Von der Idylle zum wahren Horror

seeAuf der Nominierungsliste für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 steht in der Sparte Jugendbuch auch die Graphic Novel Ein Sommer am See der US-amerikanischen Cousinen Mariko und Jillian Tamaki. Jetzt hatte ich Gelegenheit, diese Geschichte noch vor der Preisverleihung im Oktober zu lesen. Ich habe sie genossen. So viel kann ich vorab verraten.

Die Tamakis erzählen von der 15-jährigen Rose und ihrer Sommerfreundin Windy, die sich seit Jahren immer in den Sommerferien an einem See wiedertreffen. In dem winzigen Dorf, in dem es gerade mal einen Kiosk gibt, können die Mädchen eigentlich nichts machen, etwas was Erwachsene ja durchaus als erholsam bewerten.
Die beiden gehen schwimmen, hören Musik, belauschen die Dorf-Jugend und rätseln, wer Sarah ein Kind gemacht hat. Außerdem leihen sie sich aus dem Kiosk Horror-Filme aus, für die sie eigentlich noch viel zu jung sind.

Doch rasch merken sie, dass der eigentlich Horror nicht in den Filmen, sondern im realen Leben zu finden ist. Rose‘ Mutter ist depressiv, ihr Vater hält es zwischendrin nicht mehr aus und verschwindet für ein paar Tage. Als es fast zur Katastrophe am See kommt, erfahren sie, was hinter der übergroßen Traurigkeit der Mutter steckt.

In dunkelblau, fast schwarzen Bildern, die in geordneten Panels angeordnet sind, entführen die Tamakis den Leser in eine scheinbare Idylle. Still ruht der See und birgt jede Menge Geheimnisse, die die Bewohner und Besucher mit sich herumtragen. Man möchte diese Ferien genießen, so wie Rose und Windy. Doch die beiden sind in dem Alter, wo man immer mehr Fragen stellt, wo die eigenen Gefühle Achterbahn fahren und man gewisse Sachen einfach nicht mehr überhören kann. Es ist der Sommer, in dem ihre Kindheit definitiv zu Ende geht. Die Spiele von einst sind nicht mehr interessant, da reizt selbst der picklige, freche Jüngling aus dem Kiosk mehr. Rose ist ein ganz klein bisschen verliebt.

Auch wenn es bei den Mädchen noch nicht sexuell zur Sache geht, dringt genau das in die Ferienstimmung. Dabei geht es nicht um den Akt selbst, sondern viel mehr um die Folgen – die unglaublich bitter sein können. Sei es, dass das Kind nicht gewollt war oder eine Schwangerschaft nicht gut ausgeht. Rose und Windy beobachten all dies und stehen dann am Ende der Sommerferien fast sprachlos vor dem Ende ihrer Kindheit. Sie reisen zurück in eine neue erwachsene Welt. Und da kommt dann wirklich kein noch so gruseliger Horror-Film mit.

Mariko Tamaki/Jillian Tamaki: Ein Sommer am See, Übersetzung: Tina Hohl, Reprodukt, 2015, 320 Seiten, ab 14, 29 Euro

Bilder gegen Neonazis

drei steineBrutal zusammengeschlagen liegt ein Junge auf dem siffigem Fußboden eines Schulklos. Seine Schulsachen sind ausgekippt, an den Wänden Kritzeleien, die Comicfigur Werner, BVB Logo, ein verdrehtes Hakenkreuz.

Mit dem Titelbild seiner autobiographischen Graphic Novel Drei Steine springt Nils Oskamp direkt in die Geschichte: Dortmund-Dorstfeld in den 80er Jahren. Zechen werden geschlossen, mit der Stahlindustrie geht es bergab, die Arbeitslosigkeit steigt und die rechtsradikale Szene erstarkt.

Der Schüler Nils Oskamp hat bei den immer lauter werdenden, faschistischen Parolen an seiner Schule nicht weggehört und den Neonazis seine Meinung gesagt – und hätte das fast mit dem Leben bezahlt. Doch die rechte Gewalt hat ihn nicht mundtot gemacht – im Gegenteil: Statt den Neonazis mit den gleichen Mitteln zu begegnen und die Spirale der Gewalt weiterzudrehen, schlägt der Illustrator jetzt mit Drei Steine zurück.

Seine Geschichte zeigt, dass man sich wehren muss. Vor allem wird deutlich, wie gefährlich die Rechtsradikalen waren und immer noch sind. Und wer dachte, dass die Neonazi-Szene früher nur im repressiven DDR-Staat gedeihen konnte und wie aus dem Nichts mit der Wiedervereinigung über Deutschland hereingebrochen ist, dem werden mit diesen Szenen aus Dortmund, einer Hochburg der Rechtsradikalen seit Jahrzehnten, unmissverständlich die Augen geöffnet.

Zur Story: Oskamp, der auch Trickfilm studiert hat, beherzigt die alte Filmregel, mit einer Explosion zu beginnen und sich dann langsam zu steigern. Gleich auf dem Vorsatzpapier knallt es: Mit einem gewaltigem „BÄÄM“ wird ein riesiger Förderturm gesprengt und kracht in sich zusammen. Das Ende von Bergbau und Stahlindustrie im Ruhrgebiet Anfang der 80er Jahre. Und dann gerät der Leser unvermittelt in einen Albtraum: Mehrere Skinheads mit Baseballschlägern treiben einen Teenager in eine Falle, prügeln und treten auf ihn ein. Es ist ein wiederkehrender Albtraum, aus dem der Erzähler Nils Oskamp erwacht, geweckt von seinem kleinen Sohn Tom. Der ist nach einem Schulfreund Oskamps benannt, und jetzt erzählt der Vater seinem Jungen die Geschichte.

Die gegenwärtige Rahmenhandlung ist in warmen Sepiatönen gehalten. Die eigentliche Geschichte in kaltem Blau-Grau. Die Atmosphäre ist sofort so bedrückend wie das Geschehen. Als 14-Jähriger erlebt Oskamp, wie Mitschüler rechtsradikale Parolen grölen, ungeniert antisemitische Meinungen äußern, die Nazidiktatur verherrlichen und Wände mit Hakenkreuzen beschmieren. Er beobachtet, wie Altnazis Kinder für „kameradschaftliche“ Freizeitaktivitäten anwerben. Im Geschichtsunterricht verbreitet der Lehrer, früher Wehrmachtssoldat und Ostfrontkämpfer, angefeuert von interessierten Schülern, ungehemmt revanchistisches Gedankengut. Nils Oskamp kann und will das nicht hinnehmen. Seine vermeintlich neutralen Mitschüler lachen zwar, wenn er Paroli bietet, sich Wortgefechte liefert und aus dem Unterricht fliegt. Aber er ist isoliert und bleibt im unfairen Kampf gegen die Neonazis allein.

Die Gewalt, die die Faschos ausüben, um Andersdenkende mundtot zu machen, ist erschütternd anzusehen. Das sind nicht nur Einschüchterungen. Bei „mundtot“ liegt die Betonung auf dem zweiten Teil, so brutal und hemmungslos wie die Schläger auf ihre Opfer einprügeln. Da gibt es keine Anzeichen von Mitgefühl, Empathie oder Verständnis für den Schmerz des anderen. Ihre Ideologie scheint alle diese Emotionen auszuschalten und jedes Mittel zu rechtfertigen.

Fast ebenso schlimm und wirklich übelkeitserregend ist das Weggucken Außenstehender. Passanten drehen sich weg, Fenster werden geschlossen, Lehrer verkennen Tatsachen und Zusammenhänge. Als auf Oskamp in seinem Elternhaus durch ein Fenster geschossen wird, verharmlosen Polizisten den Anschlag als Luftgewehrstreich und „am Sonntag kommt die Spurensicherung nicht“. Richter ahnden rechtsradikale Verbrechen als Straftaten Minderjähriger und verurteilen Gewalttäter, falls es überhaupt zur Anzeige und einem Verfahren kommt, zu geringen Bewährungsstrafen. Oskamps Eltern sind von familiären und finanziellen Problemen absorbiert.

Das ist wirklich schwer auszuhalten und macht ungeheuer wütend. Nur Tom, eigentlich ein Kumpel seines ebenso ignoranten, älteren und pseudocoolen Bruders, hilft Nils gegen die Neonazis und haut ihn auch mal aus einer brenzligen Situation raus. Kurzzeitig war Tom selbst für die „kameradschaftlichen“, sportlichen Verlockungen der rechtsradikalen Verbände empfänglich, aber sein Verstand hat ihn vor falschen Freunden und deren kranken Ideologien bewahrt.

Umso erstaunlicher und bewundernswerter, dass Oskamp noch als Jugendlicher in einem entscheidenden Moment innehält, nicht mit dem Stein in seiner Hand zum finalen Schlag ausholt, sondern beschließt, mit anderen Mitteln und einer anderen Sprache zu kämpfen. Davon erzählt seine Graphic Novel Drei Steine sehr eindringlich.

Nur wie die Nazis ihre Propaganda so effektiv verbreiten können und was Menschen dafür so empfänglich macht, wird in dieser Geschichte nicht deutlich, insbesondere für jüngere Leser, die wenig von den gesellschaftlichen und historischen Zusammenhängen wissen. Oskamp erzählt aus der Perspektive eines 14-Jährigen. Auch der ausführliche Informationstext am Ende des Buchs ist eher eine zeitgeschichtliche Rekapitulation der erstarkenden Neonaziszene in Dortmund und Westdeutschland.

Drei Steine ist ein starkes Buch, eine eindringliche Graphic Novel. Es ist nur zum Kotzen (sorry für die deutlichen Worte), dass solche Geschichten immer noch und immer wieder erzählt werden müssen.

Elke von Berkholz

Nils Oskamp: Drei Steine, Panini Comics, 2016, 160 Seiten, ab 13, 19,99 Euro

Werther im Konsumstress

wertherGoethes Werther habe ich gefühlt vor einem halben Jahrhundert auf dem Gymnasium gelesen. Wie es mir damals gefallen hat, kann ich heute schon nicht mehr sagen. Zu viel ist seit dem passiert. Nun gab es die Gelegenheit zu einem Klassiker-Revival – in einer wunderbar frischen Form.

Illustratorin Franziska Walther hat sich über den alten Briefroman hergemacht und ihn in unsere Zeit geholt. Bei ihr ist Werther ein schmaler blauhaariger Jüngling mit Art-Director-Job in New York und einer Helikopter-Mutter, die ständig die Kontrolle über den Herrn Sohn haben muss – in Form von Handy-Dauer-Überwachung. Werther jedoch kümmert sich kaum um die mütterlichen Anrufe. Er streift durch die Stadt, arbeitet, shoppt, feiert, füttert den Wellensittich, hat (unverbindlichen) Sex und eine Zwangsneurose, die ihn ständig zählen lässt. Doch das Leben in der Konsumhauptstadt mit ihren Oberflächlichkeiten stresst ihn zusehends. Neudeutsch: Er hat ein Burn-out. Also zieht er sich aufs Land zurück, geht offline und kommt wieder zu sich.
Bis er Lotte trifft und sich so richtig verliebt. Der Rest dürfte bekannt sein. Allerdings bietet Franziska Walther ein anderes, offeneres Ende, entsprechend unserer Gesellschaft – und mit einem Fünkchen Hoffnung.

Walthers Zeichnungen sind poppig-knallig, obwohl das melancholische Lila durchaus überwiegt. Die Hektik der Großstadt überwältigt den Betrachter in immer kleineren, immer mehr werdenden Panels auf einer Seite. Die Natur-Stillleben lassen einen träumen und gemahnen zum sofortigen Aufbruch in die heilende Natur.
In die Panels sind Auszüge aus Goethes Text eingebaut, der das Augenmerk auf ebendiese Natursehnsucht und die große Liebe richtet. In dieser Gegenüberstellung von klassischem Text mit frischen Illustrationen liegt ein erhellendes Moment. Der Text wirkt genauso frisch wie die Bilder. Die Bilder genauso tiefgründig wie der Text. In beiden entdeckt man mit jedem Lesen neue Facetten, neue Hinweise, neue Momente, sich zu identifizieren.

An den Graphic-Novel-Teil sind Erläuterungen angeschlossen, die gewisse Bildelemente von Walther erklären und psychologisches Hintergrundwissen vermittelt. Das ist aufschlussreich – hätte jedoch nicht nötig getan. Walthers Bildsprache vermittelt diese psychologischen Hintergründe (die ich hier nicht aufzählen werde) dem Leser auch ohne lange Erklärungen sehr genau und bietet einen Anreiz, ganz genau hinzuschauen.

Auf jeden Fall ist diese Werther-Version eine Anregung, sich dem Original mal wieder zu widmen. Was man dann wunderbarerweise gleich im Anschluss machen kann, denn im hinteren Teil des Buches ist auf rosafarbenen Seiten Die Leiden des jungen Werther von Goethe vollständig abgedruckt. Eine komplett runde Sache!

Franziska Walther: Werther reloaded, Kunstanstifter, 2016, 224 Seiten, 24,50 Euro

Gegen alle Widerstände

IMG_20160420_183251Heute ist Gratis-Comic-Tag, also auf in den nächsten Buchladen eures Vertrauens und nach Comics Ausschau halten. Ich habe bis jetzt noch nie einen von den Gratis-Comics erwischt, vielleicht klappt es heute.

Falls nicht, kann ich euch eine ganz wunderbare Geschichte ans Herz legen: Das neueste Werk von Pénélope Bagieu, die ich hier vor fast drei Jahren schon einmal vorgestellt habe, mit dem Titel California Dreamin‘, in der perfekten Übersetzung von Ulrich Pröfrock.
Den Älteren unter euch wird der Titel vielleicht etwas sagen und einen Song von The Mamas and the Papas ins Gedächtnis und ins Ohr holen, der für mich zu den ikonischen Liedern der Flower-Power-Bewegung gehört. Anhören könnt ihr euch das Stück hier:

Achtet auf die ausdrucksstarke Frau mit grünen Wallakleid und den weißen Stiefeln. Das ist Ellen Cohen, bekannt unter dem Namen Cass Elliot, deren Lebensgeschichte Pénélope Bagieu in ihrer Graphic Novel erzählt.

Ellen ist ein Gesangstalent, stammt aus einer jüdischen Familie, hat Angst vor dem Krieg, isst nichts, wie Kinder das in einem gewissen Alter einfach tun. Die Eltern flehen sie an, ihnen eine Freude zu machen und endlich etwas zu essen. Das tut Ellen schließlich doch und zwar mit Hingabe, als sie eine kleine Schwester bekommt und nicht mehr bei den Eltern an erster Stelle steht. Seitdem ist Ellen dick. Und wird gemobbt. Selbst von der eigenen Mutter.
Doch Ellen hat einen Traum: Sie will Sängerin werden. Und daran hält sie fest. Sie lässt sich von nichts und niemandem aufhalten – und reißt tatsächlich alle mit, sobald sie auf einer Bühne steht.

Bagieu lässt verschiedene Figuren von Cass erzählen – die jüngere Schwester, die Kommilitonen am College, die Fans, die Gesangslehrerin, den Radioproducer – und erzeugt so ein vielschichtiges Puzzle einer beeindruckenden Frau. Sie konzentriert sich dabei auf die professionelle Entwicklung von Cass, lässt ihre Tochter und ihren frühen Tod mit 32 Jahren außen vor. Und doch erhält man ein tiefgründiges Portrait der Sängerin, die gegen alle Widerstände und alle Aufforderungen abzunehmen ihren Weg ging und es so tatsächlich zum Star gebracht hat. Gleichzeitig vermittelt Bagieu einen Eindruck des Musikgeschäfts in den 1960er-Jahren, der Suche nach Originalität der Künstler und den doch oberflächlichen Taktiken, ein dünnes blondes Mädchen in die Band aufzunehmen, das hübsch anzusehen ist, aber leider nicht singen kann. Cass, wie gesagt, lässt sich von all dem nicht aufhalten.

Der Zeichenstil von Bagieu ist ein reduzierter Bleistiftstrich, der bei manchen Comic-Zeichnern gerade sehr beliebt ist, siehe hier und hier, und durch ihre Leichtigkeit punkten. Thematisch sind Comic-Biografien momentan ziemlich angesagt – man denke an die Werke von Reinhard Kleist (Cash, Castro, Der Boxer und Der Traum von Olympia), Jessie Hartland (Steve Jobs) und  Anais Depommier und Mathilde Ramadier (Sartre) und offenbaren sich als ein sehr cooles Mittel, um die Lebensläufe von mehr oder minder einflussreichen Menschen zu präsentieren. Umso schöner, dass Bagieu eine weniger bekannte Heldin würdigt. Cass Elliot hatte nämlich das Zeug zum Role Model, so wie heute Beth Ditto.
Bagieu macht mit ihrem Werk indirekt, aber durchaus deutlich klar, dass die Mainstreammedien und ihre Formate á la GNTM ziemlich kärgliche Veranstaltungen sind, wenn sie sich von Äußerlichkeiten blenden lassen und beispielsweise nur die extrem mageren Frauen ins Rampenlicht rücken.

Talent, Lebensfreude und ansteckende Begeisterung sind nämlich nie eine Frage des Gewichts oder vermeintlicher Schönheit. Insofern ist diese Graphic Novel ein ausgesprochenes Mutmachbuch – für alle.

Pénélope Bagieu: California Dreamin‘, Übersetzung: Ulrich Pröfrock, Carlsen, 2016, 272 Seiten, 19,99 Euro

An Apple a day …

jobsDen heutigen Welttag des Buches, samt seiner Veranstaltung Blogger schenken Lesefreude, werde ich zu einem persönlichen Feiertag erklären. Und zwar aus folgendem Grund.

Seit Beginn der Aktion vor vier Jahren habe ich mit diesem Blog immer teilgenommen – und konnte jedes Jahr Bücher verschenken, an denen ich als Übersetzerin mitgearbeitet habe. Eine größere Freude gibt es für mich eigentlich kaum.
Wäre ich abergläubisch, würde ich denken, wenn ich an der Aktion mitmache, sichere ich mir den nächsten Übersetzungsauftrag, um auch im kommenden Jahr wieder etwas zum Verschenken zu haben. Ich bin aber nicht abergläubisch, sondern es ist ein wunderbarer Zufall, dass es nun schon zum vierten Mal passt. Drückt die Daumen, dass es so weitergeht.

Nach drei Rom-Geschichten für Mädchen in den vergangenen Jahren habe ich dieses Mal eine andere Geschichte für Euch. Eine ganz besondere, wie ich finde. Es ist die Graphic Novel Steve Jobs. Das wahnsinnig geniale Leben des iPhone-Erfinders der Amerikanerin Jessie Hartland. Das Buch ist im Frühjahr bei Fischer erschienen.
Wie aus dem Titel zu erahnen handelt es sich um die Biografie von Steve Jobs. Ein paar Details dazu habe hier auch schon einmal vorgestellt. Ich bin immer noch ganz angetan, von Jessie Hartlands Arbeit und ihrer konsequenten Art, so ein üppiges Leben wie das von Steve Jobs auf wenigen Kapiteln so erhellend auf den Punkt zu bringen. Hartland labert nicht, sondern liefert in verknappter, aber durchaus ironischer Art die wichtigsten Lebensabschnitte und (Miss-)Erfolge von Jobs. Man kann die ewig lange Biografie von Walter Isaacson lesen oder den Film mit Michael Fassbender sehen, die Quintessenz jedoch findet Ihr hier. Vergangene Woche hat Deutschlandfunk über diese Graphic Novel berichtet und Jessie Hartland direkt zu ihrer Arbeitsweise und ihrem Zeichenstil befragt.

blogger2015v-W-177x300Und selbst wenn Ihr keine Apple-Gerätschaften benutzt, kann das Wissen um Steve Jobs trotzdem nützlich sein. Denn auch die anderen Smartphones und Tablets wären ohne ihn nicht das, was sie sind …

Falls Ihr also ein bisschen neugierig seid oder die absoluten Apple-Afficionados oder Comic-Fans oder gerne Pixar-Filme schaut oder … was-weiß-ich noch alles mit Steve Jobs verbindet, und ein Exemplar gewinnen wollt, dann schreibt bis zum 27. April 2016 hier unten einen Kommentar und erzählt, warum gerade Ihr diese Graphic Novel lesen wollt.
Ich verlose fünf Exemplare.

Viel Glück Euch! Ich bin gespannt auf Eure Kommentare …

Jessie Hartland: Steve Jobs – Das wahnsinnig genliale Leben des iPhone-Erfinders, Übersetzung: Ulrike Schimming, Fischer, 2016, 237 Seiten, 16,99 Euro

AusLese 2016

cneutNach fünf Jahren Abwesenheit hat es mich dieses Jahr mal wieder auf die Leipziger Buchmesse getrieben. Pressekollegen und Auftraggeber treffen, Hallenluft schnuppern, Cosplayer bewundern, Bücher bestaunen und auf Inspirationssuche gehen. Zusätzlich stand die Nominierungsveranstaltung für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 auf dem Programm. Die Verleihung habe ich in Frankfurt bereits mal erlebt, aber noch nie die Nominierung.

Das Schöne an der Sache war dann, dass diese Nominierungen für mich zu einer ganz persönlichen Freude wurde. Denn in der Kategorie Bilderbuch ist „Der goldene Käfig“ von Anna Castagnoli und Carll Cneut der Bohem Press ausgewählt worden – in meiner Übersetzung. Ein absolutes Glücksgefühl! Dieses opulente Bilderbuch habe ich hier auch schon mal vorgestellt.

Die Nominierungen waren jedoch nicht nur deshalb für mich interessant, denn ich nehme sie, seit ich diesen Blog betreibe, als Anlass noch einmal zurückzudenken und zu vergleichen, welche Bücher ich gelesen und hier rezensiert habe. Bei etwas 8000 Neuerscheinungen im Jahr im Bereich von Kinder- und Jugendbuch kann ich natürlich neben meinem normalen Job nicht alles lesen, und auch mit Hilfe von meinen Gastrezensentinnen kommen wir lange nicht auf alle preiswürdigen Titel. Doch im vergangenen Jahr haben wir ein ganz gutes Näschen gehabt, wie ich finde. Dazu trägt aber auch die Wahl der Jugendjury bei, die erstaunlich harte und politische Bücher ausgewählt hat – für die ich ein Faible habe. So waren da die Überschneidungen am höchsten.

Ein paar der noch nicht gelesenen Bücher werde ich in den nächsten Monaten bis zur Preisverleihung noch nachholen, und eventuell darüber berichten.

Hier kommen jetzt aber erst einmal alle Nominierten – samt der Links zu den Rezensionen auf letteraturen.

Bilderbuch

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Marcelo Pimentel (Illustration): Eine Geschichte ohne Ende. Ein Bilderbuch aus Brasilien, Baobab Books, 2015, 20 Seiten,  ab 2, 14,90 Euro

Marianne Dubuc (Text, Illustration): Bus fahren, Übersetzung: Julia Süßbrich, Beltz & Gelberg, 2015, 40 Seiten, ab 3, 13,95

Anja Mikolajetz (Text, Illustration): Das Herz des Affen, Aladin, 2015, 32 Seiten, 16,95 Euro

Emmanuelle Polack (Text)/Barroux (Illustration): Kako, der Schreckliche, Übersetzung: Babette Blume, mixtvision, 32 Seiten, ab 5, 14,90 Euro

Edward van de Vendel (Text)/Anton van Hertbruggen (Illustration): Der Hund, den Nino nicht hatte, Übersetzung: Rolf Erdorf, Bohem Press, 2015, 40 Seiten, ab 5, 14,95 Euro

Anna Castagnoli (Text)/Carll Cneut (Illustration): Der goldene Käfig oder Die wahre Geschichte der Blutprinzessin, Übersetzung: Ulrike Schimming, Bohem Press, 2015, 48 Seiten, ab 6, 28, 95 Euro

 

Kinderbuch 

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Uwe-Michael Gutzschhahn (Herausgeber)/Sabine Wilharm (Illustration): Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her. Das dicke Buch vom Nonsens-Reim, cbj Verlag, 2015, ab 6, 19,99 Euro

Frida Nilsson (Text)/Anke Kuhl (Illustration): Frohe Weihnachten, Zwiebelchen!  Übersetzung: Friederike Buchinger, Gerstenberg Verlag, 2015, 128 Seiten, ab 6, 12,95 Euro

Hayfa Al Mansour: Das Mädchen Wadjda, Übersetzung: Catrin Frischer, cbt Verlag, 2015, 304 Seiten, ab 11, 12,99 Euro

Stefanie Höfler (Text)/Franziska Walther (Illustration): Mein Sommer mit Mucks, Beltz & Gelberg, 2015, 140 Seiten,  ab 11, 12,95 Euro

Ann M. Martin: Die wahre Geschichte von Regen und Sturm, Übersetzung: Gabriele Haefs, Königskinder, 2015, 240 Seiten, ab 11, 14,99 Euro

Ross Montgomery: Alex, Martha und die Reise ins Verbotene Land, Übersetzung: André Mumot, Carl Hanser Verlag, 2015, 336 Seiten,  ab 11, 14,90 Euro

 

Jugendbuch

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Erin Jade Lange: Halbe Helden, Übersetzung: Jessika Komina und Sandra Knuffinke, Magellan Verlag, 2015,  ab 12, 16,95 Euro

Makiia Lucier: Das Fieber, Übersetzung: Katharina Diestelmeier, Königskinder, 2015, 368 Seiten, ab 12, 17,99 Euro, besprochen hier.

Mariko Tamaki (Text)/Jillian Tamaki (Illustration): Ein Sommer am See, Übersetzung: Tina Hohl, Reprodukt, 2015, 320 Seiten, ab 12, 29,00 Euro

Kirsten Fuchs: Mädchenmeute, Rowohlt Rotfuchs, 2015, 464 Seiten, ab 14, 9,99 Euro

Rainbow Rowell: Eleanor & Park, Übersetzung: Brigitte Jakobeit, Carl Hanser Verlag, 2015, 368 Seiten, ab 14, 16,90 Euro

Erna Sassen: Das hier ist kein Tagebuch, Übersetzung: Rolf Erdorf, Verlag Freies Geistesleben, 2015, 183 Seiten, ab 14, 17,90 Euro

 

Sachbuch

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Iwona Chmielewska (Text, Illustration): abc.de, Gimpel Verlag / Verlag Warstwy 2015, 96 Seiten, ab 6, 19,90 Euro

William Grill (Text, Illustration): Shackletons Reise, Übersetzung: Harald Stadler, NordSüd Verlag, 2015,  80 Seiten, ab 8, 19,99 Euro, besprochen hier.

Britta Teckentrup (Text, Illustration): Alle Wetter, Verlagshaus Jacoby & Stuart, 2015, 168 Seiten, ab 9, 24,95 Euro

Jean Paul Mongin (Text)/Julia Wauters (Illustration): Leibniz oder die beste der möglichen Welten, Übersetzung: Heinz Jatho, Diaphanes Verlag, 2015, 64 Seiten, ab 10, 14,95 Euro

Kristina Gehrmann (Text, Illustration): Im Eisland, Hinstorff Verlag, 2015, 224 Seiten, ab 12, 16,99 Euro

Reinhard Kleist (Text, Illustration): Der Traum von Olympia. Die Geschichte von Samia Yusuf Omar, Carlsen Verlag, 2015, 152 Seiten, ab 14, 17,90 Euro, besprochen hier.

 

Preis der Jugendjury

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nuri

 

bellmont
tagebuch
khmer

 

 

Nicola Yoon: Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt, Übersetzung: Simone Wiemken, Dressler Verlag, 2015, 336 Seiten, ab 12, 16,99 Euro

Dirk Reinhardt: Train Kids,  Gerstenberg Verlag, 2015, 320 Seiten, ab 13, 14,95 Euro, besprochen hier.

Peer Martin: Sommer unter schwarzen Flügeln, Oetinger Verlag, 2015, 528 Seiten, ab 14, 19,99 Euro, besprochen hier.

Matthew Quick: Goodbye Bellmont, Übersetzung: Knut Krüger, dtv, 2015, 256 Seiten, ab 14, 16,95 Euro

Erna Sassen: Das hier ist kein Tagebuch, Übersetzung: Rolf Erdorf, Verlag Freies Geistesleben, 2015, 183 Seiten, ab 14, 17,90 Euro

Patricia McCormick: Der Tiger in meinem Herzen, Übersetzung: Maren Illinger, Fischer KJB, 2015, Seiten, ab 16, 14,99 Euro, besprochen hier.

Herzlichen Glückwunsch allen Nominierten!

Die Gewinner werden am 21. Oktober 2016 auf der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben. Ich bin sehr gespannt – in doppeltem Sinne …

 

Nicht nur für Nerds

jobsWer sich auf meinem Blog öfter mal herumtreibt, weiß, dass ich hier auch auch die Werke vorstellen, die zum Teil an meinem Schreibtisch entstanden sind. Heute ist mein jüngstes Übersetzungswerk auf den Markt gekommen: die Comic-Biographie Steve Jobs – Das wahnsinnig geniale Leben des iPhone-Erfinders, konzipiert, gezeichnet und verdichtet von der Amerikanerin Jessie Hartland.

In 13 Kapiteln fasst Hartland das viel zu kurze Leben von Jobs in klaren, kritzeligen schwarz-weiß Panels zusammen. Von seinen Anfängen in der Garage, über die Gründung von Apple und Jobs Rausschmiss aus der eigenen Firma bis hin zu seinen Erfindungen, die so gut wie jeder von uns heute in die Hand nimmt – egal ob da ein Apfel drauf ist oder ein anderer Schriftzug. Ob wir die Person Steve Jobs nun kennen oder nicht, in unseren Haushalten ist er auf die eine oder andere Art vertreten. Und sei es in der Form einer DVD eines Pixar-Films …
Jessie Hartlands Graphic Novel klärt auf sehr unterhaltsame und leicht ironische Art über den Menschen Jobs auf.

Übersetzungstechnisch war es für mich in mancher Hinsicht eine wahnsinnige und auch geniale Arbeit. Diverse Apfel-Produkte benutze ich selbst, habe mir aber nie groß Gedanken über ihre Herkunft gemacht. Hartland baut in ihre Biographie jedoch sehr geschickt Doppelseiten über die jeweilige Technik der vergangenen Jahrzehnte ein – und da wurde ich dann wieder an meine eigene Jugend erinnert und an die ersten Tippversuche auf einem C64 und seltsame Nintendo-Daddel-Spiele. Manches, was heute vergessen ist wie Kompaktkassette und Walkman kamen mir wieder in den Sinn. Irgendwann hatte ich sogar mal eine Basic-Programmier-Kurs, von dem ich aber nichts behalten habe. All das, und vieles weitere, fließt heute in den ganzen Smartprodukten auf die eine oder andere Weise zusammen. Und so wurde mir während des Übersetzens klar, wie tief die Wurzeln eines so kleinen Smartphones reichen, mit dem wir ständig unzählige Dinge tun und vieles nicht mehr lassen können.

Wahnsinnig an der Arbeit war die Kleinteiligkeit der Panels. Namen, Worte, Begriffe, Gesprochenes, Geschriebenes. Ständig musste ich aufpassen, dass ich nichts übersehe. Zum Glück hat meine Lektorin sehr aufmerksam mitgelesen und so haben wir wohl wirklich alles gefunden, was zu übersetzen war oder was Englisch gelassen werden musste.
Und auch wenn der Text hier nicht immer in engen Sprechblasen steht, die der Übersetzerin so gar keinen Raum lassen, sondern manche Texte richtig Platz zu haben scheinen, musste ich mich doch mit der Länge der Texte beschränken. Das hieß: zählen. Die Buchstaben von Jessie Hartlands handgeletterten Texten zählen. Ich habe also gezählt und dann meine Texte eingekürzt, damit alles passt.
Dankenswerterweise hat Jessie Hartland dem Fischer-Verlag einen Font mit ihrer Schrift zur Verfügungen gestellt, so dass die deutsche Ausgabe nun annähernd den Eindruck eines handgeletterten Comics hat. Die Herstellung im Verlag hat da perfekte Arbeit geleistet, all die Varianten von Groß- und Kleinschrift, von senkrechten Worten und Fettungen wie im Original einzubauen. Die Leichtigkeit, die im Vorfeld von einigen schon als hässliches Kinder-Gekrickel kritisiert wurde, die aber Jessie Hartland Stil ausmachen, sind für mich so in die deutsche Version herübertransportiert worden. Und all jene, die denken mögen, so ein Gekrickel sei ja total einfach hinzumalen, der nehme bitte einen Stift in die Hand und versuche es selbst …

Ich jedenfalls liebe diesen leichten und frechen Strich von Jessie Hartland, weiß durch ihre Geschichte gewisse Apple-Produkte nun besser zu würdigen und bin froh, dass ich keine 500-Seiten-Biografie lesen musste. Während des Übersetzens kam für mich somit alles zusammen, was Glück ausmacht: Spaß, neues Wissen über Technik und einen Menschen, nostalgische Erinnerungen und professionelle Herausforderungen. Besser konnte es für mich kaum sein.

Schön ist aber auch, dass heute bereits eine erste Besprechung von Irve online gegangen ist, nämlich hier. Danke dafür!
Ich hoffe, dass Ihr beim Lesen genauso viel Spaß mit dieser Graphic Novel habt, wie ich es beim Übersetzen hatte.

Jessie Hartland: Steve Jobs – Das wahnsinnig geniale Leben des iPhone-Erfinders. Eine Comic-Biographie. Übersetzung: Ulrike Schimming, Fischer, 2016, 240 Seiten, 16,99 Euro