Fred zum Lesen

Heute erscheint ein Buch, auf das ich mich lange gefreut habe – denn ich durfte als Lektorin daran mitwirken. Nun ist mit Fred bei den Wikingern das erste Print-Produkt im Berliner ultramar Verlag erschienen. Warum ich das hier so betone? Ganz einfach, ultramar und seine beiden Hauptakteure Birge Tetzner und Rupert Schellenberger haben bis jetzt nur CDs herausgebracht, nämlich die wunderbar Hörspiel-Reihe um die Hauptfigur Fred. Über die spannenden Zeitreise-Geschichten und die Robin-Hood-Variation habe ich hier bereits berichtet.
Konnten archäologie-begeisterte Kids bis jetzt den insgesamt sieben Abenteuern von Fred und Opa Alfred nur lauschen, so können sie jetzt die Zeitreise zu den Wikingern auch nachlesen und sich von den stimmungsvollen Illustrationen von Karl Uhlenbrock in die Zeit des Nordvolkes vor ungefähr tausend Jahren entführen lassen.

Sturz durch die Zeit

Fred macht mit Opa Alfred ja bekanntermaßen Ferien in Dänemark. In Roskilde unternimmt der Junge eine Ruderpartie in einem originalgetreu nachgebauten Langboot der Wikinger – und geht über Bord. In dem aus den Hörspielen bereits bekannten Kniff fällt Fred durch die Zeit und findet sich bei den nordischen Kämpfern wieder.
Fred landet genau in dem Moment in einem Wikinger-Dorf genau, als der herrschende Jarl in einer Seeschlacht gefallen ist. Nun ist die Frage, ob sich dessen Sohn Ivar als Nachfolger durchsetzen kann. Fred und Ivar freunden sich an.
Fast ein Jahr verbringt Fred bei den Nordmännern und lernt durch Ivar und die Dorfbewohner das ganz normale Leben kennen, das die Menschen damals neben den Raubzügen führten. Er erfährt, was es mit Odin, Rán und Loki auf sich hat, welche Rolle die Seherin spielt … und muss schließlich einen Weg zurück in seine Zeit finden, um nicht auf ewig bei den Wikingern bleiben zu müssen.

Fundiert recherchiert

Und mit dem, was Fred so alles erfährt, lernt auch die Leserschaft. Denn genau wie die überaus akkurat und exzellent recherchierten Hörspiele ist auch diese gedruckte Ausgabe der Geschichte ein wahrer Schatz an fundiertem Wissen über die Wikinger. Neben der abenteuerlichen und packenden Geschichte ergänzen nämlich erklärende Sachtexte die Welt der Wikinger, ihre Lebensart, ihre Bestattungsriten, ihren Schiffbau, wie sie beispielsweise Taue, Segel und Waffen herstellten. Ein Glossar erläutert die wichtigsten Fachbegriffe sowie die Aussprache des Altnordischen und gibt Anregungen, welche Wikingerorte man in den nächsten Ferien besichtigen kann, um vor Ort diese Kultur weiter zu erforschen.

Liebevoll gemacht

So sorgsam, wie Birge Tetzner den Inhalt aufbereitet und verständlich gemacht hat, so liebevoll ist die Ausstattung dieses Buches: dickes champagnerfarbenes Papier, Hardcover mit Prägedruck, Lesebändchen. Dazu die zahlreichen Illustrationen von Karl Uhlenbrock. Die erzählenden Bilder sind in gedeckten, manchmal düsteren Farben gehalten, voller Dynamik, manchmal fast ein bisschen gruselig, mit wilden Kriegern. Sie allen füttern die Fantasie und machen die Geschichte noch lebendiger. Daneben gibt es zudem noch erklärende Illustrationen, die die Sachtexte begleiten und beispielsweise archäologische Fundstücke zeigen. Das Lesen und Schauen wird hier auf jeden Fall nicht langweilig.

Wem also das Hörspiel zu kurzweilig war, der kann hier ausgiebig weiterschmökern.
Da wünscht man sich, dass auch die anderen sechs Fred-Abenteuer möglichst bald in Buchform vorliegen…

Birge Tetzner: Fred bei den Wikingern, Illustration: Karl Uhlenbrock, ultramar media, 2019, 208 Seiten, ab 9, 22 Euro

Wissengefülltes Archäologie-Abenteuer

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In meiner frühen Schulzeit gab es bei uns das – für mich – schöne Ritual zum Mittagessen eine Schallplatte aufzulegen und den Geschichten von Heidi, Peter und der Wolf oder Jules Vernes In 80 Tagen um die Welt zu lauschen. Damals hat sich wohl meine Leidenschaft für Hörbucher und das professionelle Vorgelesen-Bekommen entwickelt.

Eine aktuelle und überaus gelungene Hörspiel-Reihe ist mir nun mit Fred quasi auf der vergangenen Frankfurter Buchmesse über den Weg gelaufen. In der neuesten Geschichte – Fred bei den Maya – reist der etwa 12-jährige Held mit seinem Großvater durch Mittelamerika auf den Spuren der Maya. Sie besteigen den Tempel der Masken, um von dort die aufgehende Sonne zu erleben. Ganz nebenbei erzählt der Großvater so einiges von der untergegangenen Kultur der Maya.
Fred ist fasziniert – und als die beiden auf der Rücktour durch eine Reifenpanne an ihrem Bus im Busch liegen bleiben, passiert mit dem Jungen etwas ganz Besonderes: Er hat nämlich die Fähigkeit durch die Zeit zu „fallen“. Als er mit seinem Hund während der Wartezeit durch den Urwald streift und eine zugewachsene Ruine findet, durchschreitet er ein Tor und landet in der klassischen Zeit der Maya (ca. 900 n. Chr.).
Er begegnet dem Mädchen Xkik‘, der Tochter des Königs von Tikal. Sie will ihren Vater aus der Gefangenschaft der Jaguarkrieger befreien … und Fred wird ihr dabei helfen.

Die Geschichte ist so fesselnd, dass ich sie in einem Rutsch durchhören musste. Und dann gleich noch einmal, denn neben dem reinen Abenteuer-Plot sind hier äußerst geschickt jede Menge historische und kulturelle Informationen über die Maya, ihre Zeit, ihr Leben, ihren Glauben und ihre Riten eingewoben. Die kann man unmöglich beim ersten Hören sofort behalten, aber genau das macht für mich den Reiz eines Hörbuches oder Hörspiels aus, nämlich, dass man bei jedem Hören wieder etwas Neues entdeckt.

Hinzu kommt bei dieser Produktion von Ultramar, dass sich nicht nur einfach die Sprecher im Dialog abwechseln, sondern dass im Hintergrund atmosphärische Klänge und Geräusche einen echten Urwaldteppich weben. Da kreischen die Vögel, da faucht der Jaguar, ständig raschelt es im Dickicht. Das ist so toll gemacht, dass man – schließt man zwischendrin mal die Augen – diesen mittelamerikanischen Regenwald, die Tempel und Maya-Städte richtig vor sich sieht. Die hervorragenden Sprecher tun ihr Übriges, dass ich mich als Hörerin richtig gut unterhalten gefühlt habe.

Wie viel Wissen, Recherche und Mühe Autorin und Produzentin Birge Tetzner in diese Geschichte gesteckt hat, merkt man als Erwachsener bereits beim Hören. Sie zeigen sich darüber hinaus aber auch in einem kleinen Booklet, das vollgestopft ist mit Fakten, einem Glossar zu den wichtigsten Begriffen, einer Anleitung für die Aussprache von Maya-Worten und einer Zeittafel. Dieses Gesamtpaket aus Fantasie, Abenteuer, Spannung, knackevoll mit wertvollem Wissen um vergangenen Kulturen ist einfach grandios!

Fast muss man warnen: Fred macht süchtig nach mehr!
Doch zum Glück umfasst die Fred-Reihe bereits sieben archäologische Abenteuer, die ihre großen und kleinen Hörer zu den Skythen, den Wikingern, zu Nofretete oder nach Pergamom entführt. Hier wird man rein vom Zuhören schlauer!

Birge Tetzner: Fred bei den Maya. Der Aufstand der Jaguarkrieger, Hörspiel, Sprecher: Andreas Fröhlich, Jürgen Thormann, Ultramar Media, 2016, 79 Minuten, ab 9, 13,90 Euro

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