Meer erleben

meerMein Vater hat früher immer gesagt, dass das Meer viel toller sei als die Berge – denn die könnten darin versenkt werden, einschließlich des Mount Everest. Das ist zwar mehr ein Witz zum Schenkelklopfen, doch irgendwie muss ich immer daran denken, wenn ich am Strand stehe und über die Weite des Wassers schaue. Meine Liebe zum Meer hat dieser Spruch keinen Abbruch getan.

Wie vielschichtig und wichtig das Meer und die Ozeane für uns alle ist, zeigen die Autorinnen Anke Leitzgen und Anna Bockelmann in dem liebevoll gemachten Sachbuch Erforsche das Meer. Sie haben ihr Werk in drei große Bereiche unterteilt: Im ersten – Was ist los im Meer? – erfahren Wasserliebhaber die wichtigsten Fakten über das Meer, seine Entstehung, seine Bewohner und seine Veränderungen. Dieser Teil ist ganz wunderbar illustriert von Signe Kjaer.

Im zweiten Teil – Wie erforsche ich das Meer? – gibt es über ein Dutzend Experimente zum Nachmachen. Aus Salzwasser wird Trinkwasser gewonnen, das Salatblatt mit Salzwasser gegossen und Algen zum Wachsen gebracht. Diese einfachen, ohne großen Aufwand nachzumachenden Experimente liefern nicht nur Spaß, sondern schärfen das Bewusstsein für umweltschützende Zusammenhänge. Denn, dass das Meer nicht mehr ganz gesund und sauber ist, darauf weisen die Autorinnen durchgängig hin: Die Fischarten verringern sich, es gibt mehr Quallen im Wasser, der Plastikmüll landet durch die Fische auch bei uns auf dem Teller – was nur der letzte Schritt an unappetitlichen Folgen der Umweltverschmutzung ist..

Im dritten Teil schließlich – Was kann ich an den Küsten entdecken? – präsentieren Leitzgen und Bockelmann die verschiedenen Küstenarten Europas, vom Watt bis zur Steilküste, vom Mittelmeer bis zur Buchtenküste an der Ostsee. Sie befragen Experten und Meeresanwohner und liefern jede Menge Anregungen, was man in den Sommerferien am Meer – ganz egal, ob Nordsee oder norwegische Steilküste – am Wasser unternehmen kann. Segeln und angeln sind davon sicher die bekanntesten, aber vielleicht nicht die spannendsten. Die Gezeitentümpel und die Spuren im Schlick kommen mir da viel interessanter vor. Aber am Meer hat alles seine Berechtigung.

Eins ist nach dem Studium dieses Buches auf jeden Fall klar: Wer hier richtig gelesen hat, wird nie wieder ein Stück Plastik, sei es auch noch so klein, einfach achtlos am Strand liegen lassen. Auch nach der Rückkehr aus dem Urlaub wird vielleicht manch ein Kind achtsamer mit unserer Umwelt umgehen. Denn in sauberem Meerwasser geht man natürlich viel lieber baden als in einer dreckigen Brühe. Dieses Buch sei also allen Strandurlaubern dringend ans Herz gelegt.

Anke Leitzgen/Anna Bockelmann: Erforsche das Meer, Illustration: Signe Kjaer, Beltz & Gelberg, 2016, 156 Seiten, ab 8, 16,95 Euro

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Zukunftsvisionen

klimakatastropheÜber nichts reden wir so gern wie das Wetter. Der düsterste Winter seit Jahrzehnten liegt hinter uns, der März ließ uns mit dem Schnee lange nicht an Frühling denken. Die Nerven lagen schon ziemlich blank, was das Wetter anging. Jetzt stöhnen wir wieder unter der Hitze. Das Klima, kaum etwas beschäftigt uns so und das täglich und eigentlich rund um die Uhr.

Nur der Klimawandel scheint uns ziemlich egal zu sein. Zu fern scheinen die Konsequenzen unseres Treibens noch zu sein. Dass wir sehenden Auges auf die Klimakatastrophe zusteuern zeigt der nachdenklich machende Comic Die große Transformation. Hierin kommen die neun Experten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) zu Wort, die von 2008 bis Februar 2013 Mitglieder in diesem Gremium waren. Die Professorinnen und Professoren beschäftigen sich intensiv mit dem Wandel des Erdklimas, sei es in den Bereichen der Physik, der Geobiologie, der Erdsystemanlyse, oder auch als Politik-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler oder als Luft- und Raumfahrttechniker oder Energiewirtschafter.

In neun Kapiteln erklären sie die Zusammenhänge von Wirtschaft, Politik, Energiegewinnung, Welternährung, Finanzen, Technik, Klima – und warum wir uns dringend verändern müssen und das weltweit. 2050 werden neun Milliarden Menschen auf der Erde leben, die, wenn wir so weiter machen wie bisher, nicht mit ausreichend Nahrungsmitteln, Energie und sauberem Wasser versorgt werden können. Allein diese Vorstellung ist bedrückend. Zumal es jetzt schon ganz klar ist, dass kein Land der Welt diese Mega-Aufgabe allein bewältigen kann. Es geht nur gemeinsam. Die Verzahnung der Probleme legen die Experten sehr verständlich offen, so dass man in der Konsequenz die Regierungschefs aller Länder in einen Raum einschließen und den Schlüssel wegwerfen möchte, bis diese zur Besinnung gekommen sind und sich auf einen gemeinsamen Rettungsplan verständigt haben.

Denn was die WBGU-Experten auch ganz deutlich machen, ist die Tatsache, das die Wissenschaft die Lage der Welt bis ins Detail analysiert, durchgerechnet und untersucht hat. Man weiß genau, was passieren wird – wir merken es momentan an außergewöhnlichen Wetterveränderungen oder Überschwemmungen, die in den kommenden Jahren nicht weniger werden – und man weiß auch, was getan werden müsste, um den endgültigen Kollaps zu vermeiden. Die Wissenschaft und die Technik haben Lösungen, die machbar und jetzt noch bezahlbar sind. Dass es die Weltrettung nicht umsonst gibt, sollte eigentlich jedem klar sein, nur wird die Vogel-Strauß-Mentalität uns in Zukunft Unsummen kosten, die man jetzt noch einsparen könnte.

Die von einem Zeichner-Team klassisch schwarzweißen Panels vermitteln mit ihrer Mischung aus Comic-Zeichnungen und Infografiken sowohl die jeweilige Arbeit der Experten als auch die Inhalte und Erkenntnisse aus deren Fachgebieten.
Wer sich bis jetzt nur am Rande mit dem Klimawandel beschäftigt hat, dem sei Die große Transformation wärmstens ans Herz gelegt. Hier wird das vielleicht wichtigste Thema unserer Zeit nicht in drögem Polit-Ton in einem unverständlichem Kauderwelsch abgehandelt, sondern in eindrücklichen Bildern und verständlichen Texten für alle nachvollziehbar gemacht.

Die Konsequenzen sind für jeden Menschen nach dieser Lektüre eigentlich offensichtlich: Energiesparen, das Auto stehen lassen, bewusst einkaufen, Ressourcen schonen, der Wegwerfgesellschaft eine Absage erteilen, weniger Fleisch konsumieren, Strom aus erneuerbaren Energie beziehen und, falls man doch viel fliegen oder Auto fahren muss, den eigenen CO2-Ausstoß durch den Kauf von Emissionszertifikaten ausgleichen.
Das sind im Grunde keine allzu großen Opfer, die wir da bringen müssen. Man muss es nur tun und sich seines Handelns bewusst werden. Und wenn jeder seinen kleinen Teil dazu beträgt, ist es womöglich noch nicht zu spät.

Unsere Kinder, Nichten, Neffen, Enkel und alle, die nach uns kommen, hätten dann noch die Chance auf eine einigermaßen intakte Welt und ein Leben, bei dem die elementaren Grundbedürfnisse noch befriedigt werden können. Dafür den eigenen Egoismus einzuschränken sollte eigentlich selbstverständlich sein und uns ganz leicht fallen.

Alexandra Hamann/Claudia Zea-Schmidt/Reinhold Leinfelder (Hg.): Die große Transformation Klima – kriegen wir die Kurve?Jacoby & Stuart, 2013, 144 Seiten, 14,95 Euro

 

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