Menschlichkeit im Unmenschlichen

ravensbrückHeute stelle ich nach sehr langer Zeit mal kein Kinder- oder Jugendbuch vor, auch wenn der Titel von Valentine Gobys Roman das vermuten lassen könnte. Doch Kinderzimmer ist alles andere als ein Kinderbuch.

Die Französin Goby nimmt den Leser hierin auf eine überaus bittere Reise ins Konzentrationslager Ravensbrück mit. Dort kommt im Frühjahr 1944 die junge Suzanne Langlois, genannt Mila, an. Mila war im französischen Widerstand tätig, hat Nachrichten für den Untergrund kodiert (mit einem Notensystem, das Übersetzerin Claudia Steinitz im Detail nachgebildet hat, was eine Heidenarbeit gewesen sein muss) und für eine Nacht einen Widerstandskämpfer versteckt. Von ihm ist sie schwanger. Schwanger im KZ.

Mila, deren Mutter sich umgebracht hat, als sie klein war, befindet sich in einem fast unvorstellbaren Zustand des Nicht-Wissens: Sie weiß nichts über die Vorgänge in ihrem Körper, sie weiß nichts über den Vater des Kindes, sie weiß nicht, wo sie in Deutschland ist oder wie das Leben in einem KZ laufen soll. Sie versteht kein Deutsch. In diesem Nicht-Wissen ist sie zunächst auf sich allein gestellt und erlebt den ganzen Horror im Frauenlager: Den Austausch der Kleidung, das Rasieren der Haare, die unsensible gynäkologische Untersuchung, dazu der tägliche Kampf um das Essen, um den Schlafplatz, die Zahnbürste, die Blechschüssel. Mila ahnt, dass sie schwanger ist, wagt es jedoch nicht, ihren Bauch zu betrachten. Dieser Bauch, der durch die Entbehrungen und den Hunger nicht richtig wächst.

Valentine Goby erzählt von Milas Schicksal in kurzen, oftmals fast schon nüchternen Sätzen, von Claudia Steinitz höchst feinfühlig ins Deutsche gebracht. Goby schönt nichts. Sie benennt den Hunger, die Auszehrungen, die drangvolle Enge in den Baracken, die Krankheiten, die Ausscheidungen, den Gestank, das Sterben, die ausgemergelten Toten. Die Bilder, die sie dadurch im Leser heraufbeschwört, sind kaum zu ertragen.
Und mittendrin Mila, in der ein kleiner Mensch heranreift.
Man wagt es kaum zu hoffen, doch Mila bringt ihren Sohn tatsächlich zur Welt. Anfangs ist James noch rosig, hat schwarzes Haar. Zusammen Teresa, einer Polin, die zu Milas bester Freundin wird, und ein paar anderen Frauen, versucht sie, James durchzubringen.
Doch James ist nicht das einzige Baby in Ravensbrück. Es gibt ein Kinderzimmer, in dem etwa 50 Babys untergebracht werden. Sie liegen aufgereiht auf Strohmatratzen, pro Kind gibt es nur eine Windel. Die Kinder dämmern folglich in ihren Exkrementen vor sich hin und verwandeln sich, je älter sie werden, in winzige Greise. Es gibt nicht genug Nahrung für sie, denn die meisten Mütter haben keine Milch. Auch Mila muss James irgendwann einer anderen Frau zum Stillen geben. Sie versuchen, sich gegenseitig zu helfen. Doch neben dem Hunger setzt auch die Kälte im Winter den Kleinsten zu. Kohlen für das Kinderzimmer gibt es nicht.

In all diesem Elend wird James zur Stütze für Mila und für Teresa. Er ist der Einbruch des freien Lebens in das Lager. Er ist der Hoffnungsschimmer auf ein Leben nach dem KZ, für ihn bleiben die Frauen stark.

Goby verhandelt in diesem Buch nichts weniger als die Essenz des Lebens, die das Sterben so lange hinauszuzögern weiß, wie es nur geht. Selbst unter den unmenschlichsten Umständen. Doch dazu braucht der Mensch Hoffnung und das Mitgefühl anderer Menschen. So erlebt Mila immer wieder Hilfe und eben dieses Mitgefühl. Die gefangenen Frauen bauen sich gegenseitig auf, so gut es eben geht, sie bringen sich Deutsch bei, singen Lieder, erzählen sich Geschichten, teilen das Wenige, wärmen sich. Natürlich gibt es auch Eigennutz, doch der geht letztendlich in der Menschlichkeit unter, die die Frauen zusammenschweißt.
Doch auch von den Frauen, die Mila helfen, überleben nicht alle. Zu heftig wüten Ruhr, Cholera und Flecktyphus, zu niederschmetternd ist es, das eigene Kind zu verlieren. Mila jedoch hält sich an ihrem Kind fest, klammert sich an das Leben und schafft es schließlich wieder nach Frankreich zurück.

Trotz aller Grausamkeiten, die Mila in Ravensbrück erlebt, die einem sehr, sehr nahe gehen und bedrücken, konnte ich dieses Buch nicht weglegen. Denn man hofft und bangt mit ihr. Man erlebt, wie sie von der Nicht-Wissenden zur Wissenden wird, und wie sie schließlich am Ende ihr Wissen um die Vorgänge in Ravensbrück weitergibt.
Denn auch darum geht es bei Valentine Goby: Wissen weitergeben, erinnern, immer wieder erinnern, jeden Tag.

Und wer jetzt sagt, so etwas darf man auf fiktive Art aber nicht, dem erwidert Mila:
„Man braucht Historiker, um über die Ereignisse zu berichten; Zeugen, die ihre persönliche Geschichte erzählen, und Schriftsteller, um zu erfinden, was für immer verschwunden ist: den Augenblick.“

Valentine Goby holt viele Augenblicke zurück, die so oder so ähnlich nicht nur in Ravensbrück stattgefunden haben. Damit wir, die Nachgeborenen, ein unmittelbareres Gefühl für die Zustände in einem KZ bekommen, damit wir das Leid der Insassen auch heute noch verspüren, es nie wieder vergessen und nicht zulassen, dass auch nur ansatzweise so etwas wieder passiert. Hier oder anderswo.

Für dieses eindrucksvolle Buch ist die Autorin mit dem Prix des Libraires 2014 und dem Annalise-Wagner-Preis 2017 ausgezeichnet worden.

Traut euch, es zu lesen.

Valentine Goby: Kinderzimmer, Übersetzung: Claudia Steinitz, ebersbach & simon, 2017, 234 Seiten, 19,95 Euro

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Kinder brauchen Tiere

schomburgKinder und Tiere gehen in den (sozialen) Medien ja bekanntlich immer. In Kombination sind sie eigentlich unschlagbar.

Drei wunderbare Kinder-Tier-Geschichten haben mich in den vergangenen Wochen bezaubert. Etwas länger harrt hier schon Chamäleon Ottilie. Es scheint fast, als habe sich das Bilderbuch von Andrea Schomburg so unsichtbar gemacht, wie deren Hauptdarstellerin … Nein, im Ernst: Andrea Schomburg erzählt von Paul und Anna Sausebier aus Bonn. Die beiden Geschwister wünschen sich sehnlichst ein Tier, aber es ist wie so oft, die Eltern sagen Nein: Tiere machen Dreck und alles kaputt, sind zu groß oder zu gefährlich. Kennt man ja, diese Bedenken.

Dabei hat sich bei Familie Sausebier schon seit einiger Zeit ganz unbemerkt das Chamäleon Ottilie eingenistet. Durch seine Mimikri-Funktion verschmilzt es mal mit dem Sofakissen, mal mit dem Teddybären, der Tapete oder dem Mantel der Tante. Bis es eines Tages zur Katastrophe kommt und das Karo-Muster von der Bettwäsche nicht mehr weggeht. Anna und Paul entdecken Ottilie sofort… Na, wenn das mal gutgeht!

Nicht nur die Wahl des Chamäleons als Haupt- und Haustier ist außergewöhnlich und eine Herausforderung für die kleinen Leser, denn sie müssen das Tierchen auf jeder Seite erst einmal ausfindig machen, auch die Reime von Andrea Schomburg sind ein weiteres Mal so famos und leicht fließend, dass es eine Freude ist, sie laut vorzulesen. Fast möchte man nach Ende der Lektüre ein Chamäleon als Haustier anschaffen!

Ein ganz anderes Haustier wird hingegen in Jan Bircks Buch Zarah & Zottel zur Rettung für die junge Heldin.
Zarah ist mit ihrer Mutter in eine neue Wohnung gezogen. Unten im Hof, wo die Kinder spielen, kennt sie noch niemanden – und niemand will mit ihr spielen.
Zarah wünscht sich dringend einen Freund, doch der ist hier erst mal nicht zu finden. Sie träumt von einem Pferd, denn sie steht auf Indianer, doch ein Pferd passt leider nicht in eine Etagenwohnung – aber vielleicht ein Pony, wenn es klein genug ist.

Am nächsten Tag macht sich Zarah zum „Laden für alles“ auf, und der patente Verkäufer weiß Rat bzw. hat ein zotteliges vierbeiniges Tier für sie. Zarah steigt auf und reitet auf Zottel nach Hause. Dass Zottel Pfoten statt Hufe hat, an der Ampel das Bein zum Pinkeln hebt und die Kinder im Hof über Zottel lachen, stört sie nicht. Zottel passt in den Aufzug und in die Wohnung. Nur leider hat Mama kein Geld, um Zottel zu bezahlen. Doch auch dieses Problem lässt sich lösen …

Mit dem Zottelponyhund zeigt Jan Birck jungen Lesenden, dass es in einer Freundschaft ganz und gar unwichtig ist, was man ist oder wo man herkommt. Zusammenhalt über die Grenzen von Anatomie oder Gattung ist wichtiger, als die genauen Definitionen von Herkunft und Abstammung. So kann ein Hund durchaus auch als Pony durchgehen, und was die Hautfarben von Menschen angeht, so sind die nicht der Rede wert, wie es Jan Birck hier ganz selbstverständlich macht. Dass ich das hier extra erwähnen muss, zeigt allerdings, dass es immer noch nicht normal und eben nicht selbstverständlich ist, dass eine Bilderbuchheldin eine dunklere Hautfarbe hat als ihre Mama und die Kinder im Hof. Von solchen Heldinnen sollte es viel mehr geben, so dass die Diversität unserer Gesellschaft in den Büchern tatsächlich ein Abbild findet.

So schön das Zusammenleben mit Tieren auch sein kann, irgendwann kommt unweigerlich der Tag, an dem die Hausgenossen sterben. Dann wird aus Freude plötzlich Trauer und man stolpert in die Trauerpfützen.

So erklärt es der Kinderarzt der kleinen Leni, deren Hund Frieda neulich gestorben ist, im Bilderbuch von Hannah-Marie Heine. Zuhause erinnert Leni vieles an Frieda, und schwupps laufen ihr schon wieder die Tränen aus den Augen und der Bauch zieht sich zusammen. Aber ganz schnell hopst Leni auch wieder aus der Trauerpfütze heraus, genießt ein Stück Zuckerkuchen von Oma und schaut in die Sterne. Von dort oben kuckt Frieda ihr vielleicht zu …

Einfühlsam zeigt Hannah-Marie Heine kleinen Tierfreundinnen, dass es ganz normal ist, dass man seinem vierbeinigen oder geflügelten Freund nachtrauert. Gefühlsschwankungen gehören zum Abschied dazu, aber nach der Trauer kommt auch die Freude wieder. Wenn man dann noch die Erinnerungen an das geliebte Tier in einen würdigen Rahmen kleidet, kann man sicher sein, dass es auch weiterhin bei einem ist.

Dass Verlust und Tod Teil unseres Lebens sind, erfahren Kinder hier durch ganz alltägliche Szenen – wunderbar lässig von Katharina Vöhringer gezeichnet –, und genau die können helfen, so schwierige Momente zu bewältigen, wenn die geliebten Tiere plötzlich nicht mehr da sind.

 

Andrea Schomburg: Neu in der Familie: Chamäleon Ottilie, Illustration: Barbara Scholz, Sauerländer, 2016, 32 Seiten, ab 4, 14,99 Euro

Jan Birck: Zarah & Zottel – Ein Pony auf vier Pfoten, Sauerländer, 2017, 64 Seiten, ab 5, 9,99 Euro

Hannah-Marie Heine: Leni und die Trauerpfützen, Illustration: Katharina Vöhringer, Kids in Balance, 2017, 40 Seiten, ab 4, 14,95 Euro

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Vom preisgekrönten Sinn und Unsinn im Leben

erlbruchDiese Woche läuft in Bologna die Kinderbuchmesse – und jeder Buchmensch, der sich mit Kinder- und Jugendbüchern beschäftigt, ist entweder dort oder beobachtet aus der Ferne die Geschehnisse.

Dieses Jahr habe ich es leider nicht in dieses Geschichten- und Illustrationsparadies geschafft und bekomme die News also nur über die Medien. Eine schöne gab es gestern: Der Illustrator und Kinderbuchautor Wolf Erlbruch ist dieses Jahr mit dem hoch geschätzten und hoch dotierten Astrid Lindgren Memorial Award (ALMA) ausgezeichnet worden. Herzlichste Glückwünsche!

Die meisten werden Erlbruch sicherlich mit dem Maulwurf verbinden, der das Dilemma auf seinem Kopf klären will, ich hingegen habe ihn durch zwei andere kleine Bücher kennengelernt.
Seine visuelle Interpretation des Goeth’schen Hexen-Einmal-Eins fasziniert mich immer wieder. So kryptisch wie die Reime des Geheimrats, die einem so sanft von der Zunge gehen und doch keinen eigentlichen Sinn ergeben, so geheimnisvoll sind auch die Collagen, die Erbruch dazugestellt hat. Mechanische Figuren, ein rauchender Seemann mit einem überlangen Boot unter dem Arm, Boxer, eine schöne Frau, eine Gänse-Fünf, der Sensenmann … es ist herrlich. Auf wenigen Seiten gibt es viel zu entdecken, und seien es die Zahlenkolonnen und die französischen Worte in den Papierschnipseln.
Und ganz ohne Sinn füllt sich der Geist des Lesers und Betrachters mit Klang und Bildern. Man fängt an zu träumen und zu staunen. Ganz leicht, ganz schön.

erlbruchDer Gans und dem Sensenmann begegnet man dann in dem Büchlein Ente, Tot und Tulpe wieder, das Erlbruch sowohl als Autor wie als Illustrator geschaffen hat. Das Zwiegespräch, das die Ente (die für mich eher wie eine Gans aussieht) hier auf wenigen Seiten mit dem Gevatter Tod führt, ist so rührend und voller Essenz, dass ich bei jeder Lektüre wieder schlucken muss. Doch ist in dieser Begegnung der beiden auch so viel Tröstliches, dass der Tod am Ende wie ein guter Freund dasteht.

Die philosophische Tiefe, mit der Erlbruch hier über die Allgegenwart des Todes, seines Dazugehörens zum Leben und dem Verschwinden der Welt nach dem Tod hier erzählt, ist meiner Ansicht nach, so auf den Punkt gebracht, dass man sich lange Abhandlungen von Philosophen durchaus schenken kann. Die Seitenhiebe des Todes auf christliche Glaubensüberzeugungen, was den Tod angeht, sprechen mir persönlich aus der Seele. So stößt er im Vorbeigehen auch noch das Nachdenken über den Unterschied zwischen Glauben und Wissen an.

In diesem Meisterwerk verliert der Tod seinen Schrecken. Die Gans hat das große Glück, sanft einzuschlafen. Denn die Grausamkeit des Sterbens bleibt ein Teil des Lebens und kommt in Form von Unfall oder schlimmem Schnupfen. Das ist dann aber eine andere Geschichte. Der Tod hingegen, der der toten Ente eine Tulpe mit auf den letzten Weg gibt, ist ein gutmütiger Geselle.

Ein besseres Trostbuch für kleine und große Menschen ist mir bis jetzt noch nicht untergekommen. Dafür sage ich Danke, Wolf Erlbruch!

Wolf Erlbruch/Johann Wolfgang von Goethe: Das Hexen-Einmal-Eins, Hanser, 2016, 32 Seiten, ab 3, 7,90 Euro

Wolf Erlbruch: Ente, Tod und Tulpe, Kunstmann, 2007, ab 4, 32 Seiten, 14,90 Euro

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Der Lebenssinn der Küchenschabe

EisnerHeute würde einer der größten Comic-Künstler und Schöpfer der Graphic Novel seinen 100. Geburtstag feiern: Will Eisner.
Das gebührend zu feiern, hat der Carlsen Verlag Eisners Meisterwerk Ein Vertrag mit Gott nun als brikettdickes Paperback neu herausgebracht.

Mir ist Eisner Mitte der 90er Jahre zum ersten Mal begegnet, als ich über italienische Fotoromane meine Dissertation schrieb und irgendwann merkte, dass die Ähnlichkeit von gezeichneten und fotografierten Bildergeschichten einfach nicht zu leugnen war. So vertiefte ich mich in Eisners theoretisches Werk Mit Bildern erzählen, das dieser Tage unter dem Titel Comics als erzählende Kunst ebenfalls bei Carlsen neu herauskommt. Für das Verständnis, wie Comics und Graphic Novels funktionieren, wie mit Panels, Schriften und natürlich der Darstellung menschlicher Regung erzählt wird, ist dieses Grundlagenwerk immer noch unabdingbar und zeitlos.

Was mir bei meiner Forschung damals einfach durchgegangen ist, war allerdings Ein Vertrag mit Gott. Ein gute Gelegenheit, das Verpasste endlich mal nachzuholen. Auf über 500 Seiten entfaltet Eisner ein Panoptikum des Lebens in der Bronx in den 20er und 30er Jahren. Er erzählt von den Bewohnern in einem Mietshaus der fiktiven Dropsie Avenue, von ihren alltäglichen Sorgen, ihren Wandlungen, von verpassten Chancen, vom Ver- und Entlieben, von der Suche nach Sinn und dem großen Geld, das letztendlich doch nicht glücklich macht. Es sind die universellen Themen des menschlichen Daseins, die Eisner in dramatisch ausgeleuchtete Panels zeichnet. Die Figuren stellt er realistisch, fast schon brutal hässlich dar. Er beschönigt nichts, sondern macht deutlich, dass das Leben kein Ponyhof ist und vor allem das Zusammenleben zwischen Männern und Frauen, Jung und Alt, Arm und Reich von Konflikten aller Art geprägt ist.

EisnerIm letzten Teil der Graphic Novel macht Eisner die Dropsie Avenue selbst zur Hauptdarstellerin und porträtiert sie von ihren Anfängen im 19. Jahrhundert, als in der Bronx noch Bauernhöfe standen und der nächste Nachbar weit entfernt auf der anderen Seite des Feldes lebte. Nach und nach werden jedoch immer mehr Häuser gebaut, Menschen aus anderen Ländern ziehen her, die Holländer legen sich mit den Engländern an, diese wiederum wollen von den Iren nichts wissen. Noch mehr Häuser entstehen, Katholiken wohnen neben Juden. Das Viertel erlebt den Aufschwung, eine U-Bahn soll gebaut werden, noch mehr Menschen ziehen her, noch mehr Nationalitäten. Die ersten fühlen sich nicht mehr wohl oder sicher, wittern den Abstieg und ziehen weg. Verfall ist die Folge. Erste Mietskasernen entstehen, Prostitution, Gewalt, Mafia breiten sich aus. Iren kämpfen gegen Italiener. Spekulanten bereichern sich. Noch mehr Mietshäuser wachsen aus dem Boden, das Gesicht der Dropsie Avenue verändert sich. Das Leben der Menschen kaum.

Dieses Porträt einer Straße – man könnte es auch Aufstieg und Fall der Dropsie Ave nennen – ist so faszinierend und zeitlos, dass man sich mit jeder Seite und mit jedem Panel an die Entwicklungen in der eigenen Stadt erinnert. Das Auf und Ab des Lebens, den Kreislauf von Geburt bis Tod bringt Eisner in so universell gültigen Bildern auf den Punkt, dass man trotz der Dramatik und den menschlichen Schicksalen sich geborgen fühlt. Denn man findet sich in diesen vielen kleinen Geschichten und Episoden wieder, fühlt sich ertappt bei seinen eigenen Vorurteilen, gerät ins Träumen, wenn man dem eigenen Elend entfliehen will, schöpft Hoffnung, dass das tatsächlich möglich ist. Man ist gerührt, wenn die Liebe sich ihren Weg durch die Backstein-Hinterhöfe bahnt, über Religions- und Nationalitätsgrenzen hinweg.

So ist Will Eisners Meisterwerk in doppelter Hinsicht eine Bereicherung: Er zeigt in seinem 1978 entstandenen Werk, was die Graphic Novel ausmacht, was sie kann, wie literarisch Bild und Text zusammenarbeiten und profunde Geschichten erzählen können. Bereit in den 30er Jahren hatte er, der Meister des Comic-Strips und des Superhelden-Comics, den Traum, das literarische Potential des Mediums unter Beweis zu stellen. Damals hat niemand auf ihn hören wollen. Erst 40 Jahr später gelang es ihm, seinen Traum zu verwirklichen.
Zudem bringt er die Condition humaine in all ihren Facetten so auf den Punkt, dass man sich auf das Abenteuer Leben noch mal so gern einlässt. Eisner zeigt wie absurd die Feindschaft zwischen den Nationen und den Religionen ist. Die menschliche Natur macht bekanntlich keine Unterschiede, wenn es um die Grundbedürfnisse des Lebens geht. Bequem eingerichtet in unseren Filterblasen vergessen wir das viel zu häufig.

Vor Will Eisner kann ich mich nach dieser großartigen Lektüre nur noch mit absoluter Hochachtung und Bewunderung verneigen!

Will Eisner: Ein Vertrag mit Gott. Mietshausgeschichten, Übersetzung: Carl Weissner, Carlsen, 2017, 528 Seiten, 19,99 Euro

Will Eisner: Comic als erzählende Kunst. Grundlagen und Prinzipien, Carlsen, 2017, 176 Seiten, 19,99 Euro

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Auf eigene Faust

lllewellyn_cover_ticktacktot_jubu_thienemann-2016Tom Llewellyn hat einen speziellen Humor. Schon sein Kinderbuch Das Haus, in dem es schräge Böden, sprechende Tiere und Wachstumspulver gibt steckt voller Absurditäten und macht großen Spaß, egal, ob man die Geschichte selber liest oder vorliest. Nun also ein Jugendbuch. Ein Thriller. Tick Tack Tot, übersetzt von Nina Scheweling. Ist der Titel ernst gemeint?

Seth Anomundy lebt mit seiner Mom Eve in einer Gegend, in der man sich nachts nicht unbedingt allein auf die Straße traut. Doch es gibt Ankerplätze: den Boxclub von ChooChoo, der mit Seths Mutter verbandelt ist und der Seth das Boxen beigebracht hat. Den Uhrenladen von Mr Nadel, bei dem sich Seth mit Botendiensten ein paar Dollars verdient. Das Shotgun Shack, in dem Miss Irene das Sagen hat und in deren Küche Seth dem Kochen fröhnt. Das Guinevere´s, wo ihm Nikki beibringt, wie man richtig guten Kaffee komponiert. Den Buchladen King´s Books mit seiner Riesenauswahl an Graphic Novels. Und selbst die Schule ist ein Ort, an dem sich Seth wohlfühlt.

Das Leben hat sich eingespielt. Eve hat vier verschiedene Putzjobs, nachts, und manchmal bricht sie tagsüber aus, kauft teure Klamotten, streitet mit Inbrunst, will das Leben spüren. Seth dagegen ist ruhig, verlässlich und wirkt ernster als andere Jugendliche in seinem Alter. Und dann steht die Polizei vor der Tür. Mom ist tot, man hat sie vor dem Boxclub in ihrem Jeep gefunden. Zunächst wird Drogenmissbrauch vermutet — was auch sonst, wenn man schwarz ist und auf dieser Seite der Stadt lebt —, dann findet man toxische Substanzen im Leichnam. War es Selbstmord? Oder Mord? Die Polizei scheint nicht allzu engagiert, also beginnt Seth, auf eigene Faust zu ermitteln.

„Fang mit dem Einfachsten an“, rät ChooChoo. So beschließt Seth als Erstes, die Schule zu schwänzen. Dann tastet er sich an die Arbeitgeber seiner Mutter heran, versucht, ihre letzten Stunden zu rekonstruieren. Er spricht mit den Gästen im Shotgun Shack — und sucht intensiv nach Miss Irene. Sie und seine Mom hatten Streit, jetzt ist Irene verschwunden, spurlos, niemand weiß etwas. Gibt es einen Zusammenhang mit Eves Tod?

Die Nachforschungen kosten Kraft. An Seths Seite ist Azura Lear (LLewellyn hat ein Händchen für Namen), eine Mitschülerin, reich und schön, eigentlich verbandelt mit Erik, doch sie interessiert sich für Seth. In dem Mädchen aus gutem Haus, zu deren Ahnen angeblich der Sekretär George Washingtons zählt, steckt mehr Power, als vermutet. Mit ihr kann Seth sprechen, sie arrangiert für ihn ein Treffen mit der Schulseelsorgerin, organisiert die Beerdigung seiner Mutter.

Das Ende der Geschichte ist überraschend und soll hier nicht verraten werden. Bis dahin wird gekämpft, es gibt Verdächtige und falsche Spuren, ein zweiter Toter wird gefunden. Es ist aber kein thrill auf ganzer Strecke, wir begleiten Seth, mitfiebern tun wir nicht, denn es gibt immer wieder Passagen, die sich vom eigentlichen Geschehen lösen. Das Ganze ist solide konstruiert und liest sich in einem Rutsch ohne literarische Finessen.
Was mich jedoch besonders überzeugt, ist das psychologische Moment. Seth, der ohne Vater aufwächst und seine Mutter aufrichtig liebt, nimmt gefangen. Er ist unglaublich sympathisch, realistisch, mutig und sensibel. Seine Beharrlichkeit, sein Netzwerk, seine Kombinationsgabe helfen ihm, den Fall zu lösen. Seine Bodenhaftung ist das beste Rüstzeug, um in (s)ein neues Leben zu starten.

Heike Brillmann-Ede

Tom Llewellyn, Tick Tack Tot, Übersetzung: Nina Scheweling, Thienemann Verlag 2016, 224 Seiten, ab 13, 12,99 Euro

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Auf den Mut

benwellBei der momentan erschütternden Nachrichtenlage auch noch ein Buch zu empfehlen, das sich mit einer echt fiesen, unheilbaren Krankheit befasst, mag nicht gerade zur Ermunterung beitragen, die wir uns alle eigentlich gerade wünschen. Trotzdem. Denn Sarah Benwell hat ein wirklich grandioses und berührendes Debüt vorgelegt.

In Es. Ist. Nicht. Fair. erzählt sie die Geschichte des 17-jährigen Japaners Sora. Der Junge lebt mit seiner Mutter in Kyoto und ist ziemlich einsam. Denn Sora hat ALS , eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems. Die Krankheit ist unheilbar, nach und nach verlieren die Betroffenen die Fähigkeit, ihre Muskel zu bewegen. So kann Sora zu Beginn des Romans schon nicht mehr laufen, bewegt sich in einem Rollstuhl fort, den er aber noch selbst antreiben kann. Doch das Kribbeln und das Zittern seiner Hände zeigt ihm, dass die Krankheit fortschreitet. Sora weiß, dass er bald sterben wird.
Da er mit dem Rollstuhl nicht mehr in seine normale Schule gehen kann (sie ist nicht barrierefrei), sitzt Sora nun zu Hause vor dem Computer und treibt sich auf einer Chatplattform herum, wo die Jugendlichen seiner Stadt über ihre alltäglichen Problemchen plaudern. Sora hat den Eindruck, wenigstens noch ein bisschen am Leben teilzuhaben.
Nach anfänglichem Zögern kommt er mit Kaito und Mai in Kontakt. Sora wagt jedoch nicht, ihnen von seiner wirklichen Situation zu erzählen. Als Soras Mutter ihn auffordert, die beiden zum Essen einzuladen, was Kaito und Mai tatsächlich annehmen, sind sie erstmal geschockt, Sora im Rollstuhl vorzufinden.
Doch die Freundschaft der drei ist bereits so stark, dass sich Kaito und Mai nicht verschrecken lassen. Immer öfter unternehmen sie etwas zu dritt – so weit es mit Sora geht. Denn sein Zustand verschlechtert sich zusehends.
Sora kommt irgendwann nicht mehr allein aus dem Bett, braucht Hilfe beim Anziehen und Essen. Sein Körper wird zu seinem Gefängnis. Im Krankenhaus, wo er regelmäßig mit einer Psychologin redet, sieht er andere Kranke, die bewegungsunfähig in ihren Betten liegen und gar nichts mehr tun können. So will Sora nicht enden. Er fasst einen Entschluss, doch er braucht Hilfe bei der Durchführung.

Sarah Benwell rührt in ihrem Erstlingswerk an den ganz großen Themen des Lebens. Unverblümt bringt sie jugendliche Leser dazu, sich mit Krankheit, Sterben und Tod auseinanderzusetzen. Krankheit und Behinderung sind in den vergangenen Jahren in vielen Büchern und Filmen behandelt worden (Das Schicksal ist ein mieser Verräter oder Ziemlich beste Freunde). Auch ALS ist im Film Hin und Weg bereits – für Erwachsene – thematisiert worden. Die Autorin nimmt in diesem Buch den Leser jedoch direkt mit in Soras Welt, denn sie lässt ihn als Ich-Erzähler von seinen Gedanken, Gefühlen, seinen Ängsten und Überlegungen berichten. Man spürt förmlich, wie es ihn schmerzt, seine Mutter leiden zu sehen. Die Sprachlosigkeit zwischen den beiden ist streckenweise ganz fürchterlich. Man spürt mehr und mehr, wie Soras Körper versagt. Wie er sich schämt, als er nicht schnell genug auf die Toilette kommt. Oder genervt ist, wenn ein übereifriger Pfleger ihm helfen will.
Durch diese enge Perspektive und das Wissen um die Aussichtslosigkeit seiner Lage wird die Entscheidung Soras, seinem Leben ein Ende zu setzen, nachvollziehbar. Mit Kaito und Mai hört man allerdings auch die anderen Stimmen, die sich zunächst gegen einen Suizid aussprechen. Doch Sora führt ihnen vor Augen, was es für ihn hieße, bis zum bitteren Ende durchzuhalten. Auch für ihn ist es eine Überwindung, doch schließlich nehmen alle drei ihren ganzen Mut zusammen und bereiten Sora ein würdevolles Lebensende. Auf diesen Mut stoßen sie an.

Dadurch, dass Benwell das Setting der Geschichte nach Japan verlegt hat, kann sie Soras Entschluss in die japanische Tradition der Samurai und des Harakiri einbetten. Selbstmord ist dort keine christliche Sünde, sondern durchaus etwas Ehrenhaftes. Sterbehilfe, das macht sie ganz klar, ist auch in Japan gesetzlich verboten. Der assistierte Selbstmord, den Sora letztendlich begeht, ist hier allerdings eine Nuance freier, als wenn er unter christlichen Vorzeichen geschehen würde. Diese „Das-ist-Sünde-das-darf-man-nicht“-Keule kann man in diesem Kontext nicht so einfach schwingen. Sein Leben freiwillig zu beenden ist immer eine sehr traurige Sache, auch daraus macht Benwell keinen Hehl, aber sie liefert hier, befreit vom christlichen Kontext, eben die Möglichkeit, genau darüber nachzudenken.

So kann man während des Lesens nämlich nie aufhören, darüber nachzudenken, was man, wäre man selbst in so einer Situation wie in der von Sora, tun würde. Oder auch wenn man von einem lieben Menschen gefragt würde zu helfen, was würde man tun?
Man kommt nicht umhin zu erkennen, dass das Leben wertvoll ist, dass man die Zeit, die man hat, gut nutzen sollte. Sora bringt Mai schließlich dazu, dass sie ihren Traum vom Zeichnen wahr macht und sich gegen ihre dominante Mutter zur Wehr setzt.
Den Leser lässt Sora sehr intensiv an seinem Schicksal teilhaben und gibt ihm dadurch unzählige Geschenke mit auf den Weg. Denn neben der Auseinandersetzung mit Sterben und Tod erscheint einem das eigenen Leben auf einmal sehr kostbar.

Benwells Es. Ist. Nicht. Fair. ist tiefgründig, vielschichtig und sehr berührend. Das ist auch der feinfühlenden Übersetzung von Ute Mihr geschuldet, die das Schwere so leicht verpackt. Die Lektüre fesselt ungemein – ich habe das Buch an einem Wochenende verschlungen – macht traurig, aber bereichert so sehr, wie ich es lange nicht erlebt habe.

Sarah Benwell: Es. Ist. Nicht. Fair., Übersetzung: Ute Mihr, Hanser Verlag, 2016, 346 Seiten, ab 14, 18 Euro

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Unantastbar

einsMenschen, die körperlich nicht den vermeintlichen Normen entsprechen, lösen oftmals ein voyeuristisches Bedürfnis bei uns allen aus. Man möchte schauen, vergleichen, sich abgrenzen, sich möglicherweise besser oder überlegen fühlen. Eine Geschichte, die solche Bedürfnisse auslösen könnte, hat jetzt die Britin Sarah Crossan vorgelegt. In Eins erzählt sie von den siamesischen Zwillingen Grace und Tippi.

In der Erwachsenen-Belletristik gibt es einige Romane zu diesem Thema, doch für Jugendliche ist es meines Erachtens das erste Buch, das sich mit der Lebenswelt von siamesischen Zwillingen befasst (korrigiert mich, wenn ich falsch liege). Crossan schildert die beiden 16-jährigen Mädchen als ziemlich normale Persönlichkeiten, obwohl sie an der Hüfte zusammengewachsen sind. Jede der beiden hat ihren eigenen Kopf, ihre eigenen Vorstellungen. Und sie haben eine Familie, die wie viele andere auch mit Problemen wie Arbeitslosigkeit, Alkohol- und Magersucht zu kämpfen hat. Jedes dieser Probleme ist an sich schon harter Tobak.

Wie schon in Crossans Werk Die Sprache des Wassers erzählt die Autorin die Geschichte in freien, also ungereimten Versen, erneut von Cordula Setsmann in geschmeidiges Deutsch gebracht. Jedes Wort bekommt durch die typografische Setzung, die die Worte manchmal kaskadenartig verschiebt, ein zusätzliches Gewicht. Und bleibt trotz der Schwere der Thematik ganz leicht.

Tippi und Grace, benannt nach Alfred Hitchcocks Lieblingsschauspielerinnen, müssen ab August eine öffentliche Schule besuchen, denn die Spendengelder bleiben aus, so dass die Schwestern nicht mehr zu Hause privat unterrichtet werden können. Natürlich werden die Mädchen in der neuen Schule angestarrt, mit unschönen Sätzen bedacht, aber sie finden auch zwei richtig gute Freunde, die den beiden einen Hauch von Normalität vermitteln.
Als dann jedoch auch die Mutter ihren Job verliert und die Familie fast schon das Haus verkaufen und fortziehen muss, treffen Tippi und Grace ein schwierige, aber lukrative Entscheidung.

Crossan gestaltet die Mädchen so liebevoll, dass sie dem Leser unweigerlich ans Herz wachsen, ihn aber auch ständig damit konfrontieren, wie es wäre, wenn man IMMER jemanden so dicht an seiner Seite hätte. Ich konnte es mir nicht vorstellen. Ich kann es mir aber auch im normalen Leben kaum vorstellen, ständig mit einem einzigen Menschen zusammen zu sein. Doch im Laufe der Lektüre entwickelt man ein Gefühl und eine gehörige Portion Verständnis für die Heldinnen. Da Grace als Ich-Erzählerin agiert, schaut man quasi hinter die Fassade, lernt die beiden von innen heraus kennen. Grace bewirkt, dass die Zwillinge nicht als Freaks angesehen werden, sondern als gleichberechtigte Menschen, deren Entscheidung, nicht getrennt werden zu wollen, man mit Respekt begegnen muss.
In diesem Moment stehen Tippi und Grace dann für alle Menschen in dieser Welt, die nicht irgendwelchen blöden Normen entsprechen, und sei es, weil sie eine zu große oder zu kleine Nase haben.

So selbstverständlich es sein sollte, dass man sein Gegenüber nicht nach einer Nanosekunde aufgrund seines Äußeren beurteilen sollte, so wichtig ist es, genau dies in Zeiten von medialem Schönheitswahn, aber auch medialer Vorverurteilung aufgrund von Herkunft, Haut-, Haar- und Augenfarbe sowie Glauben, immer und immer wieder zu betonen, durchzuspielen und in neuen Varianten wie in diesem besonderen Buch zu diskutieren. Denn wir alle vergessen viel zu oft und viel zu schnell, dass es letztendlich immer und ausschließlich um das Eine geht:

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Sarah Crossan: Eins, Übersetzung: Cordula Setsmann, mixtvision, 2016, 424 Seiten, ab 12, 16,90 Euro

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