungen. Denn in Wirklichkeit haben diese nur als elegante Damen verkleidete Wesen in ihrem unbändigen Hass das genaue Gegenteil im Sinn: Die totale Vernichtung aller Kinder! Und dazu hat ihre Anführerin einen ebenso raffinierten wie grausamen Massenmordplan entwickelt.

Drei neue Spezies von Superhelden

Wie zwei sehr mutige Kinder zusammen mit der gewitzten Großmutter den Spieß umdrehen, die Feinde mit ihren eigenen Waffen schlagen und schließlich die Hexen exen, erzählt Pénélope Bagieu nach Roald Dahls wahrhaft gruseliger Geschichte in schaurig-schönen Bildern. Nebenbei erweitert sie den Superheldenkosmos um drei bislang sträflich vernachlässigte und ungeheuer charmante Spezies: Kinder, Mäuse (manche auch mit betörend blauen Augen) und Großmütter. Und nicht zuletzt zeigt sie in super niedlichen Bildern, dass so ein kindliches Mäuseleben durchaus Vorteile hat.

 Pénélope Bagieu, Roald Dahl: Hexen hexen, Übersetzung: Silv Bannenberg, Reprodukt, 2020, 300 Seiten, ab 8, 24 Euro

Komplott am Kompost

Die Sonne verzog sich angewidert hinter dem Horizont. Ich wusste genau, wie sie sich fühlte. Hinter mir lag ein langer Tag, und er war noch nicht vorüber« So wunderbar abgebrüht beginnt Paul Shiptons Insektenkrimi Die Wanze. Und so schön schnodderig hat Andreas Steinhöfel ihn übersetzt.
Es beginnt wie ein klassischer Krimi: Der Käfer Mr. Muldoon, genannt die Wanze, einziger Privatdetektiv im Garten, erhält von drei Ohrwürmern den Auftrag nach ihrem verschwundenen Bruder zu suchen. Eddie spuckte große Töne, wollte raus, hat sich mit den falschen Leuten, ein paar Wespen, eingelassen und dabei anscheinend schließlich sein Leben gelassen. So alltäglich, typisch und traurig.

Etwas stimmt nicht mit den Ameisen

Doch was mit einem vermissten Krabbler angefangen hat, entwickelt sich zum ganz großen Drama. Erst sind es nur Andeutungen: »Na und? Wer wird heutzutage nicht vermisst?«, antwortet ein Harlekinkäfer, bevor er davonkrabbelt und sich wieder um seinen eigenen Kram kümmert. Die zuckersüchtige, immer gut informierte Stubenfliege Jack raunt, dass irgendwas Seltsames im Garten vorgeht: »Man erzählt sich, dass mit den A-ameisen was nicht stimmt.«

Was nicht auf der Speisekarte steht, wird auch nicht gefressen

Und tatsächlich: Nach dem unerfreulichen Tag braucht Wanze Muldoon einen ordentlichen Drink in Dixies Bar. Zu jedem richtigen Krimi und jeder guten Geschichte, selbstverständlich auch zur Krieg-der-Sterne-Saga, gehört immer eine echte Spelunke, wo nicht gefragt wird, wo jemand herkommt, wo man abschalten, vergessen oder nachdenken kann, je nachdem. Wo stillschweigende Waffenruhe herrscht und die Gesetze der Wildnis ausgesetzt sind, weil »was nicht auf der Speisekarte steht, wird auch nicht gefressen«.
Und genau hier wird der raubeinige Detektiv von völlig humorlosen Ameisensoldaten abgeholt und ins Nest zur sagenumwobenen, höchst imposanten Ameisenkönigin geführt. Die macht ihm ein Angebot, das er nicht ausschlagen kann. Entweder er sucht nach ein paar abtrünnigen, staatsgefährdenden Ameisen auf Solopfaden – oder er wird zu Larvenfutter.

Lässig kaltschnäuzig wie Marlowe, charmant penetrant wie Columbo, cool wie Bond

Die altersweise, strenge Matriarchin ist nur die erste einer Reihe von Charakteren, die direkt aus einem Shakespeare Drama entsprungen sein könnten: Sie steht für eine etablierte Weltordnung, ein friedenerhaltenes Kräftegleichgewicht, das durch machtgierige Militärs, korrupte Politiker, mordlüsternde Terroristinnen, brutale Schergen und willfährige Erfüllungsgehilfen bedroht wird. Durch Komplott, geplantes Attentat und die Errichtung einer Diktatur. Und durch Bequemlichkeit, Denkfaulheit und blinden Gehorsam.
Dem stehen eine Handvoll tapfere Einzelkämpfer entgegen: Allen voran der sympathische Schnüffler, lässig kaltschnäuzig wie Raymond Chandlers Philip Marlowe, mit der charmanten Penetranz eines Inspektor Columbo, super cool wie hart gesotten wie James Bond. Dazu gesellen sich kuriose Helden wider Willen, ebenso treue wie tapfere Gefährten und außerordentlich gewitzte Individualistinnen.

Zum Schluss die entscheidende Schlacht Gut gegen Böse

Frei nach Shakespeare: Es gibt mehr Dinge zwischen Gartenteich und Komposthaufen, als unsere glückliche Unwissenheit sich träumen lässt. Auf dem Weg zu des Rätsels Lösung und Aufklärung des komplexen Falles gibt es reichlich tollkühne Action. Mehr als einmal zieht Wanze Muldoon seinen Kopf aus der Schlinge, auch aus dem Netz der Spinne.
Zum Schluss gibt es eine entscheidende, gewaltige Schlacht Gut gegen Böse. Und einen allerletzten Zweikampf Gut gegen absolut Bösartig. Und die ganz wichtige Erkenntnis: »Individualismus ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. Es gibt Zeiten, in denen er notwendig ist«, resümiert die gerettete Regentin. »Manchmal, so habe ich gelernt, muss man eigenständig denken, wenn man dem Nest dienen will. Wir sind Eins, doch dieses Eine besteht aus Vielen.«

Großer Gesellschaftsroman aus dem Mikrokosmos Garten

25 Jahre hat Paul Shiptons Insektenkrimi auf dem Käferpanzer. Aber angesichts globaler rechtspopulistischer Tendenzen und freiheitsgefährdender Entwicklungen allerorten ist er aktueller denn je. Die Wanze ist ein grandioser Gesellschaftsroman, kondensiert auf den Mikrokosmos Garten. Ganz großes Welttheater unter dem Brennglas. Und wer jetzt meint: »Ist doch nur ein Krimi«. Dem sei gesagt: Kriminalromane sind immer Spiegel ihrer Zeit. Nicht nur Hannah Arendt, eine der größten Denkerinnen aller Zeiten, wusste, warum sie Krimis las.

Paul Shipton: Die Wanze – ein Insektenkrimi, Übersetzung: Andreas Steinhöfel, Illustration: Axel Scheffler, Fischer KJB, 2020, 176 Seiten, ab 8, 12 Euro,

Gladiator 2.0

Heute bin ich gereist, durch Zeit und durch Raum, jenseits aller Beschränkungen, die uns in den vergangenen Wochen so auferlegt worden sind. Und diese Hörspiel-Reise verdanke ich Birge Tetzner und ihrem Fred. Denn seit dieser Woche erlebt der Junge ein neues archäologisches Abenteuer – Fred im alten Rom!
Als Italienisch-Übersetzerin und Italien-Liebhaberin war es mir natürlich ein Bedürfnis, sofort in diese Geschichte reinzuhören und mein Rezensions-Sabbatical kurz mal zu unterbrechen, mit dem Ergebnis, dass ich nicht mehr davon losgekommen bin und mich zwei kurzweilige Stunden von Fred und Opa Alfred durch Rom habe führen lassen.

Der Blick hinter die Kulisse

Die beiden bekommen von Flavia, einer römischen Bauforscherin, eine spezielle Führung durch das Kolosseum, das größte Amphitheater im Römischen Reich. Es geht durch die engen Gänge des »Untergeschosses«, in dem Flavia und ihre Kollegen einen der vielen Holzaufzüge rekonstruiert haben, die vor fast 2000 Jahren die Gladiatoren und die wilden Tiere in die Kampfarena beförderten. Fred darf mitfahren und dabei gerät er – so wie in seinen anderen Abenteuern auch – in die Vergangenheit und quasi mitten rein in die Abläufe der Gladiatorenkämpfe im alten Rom. Durch sein zupackendes Verhalten, bei dem er einem verletzten Gladiator hilft, fällt er dem Medicus des Kolosseums auf und wird dessen Gehilfe. Er teilt sich eine Kammer mit dem jungen Sklaven Timonides, der am nächsten Tag gegen den fiesen, aber eigentlich feigen Imperator Commodus kämpfen soll. Ein Todesurteil für den untrainierten jungen Griechen. Fred kann das natürlich nicht einfach so zulassen …

Frauenkämpfe in der Arena

Hätte man mich heute – vor dieser Hörspiel-Reise – zu Gladiatorenkämpfen im alten Rom befragt, ich hätte mit hollywoodianisch geprägtem Halbwissen eher eine schlechte Figur gemacht. Doch nun ist mein Wissen, Dank der wieder einmal großartigen Rechercheleistung von Birge Tetzner und ihrer gekonnten Aufbereitung der Fakten, mein Wissen um ein paar erstaunliche Schätze reicher. So erlebt Fred einen Frauenkampf in der Arena und erfährt, dass nicht jeder Kampf dort mit dem Tod der Gladiatoren enden musste, sondern dass es auch die Möglichkeit eines Unentschiedens gab. Dabei ist jedoch immer klar, dass das römische System der Schaukämpfe kein Zuckerschlecken war, sondern ein bisweilen sehr unbarmherziges Menschenbild dahinterstand und so auch Todesurteile vollstreckt wurden. Menschenrechte in unserem heutigen Sinne gab es damals ja noch nicht, dafür aber Bürgerrechte, sodass das politische Rom zwar gnadenlos gegen seine Gegner vorging, seine Bürger jedoch aus allen Ecken des Reiches kamen und so eine wohl ziemlich multikulturelle Gesellschaft entstand war.

Faktenfülle und Fachbegriffe

Wer sich auf diese Welt der Gladiatoren einlässt, wird mit einer Reihe von lateinischen Begriffen konfrontiert wie Armentarium (Waffenlager), Sanitarium (Krankenhaus) oder Murmillo und Thraex (zwei Gladiatorentypen). Diese geschickt in das Hörspiel eingestreuten Begrifflichkeiten versteht man beim Hören aus dem Zusammenhang, kann sie aber bei Bedarf in dem ergänzenden Booklet nachlesen. Dort findet sich auch ein Glossar, das ein schnelles Nachschlagen möglich macht. Die Texte im Booklet vertiefen zudem die Hintergründe der Geschichte noch weiter und offenbaren, wie viele wahre Geschichten in Freds Abenteuer stecken.

Ein perfekt eingespieltes Team

So, wie ich den Entstehungsprozess von Fred im alten Rom über Instagram und Facebook in den vergangenen Monaten beobachten konnten, haben an dieser packenden Geschichte unzählige Menschen mitgewirkt. Allein 17 Sprecher*innen sind dieses Mal zu hören, allen voran das unverwechselbare Trio aus Remo Schulze als Fred, Jürgen Thormann als Opa Alfred und Andreas Fröhlich als Erzähler. Wer die anderen Fred-Abenteuer kennt, wird sich allein beim Klang dieser drei sofort wieder wohlfühlen und sich entspannt ins alte Rom entführen lassen. Mir persönlich haben natürlich die italienischen Sprecher*innen wie Manuela Naso als Flavia oder Lorenzo Monteleone als Barista sehr gefallen. Ihre italienischen Sätze, die im Folgenden immer übersetzt werden, sodass niemand befürchten muss, etwas nicht zu verstehen, lassen das heutige Rom sehr lebendig werden.
Die Soundeffekte und musikalischen Unterlegungen von Rupert Schellenberger, samt der Geräusche von Peter Sandmann, runden die Geschichte so wunderbar ab. Durch die lebendigen und anschaulichen Texte von Birge Tetzner sieht man Rom, das Kolosseum und die Gladiatoren so unmittelbar vor sich, dass jeder weitere Konsum von irgendwelchen amerikanischen Sandalenfilmen erübrigt.

Perfekte Vorbereitung für die nächste Rom-Reise

Junge Hörer*innen dürften also Freds neuestem Abenteuer gespannt lauschen. Sie finden darin mehr als genügend interessante Fakten, die bei den »Wusstes-du«-Gespräche wissensdurstiger Sprösslinge am Abendbrottisch für jede Menge Erstaunen bei den Großen sorgen werden (oder wissen Sie ohne zu googlen, woher das Wort »Kandidat« kommt?). Wer sich mit seiner Familie in den kommend Wochen und Monaten nach Rom aufmacht, kann sich mit diesem Hörspiel schon mal perfekt darauf einstimmen. Lebendiger und kurzweiliger kann man Geschichte nicht aufbereiten und den Kindern eine längst vergangene Welt und ihre Erforschung schmackhaft machen.

Birge Tetzner: Fred im alten Rom. Im Schatten des Kolosseums, ultramar media, 2020, 2 CDs, 132 Minuten, ab 9, 15,90 Euro

Knallermädchen

Manchmal allerdings, da kochte die Energie über und spülte eine rasche rote Welle in Helsins Körper hoch, und dann sieht und hört und riecht und schmeckt Helsin nichts anderes mehr als FEUERROT. Ihr ganzer Körper kribbelt von den Beinen bis in die Haarspitzen, die Nasenspitze zittert wie eine Autoantenne bei 200 Stundenkilometern, und die rote Kribbelwelle wird immer gewaltiger, bis sie überschwappt: schwupp, raus aus Helsin, und zack! Hinaus in die Welt.«
Das ist der titelgebende Wutanfall aus Stefanie Höflers erstem Kinderbuch Helsin Apelsin und der Spinner. Mit letzterem ist nicht der Neue in der Klasse gemeint. Spinner, so nennen alle diese kurzen, heftigen Gewitter, die die achtjährige, quirlige Helsin überkommen, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt oder etwas in den falschen Hals bekommt.

Explosiv wie Barb Wire

Zum Beispiel als Louis, während ihm seine Mitschüler vorgestellt werden, spontan Helsin, Apelsin, Apfelsine reimt. Der für ihn überraschende Effekt erinnert an die legendäre cleaning woman aus dem Film Tote tragen keine Karos oder Pamela Andersons drohend gefauchtes »Nenn mich nicht Babe!« im Actionheldin-Knaller Barb Wire. Und endet in dem Fall mit Louis‘ blutig gehauener Nase.
Stefanie Höflers neue Heldin Helsin ist ein ganz besonderes Mädchen und mir auch gerade wegen ihrer Ausraster sehr sympathisch, weil es sie gleichzeitig stark und verletzlich macht. Mit Louis beginnt ein wahrhaftig actiongeladenes Abenteuer, ein fast Roadmovie, eine Geschichte von Freundschaft und Familie.

Finnen spinnen auch nicht mehr als andere Leute

Helsin heißt nach der Stadt, aus der sie adoptiert wurde – Helsinki, der Hauptstadt Finnlands.
»Glaubst du, dass meine Spinner irgendwas mit Finnland zu tun haben?« »Quatsch!«, lachte Mama. »Die Finnen spinnen auch nicht mehr als andere Leute.«
»Und glaubst du, dass meine ersten Eltern auch Spinner hatten?«
Mamas Gesicht wurde wieder ernst. Sie zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung.«
Helsin hat wirklich die weltbesten und geduldigsten Eltern, die man sich vorstellen kann. Die ruhige, rationale, liebevolle Mutter, die auch mal bad-hair-Tage hat. Und den immer gut gelaunten, herzlichen Vater. Sie sind nur zwei von einem ganzen Panoptikum außerordentlich lebendig und vielschichtig gezeichneter Persönlichkeiten. Mit der klugen, einfühlsamen Grundschullehrerin Frau Coroni hat Höfler, wie sie selbst überrascht in einem Interview feststellte, ihre erste absolut sympathische Lehrerfigur geschaffen.

Gefahr für Eichhörnchen, Hamster und Fidschileguan

Weil Helsin spürt, wie anders sie in ihrem Wesen ist und aussieht, beschäftigt sie das Thema ihrer Herkunft. Finnland wird nicht nur deshalb zeitweilig zum Sehnsuchtsort. Das Mädchen mit der biegsamen Grashüpferfigur, den wild in alle Richtungen abstehenden Locken und bitterschokoladenbraunen Augen wird im Laufe der Geschichte wiederholt zur Diebin. Sie lügt, verzweifelt über sich selbst und schweigt im falschen Moment. Sie setzt Freundschaften aufs Spiel und bringt nicht nur diverse Tiere in Lebensgefahr. Eichhörnchen, eine Hamsterin namens Tyrannosaurus und ein Fidschileguan spielen nämlich auch wichtige Rollen.

Irrational und unvernünftig die Kurve kriegen

Das ist manchmal beim Lesen schwer auszuhalten. Aber Kinder können nun mal nicht rational und vernünftig handeln, dafür fehlt ihnen einfach die Erfahrung und die Fähigkeit zur nüchternen Distanz. »Ich möchte Konflikte so erzählen, wie sie halt oft auch stattfinden, wie sie vor allem auch gelöst werden, nämlich unerwartet«, sagt Höfler. Das beschreibt sie bewundernswert konsequent und überzeugend – und höchst spannend.
Umso schöner und herzzerreißender ist es, wie dieses wilde Mädchen zu guter Letzt nicht nur die Kurve kriegt – sondern sogar ihre Spinner in den Griff.

Onomatopoesie und Kuhlsche Kulleraugen

Nach Mein Sommer mit Mucks und Tanz der Tiefseequalle, zwei ausgezeichneten Jugendbüchern über häusliche Gewalt und Mobbing, hat Stefanie Höfler, die übrigens immer noch aus Überzeugung als Lehrerin arbeitet, ein hinreißendes Kinderbuch geschaffen.
Besonders lebendig ist Höflers Sprache auch durch die zahlreich eingestreuten onomatopoetischen Wörter: Rätsch. Boing, boing, boing. Wusch. Dazu passen Anke Kuhls witzige Illustrationen, lauter quicklebendige Kinderfiguren mit den typisch Kuhlschen Kulleraugen. Mit Manno! hat Kuhl übrigens ihre eigene Kindheit zum coolen Kindercomic gemacht. Brillante Bücher für junge Leser, bitte mehr davon.

Stefanie Höfler/Anke Kuhl (Ill.): Helsin Apelsin und der Spinner, Beltz & Gelberg, 205 Seiten, ab 8, 12,95 Euro

Was bleibt

Kurz vorab: Ich tue in Zeiten der Corona-Krise nicht so, als würde ich hier weitermachen wie bisher – ich mache tatsächlich weiter wie bisher. Denn wann hat man mehr Gelegenheit zu lesen, als jetzt, während dieser verflixten Pandemie, die hier auch nur einmal namentlich erwähnt werden soll. Also, los geht’s …

Plötzlich weiß ich es: Solange ich Noa hasse, wird Mama nicht sterben.«
Leas beste Freundin Noa hat das ausgesprochen, was Lea schon lange verdrängt und nicht zu denken wagt: Dass Leas Mutter den Kampf gegen den Krebs verlieren und sterben wird.
Deshalb versucht die Neunjährige das grausame Schicksal ebenso grausam auszutricksen, indem sie Noa, schneidet, ignoriert, wegschubst, beschimpft, mobbt, aus ihrem Leben verbannt. Das ist irrational – aber absolut verständlich.
Wie der drohende Tod Seele und Herz eines Mädchens mit Hass und Schmerz erfüllen – und dann doch ein stärkeres Gefühl sie tröstet und rettet, erzählt die schwedische Autorin Moni Nilsson absolut ergreifend und brillant mit So viel Liebe.

Wie ist es, wenn da nichts und niemand ist?

Man kennt den Kampf eines jungen Mädchens gegen ihre Krebserkrankung aus John Greens mal todtraurigem, mal todkomischem Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Hier blickt die Heldin dem eigenen Tod ins Auge.
Aber wie ist es für Kinder, wenn ein Elternteil stirbt? Wenn da ein großes Nichts ist, wo jemand war, der tröstet, beschützt, Halt gibt, bedingungslos liebt, auf den man sich verlassen kann – der eigentlich immer da sein sollte, solange man noch Kind ist?

Herz kaputt, Hirn zerreißt

Schon für Erwachsene ist es nicht leicht, mit dem Tod geliebter Menschen umzugehen, selbst darüber nur nachzudenken scheuen die meisten. Moni Nilsson beschreibt ungeheuer eindringlich, was diese Angst, die kein Kind erleiden sollte, mit Kindern macht.
»Es ist unbegreiflich.
In einem Monat gibt es Mama nicht mehr.
In einem Monat ist sie tot.
In einem Monat kann sie nicht mehr abwaschen.
Nicht einmal weinen. Oder ihre Lieblingsband hören.
Das ist unbegreiflich.
Es geht einfach nicht.
Mein Gehirn zerreißt.
Mein Herz ist schon kaputt.«
Lea versucht, das Undenkbare nicht zu denken. Aber das geht natürlich nicht. Eigentlich kennt sie ihre Mutter nur krank: »Alle anderen Mamas arbeiten. Meine Mama ist fast immer zu Hause, schon seit ich in die erste Klasse gekommen bin. Sie sagt, ihre Arbeit ist es, gesund zu werden. Und mich rund um die Uhr lieb zu haben.«

Prügeln ist auch keine Lösung

Lea ist extrem wütend auf das Schicksal, das manchmal tatsächlich ein richtig mieser Verräter zu sein scheint. Sie ist wütend über die schreiende Ungerechtigkeit, dass alle anderen gesunde Mütter haben. Und sie ist wütend auf jeden, der Mitleid mit ihr hat und sie bedauernd ankuckt. Da schlägt sie sofort zu.
Jeden Tag verprügelt sie ein Kind auf dem Schulhof. Bis ihr großer Bruder eingreift: »Es ist Lucas, der mich von meiner Prügelkrankheit heilt. Er kommt in mein Zimmer, ohne anzuklopfen, packt mich und drückt mich auf den Boden. Hält mich fest. Sehr fest. Er ist schwer. Ich krieg kaum Luft. Lucas guckt mich fuchsteufelswild an. ›Du hörst verdammt noch mal damit auf, dich wie eine Idiotin zu benehmen, kapiert? Damit machst du es Mama und Papa nur noch schwerer. Du bist nicht die Einzige, die einem leidtun muss, falls du das glaubst.‹«

Brutaler Deal mit dem Schicksal

Lektion verstanden, Prügeln ist keine Lösung. Aber an ihrem brutalen Deal gegen den Tod hält Lea fest: »Ich darf nicht vergessen, Noa zu hassen.«
Die Niederländerin Marjolijn Hof hat von dieser verqueren Logik, die nicht nur Kinder verfolgen, um dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen, in der fesselnden Erzählung Buch Tote Maus für Papas Leben erzählt.
Leas Angst ist noch konkreter, erlebt sie doch das langsame, qualvolle Sterben ihrer Mutter hautnah mit. Horrorfilme, die sie selbstverständlich nicht sehen darf, erscheinen ihr harmlos im Vergleich dazu. »Die Wirklichkeit, in der Eltern abends weinen und in der man nicht vergessen darf, seine beste Freundin zu hassen, die sollte für Kinder verboten werden.«

Kraft und Mut, sie sterben zu lassen

Patrick Ness hat in dem bereits verfilmten Sieben Minuten nach Mitternacht diese unerträgliche Wirklichkeit zu einem bizarren, schließlich befreienden Albraum werden lassen. Moni Nilsson bleibt realistisch und ganz nah an ihrer authentischen und sehr sympathischen Heldin.
Leas Mutter gelingt es schließlich zusammen mit dem ebenso traurigen Vater und Bruder Lea zu befreien von ihrer Wut, ihrer Verzweiflung, der Angst und Einsamkeit. Absolut überzeugend und glaubwürdig gibt sie ihrer Tocher das Vertrauen und auch den Mut und die Kraft, sie sterben zu lassen. Denn da ist nicht Nichts. Was bleibt, ist so viel Liebe.

Moni Nilsson: So viel Liebe, Übersetzung: Angelika Kutsch, Carlsen, 2020, 128 Seiten, ab 10, 12 Euro

Weil die Zeiten gerade ungewöhnlich sind, hier auch noch eine zusätzliche Leseempfehlung für junge Erwachsene:

In seinem Roman Die Pest beschreibt Albert Camus sehr eindringlich, was eine tödliche Infektionskrankheit macht mit einer menschlichen Gemeinschaft. Er erzählt, vor allem aus der Perspektive des Arztes Bernard Rieux, einfühlend vom Zwischenmenschlichen in einer isolierten Gemeinschaft. Vom Kampf dieses Arztes gegen die Schöpfung und seinen Weg zur Wahrheit. Vom Umgang mit der Ungewissheit, mit der Zeit, mit Sehnsucht, Angst, Schuld. Von Glauben, Moral, Werten und Überzeugungen. Und vom Tod.
»Was treibt Sie eigentlich, sich damit zu befassen?«
»Ich weiß nicht. Meine Moral vielleicht.«
»Und die wäre?«
»Mein Verständnis.«
Die Pest ist so voller kluger und letztlich erstaunlich optimistischer Gedanken (das unterscheidet den Philosophen und Nobelpreisträger Camus von seinem Kollegen Jean-Paul Sartre), dass man dieses Buch auf jeden Fall lesen sollte, am besten jetzt.

Albert Camus: Die Pest, Übersetzung: Uli Aumüller, Rowohlt, 12 Euro.

Liebenswerte Sturköpfe

Geest

Während wir zurückfahren, drücke ich mich fest an Opa. Er legt den Arm um mich. Auch wenn wir sie nicht mehr sehen, dreht er sich immer wieder um. Dann stößt er einen tiefen Seufzer aus. »Vonkie … Ich kenne niemanden, der sich so an etwas klammert wie du … der so eigenwillig ist.« »Oh, ich schon.« Ich tippe ihm mit einem Finger in den Bauch. »Du zum Beispiel.«

Zauber des Miteinandersprechens

Vonk und ihr Großvater Leo sind sich viel ähnlicher als anfangs gedacht – zwei echte Sturköpfe. Beharrlich und unbeirrbar gelingt es der Zwölfjährigen, ihren störrischen Opa zum Reden zu bringen. Das Abrakadabra der Fische handelt vom Zauber des Miteinandersprechens und der dunklen Magie vielsagenden Schweigens.
Eigentlich ist Vonkie nur für eine Woche zum Großvater auf den Polder abgeschoben worden, weil ihre Eltern unter sich etwas klären müssen. Es begann mit einem großen Knall – als ihre Mutter, wütend auf Vonks Vater, explodiert und mit der Bratpfanne dessen heißgeliebtes Aquarium zertrümmert.

Lönneberga liegt in Polderland

Weil Vonk nichts an der Krise zu Hause ändern kann, kitzelt sie Geschichten aus dem Griesgram mit imposantem Schnurrbart heraus. Das sind zunächst verrückte Schnurren von derben Streichen, Blutsbrüderschaft, tollen Hechten und wilden Wettkämpfen mit Älteren. Aufgewachsen mit sechs Brüdern, klingen Großvaters Erzählungen wie die von Michel aus Lönneberga, verlegt ins ärmlich-ländliche Nachkriegsholland.
Eine ganz besondere Beziehung hatte Leo, genannt Eisen, wegen seiner damals schon legendären Sturheit, zu seinem nur zwei Jahre älteren Bruder, genannt Beule, was vor allem an dessen Hang zu tollkühnen Mutproben hing. Aber dann muss irgendwas furchtbar schief gelaufen sein zwischen den beiden.

Ein zerrissener Brief und eine verfluchte Mühle

Während bei Vonk Zuhause alles immer komplizierter zu werden scheint und sie sich ihrer Hilflosigkeit bewusst wird, findet sie immer mehr über Eisen und Beule raus. Ein Brief wird ungelesen zerrissen und weggeworfen. In einer Truhe auf dem Dachboden liegt ein unheimlicher Puppenkörper. Und niemand wagt sich zur alten, verfluchten Mühle.
Vonkie kommt, auch mit Hilfe ihres unter seiner linkisch-angeberischen Schale doch sehr netten Cousins, einem dunklen Familiengeheimnis auf die Spur. Und beschließt, wenn sie schon ihre eigene Familie nicht reparieren kann, zumindest zwei seit 50 Jahren zerstrittene Brüder wieder einander anzunähern. »Was bilde ich mir ein? Dass ich, ein zwölfjähriges Mädchen, mal eben diesen Streit lösen kann? Mit einer rostigen Keksdose?«

Falscher Stolz und fatale Vorurteile

Tochterweh und rechteckige Miniaturmumien, alte Kühe im Graben und superdumme Schafe auf der falschen Deichseite – der junge Niederländer Simon van Geest erzählt sein komplexes Familiendrama mit funkelndem Wortwitz und pointierten Bildern. Fatale Sprachlosigkeit, falscher Stolz und gefährliche Vorurteile kommen dort ebenso zum Tragen wie Liebe, Tod und Eifersucht.
Ist es eine Lüge, wenn man etwas verschweigt? Können Worte Leben zerstören?
Weshalb darf man vom Erwachsenengetue nichts wissen, wenn man als Kind doch sowieso mitten drin steckt? Und warum sprechen die Großen nicht miteinander?

Vermächtnis der fabelhaften Mirjam Pressler

Große Fragen und die spannende Suche nach Antworten, eingebettet in die einzigartige Polderlandschaft mit ihren stoischen Bewohnern, all das macht Das Abrakadabra der Fische zu einem exzellenten Kinderroman. Leider ist es auch eines der letzten Bücher, das Mirjam Pressler übersetzt hat. Die fabelhafte Autorin und fast noch brillantere Übersetzerin aus dem Niederländischen und Hebräischen ist Anfang 2019 gestorben. In diesem Buch bleibt ihre stets mitreißende und facettenreiche Stimme lebendig.

Simon van der Geest: Das Abrakadabra der Fische, Übersetzung: Mirjam Pressler, Thienemann, 2019, 320 Seiten, ab 10, 15 Euro