[Jugendrezension] Pirateske Schatzsuche

61dHKVlRYXL._SX324_BO1,204,203,200_Was würde man machen, wenn auf dem Supermarktparkplatz plötzlich ein riesiges Piratenschiff auftaucht? Vor diese Frage wird das Mädchen Marill im Buch Die Weltensegler – Die phantastische Suche nach der Überallkarte von Carrie Ryan und John Parke Davis gestellt. Auf den insgesamt 476 Seiten wird die Frage gelöst, aber alles ist noch viel komplizierter, als es am Anfang erscheint.

Als Marill das Schiff entdeckt hat, fragt ein Mann sie viele Dinge, von denen sie nichts weiß. Als sie erfährt, dass es sich um Magier handelt, die Menschen heilen können, klettert sie an Bord, da ihre Mutter krank ist. Jedoch war das Schiff schon wieder im Aufbruch, und plötzlich befindet sie sich in einer anderen Welt, die ziemlich verwirrend ist. Um wieder nach Hause zu kommen, braucht Marill die Überallkarte.

Kurz zur Erläuterung, da diese Parallelwelt sehr kompliziert aufgebaut ist, und sehr vereinfacht gesagt: Es gibt den Großen Strom, an oder in dem alle Dinge dieser Welt liegen. Um als Mensch wieder zurück in die Menschenwelt zu kommen, benötigt man die Überallkarte. Diese besteht aus einer Windrose, einer Karte, einem Band usw.

Zum Glück hat Marill durch die Piraten Helfer, die mit ihr nach der Karte suchen. Und Fin, ein Meisterdieb aus Charrot Quay, einem sehr, sehr verrückten Ort, wo einige Menschen fliegen können, schließt sich auch noch an. Zuerst suchen Marill & Co. nach der Windrose und begeben sich damit auf eine Reise, die bis ins tiefste Eis führt. Doch sie sind nicht die Einzigen …

Ich fand das Buch sehr schön, obwohl ich eher selten derartige Geschichten aus dem Fantasybereich lese. Es gibt aber einen großen Kritikpunkt: Das Buch ist viel zu kompliziert. Man braucht sehr lange, bis man die Welt von Fin und den Piraten versteht. Trotzdem kann ich das Buch vor allem für schnell denkende Menschen durchaus weiterempfehlen.

Ich halte das Buch für Leser ab 10 oder 11 Jahren geeignet. Für Jüngere ist es einfach zu verworren und zu aufregend, vielleicht sogar zu gruselig.

Lector03 (12)

Carrie Ryan/John Parke Davis: Die Weltensegler – Die phantastische Suche nach der Überallkarte, Übersetzung: Wolfram Ströle, Fischer Sauerländer, 2015, ab 10, 480 Seiten, 14,99 Euro

[Jugendrezension] Caesars Leibwächter

römerSelbst die beste Technik hat ihre Fehler. Ein Beispiel dafür gibt das Buch Albert Zweisteins Zeitkanone – Bei den Römern von Heiko Wolz.

Albert hat eine Lichtgeschwindigkeitskapsel gebaut, für die er in Physik eine Eins mit Stern bekommen hat. Doch schon beim ersten Flug geht etwas schief. Eigentlich will Albert nur zum Baumarkt und einen Silizium-Halbleiter kaufen, doch dann landet er im Jahr 49 v. Chr., besser gesagt: Er landet nicht, sondern stößt im Flug gegen ein Pferd.
Die zwei Personen aus dem Wagen, den das Pferd gezogen hat, sind zwar erst wütend, aber als Albert dann klar wird, dass es sich um Römer handelt, und nachdem er sich mit ihnen anzufreunden versucht, sind auch sie gleich netter zu ihm.

Da sie kein Pferd mehr haben, bitten sie Albert, ihren Auftrag zu übernehmen:  Er soll eine Botschaft zu Caesar nach Ravenna bringen. Bis dorthin sei es nicht mehr so weit. Albert sieht aber zu spät im Mini-Computer des Rat-Packs (auch eine seiner Erfindungen) seiner Ratte nach: Es ist doch sehr weit. Trotzdem kommt er nach Ravenna und wird schnell als Leibwächter Caesars eingespannt. Ihm gefällt das römische Leben sehr: die Thermen, in denen er mit Caesar war, das Essen und überhaupt alles. Er muss jetzt Caesar überallhin begleiten, doch Albert versucht, ihn mit raffinierten Tricks aufzuhalten, so zum Beispiel hält er ihn bei einer Eroberung einer Stadt auf: Man solle sie lieber tagsüber einnehmen, um einen besseren Überblick über die Soldaten zu haben.
Er tut das, weil die beiden Römer, die er am Anfang getroffen hat, ihm nämlich seine Kapsel hinterherschicken wollen. Aber das geht aber nur recht langsam. Ob es Albert gelingt, dass sie ihn einholt? Und ob er seiner Leibwächter-Rolle entkommt?

Das Buch eröffnet dem Leser eine andere Möglichkeit, Geschichte kennenzulernen, als in Geschichtsbüchern. Es ist sehr witzig aus Alberts Perspektive geschrieben. Man hat Einsichten in alles, was er denkt, und das macht die Geschichte sehr lebendig. Man kann sich gut vorstellen, dass diese Geschichte passiert sein könnte. Die Fakten und das Geschehen um Caesar werden ziemlich genau wiedergegeben, obwohl natürlich etwas dazuerfunden ist.

Das Buch würde ich ab etwa acht Jahren empfehlen. Ich denke, dass das Buch für eher Jüngere sehr unterhaltsam und lehrreich ist, Ältere es aber kindisch finden könnten.

lector03 (12 Jahre)

Zusatz von lector06 (9 Jahre):

Ich fand das Buch gut, weil es nicht langweilig ist, sondern spannend. Außerdem spricht Albert wie Schüler heutzutage. Ich habe mehr über Caesar und die römische Geschichte gelernt. Auch über das Leben der Römer, z.B. über ihre Villen, habe ich Neues erfahren.

Heiko Wolz: Albert Zweisteins Zeitkanone – Bei den RömernIllustration: Lisa Hänsch, Oetinger, 2015, 144 Seiten, ab 9, 12 Euro

[Jugendrezension] Jagd auf T-Kex

dinoDas Ungeheuer von Loch Ness ist kein Einzelfall. Seit Jahrhunderten suchen die Menschen mit allen Mitteln nach solchen Tieren. So ist es auch in dem Buch Napoleon & T-Kex von Annika Langa.

Der rücksichtslose, geldgierige Stefan Bolinder, der mit seinem Gefährten Sirob eine Firma namens „Monsterjäger“ gegründet hat, jagt Monster auf der ganzen Welt. In Schwedens fünftgrößtem See, dem Storsjön, wird er fündig. Er hat mit aufwendiger Technik herausgefunden, dass es ein Muttertier und ein Jungtier gibt. Das Kleine will er haben, weil ihm dafür viel Geld gezahlt wird. Um es zu bekommen, erschießt er die Mutter, doch trotzdem entwischt ihm das Jungtier. Unerwarteterweise hat es Flügel, mit denen es bis zu dem Fluss fliegt.
Dort finden es Nappe und seine Freunde durch Zufall und halten es für ein Robbenbaby. Keiner denkt auch nur im Entferntesten daran, dass es das Ungeheuer aus dem Storsjön sein könnte.  Sie bringen es zu ihrem Freund Boris, der praktischerweise direkt am Fluss wohnt. Boris entdeckt, dass es keine Robbe ist, doch auch er hat erst einmal keine Ahnung, was es sein könnte. Aber sie finden schnell heraus, dass das Dinosaurierbaby alias Robbenbaby gerne Kekse mag. Deshalb gibt Nappe ihm seinen Namen: T-Kex, was aus T-Rex und Keks zusammengesetzt ist.
Keiner weiß, dass das Tier von den Monsterjägern gesucht wird. Da es kein besseres Versteck gibt und Nappe ein großer Tierfreund ist, versteckt er T-Kex unter seinem Bett. Doch seine Eltern sind nicht die einzige Gefahr: Die Monsterjäger schrecken auch nicht vor einem Einbruch zurück. Die Lage wird immer gefährlicher …

Napoleon & T-Kex ist sehr schön, lebendig geschrieben, abwechslungsreich erzählt. Man kann das Abenteuer richtig miterleben. Es ist für Dinosaurier- und Tierfreunde und für Menschen, die gerne einfach spannende Geschichten lesen, geeignet. Es ist leicht verständlich und daher für 10-Jährige geeignet.

Lector03 (12)

Annika Langa: Napoleon und TKex, Illustration: Felix Wallbaum,  Kosmos, 2014, 256 Seiten, ab 10, 12,99 Euro

[Jugendrezension] Die Geschichte der Berliner Mauer

mauerViele Menschen besuchen jedes Jahr die Überreste der Berliner Mauer, vor allem die Eastside Gallery und den Checkpoint Charlie, wo als Grenzsoldaten verkleidete Menschen den Touristen Bescheinigungen ausstellen und sich fotografieren lassen. Doch was steckt eigentlich wirklich hinter der Berliner Mauer?

Das Buch Wie war das mit der Mauer? von Verena Glanos gibt Antwort auf diese Frage. Es beschreibt chronologisch die Ereignisse von der Teilung Deutschlands bis zur Wiedervereinigung. Zwei fiktive Personen, Peter und Paul, sind die Beispielfiguren des Buches. Einer der beiden lebt in Ost-Berlin, der andere in West-Berlin. Das, was sie erleben, steht am Anfang jedes Kapitels. Diese Geschehnisse werden dann ausführlich erklärt. Die Texte sind sachlich, ohne große Ausschmückungen geschrieben und sehr informativ. Sie gehen ziemlich stark ins Detail, sind aber trotzdem kompakt. Durch Zwischenüberschriften ist der Fließtext gut gegliedert und sie erleichtern sehr das Überfliegen, wenn man etwas Bestimmtes sucht. Außerdem gibt es neben dem Text noch Infokästen, Steckbriefe und Fragen von Kindern, die in einem Kasten beantwortet werden. Auf jeder Seite finden sich es Bilder, teilweise Fotos, teilweise Zeichnungen. Die Zeichnungen beziehen sich auf das Kapitel, sie fassen sehr kurz noch einmal zusammen, was dort steht. Das Layout der Seite ist also sehr gut: Es ist aufgelockert und erscheint nicht so textlastig. Trotzdem ist das Buch nicht besonders gut zum Hintereinanderweglesen geeignet, denn im Text sind Querverweise auf andere Seiten enthalten. Wenn man ihnen folgt, muss man viel blättern, wenn nicht, dann irritieren sie einen noch.

Wie war das mit der Mauer? ist sehr informativ. Es erklärt die Geschichte so, dass man sie verstehen muss, und man lernt beim Lesen viel. Besonders spannend fand ich die Zeitzeugenberichte, die immer wieder auftauchen.

Ich kann das Buch für jeden interessierten Menschen empfehlen, aber unter neun Jahren ist es wahrscheinlich noch sehr kompliziert.

Lector03 (11)

Verena Glanos: Wie war das mit der Mauer? logo! erklärt, wie Deutschland geteilt und wieder vereint wurde. logo! ZDF tivi, Boje Verlag, 2. Aufl. 2014, 143 Seiten, ab 9, 9,99 Euro

[Jugendrezension] Wenn Realität und Fiktion verschmelzen

morlotManchmal wird Erfundenes wahr. Das zeigt das Buch Morlot – Detektive schlafen nie von Katharina Reschke, in dem es um eine Schriftstellerin, ihren Sohn Jonathan und einen erfundenen Detektiv namens Morlot geht.

Jonathans Mutter, Wanda Holms, ist Schriftstellerin. Sie hat schon viele Bücher über Morlot geschrieben und ist gerade dabei, das letzte Buch der Morlot-Reihe zu verfassen. Aber irgendetwas stimmt nicht. Wanda schreibt, ohne es zu wissen, immer, dass Morlot nicht mehr ermitteln will. Immer wenn sie es bemerkt, regt sie sich sehr auf, weil sie für ihr Manuskript nur begrenzt Zeit hat und sie vor allem einen Text haben will, der so ist, wie sie es will. Aber sobald sie es noch einmal probiert, passiert wieder dasselbe. Es scheint, als hätte Morlot einen eigenen Kopf, könne selber denken und machen, was er will. Dabei ist er doch nur erfunden.
Da Wanda einfach nicht fertig wird, können sie und Jonathan nicht in den Urlaub fahren, was Jonathan sehr ärgert. Er hält gar nichts von Morlot. Doch eines Tages ist Wanda verschwunden. Jonathan sucht sie und sieht dabei auf dem Computerbildschirm die geöffnete Morlot-Geschichte.
Als er sie liest, erschrickt er: Seine Mutter hat geschrieben, dass sie sich zu Morlot aufmachen würde, um ihn zu bitten, ein letztes Mal zu machen, was sie will. Aber sie konnte doch nicht ihre eigene Geschichte geschrieben haben, denkt Jonathan, doch dann sieht er Beweise …

Nach dem Vorfall ändert sich die Welt um ihn herum. Die Straßen tragen auf einmal die Namen aus der Geschichte, nicht die echten. Schließlich begegnet Jonathan Morlot persönlich …

Mir hat das Buch Morlot – Detektive schlafen nie sehr gut gefallen, da unmögliche Dinge passieren. Es ist sehr gut erzählt, man fiebert mit den Personen mit. Das Buch ist spannend und bleibt nicht in der Realität, sondern spielt in der erfundenen Welt von Morlot. Ich würde es ab 9 oder 10 Jahren empfehlen, weil die Handlung teilweise ziemlich kompliziert ist.

Lector03 (11)

Katharina Reschke: Morlot – Detektive schlafen nieIllustration: Gerda Raidt, Boje Verlag, 2014,  224 Seiten, ab 10, 12,99 Euro

[Jugendrezension] Ein aufregender Sommer

miaManchmal können unmögliche Wünsche wahr werden. Davon erzählt das Buch Mein Sommer mit Mia vom Berliner Autor Karsten Stollwerck.

In der Geschichte geht es um den 11-jährigen Meik, der 1989 in West-Berlin wohnt.
Meik wundert sich ständig, wie kompliziert es mit der DDR und West-Berlin ist. Als er einmal seine Cousine in Ost-Berlin besucht, lernt er Mia kennen, die bald seine beste Freundin wird.
Zusammen mit Meiks Cousine fahren sie in den Sommerferien zum Zelten und unternehmen viele Dinge. Als sie zurückkehren, fällt Meik auf, dass auf der Karte der DDR an Stelle von West-Berlin nur ein weißer Fleck ist. Wieder wundert er sich.
Als er dann auch noch erfährt, wie schlecht die Bedingungen in der DDR sind, beschließt er, einen Tunnel zu graben, um Mia nach West-Berlin zu holen. In der Nacht schleicht er mit einem Freund an die Mauer. Dabei werden die Jungs fast erwischt.

Nachdem dieser Plan nicht funktioniert hat, denkt Meik über alles mögliche Andere nach. Plötzlich erfährt er, dass in Ungarn die Grenze geöffnet wurde. Als er das nächste Mal mit Mia telefoniert, will er ihr das sagen, doch seine Mutter verhindert das, um die Stasi nicht aufmerksam zu machen.
Ein paar Tage danach hört er von einer Demonstration in Leipzig, bei der Verwandte von ihm waren. Als die Demonstration nichts bewirkt, ärgert sich Meik.

Doch einige Nächte später hupt es vor Meiks Haus: Er hört Menschen schreien, dass die Grenze offen sei …

Mein Sommer mit Mia ist spannend und ernst, da es die Realität aus dem Sommer 1989 vor dem Mauerfall behandelt. Ich würde das Buch wegen des Themas ab elf Jahren empfehlen, für mutige Leser schon ab zehn.

Lector03 (11)

Karsten Stollwerck: Mein Sommer mit Mia, Ravensburger Buchverlag, 2014, 224 Seiten, ab 10, 7,99 Euro

[Jugendrezension] Auf der Suche

boyneDas Buch des irischen Autors John Boyne So fern wie nah handelt von dem zu Beginn kleinen Jungen Alfie, an dessen fünftem Geburtstag der erste Weltkrieg ausbricht. Sein Vater Georgie verspricht, nicht in den Krieg zu ziehen – und bricht dieses Versprechen gleich am nächsten Tag.

Vier Jahre später liest Alfie jeden Tag die Zeitung durch, auf der Such nach einer Meldung über seinen Vater, weil dieser seit längerer Zeit keine Briefe mehr geschrieben hat. Aber Alfie findet nichts: zum Glück, denn in der Zeitung stehen nur die Namen der Gefallenen und Verletzten.
Inzwischen arbeitet seine Mutter als Krankenpflegerin. Da sie aber nicht genug Geld verdient, arbeitet Alfie heimlich als Schuhputzer am Londoner Bahnhof King´s Cross. Einen Teil des Geldes gibt er seiner Mutter, den anderen Teil muss er für neue Schuhputzmittel ausgeben, denn der Vorrat in seiner Schuhputzkiste reicht nicht lange. Weil er jeden Tag junge Männer sieht, die in den Krieg ziehen – es ist inzwischen Pflicht, mit 18 Jahren Kriegsdienst zu leisten –, wird er oft an seinen Vater erinnert. Eine ganze Weile putzt er die Schuhe der Leute, bis der Name seines Vaters in der Zeitung unter den Verletzten steht. Am nächsten Tag hört Alfie zufällig am Bahnhof ein Gespräch zwischen seiner Mutter und einem Mann, in dem er erfährt, in welchem Krankenhaus sein Vater liegt: Er hat einen so genannten Granatenschock erlitten. Alfie fährt in dieses Krankenhaus, und ihm passiert nun Einiges, was ihn denken lässt, das Krankenhaus sei schlecht. Er findet seinen Vater schließlich bei den psychisch Geschädigten, wird aber nach so langer Zeit von diesem nicht erkannt. Als Alfie wieder zu Hause ist, beschließt er, seinen Vater dort herauszuholen …

Das Buch ist sehr ernst, daher ist es überhaupt nicht für Menschen geeignet, die gerne Witziges mögen. Es ist spannend und bewegend erzählt, sodass man über all die Jahre mit Alfie, der vom Kind zum Jungen wird, mitfiebert.

Ich empfehle das Buch von 10 Jahren an. Für Jüngere ist es sowohl wegen des Themas Krieg als auch wegen der Zusammenhänge, die sich beim Lesen manchmal erst hinterher ergeben, ziemlich schwer begreifbar.

Lector03 (11)

John Boyne: So fern wie nah, Übersetzung: Brigitte Jakobeit/Martina Tichy, Fischer KJB, 2014, 256 Seiten, ab 12, 12,99 Euro