[Gastrezension] Vom Kampf gegen die Depression

depression„Alles super!“ – das klingt irgendwie verdächtig, wenn auch noch relativ sympathisch und harmlos in Zeiten von facebook-Euphemismen, wo alles mindestens „suuupiduupi“ (schlimm), „ultratollo“ oder „megageil“ (ganz schlimm) ist. Und natürlich ist nicht alles super zu Hause bei den Geschwistern Raymond und Gloria im Roman Alles super! von Roddy Doyle.
Denn Onkel Ben, Papas jüngerer Bruder, ist bei der Familie eingezogen und wohnt nun in Glorias Zimmer. Ihre rosa Bettdecke hingegen liegt auf einer Matratze in Raymonds Zimmer. Dass sie sich jetzt ein Zimmer teilen, findet Raymond allerdings insgeheim sogar ganz gut.
Doch der geliebte Onkel Ben ist anders als sonst: Er musste seinen Malerbetrieb mangels Aufträgen dichtmachen und kann die Hypothek für sein Haus nicht mehr bezahlen. Ben ist gar nicht mehr lustig und leichtlebig, lacht nie, unternimmt nichts mehr mit den Geschwistern, ist nur noch ein schwermütiger Schatten seiner selbst.
„Der schwarze Hund, die Depression, ist diesem armen Jungen auf den Rücken gekrochen“, sagt Omi, Mamas Mutter, die auch im Haus wohnt. „Und Dublin hat sein Narrenbein verloren. Keiner lacht mehr.“

Also schleichen Raymond und Gloria sich nachts raus, um den schwarzen Hund zu vertreiben und treffen dabei Eddie, der als Schulversager das sprichwörtlich schlechte Beispiel für alle Kinder des Viertels ist und sich neuerdings als Vampir versucht. Bei der Jagd nach dem schwer zu fassenden, ständig Größe und Form ändernden Biest, das außerdem eine unheimliche Kälte ausstrahlt, treffen die drei immer mehr Kinder. Jedes von ihnen kennt einen geliebten Menschen, der vom schwarzen Hund angefallen wurde, oder wohnt in einem Haus, wo dieses fast dementorenartige Wesen vor der Schlafzimmertür des Vaters lauert, der dahinter apathisch im Bett liegt.

Die Darstellung der Depression als schwarzer Hund ist ein Klassiker der Visualisierung dieser Krankheit: Depression als ständige Begleiterin, man kann sie zähmen und in Schach halten, aber sie kann auch immer wieder gefährlich werden (sehr gut übrigens, dass im Buch konsequent der Singular verwendet wird und nicht von „Depressionen“ die Rede ist, als ob eine nicht schlimm genug sei). Roddy Doyle aber erzählt hier von mehr: Nicht nur von der psychischen Erkrankung, die einzelnen Betroffenen jede Freude und Empfindungsfähigkeit nimmt, sondern auch von der wirtschaftlichen Depression, die so viele Leute, ja eine ganze Stadt wie Dublin deprimiert. Die Finanzkrise von 2008, die alle westlichen Industrienationen erschüttert hat, hat Irland, in Anlehnung an prosperierende asiatische Staaten auch „keltischer Tiger“ genannt, besonders hart getroffen. Einst war Irland das ärmste Land Westeuropas, doch um die Jahrtausendwende waren die Iren sehr reich geworden – und fielen um so tiefer, verloren Arbeit und Häuser, kostspielige Pferde und andere Tiere wurden zu Tausenden ausgesetzt. Finanzielle Nöte deprimieren die Menschen, belasten und lähmen sie, sitzen ihnen im Nacken oder hängen wie ein Mühlstein um ihren Hals.

Kinder bekommen das sehr wohl mit und leiden ebenso unter den Auswirkungen der finanziellen Depression. Und Roddy Doyle, der sich in allen seinen Romanen mit gesellschaftlichen Problemen und Ungerechtigkeit beschäftigt, hat ein sehr eindringliches Bild für die Erschütterungen seiner Heimat gefunden und erzählt ebenso humorvoll wie eindringlich vom Kampf gegen die kollektive Depression.

Sehr gut sind Doyles Beschreibungen von typischem Erwachsenenverhalten aus Kindersicht, zum Beispiel unterscheiden die Geschwister zwischen „Reden“, „Plaudern“ und „Murmeln“ – bei letzterem geht es um sehr ernste Themen, die Kinder gar nicht wissen sollen, so wie den schwarzen Hund.
Als die Kinder das depressiv machende Wesen verfolgen, erweist sich das Wort „super“ als Geheimwaffe, als Laserschwert gegen die dunkle Macht und Beschwörungsformel gegen böse Beschimpfungen. Mit einem laut gerufenen„Super!“ zaubern sie Licht in die Nacht und machen sich Mut. Neben der Eiseskälte hat der Hund nämlich eine besonders perfide Waffe: Er beschimpft die Kinder als „unnütz“. Und da empfinden die Kinder, was Depression bedeutet: Sie fühlen sich niedergedrückt, so sehr, dass sie sich nur noch hinlegen möchten, nie wieder aufstehen und sterben, sich vom Meer wegspülen lassen. Es sind dann die Tiere, Katzen, Hunde, Möwen und Exoten im Zoo, die die Kinder daran erinnern, warum sie wichtig sind und was sie stark macht: „Ihr seid die Zukunft!“.

Das macht auch Roddy Doyles neuen Roman so charmant: Wie er von ernsten Themen mit liebenswerten Charakteren, viel Witz und intelligenten Humor erzählt und sogar noch ein überzeugendes happy ending beschert. Allein für die Nebenfiguren Ernie und die Omi lohnt es sich. Das ist leicht zu lesen (nicht zu schreiben!), aber nie seicht. Roddy Doyle ist sozusagen der irische Andreas Steinhöfel. Da passt es auch sehr gut, dass Steinhöfel mehrere Kinder- und Jugendbücher Doyles übersetzt hat. Leider nicht Alles super!, das hätte uns vielleicht das eine oder andere falsche „macht Sinn“, „von daher“ und affektiertes „oh, mein Gott“ erspart. Warum „Football“ nicht mit „Fußball“ übersetzt wurde, bleibt auch das Geheimnis von Bettina Obrecht. In Irland ist sicher nicht „American Football“ gemeint?!

Im Original heißt „super“ übrigens „brilliant“ – ein ungleich stärkeres, überzeugenderes, funkelnderes Schlagwort. Aber im Deutschen ist es schwierig, einen entsprechenden Begriff zu finden: krass, cool, voll fett? Wohl eher nicht …
Ansonsten ist alles super bei Roddy Doyles jüngstem Roman, schlicht: brillant!

Elke von Berkholz

Roddy Doyle: Alles super!, Übersetzung: Bettina Obrecht, cbj Verlag, 2015, 192 Seiten, ab 8, 12,99 Euro

[Jugendrezension] Der Wald gibt jedem, was er verdient

oskari„Ein Junge, den man in die Wildnis schickt, kehrt als Mann zurück“: So ist es Tradition in Oskaris Dorf. Oskari steht kurz vor dem dreizehnten Geburtstag und damit vor der größten Prüfung seines Lebens. Er muss beweisen, dass er ein Mann ist. Dass sein Vater der beste Jäger des Dorfes ist und der Junge seinen Ruf nicht beschmutzen darf, macht ihm die Prüfung nicht leichter.

Eine Nacht muss Oskari alleine im Wald überleben und als Erfolg eine Jagdtrophäe vorzeigen. Das erlegte Tier hat eine bestimmte Bedeutung für das weitere Leben. Ein Hirsch steht z. B. für Intelligenz. Zum Glück hat sein Vater ihm von seinem geheimen Jagdgrund erzählt, wo er garantiert fündig werden wird.

Dass schon die Anfangszeremonie schiefläuft, hätte Oskari nicht erwartet. Er bringt nicht genug Kraft auf, um den rituellen Jagdbogen bis zur Wange zu ziehen. Bisher hatte er immer nur mit kleineren Bögen geübt. Normalerweise muss sich jeder Junge dem Ritual unterziehen, aber unter diesen Umständen sind sich die Einheimischen unsicher. Ein Kind, das denn Bogen nicht spannen kann, hatte es noch nie gegeben.

Oskaris Vater besteht darauf, dass sein Sohn bei der Prüfung teilnehmen kann. Sonst wäre es eine große Schande für ihn und besonders für Oskari. Nach einer Diskussion setzt der Vater sich durch, und Oskari zieht mit festem Willen in den Wald. Er muss unbedingt lebend wieder herauskommen. Noch einen Verlust würde der Vater nicht überstehen. Nach dem Tod von Oskaris Mutter lächelt er nicht mehr viel.

Oskari will seinen Vater stolz machen, was leider nicht so gut klappt. Als der Wald ihm endlich die Chance bietet, einen Hirsch zu erlegen, ertönt der ohrenbetäubende Lärm eines landenden Hubschraubers. Noch schlimmer ist, wer aussteigt. Es sind Hazar und seine Männer. Hazar, ein Berufskiller, scheut sich nicht, mal eben einen seiner Männer zu erschießen.

Oskari weiß nicht, was der Psychopath hier will und wer er ist. Er weiß nur, dass er fliehen muss. Blind vor Angst läuft er durch die Wildnis und ist kurz davor, zurück zu seinem Dorf zu laufen. Aber dann stößt er auf eine fremdartige große Metallkapsel. Aliens, ist seine erste Vermutung. Doch es ist nicht das Werk Außerirdischer. Der Mann, der aus der Metallkapsel herauskommt, ist niemand anderes als der Präsident der Vereinigten Staaten. Hazar hat es auf ihn abgesehen und die beiden müssen fliehen. Oskari merkt, dass der Präsident sich nicht in der Natur auskennt und nicht alleine zurechtkommt. Also übernimmt er das Kommando.

Diesmal ist er es, der den Durchblick hat. Oskari genießt es, nicht im Schatten des Vaters zu stehen und zum ersten Mal der bessere Jäger zu sein. Es beginnt ein fesselndes Abenteuer, und plötzlich fällt Oskari auf, dass es kein Zufall ist, dass er den Präsidenten getroffen hat. Der Wald gibt jedem, was er verdient.

Ich wollte Big Game – Die Jagd beginnt von Dan Smith lesen, weil das erste Kapitel mich an mein Lieblingsbuch erinnerte. Doch die Geschichte entpuppte sich als ein völlig anderes Genre, was mir aber sehr gut gefiel, weil es viele unerwartete Wendungen gab. Ich hatte zum Beispiel gehofft, dass Oskari endlich ein Tier erlegt. Was schließlich seine Trophäe sein würde, kam absolut überraschend. Gefallen hat mir auch der besondere Schreibstil. Es kam mir vor, als wäre der Autor selbst mal ein Jäger gewesen. Außerdem konnte ich mich gut in Oskari hineinversetzen. Welches Kind musste nicht einmal eine Mutprobe bestehen, um seine Stärke zu beweisen?

Katharina (12)

Dan Smith: Big Game – Die Jagd beginnt, Übersetzung:Birgit Niehaus, Carlsen Chicken House, 2015, 304 Seiten, ab 12, 15,99 Euro.

Ab 18.6. läuft die Verfilmung dieser Geschichte auch im Kino.

London gestern und heute

colferEigentlich bin ich kein großer Fan von Zeitreisegeschichten, über die genauen Gründe meiner Abneigung gegen dieses Gedankenspiel muss ich jetzt allerdings noch mal genau nachdenken. Denn Eoin Colfer hat mit WARP – Der Quantenzauberer eine Variante dieses Genres vorgelegt, die ich nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Die 16-jährige Chevron arbeitet als jugendliche Hilfsagentin für das FBI. Nach einem misslungenen Einsatz in Los Angeles wird sie nach London strafversetzt, bis Gras über die Sache gewachsen ist. In der britischen Hauptstadt wartet ein langweiliger Bewachungsjob auf sie – was aber natürlich nicht so bleibt … denn das Objekt, das Chemie im Auge behalten soll, ist eine Zeitreisemaschine des anonymen Zeugenschutzprogramms „Witness Anonymus Relocaton Programme“ – kurz WARP. Damit schickt das FBI gefährdete Zeugen in der Zeit zurück ins 19. Jahrhundert, wo angeblich niemand an sie herankommt. Dass dieses Konzept nicht aufgeht, merkt Chevie ganz schnell, als in dem Ding plötzlich ein Toter und ein Junge aus der Vergangenheit auftauchen.

Der ebenfalls 16-jährige Riley ist Assistent des Zauberers Albert Garrick. Dieser arbeitet jedoch hauptsächlich als Auftragsmörder im London von 1898. Gerade als Riley von Garrick zu seinem ersten Mord gezwungen wird, aktiviert das Opfer einen so genannten Timekey und katapultiert sich durch ein Wurmloch in die Gegenwart. Garrick, der merkwürdigerweise an seinem Assistenten wie an einem Sohn hängt, folgt Riley später in die Zukunft. Ein rasantes Hin und Her zwischen Vergangenheit und Gegenwart entspinnt sich, bei dem Garrick durch das Zeitreisen zu einem Magier mit Superkräften mutiert und nun in James-Bond-Bösen-Manie leicht größenwahnsinnig die Weltherrschaft in seiner Zeit erlangen will.
Chevie, die mit Riley zusammen vor Garrick flüchtet, erlebt nicht nur das sehnlichst herbeigewünschte Agenten-Abenteuer, sondern lernt dabei auch den Gestank und das Elend des viktorianischen Englands kennen. In all dem Trubel von Verfolgungsjagden durch die Zeiten findet Riley schließlich heraus, wer seine Eltern getötet hat …

Eoin Colfer ist ein rasant-frecher Pageturner gelungen, der mit einem Augenzwinkern auf Charles Dickens, Arthur Conan Doyle und Jules Vernes anspielt und auch die Gegenwart mit ihren Absonderlichkeiten aufs Korn nimmt. Claudia Feldmann hat diese Geschichte entsprechend pfiffig ins Deutsche übersetzt. WARP ist spannendes Lesefutter für Liebhaber von Agentengeschichten – und wird zum Glück erst einmal nicht von einer Liebesgeschichte der Helden Chevie und Riley überlagert, sondern lebt ganz von dem Kontrast der verschiedenen Epochen in London. Das wird besonders anschaulich, wenn Riley in der Zukunft feststellt, dass er die Menschen gar nicht mehr riechen kann. Eine feinsinnigere Beobachtung, in was für einer angenehmen und bequemen Zeit wir heutzutage leben, kann es eigentlich kaum geben.

Eoin Colfer: WARP – Der Quantenzauberer, Übersetzung: Claudia Feldmann, Loewe Verlag, 201,4 352 Seiten, ab 14, 16,95 Euro

PS: Und endlich gibt es mal einen wirklich reizenden Buchtrailer, den ich hier gerne einbinde…

 

London calling…

ashton place 2Fortsetzung sind ja manchmal so eine Sache. Die Erwartungen sind hoch, die Fallhöhe auch. Umso schöner, wenn sich auch in einem zweiten Teil das gleiche Gefühl und die gleiche Wonne wie beim Vorgänger einstellt. So geschehen gerade bei Maryrose Woods Fortsetzung von Das Geheimnis von Ashton Place.

In Teil zwei, Die Jagd ist eröffnet, reist Penelope Lumley, Gouvernante und Swanburne-Mädchen aus vollem Herzen, mit den drei Unerziehbaren Alexander, Beowulf und Cassiopeia, nach London. Dort will Penelope ihre ehemalige Erzieherin Miss Mortimer treffen. Diese hat der 15-Jährigen einen Hixby-London-Reiseführer geschickt, der sich mit seinen Berg- und Naturbildern als überaus merkwürdig und wenig hilfreich erweist. So irrt Penelope nach der Ankunft in der Großstadt durch die schmutzigen Gassen und findet den Weg in die vornehme Muffinshire Lane nicht, wo ihre Arbeitgeber Lady Constance und Lord Frederick eine hochherrschaftliche Villa angemietet haben.

Hilfe bietet ihr schließlich der junge Theaterschriftsteller Simon Harley-Dickinson, der sich im Laufe von Penelopes London-Aufenthalt zu einem unverzichtbaren Freund entwickelt. Zuvor jedoch haben die drei Kinder eine unheimliche Begegnung mit einer alten Wahrsagerin, die beim Schicksal der Unerziehbaren erschreckt ihre Sachen zusammenpackt und das Weite sucht, nachdem sie geheimnisvoll prophezeit hat: „Die Jagd ist eröffnet.“

Penelope jedenfalls ist fest entschlossen, ihren Schützlingen die Sehenswürdigkeiten und kulturellen Höhepunkte der britischen Hauptstadt näherzubringen: Buckingham Palace, die Parks, das British Museum, in dem ihr der Hixby die Abteilung 17 „Übermäßiger Symbolismus in historischen Porträts von untergeordneter Bedeutung“ ausdrücklich ans Herz legt, sowie eine Theaterveranstaltung im Westend. Zudem trifft sie sich mit Miss Mortimer im angesagtesten Hotelrestaurant der Stadt. Und die alte Erzieherin warnt Penelope, ohne genau zu sagen, vor was eigentlich. So entwickelt sich der London-Trip zu einem mysteriösen Abenteuer, bei dem die junge Gouvernante langsam erahnt, dass  hinter der Herkunft der Kinder, aber auch ihrer eigenen, etwas Größeres stecken muss.

Alexander, Beowulf und Cassiopeia, die mittlerweile annähernd gutes Benehmen erlernt haben, fallen hin und wieder in ihre alten Jagdgewohnheiten zurück. Sie belagern die Bärenmütze von einer der Palastwachen, helfen im Zoo bei der Elefantenpflege, jagen in der Theateraufführung einen Papagei und sabotieren das ganze Spektakel. Im British Museum allerdings stellt Beowulf überaus fachmännisch fest, dass eines der Bilder auch auf dem Dachboden von Ashton Place zu finden ist.

Und also ob das nicht schon genug Aufregung wäre, erleben auch die Herrschaften von Penelope durchaus Schreckliches: Lady Constance, die sich auf all die gesellschaftlichen Empfänge und Einladungen gefreut hat, katapultiert sich ins Society-Abseits, als sie unangemessen verkleidet zur Prämiere des Theaterstücke „Piraten auf Urlaub“ erscheint.   Für die Klatschpresse ein gefundenes Fressen, für Lady Constance der Absturz.
Ihr Gatte Lord Frederick hingegen entpuppt sich als ein Mensch, der ohne seinen Almanach, in dem die Mondphasen verzeichnet sind, nicht leben kann. Als dieses wichtige Büchlein verschwindet und gerade einmal wieder Vollmond ist, gebärdet sich der Lord höchst merkwürdig, heult, bellt und kratzt sich an Türrahmen, als würde ein Wolf in ihm stecken.

Die Jagd ist eröffnet ist ein kurzweiliges, extrem unterhaltsames Abenteuer in einer großen Stadt, mit einer überaus liebenswerten Penelope, die sogar überlegt, mit ihrer launischen Herrin Freundschaft zu schließen. Kulturelles vermischt sich mit Kulturkritik, die zwar den erwachsenen Lesern eher offensichtlich sein wird als den jungen. London-Kenner haben Wiedererkennungsmomente, London-Neulinge bekommen erste Hinweise auf die Sehenswürdigkeiten. Neben den vielen Irrungen und Aufregungen sind jedoch die Anspielungen auf Herkunft und verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Penelope, den Kindern und Lord Frederick viel wichtiger. Und gerade all diese Andeutungen machen mich schon ganz kribbelig, wie dieses Geheimnis von Ashton Place wohl ausgehen mag. Bleibt nur zu hoffen, dass Band 3 nicht allzu lange auf sich warten lässt.

Maryrose Wood: Das Geheimnis von Ashton Place – Die Jagd ist eröffnet, Übersetzung: Eva Plorin, Thienemann Verlag, 2012, 336 Seiten,  ab 11,  12,95 Euro