Gegen die schädlichen Geheimnisse

missbrauchMomentan vergeht kein Tag, an dem nicht über #metoo und sexuellen Missbrauch in welcher Ausformung auch immer diskutiert wird. Lange genug haben die Betroffenen geschwiegen, aus Angst, aus Scham, aus Gründen, die in verqueren Machtstrukturen in unserer Gesellschaft und in unserem Arbeitsleben zu suchen sind.
Doch wenn es erwachsenen Menschen schon so schwer fällt, den Mund aufzumachen, zu berichten, anzuklagen oder rechtzeitig Nein zu sagen – wie soll es da erst Kindern ergehen, die solchen Übergriffen in ähnlicher Weise ausgesetzt sind und dabei nicht über das Wissen und das Vokabular verfügen, sich Hilfe zu suchen?

Das Bilderbuch Für das Geheimnis bin ich zu klein von Autorin Ilona Lammertink und Illustratorin Nynke Talsma befasst sich genau damit. Es erzählt von Joost, der gern mit Mama und Papa im Bett kuschelt und sich auf sein Geschwisterchen freut, das bald auf die Welt kommen soll. Nur soll er von diesem Geheimnis noch nichts erzählen.
Auch im Kindergarten lernt Joost, was es heißt, ein Geheimnis zu bewahren: Die Kinder basteln etwas für ihre Papas. Das sind lauter Geheimnisse, die Joost sehr gut für sich behalten kann. Für solche Geheimnisse ist er groß genug.

An einem Abend passt Frank auf Joost auf, weil Mama und Papa ausgehen. Frank ist 17, fährt Mofa, und Joost findet ihn ziemlich cool und lustig. Doch an diesem Abend steckt Frank ihn in die Badewanne und macht sehr seltsame Witze. Dann küsst er Joost auf den nackten Popo und den ganzen Körper. Schließlich wäscht Frank ihn mit einem Waschlappen, obwohl Joost es schon selbst kann. Er umfasst Joosts Penis und lässt ihn gar nicht mehr los. Als er den Jungen abtrocknet, droht er Joost, dass dieser ihr Geheimnis absolut niemandem erzählen darf.
Joost bekommt Angst. Für dieses Geheimnis ist er zu klein.

Ja, in diesem Buch wird der sexuelle Übergriff des Babysitters ganz offen angesprochen. Und genau das ist wichtig und gut. Lammertink redet nicht um den heißen Brei herum, sondern macht deutlich, dass kleine Kinder ganz genau merken, wenn jemand ihre persönlichen Grenzen überschreitet, sie missbraucht und unter Druck setzt. Dass beim Lesen und Schauen kein traumatisierender Schrecken aufkommt, ist das Verdienst der warmen flächigen Tuschezeichnungen von Nynke Talsma, die dem Missbrauch zwar zwei Doppelseiten einräumt, aber sonst die liebevolle Umgebung zeigt, in der Joost aufwächst.

Denn Joost hat zum Glück sensible Eltern, die schnell merken, dass den Sohn etwas bedrückt. Sie bieten ihm an, über alles zu reden.
Als Frank ein weiteres Mal auf Joost aufpassen soll, versteckt sich der Junge im Gartenhäuschen. Die Eltern begreifen, dass etwas vorgefallen sein muss, und bringen Joost liebevoll dazu, ihnen alles zu erzählen.

Lammertink erzählt diese Geschichte aus der Perspektive von Joost, begibt sich somit auf Augenhöhe mit dem Protagonisten, was dieses Buch zu einem sinnvollen Begleiter von missbrauchten Kindern machen kann. Sie und die Übersetzerin Sonja Fiedler-Tresp geben den Kindern die Worte, mit denen sie über solch unzumutbare Geheimnisse sprechen können. Sie zeigen ihnen, dass es wichtig ist, über das Geschehene zu sprechen, um sich von der Angst und dem Gefühl des Ausgeliefertseins zu befreien. Vorbildlich verhalten sich hier die Eltern, die Joost mit seinem Schmerz und seiner Angst nicht allein lassen.

Der Geschichte ist ein Anhang für die Eltern beigefügt, der sie über die Anzeichen von sexuellem Missbrauch beim eigenen Kind aufklärt und erläutert, wie man mit offenen Fragen und ohne Zwang mit dem Kind reden sollte. Auch die eigenen Gefühle, Vermutungen und Vorwürfe sollten die Erwachsenen lieber für sich behalten – und gerade diese Hinweise sind in einer Zeit, in der alles sofort bewertet und in Schubladen gesteckt wird, enorm wichtig. Denn bei all dem eigenen Entsetzten, was dem geliebten Kind angetan wurde, geht es in erster Linie darum, dass das Kind wieder Vertrauen und Lebensfreude findet. Und dabei ist dieses Bilderbuch ein wertvoller Schatz.

Ilona Lammertink: Für das Geheimnis bin ich zu klein, Übersetzung: Sonja Fiedler-Tresp, Illustration: Nynke M. Talsma, Ellermann, 2018, 32 Seiten, ab 4, 15 Euro

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Herzensbildungsreise

leeDie Mitte ihres Leibes ist vom Nabel bis zum Brustbein frisch vernäht, und ein rötlicher Schimmer dringt von innen durch die Haut, wie wenn eine Laterne unter einem Laken brennt. „Also gut.“ Er packt die Pistole am Lauf, holt aus und zertrümmert der Frau den Brustkorb. Es klingt, wie wenn ein Stein durch eine Eisdecke bricht. Und da liegt das Herz. Es schlägt nicht eigentlich, sondern pulsiert wie eine Wunde.

Dieses Herz soll das Allheilmittel und die Lösung existenzieller Probleme sein. Es soll auch Montys Liebe retten. Die Suche danach hat den jungen Engländer von Frankreich über Barcelona bis in die Gruft auf einer versinkenden Insel vor Venedig getrieben. Und doch muss dieses Herz jetzt vernichtet werden, bevor noch mehr Unheil deswegen geschieht.

Passend zum 200. Geburtstag von Mary Shelleys unsterblichem Klassiker über menschliche Allmachtsphantasien verbreitet die Autorin Mackenzi Lee in ihrem furiosen Historienroman Cavaliersreise, übersetzt von Gesine Schröder, sanftes Frankenstein-Grauen.

Ebenso passend und weiblich pragmatisch packt ausgerechnet Montys jüngere Schwester beherzt zu und beendet den makabren Spuk. Wie hatte sie zuvor sehr richtig bemerkt und damit den jungen Männern die Schamesröte ins Gesicht getrieben: „Frauen können es sich nicht leisten, in Bezug auf Blut zimperlich zu sein.“

Ein solch gruseliges Finale der gemeinsamen Bildungsreise hätte sich weder Henry Montague, genannt Monty, noch sein gestrenger Vater in ihren kühnsten Träumen ausdenken können. Ihre Albträume hatten auch mit Herzensangelegenheiten zu tun, aber ganz anderer Art.

Vor wenigen Monaten noch war Monty halbnackt und verdreht, mit Megaschädel und ohne Erinnerung an den vorherigen Abend aufgewacht, schlonzte kurz am Frühstückstisch vorbei, küsste flüchtig seine Mutter zum Abschied, ließ eine ätzende Unterredung mit seinem Vater über sich ergehen und sprang in die Kutsche. So unbekümmert und formvollendet nonchalant würde man auch gern reisen. Für Monty und Percy, seinen Freund seit Kindertagen, ist es der Auftakt zur Cavaliersreise. Auf die begaben sich im 17. und 18. Jahrhundert junge Adelige nach dem Schulabschluss, um sich zu bilden in Kunst und Architektur, um klassische Kapitalen kennenzulernen wie Rom, Paris, Wien, Florenz oder Amsterdam, und um Verbindungen zu knüpfen in der gehobenen, herrschenden Gesellschaft Europas. Und nicht zuletzt, um sich noch einmal richtig auszutoben, bevor sie Verantwortung für Gut und Ländereien übernehmen.

Heute reist man ganz demokratisch und klassenübergreifend per Billigfluglinie, wobei der Bildungsaspekt mittlerweile kaum eine Rolle spielt und von anschließendem seriösen Lebenswandel auch nicht auszugehen ist.

Was ein großer Spaß für den 18-jährigen Monty und seinen Freund Percy werden könnte, bekommt gleich einen fetten Dämpfer: Nicht nur müssen sie Montys jüngere, ernsthafte Schwester Felicity mitschleppen, die kaum ihre bebrillte Nase aus ihren Schundromanen nimmt. Als absolute Spaßbremse wird ihnen noch ein Tutor aufgedrückt, mit allen notwendigen Reisepapieren und strengem Zeitplan sowie erzieherischem Auftrag.

„Ich verspüre den Drang, mich auf seine Schnallenschuhe zu übergeben“, kommentiert Monty für sich den ungewünschten Reisebegleiter. Aber man ahnt, dass sich hinter seiner reizend schnodderigen Fassade tiefe Gefühle und große Ängste verbergen. Und er wiederum kapiert, dass auch Percy und Felicity Geheimnisse haben. Und überhaupt ist die Welt ganz anders, als er sie bisher aus seiner privilegierten Perspektive als junger, attraktiver, wohlhabender und weißer Mann wahrgenommen hat. Allein für diese Erfahrung lohnt sich die Reise.

Schon bald ist klar, dass die amerikanische Historikerin Mackenzi Lee nicht nur eine packende Abenteuergeschichte geschrieben hat, gewürzt mit reichlich Promille und Flirts, prunkvollen Festen und üppigen Kostümen, inklusive Verfolgungsjagden, Räubern und Piraten. Wenn Monty aufgescheucht von einem Techtelmechtel nackt über den Rasen von Versailles flitzt, muss ihm seine kleine Schwester sagen, dass die Situation für ihn jetzt ein vielleicht ein bisschen peinlich ist, für sein Gespielin aber mehr als den sozialen Tod bedeutet.

Und nicht nur Felicitys vermeintliche Liebeslektüre lehrt einen einmal mehr, dass man ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen soll: Nur weil für Monty Percys dunkle Hautfarbe – Percys früh verstorbene Mutter stammt aus der britischen Kolonie auf Barbados – kein Thema ist, sondern ihn in Montys Augen eher noch attraktiver macht, ist der relativ behütet aufgewachsene, farbige Junge trotzdem alltäglichem Rassismus und Vorurteilen ausgesetzt. Wie auch Montys Schwester als Mensch zweiter Klasse gilt, eben weil sie ein Mädchen ist. Beiden wird eine fundierte Ausbildung, ein Studium und ein selbstbestimmtes Leben verweigert.

Selbst Monty darf nicht so leben und vor allem nicht so lieben, wie er will. Wie ein blutroter Faden zieht sich seine Herzensangelegenheit durch die Geschichte. Es ist das ewige, verwirrende, erregende, auch nervtötende Spiel aus Anziehung und Zurückstoßen, Schüchternheit und Mut, Sprachlosigkeit und der Angst endgültig die Antwort zu bekommen, die man am meisten fürchtet, die Angst vor dem Verlust. Hier wird sie nicht unwesentlich dadurch kompliziert, dass Monty Percy liebt, einen Mann, und sich nach dessen Körper sehnt. Vor 200 Jahren galt die sogenannte „Sodomie“ als Kapitalverbrechen und ist auch erst seit den 1970er-Jahren kein Verbrechen mehr – hierzulande.

Es ist eine packende Herzensbildungsreise: Für Monty, der immer ein charmanter Exzentriker bleiben wird, nun gezeichnet mit ein paar Narben und oberflächlich nicht mehr ganz so schön, dafür innerlich gereift und wesentlich weniger egoistisch. „Tausend Meilen musste ich reisen, um zu begreifen, dass ich nicht so übel bin wie meine übelsten Taten“, schreibt er abschließend aus dem griechischen Exil. Und für den Leser, der diesen kuriosen Gentleman mit dem größten Vergnügen fast 500 Seiten lang begleitet.

Mackenzi Lee: Cavaliersreise. Bekenntnisse eines Gentlemans, Übersetzung: Gesine Schröder, Carlsen, 496 Seiten, ab 16, 19,99 Euro

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Der Mann mit der Goldfarbe

KlimtHeute vor 100 Jahren starb der Wiener Maler Gustav Klimt, uns Erwachsenen bekannt für seine goldbeherrschten Gemälde wie „Der Kuss“ oder „Die goldene Adele“. Als ich in Wien vor seinen Werken stand, bekam ich den Mund kaum zu und war seltsam berührt.

Damit auch Kinder etwas mit diesen außergewöhnlichen Jugendstilwerken etwas anfangen können, hat die Autorin Nora Rath-Hodann das Leben Klimts zum Thema eines Buches gemacht. Darin erzählt sie ihrer Tochter Julie, die so gern ins Museum geht, die Geschichte es berühmten Malers – zumeist direkt vor den Bildern, denn die beiden wohnen in Wien.

So wird aus Julies Neugierde ein überaus interessanter und kindgerechter Einblick in ein anfangs prekäres Künstlerleben um die Jahrhundertwende. Die erste Auftragsarbeit für Kaiserin Elisabeth bringt Gustav Klimt Geld für eine Deutschland- und Italien-Reise, derTod von Vater und Bruder schlägt sich in düsteren Bildern nieder. Klimt wird Familienoberhaupt, ohne verheiratet zu sein, und trägt die Verantwortung für sieben Frauen. So malt er sie gern, die Frauen, auch nackt, und schreckt vor Skandalsujets nicht zurück. Er experimentiert mit Formen und Farben, entwickelt seine eigene Bildsprache.

Julie will jedoch nicht nur etwas über die Bilder wissen, sondern auch über den Charakter Klimts selber. So erfährt man von seinem Barfuß-Tick und seinen schlechten Tischmanieren, aber auch von seiner Gutmütigkeit. Mit Geld konnte er wohl nicht umgehen, dafür genoss er das Leben zu sehr – was man sich in Wien nur zu gut vorstellen kann.

So erkunden Mutter und Tochter die Bilder der verschiedenen Phasen Klimts und ihre Geheimnisse, bewundern die Farben und versteckten Figuren, rätseln, was sich der Künstler wohl dabei gedacht hat – oder was die Dargestellten wohl empfunden haben.

Mit diesem liebevoll gemachten Bändchen, an dessen Ende die wichtigsten Bilder Klimts abgedruckt sind, und dessen Erzähltext mit eindrucksvollen Illustrationen von Peter Diamond ausgestattet ist, die die Stilrichtungen Klimts noch zusätzlich verdeutlichen, bekommt jede_r heranwachsende Kunstliebhaber_in einen vorzüglichen ersten Eindruck in das Schaffen von Gustav Klim.
Wien-Reisenden sei dieses Werk als Begleitlektüre für die Museumsbesuche empfohlen. Es lässt sich in den Pausen zwischen einer Sehenswürdigkeit und dem nächsten Kunstwerk gut vorlesen.

Nora Rath-Hodann: Klimt. Erzählt für Kinder, Illustration: Peter Diamond, JGIM Verlag, 2017, 80 Seiten, ab 6, 14,49 Euro

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Von Visionen und Tatsachen

zerocalcareSeit ein paar Wochen wird im Norden Syriens wieder gekämpft. Nicht gegen den IS, sondern dieses Mal geht die Türkei gegen die Kurden vor. Die Verhältnisse sind so verwickelt, dass ich nicht behaupten kann, ich hätte da irgendwie den Durchblick. Fakt ist, dieser Krieg ist mal wieder schrecklich und unsinnig. So wie jeder Krieg.

Wer auf unkonventionelle Weise ansatzweise etwas über die Verhältnisse im Norden Syriens und in den Kurden-Gebieten dem sei – nun endlich mal – die Graphic Novel Kobane Calling des Römers Zerocalcare, in der Übersetzung von Carola Köhler, sehr empfohlen.

Bereits vor knapp vier Jahren war der Comiczeichner mit Freunden im kurdisch-syrischen Grenzgebiet, um humanitäre Hilfsgüter zu liefern. Doch bei dem einen Tripp ist es nicht geblieben, Zerocalcare, der in Rom das kurdische Zentrum frequentiert, fährt ein zweites Mal hin, um Überwachungskameras nach Kobane zu bringen.

In klaren schwarzweiß Zeichnungen schildert Zerocalcare die charmante Mischung aus Naivität, einem großen Herzen und Chaotentum, mit der die italienische Hilfstruppe losreist und auf die harte Realität im umkämpften Grenzgebiet trifft. Sie erleben Kämpfer, die nicht wie Rambo aussehen, auf Zollbeamte, die sich nicht verarschen lassen und die Kameras beschlagnahmen, auf Frauen, die mit Waffen umgehen können und mutiger sind als so mancher Kerl. Sie erfahren von den unterschiedlichen Schicksalen der Bevölkerung, und obwohl die Kameras weg sind, reisen sie weiter.

Das Ganze entwickelt sich zu einem Roadtrip, bei dem sie über das irakische Erbil, das erstaunlicherweise eher einem Wprk-in-progress-Dubai gleicht, nach Syrien einreisen. Sie schaffen es mit viel Geduld und Telefonaten bis nach Kobane, der Stadt, deren Bewohner den IS wieder vertrieben und die seit dem als Inbegriff des Widerstands gilt. Zudem ist Kobane die Hauptstadt des nicht-anerkannten Kurdenstaats Rojava, dessen Gesellschaftsvertrag, den Zerocalcare zitiert, das Ideal eines demokratischen Staates zeichnet, in dem Frauen komplett gleichberechtigt sind, Religionsfreiheit herrscht und die Todesstrafe abgeschafft ist. Das Pazifistenherz des Zeichners schlägt höher. Und wo sie schon mal in der Gegend sind, reist die Gruppe auch noch weiter nach Kandil, dem eigentlich unzugänglichen Kerngebiet der PKK.

Bei all dem geht Zerocalcare jedenfalls immer wieder der Arsch gehörig auf Grundeis. Die nahen Bombeneinschläge, die Kontrollen, eine handylose Zeit, die Nähe des IS und die überall drohenden Gefahren treiben ihm den Angstschweiß auf die Stirn. Und über seine aufgerissenen Augen macht er seine Emotionen perfekt sichtbar. Dennoch ist er mutig genug weiterzufahren, sich mit den Menschen auseinanderzusetzen und die heimischen Politiker der Heuchelei zu bezichtigen, die Hilfe versprechen und doch offensichtlich keine Ahnung von den wahren Zuständen haben.

Am Ende der Graphic Novel ist die Geschichte nicht zu Ende. Das wissen wir aus den aktuellen Nachrichten nur zu gut. In diesem Sinne ist sie aber ein wertvolles Mosaikstückchen, um die undurchschaubaren Vorgänge im kurdischen Grenzgebiet wenigsten ein My besser zu verstehen.

Diese Graphic Novel ist aus vielerlei Gründen kein Sonntagsspaziergang. Sie ist prall gefüllt mit Texten und Informationen. Als Übersetzerin aus dem Italienischen habe ich sie bereits 2016 im Original gelesen und kurz überlegt, ob ich sie übersetzen wollen würde, falls ich je gefragt würde (was eh nicht passiert wäre, weil ich nicht die richtigen Kontakte habe).
Mittlerweile bin ich froh, dass dieser Kelch an mir vorübergegangen ist, denn was mir über die Honorierung der exzellenten Übersetzung durch Carola Köhler zu Ohren gekommen ist, hat mich entsetzt. Natürlich sind Comic-Produktionen kostspielig und Übersetzungen gibt es auch nicht gratis, aber solch anspruchsvolle Texte, wie der von Zercocalcare, voll römischem Slang und italienischer Umgangssprache, dazu all die Realien aus dem Kriegsgebiet und die unzähligen Anspielungen des Autors, die die Übersetzerin zum Teil mit erklärenden Fußnoten versehen hat, sollten schon angemessener entlohnt werden, als es in diesem Fall geschehen ist.
Darum können wir Carola Köhler nur danken, dass sie mit so viel Idealismus, Herzblut und Leidenschaften dieses Mammutwerk in kürzester Zeit (das auch noch!) für ein viel zu geringes Honorar so vorzüglich ins Deutsche gebracht hat.

Was im rein optischen Vergleich von italienischem Original und deutscher Ausgabe noch auffällt, ist das unterschiedliche Lettering. Auch das ist ein Problem der Graphic-Novel-Übersetzungen, lettern doch die Comic-Künstler meist von Hand und schaffen so jedes Mal einen neuen Schriftfont – und viel wichtiger, damit ein stimmiges Gesamtbild eines Panels.
Zerocalcare, der 2015 mit Dimentica il mio nome (nicht ins Deutsche übersetzt) für den Premio Strega nominiert war, hat in seiner italienischen Version in einer ziemlich großen Versalienschrift die Sprechblasen gefüllt, ohne viel Weißraum.
Ohne diese raumgreifenden Texte ist die ganze Geschichte nicht zu verstehen. Hier kann man nicht einfach durchblättern und versteht bereits über die Bilder alles. Hier muss man lesen, um an die Informationen zu kommen. Daher ist für mich die Größe der Schrift auch ein Zeichen der Wichtigkeit der Inhalte.
Im Deutschen ist eine offensichtliche Maschinen-Versalienschrift zum Einsatz gekommen, die kleiner ist und mehr Platz in den Sprechblasen lässt. Das mag Puristen, die es gern luftig haben, erfreuen. Doch damit geht komplett der punkig-rotzige Charme von Zerocalcares Texten verloren. Die deutsche Fassung wirkt auf mich so viel geordneter und distanzierter. Doch genau das ist, meiner Meinung nach, nicht die Intention von Zerocalcare gewesen. Er war dicht dran, er hat versucht, diese Distanzen zu überwinden, und es ging auf seiner Reise in dieses umkämpfte Gebiet eben nicht immer ordentlich zu.

Doch das lese ich nun – zugegebenermaßen erst im Vergleich – aus seinem Werk auch heraus. So wäre es natürlich schön gewesen, wenn es in der deutschen Fassung ein ähnliches Handlettering mit all den Unebenheiten und bis zum Rand ausgefüllten Sprechblasen gegeben hätte. Aber auch das wäre wieder einmal teuer geworden und hätte den Copy-Preis für eine Ausgabe in solche Höhen getrieben, der einfach nicht mehr zu vertreten gewesen wäre. Und das ist leider immer noch ein echtes Dilemma beim Übersetzen von Graphic Novels.

Zerocalcare: Kobane Calling, Übersetzung: Carola Köhler, avant-Verlag, 2017, 272 Seiten, 24,95 Euro

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Tierisch interessanter Sex

sexÜber Sex bei Menschen glauben bereits die meisten Grundschüler gut Bescheid zu wissen, unter anderem durch Videos, die gemeinsam auf dem Pausenhof angeguckt werden.

Aber wie machen es eigentlich die Tiere? „Wie machen Elefanten Sex? Können Tiere schwul sein?“ Solche angesichts von einschlägigen Bildungsmedien wie YouPorn rührend kindlich-naive Fragen hört die Sexualpädagogin Katharina von Gathen häufig. Und deshalb hat sie jetzt im Klett Kinderbuch Verlag, der ohnehin für mutige, gegen den Strich gebürstete Veröffentlichungen steht, ein ganz besonderes Tierbuch herausgebracht: Das Liebesleben der Tiere.

Umfassend, in zahlreichen Kapiteln und inklusive eines Registers aller genannten Tiere informiert sie auf 144 Seiten über alles, was zum Thema Sex gehört und weit über den eigentlichen Akt hinausgeht. Auch erwachsene Leser, die wissen, dass das Liebesleben ganz schön kompliziert sein kann, wundern sich und lernen noch einiges. „Lustiges und Erstaunliches, Gruseliges und Merkwürdiges, Vertrautes und Fremdartiges“ verspricht die Autorin, und das ist noch untertrieben. Die Formen der Fortpflanzung treiben mitunter bizarre Blüten. Und doch hat sich alles für die jeweilige Art und Gattung bewährt und ist von der Evolution erprobt und für sinnvoll befunden.

Es fängt wie beim Menschen meist auch mit der Partnersuche an: Da wird zunächst gebalzt und geworben, ganz ohne Datingportale, dafür umso variantenreicher und farbenfroher. Lauben werden gebaut, es wird getanzt, gerubbelt, und nicht nur Nachtigallen und Vögel im allgemeinen trällern Liebeslieder. Auch männliche Buckelwale und Bootsmannfische locken mit süßen Sirenengesängen (oder was für die weiblichen Ohren der jeweiligen Tierart so klingt). Gibbons finden mit der idealen Duettpartnerin auch die perfekt passende Gespielin. Und Kugelfische malen tagelang mit ihren Flossen kunstvolle Mandalas in den Meeresgrund.

Dann geht’s zur Sache: ganz langsam oder sekundenschnell, einige setzten auf Täuschung oder Bestechung, manchen reicht einmal im Leben (und es ist nicht die Eintagsfliege), andere legen Marathons hin, stundenlang oder bis zu 40 Mal am Tag, bis zur Erschöpfung oder sogar bis zum Tod! Arme Breitfuß-Beutelmausmänner.

Sex dient auch bei Tieren nicht nur der Fortpflanzung, sondern erfüllt zudem soziale Funktionen: Bonobos setzten bekannterweise auf körperliche Liebe statt Gewalt.

Silberfischchen bauen Stolperfallen, die Befruchtung findet indirekt, wenn auch nicht im Reagenzglas statt. Und Fledermäuse, Mauersegler oder Nacktschnecken stehen auf Funsportvarianten. Es gibt aber nicht nur Kuschelsex: Erpel, die ganz rührende und treue Entenpapas werden, stehen auf brutale Gruppenvergewaltigung. Und Katerpenisse haben an der Eichel Stacheln und Widerhaken und sind äußerst schmerzhaft. Kein Wunder, dass Katzen danach nicht gut auf die Kerle zu sprechen und die meiste Zeit des Jahres aufs Rolligsein überhaupt nicht scharf sind.

Katharina von der Ganthen beschreibt diese Kuriositäten wohltuend klar und nüchtern, ohne zu vermenschlichen oder verniedlichen und niemals mit einem Feigenblatt vor dem Mund. Der Humor ergibt sich aus den tierischen Absurditäten an sich.

Das alles wäre aber nur halb so unterhaltsam und lesenswert ohne Anke Kuhls brillante und eigenwillige Illustrationen. Kuhl, die mit dem schrägen Antiwestern-Bilderbuch Cowboy will nicht reiten (Carlsen) debütierte und mit Alle Kinder (Klett) charmant politisch unkorrekte Scherze mit Namen gemacht hat, bildet seit Klär mich auf. 101 Kinderfragen rund um ein aufregendes Thema seit 2014 mit von der Gathen ein bewährtes Duo in Sachen Aufklärung. Die charakteristischen kleinen Glubschaugen verleihen ihren Figuren, ob Mensch, ob Tier, grandios treffende Gesichtsausdrücke und Emotionen.

Echte Hingucker sind ihre beiden aufklappbaren Panoramaseiten mit „Geniale Genitalien“: Es gibt nichts, was es nicht gibt, und Größe ist beileibe nicht alles.

Auch in den Abschnitten Schwangerschaft, Geburt und Familienleben finden sich etliche Kuriositäten, von denen die zweifache Geburt der Kängurubabys die bekannteste und entzückendste ist. Katharina von der Gathen hat im Vorwort nicht zu viel versprochen. Bei „Vertrauten“ ertappt sich der erwachsene Leser immer wieder dabei, Parallelen zu ziehen und festzustellen, dass im menschlichen Miteinander auch nicht alles so anders ist und vieles bestimmt nicht logisch.

Nur der Begriff „Liebesleben“ im Titel ist nicht ganz treffend, denn mit dem, was wir unter Liebe verstehen und was beim Sex eine Rolle spielen kann, aber nicht muss, hat der tierische Akt nichts zu tun. Es macht auf jeden Fall Riesenspaß, darüber zu lesen, und genau so sollte Sex auch sein: Nicht wie in den einschlägigen Filmchen athletisch und hyperästhetisiert, sondern lustig, entspannt, unreflektiert, auch mal unfreiwillig komisch, lächerlich, gelegentlich peinlich, doch stets ein Vergnügen und keine Pflichtleibesübung.

Katharina von der Gathen, Anke Kuhl (Illustrationen): Das Liebesleben der Tiere, Klett Kinderbuch Verlag, 2017, 144 Seiten, ab 8, 18 Euro

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Zum Nachmachen empfohlen…

In Hamburg schneit es bekanntlich äußerst wenig. Große Ausnahme war vergangene Woche der Tag, an dem Orkan Friederike durch MItteldeutschland tobte. Hier im Norden war von Wind nichts zu spüren, dafür aber legte sich eine weiße Schneeschicht über die Stadt. Es sah einfach wunderschön aus.

Als ich nun dieser Tage in meiner liebsten Buchhandlung Marissal am Rathaus war, die für ihr exzellentes Bilderbuchsortiment bekannt ist, kam ich mit der Chefin unter anderem über den Schnee ins Gespräch und noch ehe ich es mich versah, zeigte sie mir voller Begeisterung ein Schneeflocken-Bilderbuch, das es in keiner Verlagsvorschau gibt.

Denn diese winterliche Geschichte, der dicken Schneeflocke Gisela, die eigentlich keine Lust hat, den langen Weg runter von ihrer Wolke zur Erde zu machen, haben sieben Kinder im Haus der Jugend Kiwittsmoor in Hamburg-Langenhorn selbst gestaltet.
Bei der Veranstaltung mit dem Titel „Wir illustrieren ein Kinderbuch“ haben sich junge Besucher der Jugendbegegnungsstätte Gedanken zu der Geschichte von Gisela gemacht und sind dann kreativ tätig geworden.
Gemeinsam haben sie zunächst verschiedene Mal- und Basteltechniken ausprobiert – mit Tusche und Aquarellfarben, Wachsmalstiften, Frottagen und Marmoriertechnik. Aus den kunterbunten Ergebnissen haben die kleinen Künstler dann passenden Formen und eindrückliche Figuren ausgeschnitten und jeweils eine Seite der Geschichte gestaltet.
Die Illustratorin Jana Walczyk hat anschließend alles professionell gelayoutet und wunderschön gesetzt, sodass nun ein leichtes und luftiges Schneeflocken-Abenteuer für die Kleinsten herausgekommen ist.

Denn Gisela macht sich natürlich auf den Weg zur Erde, wo sie von den Kindern schon sehnlichst erwartet wird. Das können vor allem die Hamburger richtig gut nachvollziehen, eben wegen der seltenen Schneefälle.

Was mich jedoch an dem ganzen Projekt zusätzlich bewegt, ist, dass man mit kleinen Mitteln – einer kurzen Geschichte, Papier, Farben und Kreativität – Kindern zeigen kann, was sie alles selbst gestalten können. Und dass aus ihren Ideen und ihrem Einsatz ein eigenes Buch werden kann, dass in der Buchhandlung am Hamburger Rathausmarkt im Schaufenster steht. Auf dieses entzückende Kunstwerk können die Macherinnen aus dem Haus der Jugend Kiwittsmoor jedenfalls bannig stolz sein!
Zudem hege ich die Hoffnung, dass durch solche kreativen Projekte, die Kinder noch mehr zu Büchern greifen – und ihren Wert und die viele Arbeit, die in jedem einzelnen steckt, ein Stückchen mehr begreifen.

Meyering und Walczyk haben die Geschichte als Hardcover in einer Auflage von 25 drucken lassen. Ich wünsche diesen engagierten Menschen, dass sie bald nachdrucken lassen müssen. Denn diese kleine Bilderbuchperle hat es alle mal verdient, von vielen kleinen schneeflocken-liebenden Kindern betrachtet zu werden.

Haus der Jugend Kiwittsmoor: Die Schneeflocke Gisela, Text: Corinne Meyering, Illustrationen von Ebru, Jessica, Katerina, Leonie, Lion, Melanie und Ulrike, Layout: Jana Walczyk, 2017, 26 Seiten, ab 3, 12,95 Euro zu bestellen bei der Buchhandlung Marissal in Hamburg

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Tiere machen Sachen

Am Anfang des neuen Jahres räume ich immer etwas rum – und dieses Mal ist mir aufgefallen, dass ich da noch eine ganze Reihe von Bilderbüchern liegen habe, die ich hier noch gar nicht gewürdigt habe. Obwohl sie es allesamt verdient haben. Das muss jetzt auf der Stelle nachgeholt werden.

Thematisch haben diese Werke alle tierische Hauptfiguren – die uns unterhalten, verwundern, amüsieren und von denen wir und eine ganze Scheibe abschneiden können.

Da wäre dann gleich mal zum aufräumenden Anfang der Dachs, der es in Emily Gravetts Bilderbuch gern ordentlich hat. Er lebt im Wald, wo er alles Mögliche stutzt und schneidet, dem Fuchs den Schwanz striegelt, Laub saugt und alles mit Stumpf und Stiel wegschafft. Der Gute gerät in so einen Wahn, dass er vor nichts Halt macht – mit drastischen Folgen: Der Wald verschwindet und stattdessen erstreckt sich dort eine glatte saubere Betonfläche. Doch auch ein Dachs kann dazulernen und Fehler eingestehen.
Die wunderbaren Reime von Uwe-Michael Gutzschhahn mildern die krassen Konsequenzen, die so ein rigoroses Vorgehen gegen die Natur haben kann, zwar ein bisschen, aber der Denkanstoß, in Zeiten, wo die Insekten wegsterben, ist gesetzt: Mehr Respekt vor der Natur tut uns allen gut!

Auch im Wald leben Hase, Igel, Eule und Maulwurf, in Jadwiga Kowalskas Bilderbuch Ich bin ein Wolf, sagt Hase. Die vier sind beste Freund und spielen gern Verstecken. Nur leider muss Hase abends immer allein nach Hause und hat Angst vor dem Wolf.
Eines Tages kommt er auf die Idee, sich selbst als Wolf zu verkleiden, dann muss er keine Angst mehr vor gar nichts haben. Eigentlich gar nicht so dumm, doch leider erkennen ihn nun seine Freunde nicht mehr … Hases Erkenntnis zeigt ganz charmant, dass es nicht immer sinnig ist, den großen Macker zu spielen. Denn das kann ziemlich einsam machen. Und gemeinsam mit Freunden verschwinden manchmal auch die Ängste ganz von selbst.

Wenn man jedoch partout etwas anderes machen möchte als im Alltag, kann man sich an Elch Erasmus ein Beispiel nehmen. Inspiriert von einer wahren Geschichte erzählt Franziska Walther ohne Worte in Hoch hinaus, wie dieser Elch sich aufmacht.
Aus dem hohen Norden wandert er los, überquert schneebedeckte Berge, weite Felder, schwimmt durch Flüsse und landet in einer Stadt. Erasmus schaut sich um, lässt sich mit Äpfeln füttern und scheut nicht davor zurück, einem Kaufhaus einen Besuch abzustatten. Doch auf dem Dach gerät er in eine Falle und muss sich einen Weg überlegen, wie er von dort wieder fortkommt.
In herrlich kräftig knalligen Farben schickt Walther den Elch durch die Welt – und zeigt, dass man es mit Neugierde, Mut und Fantasie sehr weit bringen kann. Man muss nur den ersten Schritt machen.

Ebenfalls ohne Worte kommt das optisch ganz großartige Bilderbuch der Italienerinnen Giovanna Zoboli und Mariachiara di Giorgio aus.
Wir lernen ein Krokodil kennen, begleiten es durch den Tag: Morgens um sieben klingelt der Wecker, Krokodil trägt einen gestreiften Pyjama und Pantoffeln, es putzt sich Zähne und sucht sich sorgsam einen Schlips aus, der zum gelben Hemd mit den roten Punkten passt. Dann gibt es Frühstück, danach verlässt Krokodil den Altbau, in dem er wohnt. Zwischen hetzenden Menschen, die am Handy telefonieren und rücksichtslos Auto fahren, durchquert es die Stadt, nimmt die Metro, in der auch eine sonnenbrillentragende Giraffe und ein Affe mit Mütze und Schal fahren. Krokodil erledigt seine Einkäufe, Blumen und Fleisch, bis er schließlich bei seinem Arbeitsplatz ankommt.

In zarten Bildern aus Buntstift, Kohle und Aquarellfarben erschaffen Zoboli und di Giorgio ein sehr vertrautes Stadtbild, mit einer finalen Überraschung, die einem ein Lächeln entlockt – und bei dem man denkt: „Na, klar, das konnte ja gar nicht anders sein.“
Mich entzückt diese Buch zudem, weil Krokodil mich mal wieder an Bernard Wabers Bilderbuch Das Haus in der Lindenallee erinnert hat, in dem schon 1962 ein Krokodil Einzug in das normale Leben hält. Ja, denn auch Krokodile haben einen Alltag.

Und ist es dann nach all dem Bilderbuch-Gegucke die Zeit zum Schlafen gekommen, empfiehlt sich für kleine Energiebündel, die noch nicht ins Bett wollen, der Reim-Spaß von Andrea Schomburg.

Sie schildert das Schicksal von Schaf Regine, das zur Schäfchen-Schlafenszeit mal wieder nicht einschlafen kann. Auch Schäfchen zählen funktioniert so gar nicht.
Aber Regine gibt nicht auf und macht sich auf die Suche nach Herrn Schlaf: beim Schäfer, im Pferde- und auch im Schweinestall ist er allerdings nicht zu finden.
Als Erwachsener leidet man ein bisschen mit dem knuffigen Schaf – ganz reizend hat Karsten Teich das Getier in Szene gesetzt – aber Regines Plan, dann eben die Nacht über wach zu bleiben, geht auch nur kurz auf … Bleibt nur zu hoffen, dass es bei der Gutenachtlektüre nicht zu abendlichen Aktivitäten animiert.

Emily Gravett: Aufgeräumt!, Übersetzung: Uwe-Michael Gutzschhahn, Sauerländer, 2017, 40 Seiten, ab 4, 14,99 Euro

Jadwiga Kowalska: Ich bin ein Wolf, sagt Hase, Atlantis, 2017, 32 Seiten, ab 4, 14,95 Euro

Franziska Walther: Hoch hinaus, Kunstanstifter, 2017, 40 Seiten, 22 Euro

Giovanna Zoboli/Mariachiara di Giorgio: Krokodrillo, Bohem, 2017, 32 Seiten, ab 3, 16,95 Euro

Andrea Schomburg: Wie das Schaf den Schlaf fand, Illustration: Karsten Teich, Sauerländer, 2017, 32 Seiten, ab 4, 14,99 Euro

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