Drachenstark

Eigentlich sage ich ja immer, ich lese keine Fantasy. Aber dann fallen mir doch so viele Titel ein, in denen mich Magier, Hexen, Drachen, fantastische Wesen und mächtige Objekte aufs Beste unterhalten haben, dass ich meine Aussage wohl etwas relativieren muss.

Nur reiht sich ein weiteres Buch in diese Gruppe ein, das mich beglückt hat: Aventurine – Das Mädchen mit dem Drachenherz der walisischen Autorin Stephanie Burgis, wunderbar übersetzt von Sigrid Ruschmeier.
Hierin erzählt Burgis die Geschichte von Aventurine, ihres Zeichens ein junger Drachen-Schlüpfling. Aventurine ist mit ihren 13 Jahren noch viel zu jung, um aus der heimischen Höhle in die Welt hinaus zu können. Doch das Drachenmädchen ist zum einen viel zu neugierig, zum anderen will sie ihrer besorgten Familie beweisen, dass sie draußen überleben kann.

In einem unbeobachteten Moment schleicht sich sich über einen Geheimtunnel aus der Höhle und macht sich auf, die Welt zu erobern. Fest nimmt sie sich vor, der gefährlichsten Beute für Drachen, den Menschen, aus dem Weg zu gehen. So wie ihr Großvater es ihr beigebracht hat. Doch dann wird sie von einem unwiderstehlichen, köstlichen, verführerischen, unbekannten, nie-gerochenen Duft angelockt.
Auf einer Lichtung sitzt ein Mensch und kocht heiße Schokolade. Aventurine kann sich nicht losreißen und merkt zu spät, dass der Mensch ein Essensmagier ist. Zu verlockend ist die mit Zimt verfeinerte Schokolade. Aventurines Leidenschaft erwacht. Doch die bezahlt sie mit einem hohen Preis.

Hier muss ich ein kleines Bisschen spoilern, und das ist in diesem Fall durchaus nötig, um den ganzen Drive dieser Geschichte deutlich zu machen: Der Essensmagier verwandelt Aventurine in ein Menschenmädchen, und nun geht ihre Geschichte erst richtig los.
Denn Aventurine muss sich von einem Moment auf den anderen ohne ihre Familie in einer völlig fremden Welt zurechtfinden. Durch die Gelehrsamkeit, die den Drachen zu eigen ist, hat sie ein Mindestmaß an Menschensprache gelernt, doch das Wenige, was sie weiß, hilft ihr nur bedingt weiter. Wohl oder übel muss sie zunächst neue Worte lernen, wie „Haar“, „Augenbrauen“, „Schuhe“ oder „Lebensunterhalt“.

Der Zufall bringt Aventurine schon bald in die Stadt Drachenburg, wo es immerhin drei Schokoladenhäuser gibt. Für das Mädchen ist sofort klar, dass sie dort arbeiten will.

Burgis entwickelt so eine äußerst charmante Entwicklungsgeschichte eines drachenstarken Mädchens. Denn Aventurine lässt sich von den städtischen Eigenheiten und Schwierigkeiten, von hinterlistigen Stadtbewohnern oder arroganten Regierenden nicht einschüchtern. Sie lernt, Freunde zu erkennen und ihnen zu vertrauen, lernt, sich von ihrer Leidenschaft um nichts in der Welt abbringen zu lassen.
Und mit all ihrem Mut, ihrer Neugierde und ihrem unerschrockenen Drachenherz wird Aventurine so zu einem zauberhaften Role Model für junge Leserinnen.
Natürlich vermisst sie durchaus auch ihre Familie, aber sie ist mit so einer gehörigen Portion Resilienz ausgestattet, dass sie abzuwägen weiß und für ihre Leidenschaft bereit ist zu leiden. Aber Fantasy wäre nicht Fantasy, wenn es nicht doch noch ein Happy-End für Aventurine gäbe.

Von Aventurine, die trotz aller Widrigkeiten ihr Drachenherz behält und sich kommenden Herausforderungen unerschrocken stellt, können sich zehnjährigen Mädchen einen gehörigen Riegel Schokolade abbrechen – und sich den Genuss derselben von nichts und niemandem verderben lassen. Nie wieder.

Stephanie Burgis: Aventurine – Das Mädchen mit dem Drachenherz, Übersetzung: Sigrid Ruschmeier, Fischer KJB, 2017, 320 Seiten, ab 10, 14,99 Euro

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Valentina F. – Es geht weiter!

2L8Mädels, ganz ruhig bleiben! Das Buch 2L8 – too late von Valentina F. ist noch nicht erschienen – es kommt erst am 22.1.2015 in die Buchläden. Und trotzdem möchte ich es schon mal kurz verkünden: Der vierte Teil von Valentina F.s Geschichte um Vale, Marco und Mirko ist auf dem Weg.

Nach ZDOZM – Zu dir oder zu mir und SGUTS – Schlaf gut und träum süß habe ich auch diesen Teil übersetzt. Dem war eine wahrlich lange Durststrecke vorausgegangen, weil es in Verlagen nun manchmal so ist, dass Wichtigeres ansteht, dass verhandelt wird, mit italienischen Verlagen kann sich das immer noch einen Schlag länger hinziehen, was auch immer …
Was mir allerdings zum ersten Mal passiert ist, war, dass eine ganze Reihe von Leserinnen mich kontaktiert haben, per Mail, per Facebook, per Twitter – also auf der ganzen Bandbreite der sozialen Netzwerke. Lange wusste ich selbst nicht, wie der Stand der Dinge war, konnte keine guten Nachrichten verbreiten. Die Anfragen der Leserinnen habe ich immer in das Jugendbuchlektorat des Fischer Verlags weitergeleitet. Auch dort gingen in den vergangenen Jahren so viele Fragen nach der Fortsetzung ein, dass schließlich im vergangenen Winter das Buch auf meinem Schreibtisch zum Übersetzen landete. Die Übersetzung ist mittlerweile fertig und muss noch lektoriert und Korrektur gelesen werden.
Seit dieser Woche ist das Buch mit dem Titel 2L8 – too late auch bereits bei Amazon gelistet. Zwar nicht, wie ich zuerst dachte, mit einem Erscheinungstermin im Herbst, sondern erst im nächsten Januar. Aber hey, die Zeit fliegt – und bis Januar haben alte und neue Valentina-F.-Fans  genug Zeit, die Vorgänger-Bände (noch einmal) zu lesen und sich auf den Stand der Geschichte um Vale, Marco und Mirko zu bringen.

Vom Inhalt aus Band 4 verrate ich hier natürlich nichts, nur dass Valentina F. es echt spannend gemacht hat, wie es mit den beiden süßen Jungs in Rom weitergeht. Freut euch schon mal drauf!

Valentina F.: 2L8 – Too late, Übersetzung: Ulrike Schimming, Fischer Sauerländer, 2015, 304 Seiten, ab 12, 8,99 Euro