Finanziell souverän

Momentan gibt es wohl keinen Tag, an dem wir Erwachsenen uns nicht über die steigenden Preise in Läden, auf Märkten oder an Tankstellen ärgern. Ob wir es wollen oder nicht, die Gedanken ans Geld sind allgegenwärtig – und betreffen natürlich auch schon die ganz jungen Menschen, wenn es darum geht, aus dem Taschengeld das Beste zu machen.

Denn das Tückische an diesem Geld ist ja tatsächlich, dass es ganz schnell wieder weg ist, wenn man nicht aufpasst. Die Versuchungen und Verlockungen da draußen sind einfach zu groß und zu vielfältig. Und wenn man dann als junger Mensch bereits über eine eigene Geldkarte (welch perfide Idee der Banken) verfügt und bargeldlos zahlt, ist der Überblick über das eigene Vermögen auch schnell dahin. Dann gibt es böse Überraschungen, wenn die Karte auf einmal nicht mehr funktioniert.

Zwei Guppys als Guides

Um solchen Momenten vorzubeugen, kann man jetzt auf den Kinder-Ratgeber Von Geld, Gold, und Guppys zurückgreifen. Andrea Schwendemann, versierte Kindersachbuchautorin, hat sich dem Thema Geld angenommen und führt die jungen Leser:innen mit Witz in diese ziemlich komplizierte und manchmal nervtötende Welt. Sie holt dafür die Guppys Goldi und Fondia als Geld-Guides in ihr Team. Die beiden Fische nehmen die Kids an die Flosse und erklären verständlich und nachvollziehbar, was es mit dem Geld auf sich hat.

Super-Tauscher

Klar, möchte man sofort wissen, wie man aus wenig Geld viel machen kann, aber ohne ein bisschen Geschichte und Hintergrundwissen, wieso die Menschen so ein Zahlungsmittel überhaupt erfunden haben, geht es natürlich nicht. Doch Goldi und Fondia liefern interessante Beispiele für ursprüngliche Tauschobjekte (z.B. Wahl-Zähne, Gehäuse von Kaurischnecken oder Kakaobohnen) und zeigen, mit welchen Geheimzeichen unsere Banknoten, diese Super-Tauscher, heute ausgestattet sind, damit sie nicht gefälscht werden können.

Grundwissen um Sparen, Zinsen, Anlagen

Nach und nach kommen die Guppys dann zur Sache: Was sind Zinsen? Was Zinseszinsen? Was ist die Börse? Wo liegen die Unterschiede zwischen Aktien, Fonds und Sparbüchern? Was für Anlagestrategien gibt es? Was für ein Anlagetypus ist man überhaupt? Wie rutscht man (nicht) in die Schuldenfalle? Anschaulich und gutverständlich gibt es dann die entsprechenden Antworten.
Und so findet man als Leser:in plötzlich seinen eigenen Alltag in diesem Ratgeber wieder, wenn es beispielsweise darum geht, die richtigen Passwörter für Internetshops zu erfinden, oder nerviger Werbung im Netz zu widerstehen.

Das wirklich Wichtige im Leben

Doch neben allen praktischen und theoretischen Finanzinhalten, die Gold wert sind, geht es bei Andrea Schwendemann auch um das, was einem im Leben wirklich wichtig ist und wie man das Leben für sich und andere besser machen kann. Hier erfahren die Kids den Unterschied zwischen grundlegenden Bedürfnissen (Nahrung, Wohnung, Kleidung) und Wünschen (Spielzeug, Süßigkeiten, Sammelkarten) und dass man ganz klar Prioritäten setzen muss. In der Folge zeigen Goldi und Fondia, wie man sein Vermögen am geschicktesten aufteilt – nämlich in Ausgeben, Sparen und Teilen. Ja, auch teilen. Hier fließt auf eine sehr natürliche und selbstverständliche Art, die politische Dimension von Geld und Finanzen in den Ratgeber. Denn das Teilen, besser bekannt als Spenden, ist ein wichtiger Teil für das Funktionieren unserer Gesellschaft. Dass die Kids das bereits in jungen Jahren erfahren, halte ich für enorm wichtig. Denn was nutzt es, wenn wenige Menschen Milliarden bunkern, und andere nicht genug zu essen haben …

Mitmachen, quizzen, unabhängig werden

Vertieft wird das neue Finanzwissen durch Mitmachspiele, Quizfragen, ein Geld-Tagebuch und einen Spar-Plan. Gelesenes setzt sich durch diese spielerischen Elemente ganz natürlich fest und trägt dann hoffentlich in der Zukunft viele tauschbare Früchte. Und so wie es heutzutage notwendig ist, in der Schule Medienkompetenzen zu erlernen, um sich im Netz und den sozialen Medien unbeschadet bewegen zu können, wäre auch das Fach Finanzwesen in der Schule sicherlich nicht verkehrt. Andrea Schwendemanns Ratgeber macht hier den Anfang und liefert das Grundwissen für finanzielle Souveränität, die nicht nur dem Einzelnen nützt, sondern langfristig uns allen.

Andrea Schwendemann: Von Geld, Gold und Guppys. Wie aus deinem Taschengeld ein ganzer Schatz wird, Stiftung Warentest, 2026, 128 Seiten, ab 8, 16,90 Euro

Beruf: Geheimagentin

rubyIhr Name ist Redfort. Ruby Redfort. Und sie kann ganz eindeutig mit James Bond mithalten. Auch ohne Waffen, Martinis oder schnelle Autos. Dafür ist das Teenage-Girl auch noch etwas zu jung. Ihr reichen Bananenmilch, ein Fahrrad und ein wacher Geist. Mit dem gewann Ruby bereits im Alter von sieben die Junior-Codeknacker-Meisterschaften und erfand bereits ein Jahr später ein Rätsel, an dem sich selbst Harvard Professoren die Zähne ausbissen.

Ruby lebt in den 70er Jahren im Städtchen Twinford an der Ostküste der USA, sammelt Telefone in Muschel-, Donut- oder Eichhörnchenform und ist definitiv nicht auf den Kopf gefallen. Ganz im Gegenteil.  Rätsel, Geheimschriften und Codes sind ihre größte Leidenschaft. Mit ihrem besten Freund Clancy Crew kommuniziert sie mit verschlüsselten Botschaften. Die besten Voraussetzungen, Karriere als Geheimagentin zu machen. Daran denkt Ruby zunächst zwar gar nicht, doch bevor sie auch nur mit den Fingern schnippen kann, hat die Geheimorganisation Spektrum sie rekrutiert. Sie soll bei der Verhinderung eines geplanten Verbrechens helfen. Hier mehr zu erzählen, wäre allerdings unverzeihlich, denn die Spannung wäre dahin.
Nur so viel noch: Es geht um viel Gold, eine Buddha-Statue aus Jade, eine fiese Verbrecherbande und einen Geheimagenten, der als Butler bei den Redforts arbeitet und ein Auge auf Ruby hat.

Das Herrliche an diesem dicken Schmöker ist ganz eindeutig die junge Heldin. Sie ist vorlaut, frech, hat immer einen Spruch auf den Lippen – und dem T-Shirt. Sie kann kombinieren, traut sich was und schreckt auch vor Einbrüchen nicht zurück, wenn sie der Sache dienen. Ruby ist der Prototyp eines unabhängigen, selbständigen Mädchens, die sich weder von bräsigen Eltern, die so rein gar nichts raffen, noch von gefährlichen Gangstern aufhalten lässt. Ruby ist cool, weiß aber auch die bodenständige Unterstützung ihres Freundes Clancy zu schätzen. Sie taugt durchaus als Vorbild – sich nämlich eine eigene Meinung zu bilden und den eigenen Weg zu gehen.

Lauren Child schreibt in einem lockeren Stil, dessen Witz und Ironie Anne Braun wunderbar ins Deutsche geholt hat, so dass man die über 400 Seiten einfach rauschhaft herunterliest. Denn bereits die prologartige Kindheitsgeschichte Rubys hat so ein Suchtpotential, dass man das Buch nicht mehr aus den Händen legt, bis das Abenteuer ausgestanden ist. Wenn man dann wieder zu Atem gekommen ist, kann man nur hoffen, dass die nächsten Fälle der Ruby Redfort nicht allzu lange auf sich warten lassen werden. Für Leseratten ist dieser rasante Serienauftakt jedenfalls ein gefundenes Fressen.

Übrigens, das verschmitzte halbe Portrait von Ruby auf dem Cover finde ich ja ganz großartig – es hat mich an die Mädchenbücher aus den 70er Jahren erinnert, die ich damals verschlungen habe. Ruby Redfort hat mir somit ein Stück meiner Kindheit zurückgebracht. Und das ist herrlich.

Lauren Child: Ruby Redfort – Gefährlicher als Gold, Übersetzung: Anne Braun, Fischer KJB,  2013, 448 Seiten, ab 12, 14,99 Euro