Eine Liebeserklärung

Es gibt ja durchaus Autoren, da wartet man schon fast ungeduldig auf neue Geschichten. Finn-Ole Heinrich ist für mich so einer, für den ich alle anderen Bücher zur Seite schiebe und sofort wissen muss, was der Schöpfer von Maulina Schmitt nun wieder erdacht hat.

Dieses Mal hat er zusammen mit Dita Zipfel ein Bilderbuch herausgebracht, das kleine und große Traktoren-Fans entzücken dürfte.
In Trecker kommt mit unterhalten sich ein etwa 4-jähriges Ich mit einem erwachsenen Du über den kommenden Umzug am Wochenende vom Land in die Stadt. Dabei ist es völlig schnurzegal, welches Geschlecht Ich und Du haben. Sie liefern eine Diskussion, die es in sich hat.

Das Ich hat nämlich bereits gepackt, und zwar die einzige Sache, die es wirklich mitnehmen will: den Trecker. Sehr zum Unwillen des Du, das mit rationalen Argumenten kommt. Das Gefährt ist zu groß, zu langsam, in der Stadt zu nichts zu gebrauchen, benötigt viel zu viel Platz und überhaupt, man kann ja nicht alles haben.

Das Du hat die Rechnung allerdings ohne das Ich gemacht, dass mit liebenswert überzeugender Inbrunst alle Vorteile von Trecker aufzählt: Er kennt den Weg, beseitigt Probleme und ist der beste Kumpel überhaupt. Er ist der „Held mit Motor“ und kann natürlich noch vieles mehr.

Heinrich und Zipfel schaffen es mit wunderbar trockenem norddeutschen Humor die Vorzüge des Treckers herauszukehren, die jedem Stadtmenschen bis dato verborgen geblieben sind. Durch die rhythmisierte Sprache, die knattert und rattert, wie es nur ein Trecker kann, durch die poetischen, oft elliptisch-lakonischen Sätze wird das laute Vorlesen ganz automatisch zu einem Poetry-Slam, von dem man sich wünscht, er möge nie enden.

Die Illustrationen von Halina Kirschner flankieren dann den Text mit einem rostroten Traktor vor türkisgrünblauem Hintergrund. Dicke schwarze Linien umrahmen die Farbflächen, verleihen Trecker und seinen tierischen Freunden Charakter. Und erinnern an expressionistische Kunstwerke voller Strahlkraft.
Trecker kuckt den Betrachter dann also mit seinen großen Scheinwerfer-Augen an, als wollte er sagen: „Können diese Augen lügen?“ Nein, können sie nicht – und man ist schockverliebt in Trecker.

Und am Ende fragt sich die Stadtbewohnerin, was sie eigentlich noch in der Stadt hält, so ganz ohne Trecker. Spätestens da ahnt frau, dass hier nicht nur dem Trecker eine Liebeserklärung gemacht wird, sondern auch dem Landleben. Fast im Sinne von: Ein Leben ohne Trecker ist möglich, aber sinnlos.

Wie dieses Kunstwerk auf die lütte Zielgruppe wirkt, werde ich dann demnächst an meinem Neffen, 3, erklärtem Treckerfan, seinem Cousin, 2, einem Emsländer Bauernjungen, und deren beider Großvater, erfahrenem Treckerfahrer, ausprobieren.
Ich ahne, dass alle drei nur nicken werden und sagen: „Jau, so geiht dat.“

Finn-Ole Heinrich/Dita Zipfel: Trecker kommt mit, Illustration Halina Kirschner, mairisch verlag, 2017, 32 Seiten, ab 3, 15 Euro

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Noch mal…

Bilderbücher sind ja angeblich eine schnelle Sache. Wenige Seiten, meistens große, sehr entzückende Bilder, kaum Text. Da ist man schnell durch und kann sich gleich das nächste schnappen. Denkste. Hier gibt es nun zwei Bilderbücher, die es in sich haben und die bei jedem Lesen anders erscheinen.

So stellt der französische Illustrator Olivier Tallec die vermeintlich harmlose Frage Wie war das?, die uns im Alltag eigentlich ständig herausrutscht, wenn wir mal wieder abgelenkt, unaufmerksam oder multitaskingmäßig unterwegs waren. In Tallecs querformatigem Bilderbuch werden nun die Betrachter_innen auf jeder Doppelseite mit einer Frage konfrontiert: Wer trägt einen gelben Schal? Wovor hat Olive Angst? Wer versteckt sich unter der Bettdecke?
Neben den Fragen tummeln sich charmante Figuren, Kinder, bebrillte Langohrhasen, ein Löwe, ein Wolf, Monster, Plüschtiere mit oder ohne Kappen oder Unterhosen auf den großen Köpfen. Schon allein der Anblick dieser Gesellen ist ein Wonne.

Doch diese Fragen, diese so simplen Fragen, dürften die meisten Betrachter_innen in so manche Verlegenheit bringen. Denn immer bezieht sich die Frage auf die Seite, die man gerade umgeschlagen hat. Und wenn man zuvor nicht genau geschaut hat, steht man ganz schön auf dem Schlauch: Zähne? Hatte das Monster etwa Zähne? Ja, hatte es, man muss nur achtsam sein und alles intensiv ansehen.
Je nach Aufmerksamkeitsspanne der Kinder kann es ganz schön dauern, bis man die Lösungen so präsent hat, dass das Buch langweilig wird. Bis es so weit ist, trainieren die Lütten hier ganz spielerisch die Konzentration und das Gedächtnis.

Und selbst, wenn man immer wieder falsch liegt, so entdeckt man bei dem Vor- und Zurückblättern ständig neue Details der Rasselbande. Und hat jede Menge Spaß.

Auch im Bilderbuch der niederländischen Illustratorin Mies van Hout sollte man genau hinsehen. Hier werden die Betrachter_innen jedoch auf andere Art gefordert. So ziehen anfangs ein Junge, ein Mädchen und eine Katze los zum Spielplatz.

Auf großen aquarellierten Doppelseiten suchen sich die kleinen Helden ihren Weg durch verschiedene, wunderbar quietschbunte Labyrinthe, einen Garten, durch Baumwipfel, über einen Krokodilfluss. Und nicht immer ist der richtige Weg auf den ersten Blick zu erkennen.

Da dürfen beispielsweise die Vögel in den Nestern nicht gestört werden oder die Wege durch die Brombeeren enden in dornigen Sackgassen. Doch es gibt zumindest eine kleine Orientierung in Form von roten Pfeilen, links und rechts an den Seitenrändern, die die Richtung anzeigen.

Zunächst ist man so mit der Wegefindung und dem Ausweichen beschäftigt, dass man erst am Ende merkt, dass die Kinder auf einmal nicht mehr allein unterwegs sind. Und schon schaut man noch mal, wo die vielen Spielgefährten denn so plötzlich hergekommen sind.
Allerdings sollte man kleinen Spielplatz-Erobern keine Stifte in die Hand geben, mit denen so gern die Weg eingezeichnet werden. Denn ist die Lösung erst einmal unauslöschlich in das Bilderbuch hineingemalt, ist der Reiz fürs nächste Mal leider weg.

Rein optisch mag ich an beiden Büchern, dass die Cover mit so viel Weißraum gestaltet sind und so schon auf den ersten Blick diese Leichtigkeit vermitteln, die sich dann in ihren spielerischen Inhalten wiederfinden lässt.

Olivier Tallec: Wie war das?, Ü: Miriam Zimmer, Gerstenberg, 2017, 32 Seiten, ab 3, 9,95 Euro

Mies van Hout: Spielplatz, Aracari Verlag, 2017, 32 Seiten, ab 3, 14,90 Euro

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Kunstwerk mit Köpfchen

Neulich unterhielt ich mich sehr ernsthaft mit meiner fünfjährigen Nichte über Kopfschmerzen. Sie berichtete, dass sie eigentlich sehr genau weiß, was bei ihr Kopfschmerzen auslöst. Ich war beeindruckt. Denn das weiß ich bei mir selbst manchmal nicht.

Dass der menschliche Kopf eine geniale Angelegenheit ist und sowohl unsere Sprache, wie auch unsere Kunst beeinflusst, beweisen die Tschechen David Böhm und Ondrej Buddeus in ihrem Bilder-Sachbuch Kopf im Kopf, ins Deutsche übertragen von Doris Kouba.

In einer Mischung aus kurzen Texten und Bildern von menschlichen Köpfen in allen Formen, Farben und Arten erfährt man so allerhand, angefangen bei den Redewendungen, in denen wir alle Teile des Gesichtes – also Nase, Mund, Augen, Ohren, Lippen – für unsere Kommunikation nutzen.
Ausklappbare Seiten erzählen großformatig von den Vorgängen in unserem Gehirn, entführen ins fiktive Kopfland oder zeigen das Portfolio eines Detektivs in Sachen Phantombild. Halbe Seiten hingegen offenbaren, was hinter Masken, Tüchern, Burkas, Astronautenhelmen stecken kann. Und ganz nebenbei erfährt man die Geschichten von Phantomas oder oder El Hijo el Santo.

Zwischendrin erzählt ein auf dem Kopf stehender Comic vom Ettamogah, der in seinem riesigen Kopf all das Wasser der Erde sammelt und erst durch den Vogellippler dazu bewegt wird, es wieder freizugeben. Das ist definitiv rätselhaft, aber so ein Wonne zum Anschauen, zum Blättern und Erkunden, dass sich jede_r Betrachter_in seinen/ihren eigenen Kopf dazu machen kann.

Man findet Hinweise, wie man sich Zahlen leichter merken kann, findet gereimte (Un-)Sinnssprüche, bekommt eine Karte der Hirnarealen. Die Mischung aus physiologischen und psychologischen Fakten mit charmant witzigen Kopfbildern führt kleine Betrachterinnen ganz wunderbar an die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper heran. Und der menschlichen Sprache.

Und auch das Thema Kopfschmerz hat seinen Platz in diesem Buch. Ich werde das Buch   beim nächsten Besuch meiner Nichte zeigen, mal sehen, was sie davon hält…

Sehr zu recht ist dieses Kunstwerk für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017 in der Sparte Sachbuch nominiert.

David Böhm & Ondrej Buddeus: Kopf im Kopf, Übersetzung: Doris Kouba, Karl Rauch Verlag, 2016, 120 Seiten, ab 4, 25 Euro

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Der Kampf gegen die Grummelgrame

depressionDie Depression ist eine fiese Krankheit. Zunächst einmal für die Betroffenen, die oft ihr Leben nicht mehr bewältigen können. Doch auch für die Angehörigen ist die Depression eines geliebten Menschen eine Belastung. Für Kinder nun, die ein erkranktes Elternteil haben, ist es extrem schwierig zu verstehen, was eigentlich passiert.

So ergeht es dem fünfjährigen Jan, in dem Buch Als Mama nur noch traurig war von Anja Möbest.
Seit einiger Zeit ist seine Mama nur noch traurig, starrt auf den Boden, weint viel, vergisst, den Schokokuchen für das Kindergartenfest zu backen. Sie weiß selbst gar nicht, was eigentlich mit ihr los ist. Als sie eines Tages auch noch Papa anschreit, begreift sie, dass sie Hilfe braucht. Papa schlägt vor, dass sie zum Ritter geht.

Jan, der fürchtet, dass er schuld an Mamas Zustand ist, freut sich, dass es einen Ritter gibt, der Mama helfen kann. Natürlich ist der Ritter kein echter Ritter, sondern ein liebenswerter alter Herr mit Namen Ritter, der als Psychotherapeut arbeitet. Er erklärt Jan, dass Mamas Seele ein Loch hat, durch das die Grummelgrame von Mama Besitz ergreifen. Zusammen überlegen sie, mit welchen Zaubersprüchen sie die Grummelgrame vertreiben können …

Das ernste Thema der Depression fasst Anja Möbest in wunderbar klare, leicht verständliche Worte und Sätze. Illustratorin Barbara Korthues zeigt Jan, seine Familie, den Ritter und die Grummelgrame auf ebenso unaufgeregte und liebenswerte Art. Jans Enttäuschung und seine Wut, wenn Mama ihn nicht beachtet oder ihm nicht zuhört, ist vollkommen nachvollziehbar. Gleichzeitig vermittelt die Autorin die typischen Symptome einer Depression, also Trauer, Erschöpfung, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, so dass die Kinder von Betroffenen das Verhalten ihrer Eltern hier konkret wiederfinden können.

Wichtig ist zudem, dass Jan seine Mama mindestens einmal zum Therapeuten begleitet. Dort erfährt er vom Experten dann genauer, was mit Mama los ist und wie er ihr helfen kann. Dieser offene Umgang mit der Krankheit Depression und die deutliche Ansage, dass es Hilfe gibt, sind die große Stärke dieses Bilderbuches. Auch mit Fünfjährigen kann man nämlich sehr wohl darüber reden. Genau dies macht auch das Nachwort der Kinderpsychotherapeutin Ina Knocks deutlich. Kinder brauchen in solchen Fällen die Wahrheit. Nicht über die Krankheit zu reden oder den Kindern zu verbieten, mit anderen darüber zu reden, hilft nicht, auch wenn man meint, die Kinder schützen zu müssen.

Das mag sich unglaublich schwierig und schier unmöglich anhören, doch mit der Lektüre von Anja Möbest und Barbara Korthues Bilderbuch ist der erste Schritt zu einem Dialog gemacht. Vielleicht fällt es danach Kind und Eltern leichter, den nächsten zu machen, und trotz der fiesen Krankheit bald wieder ein fröhliches Familienleben zu führen.

Anja Möbest: Als Mama nur noch traurig war. Wenn ein Elternteil an Depression erkrankt, Illustration: Barbara Korthues, Coppenrath, 2017, 32 Seiten, ab 4, 14,95 Euro

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Auf den Punkt gebracht

Zurzeit läuft im TV ein Werbespot der Initiative „Wir zusammen“, in der sich deutsche Unternehmen für die Integration von Flüchtlingen engagieren. Im Spot gehen, angefeuert von einem Ohrwurm-Song über die Freiheit, Menschen in Berlin in Massen auf die Straßen und treffen sich vor dem Dom. Aus der Vogelperspektive erkennt man, dass die pünktchenkleinen Menschen zwei Hände bilden, die aufeinander zugehen. Eine wichtige Willkommensgeste, die hoffentlich auch jenseits der glatten Werbewelt Wirkung zeigt.

Mich erinnert dieser Spot jedes Mal an das wunderschöne Bilderbuch Punkte von Giancarlo Macrì und Carolina Zanotti. Dort treffen die reichen, spaßhabenden schwarzen Punkte auf viele hungernde weiße Punkte. Die Weißen möchten zu den Schwarzen hinüber, doch die müssen erstmal nachdenken – die schwarzen Punkte finden sich zu einer schematischen Darstellung des Parlaments zusammen –, lassen dann ein paar Weiße zu sich, werden schließlich fast überrannt, so dass kein Platz mehr auf der Seite für alle ist. Eine Lösung muss her …

Diese offensichtliche Anspielung an die immer noch herrschende Flüchtlingskrise und die ausstehenden Lösungsansätze mag auf den ersten Blick naiv und zu schlicht erscheinen, doch beim genauen Nachdenken über den Lösungsansatz – die schwarzen Punkte gehen zu den weißen und helfen ihnen – entfaltet sich ein schier revolutionäres Potential.

Das liegt vor allem in dem Satz: „Zusammen schaffen wir so viele Dinge!“ Aus der Hilfe wird ein Gemeinschaftsprojekt, das niemanden übervorteilt oder bevormundet. Ein einzelner Punkt ist nichts. Man braucht Familie, Freund_innnen und Kolleg_innen, um nützliche, lebenswichtige und spaßmachende Dinge zu schaffen. Hier geht es nicht um Gewinnmaximierung und kapitalistische Ausbeutung, die in den Köpfen von erwachsenen Betrachter_innen schnell hochploppen mögen. Hier geht es um das Grundkonzept von Hilfe und Gemeinschaftlichkeit.

Würde uns gelingen, das in der Realität umzusetzen, ohne dass irgendeiner benachteiligt, unterdrückt, ausgebeutet oder mundtot gemacht würde, ohne dass profitgierige Manager, Banker oder machthungrige Politiker alles an sich reißen würden, es wäre ein Paradies. Und zwar weltweit.

Den Punkten geht es schließlich so gut, dass sie miteinander verschmelzen und am Ende zwei schwarz-weiße Punkte Hallo sagen. Und ohne viele Worte erzählen sie von der Utopie einer Welt ohne Grenzen, in der alle Menschen wirklich gleich sind, gleiche Rechte, gleiche Pflichten haben. Neid und Missgunst wären ausgerottet, ebenso der Fremdenhass, denn in jedem steckt ein Teil des anderen. Es könnte eigentlich so einfach sein …

Kleine Betrachter_innen, die im Kindergarten oder in der Schule mit geflüchteten Kindern in Kontakt kommen, können mit diesem eindrucksvollen Bilderbuch eine erste Erklärung für den fundamentalen Wandel finden, der in unserer Gesellschaft gerade abläuft. Vielleicht öffnen sich die nächsten Generationen dann viel selbstverständlicher den anderen Menschen, die so dringend unsere Hilfe brauchen. Und finden einen Weg, dass aus diese schöne Utopie Realität wird.

Giancarlo Macrì/Carolina Zanotti: Punkte, Übersetzung: Salah Naoura, Illustration: Clara Zanotti, Gabriel, 2017, 48 Seiten, ab 4, 14,99 Euro

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Sei, was du willst

hannibalPrinz Hannibal ist anders: Er wünscht sich Reifröcke und Fächer, Lauten und Schalmeien, statt Kettenhemden, Säbeln, Pauken und Trompeten.

So beginnt das grafisch modern-minimalistisch aufgemachte Bilderbuch Prinzessin Hannibal von Melanie Laibl und Michael Roher zu einem der wichtigsten Themen im Leben: Wer bin ich? Und wer möchte ich sein?

Prinz Hannibal jedenfalls möchte Prinzessin sein und nicht Prinz. Seine Eltern haben für solchen Firlefanz keine Zeit. Also fragt Hannibal seine sieben Schwestern um Rat und bekommt die besten Tipps aus altbekannten Grimm’schen Märchen: Tellerchen schrubben, auf einer Erbse nächtigen, einen Frosch küssen, sich die Haare zum ellenlangen Zopf wachsen lassen, eben alles, was man als Märchenprinzessin so durchmachen muss.

Schließich kommt Hannibal darauf, dass in jedem Prinzen auch ein Fünkchen Prinzessin steckt, das nur entzündet werden muss. Hannibal leiht sich sieben Sachen …

Autorin Melanie Laibl und Illustrator Michael Roher bringen hier schon sehr jungen Lesern mit dem Wechsel der Geschlechterrollen in Kontakt, ohne ein großes Drama daraus zu machen oder mit Moralkeulen oder irgendwelchen Zeigefingern zu wedeln. Ihnen kommt es darauf an zu zeigen, dass, wenn man wirklich will, man nämlich genau das sein kann, was man tief im Herzen eigentlich ist. Dabei darf man sich nur nicht von gleichgültigen Eltern oder überkommenen Märchen und überholten Regeln, die die Gesellschaft einem auftischt, in die Irre führen bzw. entmutigen lassen.
Sicher brauchen Kinder Märchen. Hier finden sie die sieben Klassiker, was einen gewissen Wiedererkennungseffekt und Spaß an der Erinnerung an diese Geschichten erzeugt. Kinder brauchen die Märchen aber auch, um diese zu überwinden, sie hinter sich zu lassen, um zu erkennen, dass sie nichts mit dem eigenen Leben gemein haben. Sie können Anregung sein, um zum eigenen Ziel zu kommen. Doch das Umdenken, den Umbruch, den Wandel im echten Leben nehmen sie einem nicht ab.

Dieses edle Bilderbuch ist grafisch ein Hinkucker, eine Mischung aus Collage, Malerei und Zeichnung (wenn ich das recht erkenne, verbessert mich, wenn ich falsch liege…). Hier sollte man wirklich auf die Details achten, um auch den Batman zu entdecken.
Für kleine Kinder vielleicht eine künstlerische Überforderung, doch in Kombination mit der Geschichte ein guter Anstoß, sich schon früh über seine (geschlechtliche) Identität Gedanken zu machen.

Melanie Laibl/Michael Roher: Prinzessin Hannibal, luftschacht, 2017, 32 Seiten, 22 Euro

Kinder brauchen Monster

monsterMein Neffe, 3, geht nirgendwohin ohne sein Monster. Das ist ein mittlerweile ziemlich verschlissenes Plüschgebilde, das wohl bald das Zeitliche segnet.

Neulich jedenfalls fand er bei mir das Pappbuch Monstermampf von Tobias Krejtschi. Keine Frage, dass es von vorn bis hinten gründlich unter die Lupe genommen wurde. Denn hier essen das Quadrat-Monster, das Kreis-Monster, das Dreieck-Monster und noch ein paar andere Monstergesellen nur speziell geformte Speisen. Auf dem Teller liegen jedoch verschiedenste Leckereien – der kleine Leser muss zuordnen, was das Monster wohl verdrückt.
Wie bei vielen Pappen heute üblich, lassen sich dann die Monsterbäuche aufklappen, sodass kontrolliert werden kann, ob man dem Monster auch das Richtige zu fressen angeboten hat. Das Erkennen von ganz einfachen Formen, bis hin zu etwas komplizierteren wie Halbmonden oder Herzen, funktioniert mit diesen roten Monstern ganz hervorragend.

Mein Herr Neffe jedenfalls war eifrig dabei und hatte nach ein paar Runden den Dreh raus. Und freute sich über die Wendung, die es beim Wurst-Monster zum Abschluss gab.

Dmonsterass Monster, oder auch T-Rex-Dinos, nicht immer das fressen wollen, was angeblich ihrer Natur entspricht, thematisiert hingegen das quietschbunte Bilderbuch T-Veg von Smriti Prasadam-Halls.
T-Rex Theobald hat keine Lust auf Fleisch, sondern steht viel eher auf Karotten-Torte, Blattspinat, Brokkoli, Mango, Pastinaken und Lauch. Theo ist mit anderen Worten ein ausgemachter Vegetarier. Das kommt bei der T-Rex-Sippe natürlich nicht gut an, die Eltern wundern sich, die anderen T-Rexe behaupten, Theo könne ja gar nicht mit ihnen mithalten, wenn er kein Fleisch esse. Irgendwann hat Theo die Schnauze voll und macht sich auf zu den Pflanzenfressern. Doch die rennen schreiend vor ihm weg… Ein echtes Dilemma, das aber schließlich ein harmonisches Ende findet.

Das Besondere an T-Veg ist der locker gereimte Text. Übersetzerin Kathrin Köller hat für Theos kulinarische Vorlieben ganz wunderbare Reime gefunden, die sich beschwingt vorlesen lassen und Theo zu einem überaus liebenswerten Helden machen.

Ob die Leser von Theobalds Geschichte nun zu Vegetarieren werden, wage ich zwar zu bezweifeln, aber auch über solch Essensvorlieben kann man kleine Menschen bereits für Toleranz gegenüber anderen sensibilisieren. Denn ob es später das Essen oder der Musikgeschmack ist, der bei anderen eben anders ist, ist eigentlich egal, Hauptsache, man hat sich lieb und akzeptiert den anderen, so wie er is(s)t.

monster

Ganz ohne Worte kommt schließlich Alice Hoogstad in ihrem Das kunterbunte Monsterbuch aus. Hier begleitet man ein kleines Mädchen, das in einer schwarzweißen Stadt anfängt, die Straße und die Häuser bunt zu bemalen.

Auf ein rotes Herz folgt ein feuriggelbroter Drache, dann ein sechsäugiger Lindwurm. Mit jeder Seite bringt die Künstlerin mehr Farbe in die Stadt – und die Monster erwachen zum Leben. Hand in Hand ziehen sie durch die Straßen, zum Erstaunen der Bewohner. Zwei weitere Kinder helfen dem Mädchen beim Malen.

Die Städter finden die bunten Gesellen so gar nicht passend und rüsten mit Wasserschlauch und Besen gegen sie. Doch die Monster greifen selbst zur Farbe, und plötzlich ist die ganze Stadt ein Farbenmeer.

Das passt den Spießern natürlich nicht, und so müssen die Kinder alles wieder sauber machen. Der Regen wäschst schließlich noch die letzten Farben davon…

Auf den wimmelartig gestalteten Doppelseiten gibt es in den Winkeln, Gassen und Häusern einiges zu entdecken. Die bunten Monster, die sich nicht in schwarze Umrandungen pressen lassen, übernehmen nach und nach das Geschehen und wirken dabei so anregend, dass vermutlich kein Kind die Finger wird still halten können. Die Seiten laden geradezu dazu ein, selbst zum Buntstift zu greifen und Farbe in die Stadt zu bringen.
Eine schönere Aufforderung, mit Farben zu arbeiten, sich nicht von irgendwelchen Spießern abhalten zu lassen, Kunst zu machen, gibt es, glaube ich, kaum. Und wenn das Monsterbuch am Ende dann wirklich kunterbunt ist, ist es vermutlich das schönste Kompliment für die Autorin.

Smriti Prasadam-Halls: T-Veg. Der fürchterliche Früchte-Fresser, Übersetzung: Kathrin Köller, Illustration: Katherina Manolessou, Prestel, 2017, 32 Seiten, ab 3, 12,99 Euro

Alice Hoogstad: Das kunterbunte Monsterbuch, Aracari, 2017, 32 Seiten, ab 3, 14,90 Euro

Tobias Krejtschi: Monstermampf, minedition, 2017, 22 Seiten, ab 2, 11,95 Euro

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Kinder brauchen Tiere

schomburgKinder und Tiere gehen in den (sozialen) Medien ja bekanntlich immer. In Kombination sind sie eigentlich unschlagbar.

Drei wunderbare Kinder-Tier-Geschichten haben mich in den vergangenen Wochen bezaubert. Etwas länger harrt hier schon Chamäleon Ottilie. Es scheint fast, als habe sich das Bilderbuch von Andrea Schomburg so unsichtbar gemacht, wie deren Hauptdarstellerin … Nein, im Ernst: Andrea Schomburg erzählt von Paul und Anna Sausebier aus Bonn. Die beiden Geschwister wünschen sich sehnlichst ein Tier, aber es ist wie so oft, die Eltern sagen Nein: Tiere machen Dreck und alles kaputt, sind zu groß oder zu gefährlich. Kennt man ja, diese Bedenken.

Dabei hat sich bei Familie Sausebier schon seit einiger Zeit ganz unbemerkt das Chamäleon Ottilie eingenistet. Durch seine Mimikri-Funktion verschmilzt es mal mit dem Sofakissen, mal mit dem Teddybären, der Tapete oder dem Mantel der Tante. Bis es eines Tages zur Katastrophe kommt und das Karo-Muster von der Bettwäsche nicht mehr weggeht. Anna und Paul entdecken Ottilie sofort… Na, wenn das mal gutgeht!

Nicht nur die Wahl des Chamäleons als Haupt- und Haustier ist außergewöhnlich und eine Herausforderung für die kleinen Leser, denn sie müssen das Tierchen auf jeder Seite erst einmal ausfindig machen, auch die Reime von Andrea Schomburg sind ein weiteres Mal so famos und leicht fließend, dass es eine Freude ist, sie laut vorzulesen. Fast möchte man nach Ende der Lektüre ein Chamäleon als Haustier anschaffen!

Ein ganz anderes Haustier wird hingegen in Jan Bircks Buch Zarah & Zottel zur Rettung für die junge Heldin.
Zarah ist mit ihrer Mutter in eine neue Wohnung gezogen. Unten im Hof, wo die Kinder spielen, kennt sie noch niemanden – und niemand will mit ihr spielen.
Zarah wünscht sich dringend einen Freund, doch der ist hier erst mal nicht zu finden. Sie träumt von einem Pferd, denn sie steht auf Indianer, doch ein Pferd passt leider nicht in eine Etagenwohnung – aber vielleicht ein Pony, wenn es klein genug ist.

Am nächsten Tag macht sich Zarah zum „Laden für alles“ auf, und der patente Verkäufer weiß Rat bzw. hat ein zotteliges vierbeiniges Tier für sie. Zarah steigt auf und reitet auf Zottel nach Hause. Dass Zottel Pfoten statt Hufe hat, an der Ampel das Bein zum Pinkeln hebt und die Kinder im Hof über Zottel lachen, stört sie nicht. Zottel passt in den Aufzug und in die Wohnung. Nur leider hat Mama kein Geld, um Zottel zu bezahlen. Doch auch dieses Problem lässt sich lösen …

Mit dem Zottelponyhund zeigt Jan Birck jungen Lesenden, dass es in einer Freundschaft ganz und gar unwichtig ist, was man ist oder wo man herkommt. Zusammenhalt über die Grenzen von Anatomie oder Gattung ist wichtiger, als die genauen Definitionen von Herkunft und Abstammung. So kann ein Hund durchaus auch als Pony durchgehen, und was die Hautfarben von Menschen angeht, so sind die nicht der Rede wert, wie es Jan Birck hier ganz selbstverständlich macht. Dass ich das hier extra erwähnen muss, zeigt allerdings, dass es immer noch nicht normal und eben nicht selbstverständlich ist, dass eine Bilderbuchheldin eine dunklere Hautfarbe hat als ihre Mama und die Kinder im Hof. Von solchen Heldinnen sollte es viel mehr geben, so dass die Diversität unserer Gesellschaft in den Büchern tatsächlich ein Abbild findet.

So schön das Zusammenleben mit Tieren auch sein kann, irgendwann kommt unweigerlich der Tag, an dem die Hausgenossen sterben. Dann wird aus Freude plötzlich Trauer und man stolpert in die Trauerpfützen.

So erklärt es der Kinderarzt der kleinen Leni, deren Hund Frieda neulich gestorben ist, im Bilderbuch von Hannah-Marie Heine. Zuhause erinnert Leni vieles an Frieda, und schwupps laufen ihr schon wieder die Tränen aus den Augen und der Bauch zieht sich zusammen. Aber ganz schnell hopst Leni auch wieder aus der Trauerpfütze heraus, genießt ein Stück Zuckerkuchen von Oma und schaut in die Sterne. Von dort oben kuckt Frieda ihr vielleicht zu …

Einfühlsam zeigt Hannah-Marie Heine kleinen Tierfreundinnen, dass es ganz normal ist, dass man seinem vierbeinigen oder geflügelten Freund nachtrauert. Gefühlsschwankungen gehören zum Abschied dazu, aber nach der Trauer kommt auch die Freude wieder. Wenn man dann noch die Erinnerungen an das geliebte Tier in einen würdigen Rahmen kleidet, kann man sicher sein, dass es auch weiterhin bei einem ist.

Dass Verlust und Tod Teil unseres Lebens sind, erfahren Kinder hier durch ganz alltägliche Szenen – wunderbar lässig von Katharina Vöhringer gezeichnet –, und genau die können helfen, so schwierige Momente zu bewältigen, wenn die geliebten Tiere plötzlich nicht mehr da sind.

 

Andrea Schomburg: Neu in der Familie: Chamäleon Ottilie, Illustration: Barbara Scholz, Sauerländer, 2016, 32 Seiten, ab 4, 14,99 Euro

Jan Birck: Zarah & Zottel – Ein Pony auf vier Pfoten, Sauerländer, 2017, 64 Seiten, ab 5, 9,99 Euro

Hannah-Marie Heine: Leni und die Trauerpfützen, Illustration: Katharina Vöhringer, Kids in Balance, 2017, 40 Seiten, ab 4, 14,95 Euro

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Fuchs, du zeigst ganz unverhohlen

Wolf Erlbruch ist wirklich ein Schöpfer wundervoller Kinderbücher mit einer einzigartigen, unverwechselbaren Bildsprache. Sein bekanntestes Werk, das mit dem Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat, ist gar nicht repräsentativ für seinen Stil. Kunstwerke wie Nachts, Ente, Tod und Tulpe oder Die große Frage sind sowohl optisch als auch thematisch reizvoller und brillanter, besonders, wenn man sich weniger für den Kacka-Komplex und mehr für eben große Fragen interessiert.

Der Wuppertaler Illustrator Erlbruch dominiert hierzulande, neben dem in England lebenden Axel Scheffler, die Bilderbuchszene.
Und doch gibt es auch neue, exzellente Illustratoren, von denen man sich noch viele Bilderbücher mehr wünscht. Mit einiger Verspätung habe ich jetzt die Berlinerin Nele Brönner entdeckt. Ihr Debüt Affenfalle ist im österreichischen Luftschacht Verlag erschienen und wurde auch gleich mit dem Serafina Illustrationspreis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet.

Affenfalle kommt wie der Held des Buchs auf leisen, weichen Pfoten daher. Die Flächen gestrichelt, weit und in Fahlgelb wie die ausgetrocknete Steppe, in der die Geschichte spielt. Nur der schmale, junge Fuchs sticht mit seinem kräftig roten Fell hervor. Anfangs ist er nur ein kleiner Farbfleck, der sich durch ein großes Fast-Nichts bewegt, man fühlt die flirrende Hitze und seinen schrecklichen Durst.

Auf der Suche nach Wasser begegnet der Fuchs anderen Tieren, die auf unterschiedliche Art ihren Durst stillen: Erdferkel laben sich an stacheligen Nara-Melonen, die Gazelle wandert auf ihren langen Beinen zwei Tage bis in die Berge, Chamäleon und Käfer kommen mit einem Tropfen pro Tag aus. Zwischen Fuchs und anderen Steppenbewohnern entspinnen sich kurze, kuriose und interessante Dialoge, schön ist das wiederholte, abschließende „Hm“, das die beiderseitige Ratlosigkeit, wie der Fuchs seinen Durst stillen kann, elegant auf den Punkt bringt. So überzeugt Nele Brönners Affenfalle auch sprachlich.
Schließlich kommen wir zu den namensgebenden Affen und der Falle, in die die Tiere nur wegen ihrer Gier und ihres Geizes reinfallen.

Schlaue Füchse finden sich oft Fabeln und machen auf Missstände im Zusammenleben aufmerksam. Dieses faszinierende Bilderbuch nun führt eben diese zwei schlimmen Geißeln der Menschheit vor: Die Gier als den Motor des menschenverachtenden, grenzenlosen Kapitalismus. Und den Geiz, der noch nie geil war. Es sind Verbrechen der Menschheit gegen sich selbst, verantwortlich für Armut, Hunger, Krieg, Flucht und Klimakatastrophen.

Mit Grips und Geduld schlägt der fast schon dem Tode geweihte Fuchs die Affen mit ihren eigenen Waffen und triumphiert schließlich ebenso stilvoll wie spektakulär, ganz ohne Gedöns. Und das beschreibt dieses brillantes Buch sehr treffend.
Möge es nicht ein einzelnes Kleinod bleiben. Denn Nele Brönner ist eine würdige Nachfolgerin des großen Wolf Erlbruch.

Elke von Berkholz

Nele Brönner: Affenfalle, Luftschacht Verlag, 2015, 32 Seiten, ab 4, 21,30 Euro

Vom preisgekrönten Sinn und Unsinn im Leben

erlbruchDiese Woche läuft in Bologna die Kinderbuchmesse – und jeder Buchmensch, der sich mit Kinder- und Jugendbüchern beschäftigt, ist entweder dort oder beobachtet aus der Ferne die Geschehnisse.

Dieses Jahr habe ich es leider nicht in dieses Geschichten- und Illustrationsparadies geschafft und bekomme die News also nur über die Medien. Eine schöne gab es gestern: Der Illustrator und Kinderbuchautor Wolf Erlbruch ist dieses Jahr mit dem hoch geschätzten und hoch dotierten Astrid Lindgren Memorial Award (ALMA) ausgezeichnet worden. Herzlichste Glückwünsche!

Die meisten werden Erlbruch sicherlich mit dem Maulwurf verbinden, der das Dilemma auf seinem Kopf klären will, ich hingegen habe ihn durch zwei andere kleine Bücher kennengelernt.
Seine visuelle Interpretation des Goeth’schen Hexen-Einmal-Eins fasziniert mich immer wieder. So kryptisch wie die Reime des Geheimrats, die einem so sanft von der Zunge gehen und doch keinen eigentlichen Sinn ergeben, so geheimnisvoll sind auch die Collagen, die Erbruch dazugestellt hat. Mechanische Figuren, ein rauchender Seemann mit einem überlangen Boot unter dem Arm, Boxer, eine schöne Frau, eine Gänse-Fünf, der Sensenmann … es ist herrlich. Auf wenigen Seiten gibt es viel zu entdecken, und seien es die Zahlenkolonnen und die französischen Worte in den Papierschnipseln.
Und ganz ohne Sinn füllt sich der Geist des Lesers und Betrachters mit Klang und Bildern. Man fängt an zu träumen und zu staunen. Ganz leicht, ganz schön.

erlbruchDer Gans und dem Sensenmann begegnet man dann in dem Büchlein Ente, Tot und Tulpe wieder, das Erlbruch sowohl als Autor wie als Illustrator geschaffen hat. Das Zwiegespräch, das die Ente (die für mich eher wie eine Gans aussieht) hier auf wenigen Seiten mit dem Gevatter Tod führt, ist so rührend und voller Essenz, dass ich bei jeder Lektüre wieder schlucken muss. Doch ist in dieser Begegnung der beiden auch so viel Tröstliches, dass der Tod am Ende wie ein guter Freund dasteht.

Die philosophische Tiefe, mit der Erlbruch hier über die Allgegenwart des Todes, seines Dazugehörens zum Leben und dem Verschwinden der Welt nach dem Tod hier erzählt, ist meiner Ansicht nach, so auf den Punkt gebracht, dass man sich lange Abhandlungen von Philosophen durchaus schenken kann. Die Seitenhiebe des Todes auf christliche Glaubensüberzeugungen, was den Tod angeht, sprechen mir persönlich aus der Seele. So stößt er im Vorbeigehen auch noch das Nachdenken über den Unterschied zwischen Glauben und Wissen an.

In diesem Meisterwerk verliert der Tod seinen Schrecken. Die Gans hat das große Glück, sanft einzuschlafen. Denn die Grausamkeit des Sterbens bleibt ein Teil des Lebens und kommt in Form von Unfall oder schlimmem Schnupfen. Das ist dann aber eine andere Geschichte. Der Tod hingegen, der der toten Ente eine Tulpe mit auf den letzten Weg gibt, ist ein gutmütiger Geselle.

Ein besseres Trostbuch für kleine und große Menschen ist mir bis jetzt noch nicht untergekommen. Dafür sage ich Danke, Wolf Erlbruch!

Wolf Erlbruch/Johann Wolfgang von Goethe: Das Hexen-Einmal-Eins, Hanser, 2016, 32 Seiten, ab 3, 7,90 Euro

Wolf Erlbruch: Ente, Tod und Tulpe, Kunstmann, 2007, ab 4, 32 Seiten, 14,90 Euro

Wenn Worte heilen

krankKrank zu sein, das wünscht sich niemand. Die Stimme krächzt, der Kopf schmerzt, die Nase trieft, in den Ohren pocht es fürchterlich. Und manchmal ist es kein Schnupfen, der quält, sondern ein Stolperer, und, schwupps, ist die Beule da.

Aber halt, Hilfe wartet gleich um die Ecke. Da gibt es nämlich eine beeindruckende Schar eifriger Profis. Die Igelgroßfamilie ist in Sachen Gesundheit auf dem neuesten Stand.
Verbände und Massage, Hustensaft und heißer Tee, Wärmflasche und Eisbeutel. Der Erste-Hilfe-Koffer ist stets gepackt und los geht´s zu den Patienten über Stock und Stein. Kein Weg ist zu weit, ob über Land oder zu Wasser. Und auch wenn jeder Einzelne glaubt, ihn habe es am schwersten getroffen, die Igeldoktoren wissen es besser: „Es geht noch schlimmer!“ Treffen kann es jeden: Hund und Katz, Esel und Kuh, Maus und Maulwurf, Ziege und Schaf, Frosch und Ente. Ja, selbst das arme Schweinchen fühlt sich gebeutelt.

Sicher, Pflaster oder Gips nehmen den ersten Schmerz. Doch die Igelei weiß ganz genau: Nichts geht über ganzheitliche Medizin! Ein liebes Wort, ein leichtes Streicheln, das ist mindestens so wichtig. So werden aus lädierten Kranken fix fidele Zeitgenossen, die gemeinsam ein Riesenfest schmeißen.

Regina Schwarz und Michael Schober bereichern die Bilderbuchszene seit vielen Jahren, es ist ein Genuss, die beiden als Team zu erleben. Sollte jemand wider Erwarten Das verrückte Schimpfwörter-ABC noch nicht kennen (nur als Beispiel), dem sei es an dieser Stelle herzlich anempfohlen!

SIE dichtet quicklebendig und schöpft behände aus einem lautmalerischen Wortschatz, der schon die Jüngsten anspricht. Schnell ist der Reim erfasst, flugs sprechen alle die kurzen Texte im Chor. — ER, der Bildkünstler, trifft den richtigen Ton, ob beim Layout oder Heldenporträt. Wie im Text so lebt auch die Illustration von Konzentration und öffnet damit umso mehr Möglichkeiten zur Identifikation. Wir werden Teil der Geschichte.

Ach ja, am Ende dieses gelungenen Bilderbuchs erwartet uns alle noch ein wunderbares Extra. Ein Tröstometer! Auf seiner Skala kann sich der junge Patient (und bestimmt auch der etwas ältere) von ein bisschen Trost bis ganz viel wünschen. Seht selbst, wann ein Knuddeln, ein gemeinsames Lied oder eine Vorleseauszeit die größte Chance auf Gesundung verheißt!

Heike Brillmann-Ede

PS: Da bei aller Kunst die Lektorate oft ein wenig kurz kommen, sei an dieser Stelle und ganz ausdrücklich der kreativen Esslinger-Spezialfrau Sabine Frankholz ein großes Lob ausgesprochen!

Regina Schwarz: Schlimmer geht immer!, Illustration Michael Schober, Esslinger, 2017, 32 Seiten, ab 3, 13,99 Euro

Das beste Schlafmittel überhaupt

einschlafenWenn ich sehe, wie schwer es meinem Neffen, 3, fällt einzuschlafen, tut es mir immer irgendwie in der Seele weh. Diese unbändige Lust, den Tag auszudehnen, obwohl die Stimmung im Keller ist, die Kräfte erschöpft sind und die Augen kaum noch offen bleiben. Doch der kleine Herr will partout nicht ins Bett. Eltern kennen das.

Rituale sollen ja helfen. Ich werde meinem Neffen demnächst mal dieses Bilderbuch von Chris Haughton vorlesen – falls ich nicht dabei einschlafe. Denn hier wird viel gegähnt und das ist ja bekanntlich ansteckend. In diesem montessorisch-knallbunten Werk geht die Sonne über dem Wald unter und alle Tiere sind müde, die Mäuse, die Hasen, die Rehe und selbst der große Bär gähnt.
Nur der kleine Bär ist noch nicht müde. Gar nicht. Er will noch ne Runde spielen und fragt also mal bei seinen Freunden, den Mäusen, den Hasen, den Rehen. Nichts zu machen, alle sind zu müde. Und so eine Suche nach Spielkameraden macht ziemlich müde, stellt der kleine Bär fest und gähnt.

Die Pointe ist klar. Alles schläft. Und als Vorlesende hat man  – wie schon angedeutet – unglaublich Mühe, nicht selbst zu gähnen und sich zum Kind ins Bett zu kuscheln und eine Runde zu schlafen.
Dieses eigentlich einfach Konzept, gähnende und schlafende Tiere zu zeigen, funktioniert. Durch die beständige Wiederholung von Gähnen und Schlafen dürfte eigentlich kein Auge offen bleiben.

Farblich und künstlerisch ist Haughtons Gute Nacht allerseits ein Knaller. Pink, Fuchsia, Zitronengelb, Frühlingsgrün treffen mit dunkelblauen Tieren zusammen und sind ein Augenschmaus. Die etwas grob ausgeschnittenen Figuren mit den schlafenden Augen mag man sofort. Sie erinnern ein bisschen an Frederick von Leo Lionni, sind eine wunderbare Hommage an die schlaue Maus. Auch an Eric Carles Kleine Raupe Nimmersatt gibt es eine Andeutung, in Form von geviertelten Seiten, die mit jedem Umblättern breiter werden.

Ich jedenfalls habe mich bereits beim ersten Lesen in den kleinen Bären verliebt und werde diesen Schatz auf meinem Nachttisch deponieren – falls mein Neffe ihn wieder hergibt.

Chris Haughton: Gute Nacht allerseits, Übersetzung: Stephanie Menge, Sauerländer, 2017, 32 Seiten, ab 3, 14,99 Euro

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Es gibt kein schlechtes Wetter …

regenWow! Schon der Umschlag ist eine Augenweide. Man hört den Regen förmlich platschen und fühlt jeden einzelnen Tropfen, streichen die Finger zart über das Coverbild. Eine kleine Ente schwimmt munter in einem Pfützensee, und auf den Stufen vor dem Haus sitzt ein kleiner Junge. Mit rot gepunktetem Schirm und Unternehmungslust im Blick. Was hat er vor?

Der Blick ins Haus macht deutlich: Der Junge und sein Opa verbringen den Tag zwar unter demselben Dach, aber nicht gemeinsam. Während der Opa schwer beschäftigt ist, viel Papier zu beschriften, schaut der Enkel abwechselnd durchs Fenster in die Welt und dann wieder in seine Bilderbücher. Draußen herrscht Dauerregen, drinnen Langeweile. Ganz kribbelig vor lauter Nichtstun versucht der Junge alles, um Opa vor die Tür zu locken. Regen ist so toll!! Mit der Zunge kann man Tropfen auffangen, in Pfützen hüpfen und sich darin spiegeln. Oder so tun, als würde man auf dem weiten Meer segeln, Seeungeheuer bekämpfen und in die „schwimmende Stadt“ reisen, die der Junge aus seinen Büchern kennt. Doch egal, was er vorschlägt, Opa sagt, erst müsse der Regen aufhören. So ist die Nase fast plattgedrückt, als es unverhofft heißt: „Beeilung! Los — wir müssen dringend zur Post!“

Und das Wetter ist Opa plötzlich piepegal. Rein in die hohen Gummistiefel und die knallblauen Jacken, die an Kapitänsuniformen erinnern. Die Reise kann beginnen! Und das Ziel? Venedig, die Gondeln, das bunte Treiben der Masken im Karneval …

Sam Usher, dessen Helden wir bereits aus Mein Schneetag kennen, begeistert erneut mit einer lebensechten Geschichte und mit seinem temperamentvollen jungen Ich-Erzähler. Greifbar und verständlich erzählt Usher von den unterschiedlichen Wünschen, Wahrnehmungen und Geschwindigkeiten bei Jung und Alt. Ihr Zwiegespräch in Mimik und Wort zieht rein ins Bild und lässt uns in die eine wie die andere Rolle schlüpfen. Großflächige Illustrationen wechseln sich ab mit kleinen Szenerien, die die grenzenlose Fantasie des einen und die konzentrierte Beschäftigung des anderen spiegeln. Und dann diese Doppelseiten mit spritzendem Regen vor grau changierenden Hintergrund, rot-blau-orangen Spiegelungen und vereinzelten, schirmbewehrten Passanten! Unsere Empathie wächst, je öfter wir die schemenhafte Gestalt des Jungen hinter dem Fenster entdecken. Und auf einmal reißt der Himmel ein wenig auf, und eine Gondel schiebt sich vorsichtig ins Bild.

Sam Ushers leichter, farbenfroh-heiterer Strich lässt an Quentin Blake denken (und die Physiognomie des Großvaters erst recht). Und tatsächlich gehören Blake, aber auch Hergé, Sempé, Ronald Searle und Emma Chichester Clark zu Ushers Vorbildern. Dieser junge Illustrator macht eindeutig Lust auf weitere Bild-Text-Kreationen und auf Enkel-Großvater-Geschichten, über die er derzeit nachdenkt. Gerne auch in deutscher Übertragung von Meike Blatnik mit ihrem feinen Gespür für Tonalität.

Übrigens: Sam Usher ist mit Regen gerade für die Kate Greenaway Medaille 2017 nominiert worden, die britische Auszeichnung für herausragende Illustration.

Heike Brillmann-Ede

Sam Usher: Regen, Übersetzung: Meike Blatnik, Annette Betz, 2017, 32 Seiten, ab 4 (und jedes Alter!), 14,95 Euro

Frechheit siegt

hexenfeeGut, hier muss ich von vornherein zugeben, dass ich parteiisch bin. Denn seit ich vor anderthalb Jahren das Bilderbuch Der goldene Käfig von Anna Castagnoli mit den Illustrationen von Carll Cneut übersetzt habe, bin ich in die Bilderwelten des Belgiers verliebt.

Nun hat Cneut die Geschichte der Hexenfee, aus der Feder von Brigitte Minne und frech neuübersetzt von Rolf Erdorf, ein weiteres Mal illustriert. Eine erste Version ist in Belgien bereits 1999 erschienen, 2006 von Mirjam Pressler ins Deutsche übersetzt und hier mittlerweile vergriffen.

Die Hexenfee erzählt von dem Feenmädchen Rosmarinchen, die so gar keine Lust hat, lieb und ordentlich zu sein, wie es sich für ein Fee gehört. Den Zauberstab, den sie zum Geburtstag bekommt, findet sie doof. Rollschuhe hätte sie lieber und überhaupt wäre sie viel lieber eine Hexe. Die dürfen sich schmutzig machen und mit einem Boot über den Bach fahren.
Keine der Feen kann Rosmarinchen überzeugen, dass Hexen gemeine Biester sind. Die kleine Fee zieht in den Hexenwald, und dort erfüllen sich ihre Wünsche vom Rollschuhlaufen und Boot fahren. Und das Fliegen auf einem Besen lernt sie auch noch.
Doch Rosmarinchens Mama vermisst die Tochter und folgt ihr in den Hexenwald. Und lernt Erstaunliches.

Minne zeigt mit dem Märchen Hexenfee, dass man im Leben nicht immer das eine oder das andere sein muss, sondern mehreres in sich vereinen kann. Sie zeigt, dass Mädchen nicht immer die brave Fee sein müssen, sondern dass die Frechheit der Hexen Spaß machen, das Leben bereichern und auch Eltern zum Umdenken bringen kann. Hier wird den Mädchen, die auch heute noch viel zu oft in überkommene Rollenklischees gepresst werden, der Rücken gestärkt, sich gegen elterliche Vorgaben aufzulehnen, wenn sie in sich den Wunsch nach etwas anderem verspüren.

Der Illustrator Cneut zeigt die Feenmädchen zunächst in einem altrosa Luftschloss, mit den typischen cneutschen Spitzhüten, auch diese in diversen Rosa-Tönen. Im Kontrast dazu entwirft er einen tiefschwarzen Hexenwald und düstere Hexenhüte. Doch für Rosmarinchen geht genau zwischen den schwarzen Blättern ihr Traum in Erfüllung, in Form eines schier unendlich roten Blumenmeers.
Und mit jeder Seite wird der dunkle Wald auf den mysteriösen Bildern immer lichter, Rosmarinchens Mama gesellt sich zur rebellischen Tochter, die Hexen stellen sich als nette Gesellen heraus, und die Welten von Feen und Hexen vermischen sich. Als Hexenfee lebt Rosmarinchen nun in beiden und ist glücklich. Ihr Mut, ihre bekannte Welt zugunsten des unbekannten Waldes aufzugeben, wird zum großen Vorbild, dem die kleinen Leserinnen möglicherweise gern folgen.

Die Illustrationen von Carll Cneut sind – wie in Der goldene Käfig – großartige Kunstwerke, an denen man sich nicht satt sehen kann, deren Tiefe man sich erst nach wiederholtem Betrachten erschließt, über die man trotzdem rätseln kann: Was sollen die vielen spitznasigen und spitzhütigen Köpfe, die oftmals wie Männer aussehen, aber doch auch Frauen sein sollen, dem Betrachter sagen? Jede_r Betrachter_in wird ihre/seine eigenen Schlüsse daraus ziehen.
Rosmarinchen in ihren roten Kniestrümpfen und dem altrosa Kleid, in dessen Farbe sich schon das Schwarz des Hexenwaldes mischt, denn es ist kein reines Rosa und erst recht kein Pink, reitet so selbstbewusst auf ihrem Besen, dass man trotz schwarzem Blättergewirr dennoch die Gewissheit hat, dass sie in beiden Welten unbeirrt ihren Weg  finden wird.
Genau dies wünscht man es sich für alle kleine Mädchen, die noch glauben, Fee zu sein wäre das Nonplusultra.

Brigitte Minne: Hexenfee, Illustrationen: Carll Cneut, Übersetzung: Rolf Erdorf, Bohem, 2017, 48 Seiten, ab 3, 24,95 Euro

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Junges Gemüse schließt Freundschaft

erbseDie Schottin Morag Hood ist eine wunderbare Neuentdeckung! 2015 hat sie an der Cambridge School of Art ihren Master in Illustration gemacht, seitdem lebt sie wieder in ihrer Heimatstadt Edinburgh. Lilli und Lotte – Erbse und Karotte (Original: Colin and Lee) heißt ihr Debüt, das 2014 gleich für den britischen Macmillan Prize für Illustration nominiert wurde.

Quietschgrün ist Lilli, die Erbse. Warmorange Lotte, die Karotte. Eigentlich haben die beiden nichts gemein. Lilli ist immer mittendrin, umgeben von ungezählten grünen Freunden. Lotte ist, so scheint es, allein unterwegs. Lilli, klein und rund und doch nicht gleich, sprüht vor Verschmitztheit. Lotte ist lang aufgeschossen und so akkurat rechteckig geschnibbelt, dass sie wie ein Musterbeispiel an Zurückhaltung wirkt. Lilli grinst unternehmungslustig über beide Ohren. Lotte guckt abwartend und ein bisschen traurig in die Gegend.

Eines Tages treffen die beiden aufeinander, zufällig. Lilli, die Erbse, erkennt schnell: Die sieht aber anders aus. Und nicht nur das. Die orange Fremde kann nicht mal rollen, geschweige denn hüpfen. Und inmitten der Erbsentruppe fällt sie so sehr auf, dass sie zum Versteckspielen gleich gar nicht geeignet ist. Hmm, was also tun? Aneinander vorbeigehen? Oder lieber rauskriegen, was die andere so draufhat?

Nun, Lilli ist nicht nur verschmitzt, sondern auch neugierig und sehr mutig. Fix hat sie raus, dass mit Lotte andere Spiele möglich sind. Denn Lotte kann so vieles sein: Ein riesenhoher Turm. Eine Brücke, die über einen tiefen Graben führt. Und eine superschräge Rutsche, die am liebsten alle Erbsenkinder gleichzeitig ausprobieren würden. Hui, da kommt Leben auf!

Erbse und Karotte, das ist wahrlich nicht dasselbe. Aber Lilli und Lotte stört das nicht, denn sie haben eines entdeckt: Freundschaft!

Ganz schön pfiffig, dieses Bilderbuch von Morad Hood rund um zwei Gemüsesorten, die auf der Hitliste von Kindern (und Erwachsenen) nicht gerade an erster Stelle stehen. Doch schnell entdecken Klein und Groß, dass Erbsen und Karotten nicht nur gesund sind. Im Gegenteil: Putzmunter erkunden sie die Welt, lässt man sie erst mal von der Leine. Und das tut die Illustratorin, die gekonnt mit reduzierten Farben und Formen spielt. Und grandios mit dem Minenspiel ihrer Helden: Punktaugen und Strichmünder spiegeln alle denkbaren Emotionen zwischen Ängstlichkeit und Mut, Alleinsein und Gemeinschaft, Anderssein und Toleranz.

Ein kluges Debüt, fein und nuanciert. Da capo!

Heike Brillmann-Ede

Morag Hood: Lilli und Lotte — Erbse und Karotte, Übersetzung: Anke Katz, Thienemann, 2017, 32 Seiten, ab 4 (und jedes Alter!), 11,99 Euro